Alte Bahnstrecken erleben Renaissance

In Mittelsachsen sind nach der Wende viele Trassen stillgelegt worden. Im Rückblick ein Fehler, wie Politiker finden. Sie fordern daher, künftig mehr auf die Schiene zu setzen.

Freiberg/Rochlitz.

Als der letzte Zug den Rochlitzer Bahnhof im Juni 2001 verließ, war es das Ende für einen einst wichtigen Verkehrsknotenpunkt mit drei Eisenbahnstrecken. Während die Trasse Richtung Waldheim zum Radweg umgebaut wird, soll der Abschnitt der Muldentalbahn zwischen Rochlitz und Großbothen reaktiviert werden. Das ist nicht nur Wille von Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos), sondern auch der Landesregierung. Es findet sich eine entsprechende Passage im Koalitionsvertrag.

Nun kommt unverhofft Schützenhilfe aus den Reihen der Linken. Die Partei kritisiert, dass nach der Wende mehr als 20 Prozent der Schienenwege stillgelegt wurden, darunter allein in Mittelsachsen neun Strecken mit einer Gesamtlänge von 150 Kilometern. "Die Bewohner im ländlichen Raum fühlen sich verkehrstechnisch abgehängt und das zurecht", so Linken-Landtagsabgeordnete Marika Tändler-Walenta. Die Roßweinerin fordert daher "den Ausbau und die Reaktivierung vorhandener Schienenwege".

Das hört OB Dehne gerne. "Wir freuen uns, wenn sich nun auch die Linke dafür einsetzt", sagt er. "Wir sind aber weit über eine Bestandsanalyse hinaus." In dieser Woche steht ein Treffen mit den Streckeneigentümer an. Und mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen soll in Kürze in einem Schriftstück fixiert werden, dass, sobald die Trasse saniert ist, der Verbund den Verkehr bestellt.

Auch Steve Ittershagen kämpft seit Jahren für eine Wiederbelebung von Strecken. Ein Herzensanliegen ist dem früheren CDU-Landespolitiker und jetzigen ehrenamtlichen Vize-OB von Freiberg, der Lückenschluss der Linie Holzhau-Moldava. Zudem bezeichnet Ittershagen die Strecke Döbeln-Meißen, deren Reaktivierung mehrere Akteure forcieren, als wichtig für die Region. Was ihn aber stört: "Ich vermisse die große politische Handschrift." Die Thematik sei ins Hintertreffen geraten -auch, wenn dies aktuell verständlich wäre. Zugleich kritisiert er die Linke. "Schon zu DDR-Zeiten sind Strecken stillgelegt worden, etwa nach Halsbrücke." Und das Aus etlicher Linien nach der Wende liegt laut ihm nicht allein an geringen Fahrgastzahlen. Zu DDR-Zeiten habe die Reichsbahn die Instandhaltung sträflich vernachlässigt.

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