Zeit mit Familie und Freunden genossen

Seit vier Jahren lebt die Lunzenauerin Jule Sinda im fernen Tansania. Den Sommer hat sie mit Mann und Tochter in ihrer Heimat verbracht. An die Rückkehr denkt die Familie mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Lunzenau.

Die einjährige Clara spielt versunken mit einer gelben Gummi-Ente, macht ab und ein paar noch wackelige Schritte zum Tisch, um dort von einer Maiswaffel zu naschen. "Die mag sie gern. Noch lieber hat sie aber Erdbeeren, die gibt es bei uns nicht", sagt ihre Mutter Jule Sinda. Bei uns - das ist in Tansania, das die 29-jährige Lunzenauerin heute als ihre zweite Heimat bezeichnet.

Im September 2014 war sie als Krankenschwester in das afrikanische Land gegangen. Sie arbeitete in der kleinen Stadt Singida in einer Krankenstation, aufgebaut von der Organisation LahvA - Love and help for Africa. Das heißt übersetzte: Liebe und Hilfe für Afrika - und genau das sind die Gründe, die die junge Frau auf den Kontinent ziehen. Gleich nach dem Abitur ging sie für ein Jahr nach Uganda, um als Volontärin eines Missionswerkes in Waisenhäusern, Kindergärten und Grundschulen zu helfen. Die Liebe zu Afrika zog ausgebildete Krankenschwester dann immer wieder auf den Kontinent, seit 2014 lebt sie bis auf wenige kurze Besuche in Deutschland dort. Denn sie hat in Tansania mit Joseph Sinda auch den Mann ihres Lebens gefunden und geheiratet. 2017 wurden die beiden Eltern. Die kleine Familie war nun den Sommer über in Deutschland zu Besuch.

"Wir haben die Zeit vor allem genutzt, um mit der Familie und mit Freunden zusammen zu sein. Auch einen Urlaub in Berchtesgaden haben wir zusammen gemacht, uns Chemnitz, Dresden und Leipzig angeschaut und viele andere Dinge mehr", erzählt Jule Sinda.

Nach einem kurzem Besuch über Weihnachten und den Jahreswechsel 2015/2016 war es für den 30-jährigen Joseph der erste längere Aufenthalt in Deutschland. Ja, es gefalle ihm hier, sagt er. Das Zusammensein mit der Familie sei sehr schön und was er vom Land gesehen habe ebenfalls. Anders als in seiner Heimat Tansania seien aber die Preise für die Dinge des täglichen Bedarfs und vor allem für den öffentlichen Verkehr vergleichsweise sehr hoch, ist ihm aufgefallen. Und noch etwas hat er entdeckt: "Ich esse gern Salami. In unserer Küche gibt es zwar auch Fleischgerichte, aber solche Wurst nicht", erklärt er in Englisch.

In dieser Sprache unterhalten sich auch die Eheleute. Joseph hat das in der Schule, aber vor allem bei seinen Aufenthalten bei Missionen und der Arbeit in einer Krankenstation in Sambia gelernt. Unterdessen spricht Jule, wie sie sagt, gut für den Alltagsgebrauch die Landessprache Suaheli. So kommt es, dass die kleine Clara täglich von drei Sprachen umgeben ist: Der Vater spricht Suaheli mit ihr, ihre Mutter Deutsch und die beiden miteinander Englisch. "Mal schauen, ob sie so mal alle Sprachen lernt", sagt Jule Sinda.

Inzwischen denkt das glückliche Trio mit einem weinenden und einem lachenden Auge wieder an die Rückkehr Mitte September nach Tansania. "Die Familie um mich zu haben, ist sehr schön. Aber ich freue mich auch auf unser Zuhause und unsere Freunde dort", sagt die junge Frau. Ihre Eltern Ute und André Goetz haben Verständnis für ihr Kind, mögen deren Mann und sind vernarrt in die Kleine. "Nach ihrer Geburt haben wir uns extra ein Tablet und ein Smartphone angeschafft, sodass wir besser und öfter in Kontakt sind. Und wir bekommen ja auch viele Fotos", sagt Ute Goetz. Insgesamt stehen sie hinter der Entscheidung ihrer Tochter. "Wir sind davon überzeugt, dass sie dort ihren Platz gefunden hat und ihr Leben ausgefüllt ist", sagen sie.

Während ihres Aufenthaltes haben Jule und Joseph auch Mitarbeiter von LahvA getroffen. Denn Jule möchte gern wieder in der Krankenstation in Singida arbeiten. "Das wird wohl demnächst möglich sein. Aber nur halbtags, denn wir müssen uns ja um Clara kümmern und so Einrichtungen wie Kindergärten gibt es in Tansania nicht", sagt die junge Mutter. Joseph indes wird den bereits angefangenen Bau von Sofas wahrscheinlich nicht mehr fortführen. "Ein Freund wollte mitmachen, er hat sich aber zurückgezogen. Deshalb werden ich etwas anderes tun", sagt er. Ihm schwebe ein Geschäft für gebrauchte Sachen vor. Eine andere Aufgabe, an der er beteiligt war, ist beendet: Der Bau eines Missionshauses in Singida. Dort finden Straßenjungen, die nicht bei ihren Familien leben können, eine Unterkunft. "Die ersten wohnen schon dort", freuen sich Joseph und Jule.

Auf die Frage, ob sie mit ihrer kleinen Familien nach Deutschland zurückkehren oder in Tansania bleiben wird, sagt Jule Sinda zunächst: "Das ist schwierig zu beantworten." Nach nur kurzem Überlegen kommt aber entschlossen: "In der näheren Zukunft bleiben wir auf alle Fälle in Tansania."

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