Zettlitz hofft auf eine Grundschule

Volle Klassen in Rochlitz für die Jüngsten zwingen die Stadtverwaltung schon länger zur Suche nach Alternativen. Die bietet die Gemeinde Zettlitz an.

Rochlitz/Zettlitz.

Warum einen Abriss planen, wenn in der Nachbarstadt der Platz für Grundschüler immer knapper wird? Das fragt sich derzeit Bürgermeister Steffen Dathe (parteilos). Die Gemeinde bietet der Stadt das leerstehende Quergebäude der einstigen Mittelschule im Gebäudekomplex An der Kirche für die Einrichtung einer Grundschule an.

Laut dem Gemeindechef hat die Immobilie genau das, was den Rochlitzern derzeit fehlt: jede Menge Platz. Und nicht nur das, sagt Dathe. "Wir verfügen nur wenige Meter entfernt über eine Turnhalle, in der kürzlich der Fußboden komplett erneuert wurde. Und zum Areal gehört neben einem gut ausgebauten Schulhof auch ein Sportplatz." Das Schulgebäude selbst verfüge über sechs Klassenzimmer, einen Werkraum und Räume für die Lehrer. Die Bausubstanz sei in Ordnung. Dennoch müsste an Dach, Fenstern und Heizung etwas passieren. "Aber statt abzureißen, könnten wir sinnvoll sanieren und das gesamte Areal neu nutzen."


Hintergrund der Überlegungen: Derzeit plant die Gemeinde die Umnutzung von drei Gebäuden im Komplex An der Kirche im Ortszentrum. Parallel dazu steht aber auch der Abriss eines seit Jahren leerstehenden Traktes, der einst zur Mittelschule gehörte, zur Debatte. Doch mit dem Abriss sind nicht alle Mitglieder des bisherigen Gemeinderates einverstanden. "Abgerissen ist schnell, doch das könnte uns Jahre später leid tun", sagte Joachim Günther (Wählervereinigung Feuerwehren) kürzlich.

Auslöser, die einstige Mittelschule für eine neue Nutzung überhaupt wieder ins Spiel zu bringen, ist die Auslastung der Rochlitzer Regenbogen-Grundschule, wo die Anzahl der Schüler seit geraumer Zeit die Kapazitätsgrenze erreicht. "Die Belegung bewegt sich auf gleichbleibend hohem Niveau", sagte der Rochlitzer Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos). Bislang seien die Klassenstufen dreizügig gewesen, tendenziell rechne die Stadt mit der Einschulung von je vier ersten Klassen. Nach Lösungen suche man schon länger, überlege beispielsweise, ob ein Neubau oder Anbauten an das jetzige Gebäude möglich sind. "Auch gegenüber Wechselburg haben wir Gesprächsbereitschaft signalisiert", so Dehne.

Grundsätzlich, so der OB, wäre Zettlitz als Standort eine Option, wenn auch nicht die einzige. Doch zunächst müsse man sich in einem nächsten Schritt mit dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) in Verbindung setzen. Wie der OB bei der Sitzung des Stadtrates am Dienstag sagte, gebe es dafür bereits einen Termin in der kommenden Woche.

Zettlitz könne in jeder Hinsicht nur profitieren, hält der Zettlitzer Bürgermeister fest. "Hätten wir wieder eine Grundschule, würde das die Gemeinde und überhaupt den ländlichen Raum ungemein beleben."

Das letzte Mal sei in der Zettlitzer Grundschule im Jahr 2001 unterrichtet worden. Und an dem Umzug der Förderschule "Wilhelm Pfeffer" nach Rochlitz im vergangenen Jahr trage die Gemeinde noch heute schwer. Der lebhafte Austausch zwischen Schule und Gemeinde fehle spürbar.

Das Landratsamtes reagiert vorsichtig. "Grundsätzlich steht der Landkreis den Aktivitäten und Bemühungen offen gegenüber", so Sprecher André Kaiser. Jedoch sei die Behörde für das Ansinnen nicht der Entscheidungsträger. Bekannt sei, so Kaiser weiter, dass die Stadt Rochlitz Grundschüler in den kommenden Jahren vierzügig werde einschulen müssen. Für die bedarfsgerechte Sicherstellung der Unterrichtsbedingungen sei die Stadt aber selbst verantwortlich.

Beim Lasub kennt man die Idee für eine Zettlitzer Grundschule noch nicht, wie Sprecher Lutz Steinert erklärte. Deshalb könne seine Behörde zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Einschätzung treffen. "Letztendlich entscheidet das Kultusministerium", so Steinert. Zugleich müsste der Schulnetzplan beachtet werden.


Kommentar: Zurückaufs Land

Den Zettlitzern wäre es zu gönnen, gelänge der kühne Plan, im Ort wieder eine Grundschule aufzumachen. Volle Klassen, gerade in den unteren Stufen, sind weder für Kinder noch Lehrer angenehm. Und dass Zettlitz gerade für die Jüngsten über viel Charme verfügt, wissen Eltern, die ihren Nachwuchs in der Kita "Sonneschein" gleich neben dem leer stehenden Schulgebäude betreuen lassen. Diese Einrichtung mit fast 100 Prozent Auslastung ist beliebt - weit über Zettlitzer Grenzen hinaus. Und noch etwas spräche für einen Zettlitzer Schulstandort: Für die Gemeinde war der Umzug der Förderschule "Wilhelm-Pfeffer" bitter. Das Gros der Einwohner reagiert noch heute verständnislos. Wieder eine Schule im Ort zu haben, könnte den Groll der Zettlitzer über die Entscheider dämpfen. Und nicht zuletzt wäre es die viel zitierte Belebung ländlichen Raumes.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...