Zettlitz hofft auf spürbare Belebung des ländlichen Raums

In diesem Jahr soll viel in die Gemeinde investiert werden. Doch mit Blick auf schwindende Einwohnerzahlen ringt der Ort um den Erhalt der Eigenständigkeit.

Zettlitz.

Geht es nach Bürgermeister und Gemeinderat in Zettlitz, könnte in die Neuordnung des Gebäudekomplexes An der Kirche in diesem Jahr endlich Bewegung geraten. Die Zustimmung der sächsischen Landeskirche vorausgesetzt, gehört die einstige Kirchschule im Ortszentrum jetzt der Gemeinde Zettlitz. "An sich wollten wir für die Sanierung der Räume das Programm 'Vitale Dorfkerne' anzapfen, mussten jedoch die Verhandlungen abwarten", beschreibt der Gemeindechef den Prozess, der sich über etwa drei Jahre erstreckte. In diesem Jahr soll nun neu angesetzt werden.

Doch zunächst wartet die Gemeinde auf den Baustart, um die Ortsteile Ceesewitz, Kralapp und Rüx mit schnellem Internet zu versorgen. "Noch fehlt uns ein Signal von 'Inexio', wann es losgeht", so Dathe. Der Telekommunikationsanbieter habe als einziges Unternehmen ein Gebot abgegeben.

Zuversichtlich sieht Dathe dem Umbau rund um die Kita "Sonnenschein" entgegen. Ziel ist es, der Einrichtung das gesamte Gebäude zu überlassen. Investiert werden sollen rund 278.000 Euro. Geld steckt die Gemeinde auch in den Brandschutz. Dathe sieht gute Chancen, den geplanten Bau einer Zisterne in Hermsdorf in diesem Jahr durchzuziehen. Die soll einmal 150.000 Liter Löschwasser fassen.

Wenn 2020 außerdem noch die Sanierung der Kreisstraße, die durch Zettlitz führt, nach vielen Jahren des Wartens zustande käme, wären Bürgermeister und Gemeinderat beinahe zufrieden. Was Dathe jedoch umtreibt, sind die sinkenden Bevölkerungszahlen. Der Gemeindechef sorgt sich um den Erhalt der Eigenständigkeit. Belief sich Anfang 2015 die Anzahl der Zettlitzer auf 755, registrierte die Stadtverwaltung Rochlitz in Verwaltungshoheit Ende vergangenen Jahres nur noch 698 Einwohner. "Unsere größte Herausforderung ist die Frage, wie dieser Schwund zu stoppen ist."

Den nahezu überstrapazierten Slogan von der Stärkung des ländlichen Raumes sieht der Hermsdorfer differenziert. "Den sollte man zuallererst einmal genau definieren. Das sind doch wir hier als Dörfler." Ihn ärgert, dass sich auch größere Städte das Etikett anhefteten. Wobei die doch über eine Infrastruktur verfügten, von der man in den kleinen Landgemeinden nur träumen könne. Steffen Dathe wünscht sich weniger hemmende Bürokratie. Und mehr Entscheidungsbefugnis. "Dass es geht, bewies die Offensive des Freistaates zur Stärkung des ländlichen Raumes. Mit einem Teil der Zuwendungen konnten wir zügig den Fußboden unserer Turnhalle sanieren." Die unkomplizierte Handhabung sei gut angekommen.

Worauf sich der Zettlitzer Gemeindechef freut, ist der "Anschluss an die Zivilisation" im Brunnendorf Rüx. Gemeint ist die Installation einer Trinkwasserleitung. "Die Planung des Wasserversorgers ist weit fortgeschritten. Und ich hoffe, dass es dieses Jahr losgeht und Kralapp zeitnah auch angeschlossen wird."

Was ihm jedoch Kopfzerbrechen bereitet, ist das Gebäude der Förderschule, das seit dem Umzug der Schüler nach Rochlitz leer steht. Hoffnung hat Dathe auch: auf eine Fortschreibung von Programmen zur Belebung der Dörfer. Damit ließe sich vieles bewegen. Und deshalb bleibe er optimistisch.


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