Zu Holz, Klang und Spiel gesellt sich Licht

In einer Sonderausstellung werden derzeit auf der Rochsburg Produkte gezeigt, die im Landkreis hergestellt werden. Die Palette reicht von A wie Aqua-Peeling bis Z wie Zelte. Die "Freie Presse" stellt die Macher hinter den regionalen Stücken vor. Heute: Rainer Härtel, der in seiner Firma in Seelitz Holzspielzeug fertigt.

Seelitz.

Ein kleiner Junge, drei oder vier Jahre alt, sitzt in der Tischlerei seiner Eltern und klebt andächtig kleine Holzstücke zusammen. "Das Holz fühlte sich gut an und es hat mich fasziniert, wie etwas aus den Klötzen entsteht. Dazu der Geruch des Leims. Den habe ich noch immer in der Nase", sagt Rainer Härtel. Diese Faszination hat ihn nicht losgelassen. Heute ist der 57-Jährige Geschäftsführer der Firma Holz Klang & Spiel, die ihr Domizil im kleinen Seelitzer Ortsteil Döhlen hat. Was dort produziert wird, liefert Härtel nicht nur deutschlandweit aus, sondern auch an Kunden in Europa sowie nach Asien.

Der Firmenname ist Programm: Alles, was Härtel und seine drei Mitarbeiter sowie ein Lehrling herstellen, ist aus Holz, es klingt und Kinder können damit spielen - mehr noch: spielend lernen. 2001 hat der Rochlitzer den Betrieb in seiner Heimatstadt aufgebaut. Seit 2013 hat die Firma ihren Sitz in Döhlen. Mehrere hundert Wandspiele - mit Kugeln, mit Klang, zum Schieben, Dominos und mehr - stellt er im Jahr her. Dazu kommen Brettspiele, Spielmöbel, Sitzecken und Raumteiler.

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Begonnen hat er mit Kletterelementen, an denen die Kinder ihren Gleichgewichtssinn üben können und die zudem auf vielfältige Weise umbaubar sind, zum Beispiel zu einer Rutsche. Hinzu kam das Thema Klang. "Ich wollte Töne erlebbar machen", sagt er und zeigt auf einen "Klang-Igel". Der hat verschiedene "Borsten", also Holzstäbe. Je nachdem, ob die vorbeirollenden Kugeln auf eine lange oder kurze "Borste" treffen, entsteht ein anderer Klang. Härtel begann dann, diese und weitere Installationen so zu konstruieren, dass sie hängen können. Geboren waren die Wandspiele. "Das sind zum Beispiel geometrische Figuren oder Konstruktionen, an denen man die Umsetzung von Bewegung sieht", sagt Härtel. In seiner Werkstatt kann man sehen, was gemeint ist: Ein Boot gleitet auf Wellen, wenn jemand an einem Steuerrad darunter dreht. "Kinder lernen so, dass eine Drehbewegung in eine horizontale umgewandelt werden kann. Zugleich schult das die Auge-Hand-Koordination", erklärt Härtel.

Ebenfalls in seiner Werkstatt entstehen Spielecken, oft in Form von Fahrzeugen. Da ist zum Beispiel ein blauer Bus - selbstverständlich aus Holz, einfach und funktional gestaltet. Kinder können eine Menge mit ihm erleben: die Fahrt in den Urlaub mit den Eltern, selbst durch eine Fantasielandschaft düsen, das tägliche Zur-Schule-Kommen mit Mitschülern nachspielen. Der Bus hat Platz für Gepäck und auch einen Tisch zum Malen oder für ein Picknick, kann aber auch einfach ein Rückzugsort sein - je nachdem für was er in Kindergärten oder Schulen eingesetzt wird. Denn das sind die Hauptabnehmer der ideenreichen Produkte von Rainer Härtel. Der gelernte Holzgestalter und Tischlermeister hat inzwischen Geschäftsverbindungen bis nach Asien, wo er unter anderem nach Japan liefert.

"Man muss an Spielzeug spielerisch herangehen. Sonst kommt man nicht auf neue Ideen. Und das Tüfteln macht mir natürlich Spaß, ich hab schon immer gern gespielt", erklärt Härtel, wie er die Aufträge seiner Kunden umsetzt. Und man solle nicht aufgeben, wenn etwas nicht gleich beim ersten Mal klappt. "Das gibt es ohnehin fast nie. Nur durch Misserfolge kommt man letztlich zum Erfolg", sagt der Gestalter, der in seiner Frau seine beste Beraterin sieht. "Sie ist Erzieherin. Über Neues diskutieren wir. Sie hinterfragt, ob und welchen Nutzen es hat, ob es begeistert und für welche Altersgruppe es geeignet ist", erzählt Härtel.

Mehrmals hat er seine Kreationen bereits auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg ausgestellt. Seine neueste Kreation nimmt einen weiteren Sinn in den Reigen der Spiele auf: das Sehen. Durch das Bewegen von Stäben kann man in der Light-Matrix Licht in vielen unterschiedlichen Farben erzeugen, so einfach der Fantasie seinen Lauf, Muster entstehen lassen oder "Vier gewinnt" spielen. Ob als schlichtes Rechteck, Regenbogen oder Sonne - die Licht-Matrix erhält laut Härtel die Form nach Kundenwunsch.

Dass er bei "Made in Mittelsachsen" auf der Rochsburg vertreten ist, freut Härtel. "Viele wissen gar nicht, was im Kreis alles hergestellt wird. Ich habe selbst gestaunt über die große Vielfalt", sagt er. Die Schau, so Härtel, sei gut aufgebaut und stelle heraus, welch qualitativ hochwertigen Produkte auch aus dem ländlichen Raum kommen "und was es für zukunftsweisende Ideen gibt".

Die Ausstellung "Lieblingsstücke - Fahrrad, Filzschuh, Feuerwerk" ist bis zum Sonntag, 24. März auf Schloss Rochsburg zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 16 Uhr (außer montags). Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Alle bisher erschienenen Beiträge der Serie "Made in Mittelsachsen" können Sie im Internet lesen. www.freiepresse.de/produktschau

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