Vorm Bahnhof fehlt es noch am Grün

Die neu gestaltete Schnittstelle für Bus und Bahn ist fast fertig. Doch erst im Herbst gibt es einen Grund zum Feiern.

Mittweida.

Es ist eines der größten Bauprojekte der Stadt Mittweida in den vergangenen Jahren: die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Die im September 2016 begonnene Umgestaltung, die Fahrgästen einen komfortableren Übergang vom Stadtbus zur City-Bahn nach Chemnitz bietet, ist im Wesentlichen abgeschlossen. Doch mit der Einweihung wartet die Verwaltung. Denn erst im Sommer werden die Aufträge zur Gestaltung von Grünflächen auf dem Areal vergeben. Was fertig ist: Die Arbeiten an Straßen und Wegen auf dem Platz vor dem Bahnhof einschließlich der Erneuerung von Teilen der Zufahrten auf der Goethestraße und der Straße Am Bahnhof sind beendet. Erneuert wurden rund 270 Meter Straße und Fußwege. Vor dem Bahnhofsgebäude ist ein Wendekreis sowie die neue, überdachte Bushaltestelle entstanden. Pendler können 70 neue Parkplätze (Park and Ride) kostenfrei nutzen (teils sind sie noch mit Baustelleneinrichtung belegt). Angelegt wurden sie auf dem insgesamt rund 2000 Quadratmeter großen Platz vor der Giebelseite des Bahnhofs. Bauamtsleiter Sebastian Killisch sieht vor allem für Fahrgäste von Bussen einen Vorteil: Sie hätten einen kurzen Weg von der Haltestelle zum Bahnsteig. Autofahrer fänden geordnete Verhältnisse auf dem Parkplatz vor. Fußwege seien keine Stolperfallen mehr, der Straßenbelag kein Mix aus Pflaster und Asphalt. Eine niedrigere Bordstein-Höhe an der Haltestelle ermögliche ein bequemeres Ein- und Aussteigen. Für eine Bewertung ist es laut Henning Schmidt von Regiobus Mittelsachsen noch zu früh. Doch der Zustand von Haltestelle, Straßen und Fußwegen habe sich schon deutlich verbessert. Was noch zu tun ist: Eine Baustelle bleibt auf dem rund 2800 Quadratmeter großen Platz vor der Längsseite des Bahnhofs. Da soll die Grünfläche mit Wegen gestaltet werden. Am neuen Brunnen, der das aus DDR-Zeiten stammende Betonbecken ersetzen soll, wird es laut Killisch ein Wiedersehen mit alten Bekannten geben: An der Stelle standen Kranich-Skulpturen, die auf Wunsch von Bürgern und Stadträten wieder aufgestellt werden sollen. Allein für den Landschaftsbau rechnet die Stadt mit Kosten von rund 340.000 Euro. Weitere 81.000 Euro sollen für die Toilettenanlage im Bahnhof ausgegeben werden. Es soll künftig einen neuen Zugang von außen an der Längsseite geben, eine Hälfte der Toilettenanlage werde nur von innen zugänglich sein. Auch eine separate Toilette für Busfahrer ist vorgesehen. Was es kostet: Nach aktuellem Stand rechnet die Stadt mit Kosten von rund zwei Millionen Euro für die Arbeiten am Bahnhofsvorplatz, einschließlich der Trockenlegung des Bahnhofsgebäudes. Hinzu kommen noch Kosten für die Grünanlagen und Brunnen. Der Anteil an Fördermitteln liegt bei rund 75 Prozent.


"Freie Presse"-Umfrage: Schön gestaltet - doch für Autofahrer nicht optimal

Marcel Belz aus Mittweida pendelt jeden Tag mit dem Zug zwischen seiner Heimatstadt und seiner Arbeitsstelle in Chemnitz. Ihm gefällt die neue Gestaltung des Bahnhofs-

geländes. Bei der Bushaltestelle befürchtet er aber, dass die Passagiere schnell nass werden könnten: "Stürme, Regen und Schnee kommen meist aus Nordwesten oder Norden, da schützt das neue Dach nicht besonders gut." Die Reisenden müssten sich dann ins Bahnhofsgebäude flüchten. Die Verbindung von Bus und Bahn seien ebenfalls noch verbesserungsbedürftig, findet der 34-Jährige. "Die Fahrzeiten sind teilweise so knapp getaktet, dass ich mit dem Bus meine Bahn beinahe verpasse", sagt der Mittweidaer.

Cynthia Reuter aus Chemnitz findet, dass die neue Haltestelle sowohl ästhetisch, als auch praktisch alle Bedürfnisse erfüllt. "Es sieht viel besser aus als vorher", findet die 20-jährige Hochschulstudentin. Die Bahnfahrerin ist eher selten mit dem Bus unterwegs, und auch auf das Auto sei sie nicht angewiesen.

Harry Prenzel fährt immer wieder mit dem Auto zum Bahnhof in Mittweida, um dort in den Zug umzusteigen. Der 84-jährige Rochlitzer lobt die gute Verbindung von Zug und Auto: "Die City-Bahn ist ein moderner Zug, damit bin ich sehr schnell in Chemnitz." Er kaufe seine Fahrkarte meist im Zug. Außerdem gefällt ihm, dass er im Bahnhof auch Tickets für Fernbusse erwerben kann. Er lobt auch die Ästhetik der Bushaltestelle. Nur mit den Parkplätzen ist der 84-Jährige noch nicht zufrieden: "Eine Stunde Parkzeit reicht nicht aus, wenn ich nach Chemnitz fahre", sagt er und macht einen Verbesserungsvorschlag: "Hinter den Gleisen ist eine große Wiese. Da gibt es genügend Platz für neue Stellflächen."

Ursel Helbig wohnt in Altmittweida. Von dort reist die 77-Jährige häufig mit dem Zug an. Dann steigt sie auch hin und wieder in den Bus um. Das funktioniere einwandfrei. "Die Verbindung ist gut, da kann ich nicht meckern", sagt sie. Auch der Vorplatz sei inzwischen schön gestaltet. (jreb)

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