Mountainbiker sauen sich mit Freude ein

Der Marathon ist wegen Corona eine Premiere gewesen. Schlamm, Regen und Kälte bremsten die Euphorie der Starter aber keineswegs. Im Gegenteil.

Breitenbrunn.

Sogar die Spitzen ihrer langen Haare haben Dreckspritzer abbekommen. Doch die ruinierte Frisur interessierte Lisa Handloik am Sonnabend kein Stück. Freudestrahlend erreichte die Bitterfelderin das Ziel. "Es war klasse", sagte die 22-Jährige, die zu den ungefähr 100 Startern beim dreiteiligen Mountainbike-Marathon mit Berg-, Einzel- und Duo-Rennen auf dem Rabenberg gehörte.

Denn in Breitenbrunn stieg von Freitag bis Sonntag der erste Rad-Wettstreit seit Corona. Das lockte sogar Fernsehteams an. Für ihr Debüt nutzte ihn Lisa Handloik im Einzelrennen über 50 Kilometer bergauf und bergab, das die Schnellsten in zwei Stunden abspulten. Die Zeit war für sie Nebensache. "Ich bin erst Ende 2019 eingestiegen und habe mich das erste Mal mit anderen gemessen. Super", schwärmte sie. Das miese Wetter und die schlammige Querfeldein-Piste störten sie kaum. "Der erste Spritzer ist der schlimmste, dann spürt man das nicht mehr", so die junge Frau, die wie alle anderen von oben bis unten eingesaut war. Bei einigen Trials, die als eine Art Prüfungen besonderes Fahrgeschick erfordern, habe sie sich noch überwinden müssen. "Adrenalin ist auf jeden Fall im Spiel. Zum Beispiel, wenn das Hinterrad plötzlich wegrutscht." Dennoch sei sie auf dem gemieteten Profi-Bike sturzfrei geblieben. "Und das zählt."

Jenny Steudtner vom Team Henka indes hat viel zu verlieren. Die Stollbergerin ist amtierende Sachsenmeisterin. "Und das will ich bleiben", erklärt die 28-Jährige. Mit dem Sieg bei den Frauen in 3:12 Stunden gelang der Einstieg in den Wettbewerbsmodus. "Ich habe mit 4000 so viele Trainingskilometer wie noch nie geschafft und fühle mich topfit", so die zahnmedizinische Fachangestellte, die zügig aus den nassen Klamotten schlüpfte. "Ganz schön kalt, wenn man nicht strampelt." Ihrem vierköpfigen Team bescherte der Sieg eine Kiste Bier. Dass ihre Sportart immer mehr Anhänger findet, freue sie sehr. "Ich starte in der näheren Umgebung bis Leipzig und Dresden 10- bis 15-mal im Jahr." Auf dem Rabenberg war es ihr Debüt. "Tolle Strecken und gute Organisation", lobte die Gewinnerin.

Jubeln durften auch Lennart Lein aus Schwarzenberg als schnellster Junior sowie Sandy Schott vom Team Krampf aus Zschopau, die in der Kategorie Masters weiblich siegte. Als Letzter der Klasse Masters 1 und mit Hungerast beendete Benjamin Großstück das Rennen. "Aber es war gut. Tolle Strecke, super Trails mit vielen Wurzeln und steilen Abfahrten", so der Ingenieur aus Chemnitz, der das Essen vernachlässigte. "Daher geriet ich ins Hintertreffen", gestand der 34-Jährige, der sich im Ziel mit Fleischsalat-Bemme und Obst stärkte. Platz 7 unter den Duos ging ans Vater-Sohn-Gespann Mathias und Tobias Henke. Der zwölfjährige Sprössling gehörte zu den Jüngsten, da es keine separaten Schülerklassen gab. "Wende, Westgeld, Mountainbike", umschrieb der Papa seinen Weg aufs Rad. "Das ist 30 Jahre her und Tobi inzwischen genauso begeistert wie ich", so der Dresdener. Zügig durchfahren und kraftvoll in die Pedale treten - so gingen es beide an. "Auf dem Rabenberg sind wir halb zuhause, kennen die Routen fast aus dem Effeff."


"Wir freuen uns, dass wir es durchziehen konnten"

David Lippmann gehört zu den Initi-atoren des MTB-Marathons auf dem Rabenberg. Über die besondere Auflage sprach Reporterin Anna Neef mit ihm.

Es läuft trotz aller Auflagen und miesem Wetter, oder?

David Lippmann (lacht): Ja, aber man ist irgendwie immer einer zu wenig. Ansonsten freuen wir uns riesig, dass wir unseren Wettbewerb durchziehen durften. Und den Teilnehmern geht es sicher ähnlich. Auch der neue Startmodus in mehreren Blöcken, um den Abstand zu wahren, hat funktioniert.

Der Stresspegel war höher als voriges Jahr zur Premiere. Warum?

Vor allem, weil wir unsere Streckenmarkierungen kurz vor dem Start neu anbringen mussten. Sie waren über Nacht von Unbekannten abgerissen, zerschnitten oder entfernt worden. Ärgerlich. Aber kein Beinbruch. Wir konnten dennoch pünktlich starten.

Keiner hat sich verfahren?

Nein. Alle sind dreckig und voller Schlamm - aber glücklich.

Mit der Starterzahl zufrieden?

Nein, sie liegt klar unter den Erwartungen. Doch das ist der Situation geschuldet, weil lange offen war, wann und ob es wieder losgeht. Es läuft nur schleppend an, bei anderen auch. Es braucht eben Zeit.

Sie haben den Termin vorgezogen, damit kommende Woche der Sachsentrail steigen kann. War das organisatorisch ein Problem?

Nein, obwohl es recht kurzfristig kam. Wie auch die Genehmigung selbst. Wir sind im Kern 15 Leute, die diese drei Tage stemmen. Es hat gepasst und geklappt.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.