Mountainbiker wehren sich gegen Kritik von Sachsenforst

Jugendliche reagieren auf die jüngst geäußerte Kritik der Landesbehörde an ihrem Sport. Zudem organisieren sie sich und gehören jetzt zum Stollberger Skiverein, der sich wiederum zu einem Dachverband für viele Sportgruppen aufstellt. Warum?

Stollberg.

Der Skiverein Stollberg hat einen neue Sparte. Neben den Tennisspielern sind nun seit kurzer Zeit offiziell auch die Mountainbiker dabei. "Wir wollen eben auch vielen Sportlern eine Plattform bieten, sich richtig zu organisieren", sagt Vorsitzender Christian Neumann. Derzeit habe der Skiverein etwa 80 Mitglieder, schon ein halbes Dutzend davon seien die Extremradler. "Es können auch gerne noch andere Leute mit anderen Sportarten kommen", so Neumann. Damit werde der Skihang nahe des Pionierparks nicht mehr nur im Winter regelmäßig genutzt. Auch mit Grasski-Fahrern bestehen ja schon enge Kontakte.

Dass die Mountainbiker nun einen Verein im Rücken haben, findet der Jugendkoordinator der Stadt Stollberg, Andreas Kramer, gut. Damit werde der Skihang besser angenommen, es bestünden zudem Kontakte zum MSC Thalheim und es seien auch Trainer mit Trainerschein im Verein. Die Jugendlichen hätten zudem eine zentrale und gute Anlaufstelle. "Kurz: Das Gemeinschaftsgefühl wird im Verein gestärkt", sagt er.

Dieses Angebot passt wiederum thematisch in eine Debatte, die jüngst vom Staatlichen Sachsenforst losgetreten worden ist. Die Behörde klagte über immer mehr Bikerfahrer, die mit Spezialrädern jenseits der erlaubten Wege auf abschüssigen Hängen im Wald Pisten präparieren und diese dann abfahren. Dies aber sei verboten, weil die Böden erodieren, Wurzeln massiv beschädigen und so an den Bäumen Fäulnis und Pilze verursachen würden. Auch Jungbäume würden einfach umgefahren. Als Ordnungswidrigkeit könne nicht nur das Fahren auf den Pfaden/Trails oder querwaldein, sondern eben auch die Anlage von Sprunghügeln, Schanzen, Steilkurven, Steinbetten, Schotterstrecken oder anderen künstlich geschaffenen Hindernissen mit Bußgeld bis zu 2500 Euro geahndet werden.

Da schüttelt Erik Fickelscheer mit dem Kopf. Er ist einer der Biker, die im Skiverein Mitglied sind und vertritt stellvertretend für alle eine ganz andere Meinung zu den Vorwürfen des Sachsenforstes. "Wir Biker sind keine rücksichtslose und wilde Gruppe von Extremsportlern. Der Mountainbike-Sport ist in Deutschland ein Breitensport aller Altersklassen und sozialen Schichten." Fickelscheer sagt, dass die massive Schädigung des Waldes durch Radfahrer ein altes und falsches Argument sei. Gegenbeispiele seien Rennstrecken, die pro Saison von mehreren zehntausend Bikern genutzt würden.

"Besonders hervorzuheben mit Bezug auf Wurzelschädigungen - eines der Hauptargumente - sind offizielle Bikeparks, die aber meist weit weg sind, etwa in Schöneck. Die angelegten Downhillstrecken bestehen zu großen Teilen aus durchgängigen Wurzelfeldern. Schäden oder gar Tod der Vegetation an der Strecke kann jedoch auch hier trotz der extrem intensiven Nutzung schlicht nicht festgestellt werden", so der Bikesportler weiter. Im Vergleich zur wirtschaftlichen Waldnutzung und der damit verbundenen Waldschädigung durch tonnenschwere Maschinen, müsse sich der Sachsenforst eingestehen, dass in der Regel 50 Zentimeter breite natürliche Pfade von Mountainbikern keinen nennenswerten negativen Einfluss auf den Zustand eines Waldgebietes haben können, so Fickelscheer.

Jugendkoordinator Andreas Kramer sagt, das dieses Thema auch im Verein angesprochen werden muss - und angesprochen wird. Der Sachsenforst sei mit seiner Veröffentlichung auf viel Unverständnis und Kritik bei den Jugendlichen gestoßen. "Wir müssen also darüber reden."

Fickelscheer sieht das auch so - vor allem aber in Richtung Sachsenforst. "Bemerkenswert ist ja, dass weder Politik noch Forst gerade in Anbetracht der Vielzahl der in letzter Zeit angeblich offengelegten Strecken den akuten Bedarf an einem legalen und attraktiven Streckennetz erkennen. Die Rede ist immer nur von einem absoluten Verbot, jedoch ohne dabei eine Lösung für alle in Aussicht zu stellen."

1Kommentare

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    Pixelghost
    10.06.2020

    Und was sagen BUND und NABU dazu? Ich kann es mir denken.