Musikerlebnis in charmanter Atmosphäre

Das Debüt der Turmkonzerte in Augustusburg war für Künstler und Publikum gleichermaßen ein Genuss - akustisch und optisch.

Augustusburg.

Noch zehn Minuten bis zum Konzert. Das mulmige Gefühl des jungen Hornisten wächst. Was ist, wenn der böige Wind die Noten wegbläst? Wenn der Einsatz, so ganz ohne Dirigenten, nicht klappt? Wenn das Mundstück vom Horn nach unten fällt? Immerhin liegen zwischen Musiker und dem Erdboden ungefähr 40 Meter. Doch mit den ersten Tönen von "Lützows wilde Jagd" ist die Aufregung bei Daniel Schimmer sprichwörtlich wie weggeblasen.

Sieben Blechbläser der Jungen Philharmonie Augustusburg bildeten den Auftakt der Konzertreihe "Töne von Herzen für die Welt", die bis zum 3. Oktober jeden Sonnabend vom Turm der Augustusburger Stadtkirche St. Petri und/oder dem Trompeterstuhl des Schlosses stattfindet. Das Debüt war gleichermaßen für Künstler und etwa 270 Zuhörer, die zwischen Kirche und Schloss der Musik lauschten, ein akustisches wie optisches Erlebnis. Die Musiker der Waldhörner vom Kirchturm und der Trompeten vom Schloss spielten abwechselnd 12 Melodien in einer Entfernung von 200 Metern Luftlinie. "Es war eine tolle Erfahrung für mich und ich bin glücklich, wie gut alles geklappt hat", sagte der 19-jährige Daniel Schimmer erleichtert nach seinem Auftritt. Der Dresdner, der an der Hochschule für Musik in Weimar studiert, hat das Augustusburger Publikum in guter Erinnerung. Im vergangenen Jahr wurde er bei den Premierenkonzerten der Jungen Philharmonie Augustusburg mit besonderem Beifall bedacht.

Am Sonnabend erklangen bekannte Stücke wie "O Täler weit o Höhen", "Leise zieht durch mein Gemüt" sowie "Im Frühtau zu Berge", was manche der Zuhörer zum Mitsummen ermutigte. Die Liegestühle an der Schlosslinde luden zum Verweilen in der Abendsonne ein. Die andächtige Stille der Konzertbesucher während und der herzliche Applaus nach jedem Kurzstück verdeutlicht, dass das Konzept von Pascal Kaufmann, dem Initiator der Reihe, eine gelungene Alternative zu den ursprünglich geplanten Musiksommerkonzerten ist.

Davon waren auch Dieter (66) und Kristina (65) Härtel überzeugt. Das Ehepaar wohnt in Dittersbach bei Amtsberg und hatte erst am Morgen die Ankündigung in der "Freien Presse" gelesen. "Besonders die Verbindung zwischen der Musik mit der schönen Aussicht auf die Natur ist eine echte Bereicherung für uns. Es zeigt, dass aus der derzeitigen negativen Situation heraus etwas ganz Einmaliges entstehen kann", schwärmten beide und wollen auf jeden Fall wiederkommen. Der Chemnitzer Bastian Franik (28) war mit seiner Bekannten zufällig auf dem Schloss: "Die charmante, historische Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Überrascht hat mich die subtile und unverstärkte Klangverteilung."

Vorschau Am 13. Juni wird es innerhalb der Augustusburger Turmkonzerte "Tiefes Blech im Quartett" geben. Unter Leitung von Robert Pfretzschner erklingt Musik von Barock bis Swing für Posaune und Basstuba. Beginn an der Stadtkirche St. Petri in Augustusburg ist 18 Uhr mit einer Dauer von 30 Minuten. Der Eintritt ist frei. www.augustusburger-musiksommer.de

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