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Chemie-Tarifverhandlungen für 585.000 Beschäftigte gestartet vom 03.02.2026

Nach ergebnislosen regionalen Gesprächen geht die Chemieindustrie in die bundesweite Tarifrunde. Gewerkschaft und Arbeitgeber starten mit klar gegensätzlichen Erwartungen in die Verhandlungen.

Hannover.

In Hannover haben die bundesweiten Tarifverhandlungen für die rund 585.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie begonnen. In einem Hotel am Flughafen kamen Vertreter der Gewerkschaft IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) zum zweitägigen Verhandlungsauftakt zusammen. 

Während die Arbeitgeberseite Lohnzurückhaltung fordert, will die Gewerkschaft mit höheren Entgelten die Kaufkraft stärken. "Wir haben ja nicht nur Unternehmen, denen es schlecht geht und die Schwierigkeiten haben", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich zu Verhandlungsauftakt. "Wir haben auch eine ganze Menge Unternehmen drin, denen es gut geht." Und in der Tarifrunde gehe es nun darum, die Branche in der gesamten Breite abzubilden.

Keine prozentuale Lohnforderung

Gerade beim Einkommen gebe es Nachholbedarf, so Heinrich. "Wir haben gute Tarifabschlüsse in den letzten Jahren gehabt, aber die hohe Inflation der letzten Jahre hat an den Portemonnaies der Kolleginnen und Kollegen geknabbert", sagte Heinrich. Hier gebe es eine Lücke von fünf Prozent, die es zu schließen gelte. Auf eine prozentuale Lohnforderung hat die Gewerkschaft bundesweit verzichtet.

Als zweiten Schwerpunkt setzt die IG BCE auf eine Sicherung der Arbeitsplätze. "Deswegen muss es darum gehen, ein Tarifergebnis zu erzielen, was der breiten Branche gerecht wird, aber vor allen Dingen für die Kolleginnen und Kollegen auch eine Zukunftsvision ausstrahlt." Lohnverzichte halte er dabei für den falschen Weg. Das werde keinen Arbeitsplatz retten oder sichern, sagte Heinrich.

Arbeitgeber "tarifpolitische Atempause"

BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk verwies dagegen auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Branche. "In allen unseren Segmenten stellen wir erhebliche strukturelle wirtschaftliche Schwierigkeiten fest", sagte er. "Aufgrund der schwierigsten Situationen, in der sich unsere Branche befindet, fordern wir eine tarifpolitische Atempause." Ob dies eine Null- oder gar Minusrunde bedeuten würde, wollte Bürk auf Nachfrage nicht näher ausführen. 

Die Branche produziere heute 20 Prozent weniger als noch 2018, zahle aber deutlich höhere Tariflöhne, sagte Bürk. "Wir können uns weitere Kostensteigerungen nicht leisten, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche weiter verschlechtern würden. Es geht jetzt darum, die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Und Kostensteigerungen helfen dabei nicht."

Nächster Termin bereits vereinbart

Beide Seiten zeigten sich zum Verhandlungsauftakt kompromissbereit. Bei der Einschätzung der Lage liege man recht nah beieinander, sagte Arbeitgebervertreter Bürk. Jetzt gelte es, dies "in entsprechende tarifliche Regelungen zu überführen". IGBCE-Mann Heinrich zeigte sich zuversichtlich, dass beide Seiten "auf einer Gesprächs-Ebene zusammenkommen" könnten. "Und dann werden wir sehen, was die erste Runde bringt."

Im Januar hatte es bereits regionale Tarifgespräche gegeben, die aber erwartungsgemäß ohne Ergebnis geblieben waren. Sollte es in Hannover nun zu keiner Einigung kommen, so wurde bereits der nächste Verhandlungstermin vereinbart: Am 23. und 24. Februar sollen die Gespräche dann in Wiesbaden fortgesetzt werden. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende Februar aus.

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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