30 Jahre Einheit - letzter DDR-Außenminister kritisiert Jammertum und Überheblichkeit

Markus Meckel war 1989 der Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR und saß mit am Runden Tisch. Nach der ersten freien Wahl in der DDR verhandelte der frühere Pfarrer als Außenminister die Deutsche Einheit mit. Seine Bilanz nach 30 Jahren ist mahnend und ernüchternd zugleich.

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2424 Kommentare
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  • 1
    1
    Interessierte
    02.10.2020

    Gestern sprach einer von einem karnevaleskem Treiben , das war gut getroffen .

  • 4
    0
    Nixnuzz
    02.10.2020

    @censor: Sie haben gerade den Lebensweg meiner Mutter beschrieben...1grüner. Die Grundmauern der Auffangbaracken standen noch neben der Giesserei, in der ich mein Praktikum absolvierte.

  • 6
    0
    Haju
    01.10.2020

    @censor
    Da muß ich mich auch mal einbringen. Meine Tante erzählte, daß unter den Katholiken Westpreußens (haben vorher übrigens richtig gewählt - wenn alle so gewählt hätten..) und ihren "Parallelgesellschaften" niemand nach dem Krieg verhungert ist (also meist alte, gebrechliche Leute ohne Anhang) - das gab es nur bei anderen .

  • 7
    1
    censor
    01.10.2020

    Nixnuzz und Malleo - ich muss mich mal in die Vertriebenen-Diskussion mit einbringen. Ich bin in der Nachkriegszeit geboren und kann mich erinnern, dass die Vertriebenen zunächst in Holzbaracken hausten (diese standen noch bis in die 70er Jahre und wurden irgendwann abgerissen). Viele kamen in zwangsweise "Einquartierung" oder später in Mietwohnungen unter und bildeten oft kleine Parallelgesellschaften - schon wegen ihres meist katholischen Glaubens.

    Die Kinder integrierten sich schnell, spielten mit uns, aber die alten Frauen mit ihren schwarzen Kopftüchern waren uns Kindern manchmal unheimlich.

    Es war für beide Seiten nicht einfach - die einen hatten Heimat UND Hab und Gut verloren, die anderen waren zT ausgebombt, hatten aber ihre Heimat noch.

    Da gab es auch unschöne Dinge, zB. die hässliche Bezeichnung der Vertriebenen als "Rucksackdeutsche" - und das gegenüber Landsleuten.

    Aber wir haben auch diese schlimme Übergangszeit überwunden, und heute spielt es keine Rolle mehr, ob (Ur)Oma und (Ur)Opa als Kinder aus Ostpreußen oder Schlesien fliehen mussten - höchstens, wenn sie ihre Erlebnisse erzählen - was man gar nicht oft genug tun kann, denn es sind die letzten Zeugen dieser Zeit.

  • 2
    1
    Nixnuzz
    01.10.2020

    @Malleo: Kein Widerspruch. Warum sollte ich da anders darüber in aller Freundlichkeit reden und deren westliche wie östliche Arbeits- und Lebensleistung "herunter machen"?? Mir ging es um das "Wir" diesseits und jenseits des heutigen grünen Bandes. Von mir werden Sie keine Herabsetzung der Bevölkerung des damaligen "Arbeiter und Bauernstaates" bzw. seiner heutigen Bewohner hören. Ausser wenn Sie der "bessere Deutsche" sein wollen...Einseitigkeit als Lebensphilosphie - muss das sein? Die heutige Weltwirtschaft hinterläst überall hässliche Spuren - nicht ausschlieslich in Mittel-/Ostdeutschland.

  • 5
    0
    klapa
    01.10.2020

    Natürlich meine ich nicht den Untergang des deutschen Volkes.

    Aber der Staat als politische Organisaton wohl doch - ob Kaiserreich, Drittes Reich oder DDR

  • 7
    1
    Malleo
    01.10.2020

    Nixx
    Halten Sie sich nicht zurück.
    Auch in Mitteldeutschland blieben Menschen aus Ostpreußen,Pommern oder Schlesien und packten mit an.
    Stellen Sie sich das vor.
    Und sie beschwerten sich nicht über die "Unterkünfte" , die ihnen zugewiesen wurden.

  • 3
    1
    Nixnuzz
    01.10.2020

    @Malleo: Ich hatte mich nur an der früheren Sprachregelung für die Vertriebenen im Westen orientiert?? Diese entwurzelten Menschen waren mein Umfeld. Das waren die "Ausländer" und "Vertriebenen" denen via alliierter Besatzungsverwaltung Wohnungen oder Lebensräume gegenüber den Einheimischen zugewiesen wurden. Von anderen Benennungen für die Flüchtlinge aus dem ferneren Osten sehe ich mal ab.

  • 4
    2
    Malleo
    01.10.2020

    nix
    Ihre infame Beschreibung jener Binnenvertriebenen aus deutschen Gebieten ist einfach nur erschreckend.

  • 7
    2
    Malleo
    01.10.2020

    klapa
    Stalin: "Die Hitler kommen und gehen aber Deutschland bleibt bestehen."
    Er kannte Merkels Politik nicht.

  • 2
    1
    Haju
    01.10.2020

    @klapa
    Sehe ich genauso: nicht Deutschland wird untergehen, wie manche "Verschwörungstheoretiker" jetzt befürchten, sondern nur eine gewisse politische Strömung.

  • 4
    1
    klapa
    01.10.2020

    Es bleibt festzuhalten: Nicht die DDR ist untergegangen, sondern das kommunistische Regime.

    'Das Kriegsende bedeutete das Ende des nationalsozialistischen Regimes. Aber der deutsche Staat ging nicht unter.'

    - https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/ist-das-deutsche-reich-nie-untergegangen-14530954.html

    Sehr eigenartige Geschichtsauffasung.

  • 1
    4
    Nixnuzz
    01.10.2020

    Keine Ahnung welche Propaganda all die Jahre bis zur "Wende" intensiver und desinformativer war. Sogesehen gab es bis zur Wende in der Welt nur 2 deutsche Staaten - losgelöst von allem Großmachtgehabe und Wirtschaftsentwicklung umliegender Weltmächte. Soweit mein Westgedächtnis noch nicht ganz verfallen ist, kam doch ein Mr. Churchill aus Jalta zurück und nannte Genosse Stalin als den größten Dekorateur der Nachkriegszeit. Es wurde doch dieser Eiserne Vorhang aufgehängt und genutzt, um das vor neugierigen Blicken zu schützen, was dahinter sich noch lange abspielte. Neben der Angst, das restliches braunes Gedankengut im Westen zu neuer Blüte sich entwickeln würde - was es im kleinen auch tat und in homöopathischen Dosen weiter durch die Republik wabert - war die Wirkung von Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg noch gut in Erinnerung. Erste Informationen aus der damaligen SBZ bestätigten dies. Es war die Frage: Lassen wir den uns zugeschusterten westdeutschen Teil zur Wüste verdorren und selber auf nutzlosem rausgeholtem Kriegsschrott sitzen oder sollen diese Menschen ihren "Mist" selbst zum Nutzen einer Weltwirtschaft kontrolliert auf-/mitarbeiten? Keine Ahnung, wann das beschränkende Trizonen-Reiseverbot aufgehoben wurde. Mit dem Einsetzen von Industrieproduktion und verbundenem Behausungsaufbau mit ausländischer Geldunterstützung ging es irgendwie aufwärts. Altes Militärgelände wurde z.B. aus der brit. Verwaltung an das Land überstellt und z.T. an in Löchern hausende Pommern oder Oberschlesiern übertragen, damit die ihre Kleingehöfte - Wohnhaus-Waschkaue-Ziegenstal plus Wiesen-/Gartenfläche - aufbauen konnten. Dauerte so bis in die 70er Jahre. Es war der Stolz dieser Leute, nach dem Verlust an Menschen und Hab und Gut in der Kalten Heimat zwar innerlich damit noch verbunden und gelegentlich in den "revanschistischen Vertriebenenvereinen" diesen Verlust zu beklagen aber eine erneute Rückwanderung nicht mehr anzustreben. Die Vermischung - fraternisierung - mit den Ursprungseinheimischen sei es beruflich oder familiär verminderte diesen Schmerz. Stolz, das jetziger Hände Arbeit etwas zuwege brachte. Das Reisen über die Staatsgrenzen mit einem grünen Reisepass mit harter, akzeptierter Währung ohne Fremdnationenzulassungsstempel ging. Ok - Grenzkontrollstempel zierten die Reiseziele im Pass. Man akzeptierte auch die neuen Gräber in "fremder Erde" neben den Alteinheimischen. Traurig aber es war in Ordnung. Schade, das nur noch hier eine deutsche stolze Republik in diesem Europa gibt...

  • 11
    3
    j35r99
    30.09.2020

    Wenn ich diese Überschrift lese, kommen mir bittere Erinnerungen wieder.
    Tausende Menschen wurden arbeitslos. Es gab keine Perspektive für viele. Die Suizidrate stieg stark an. In Karl-Marx-Stadt/Chemnitz entstanden die sog. Zenti-Kids. Das waren aus der Bahn geworfene Kinder/Jugenliche, wo das Elternhaus auf Grund Arbeitslosigkeit zerrüttet, durch Alkohol und anschließende Gewalt zerstört wurde.
    Die Pfarrer, wie Meckel, Eppelmann, Eggert u.a. wechselten damals sofort die Seiten
    und hatten mit der Wende keine Probleme.

  • 11
    2
    j35r99
    30.09.2020

    Meckel,Eppelmann, Eggert u.a., alles Pastoren/Pfarrer. Sie haben nur das Glück, ihren Chef erst nach dem Tode kennen zu lernen.

  • 7
    2
    Freigeist14
    30.09.2020

    censor@ Danke für Ihre Ausführungen . Diese werden gern bei "History "& Co . weggelassen . Darüber hinaus war die Stalin-Note von 1952 eines vereinigten ,neutralen Deutschlands ernst gemeint . Das zu leugnen gehört zur Geschichtsschreibung der "Sieger " .

  • 10
    4
    Freigeist14
    30.09.2020

    Meckel : Ein Kronzeuge für das (falsche) Versprechen , die NATO nicht nach Osten auszudehnen . Der Westen wollte nicht aufhören zu siegen .

  • 7
    3
    Malleo
    30.09.2020

    censor
    "Die Regulierung von Sprache, Themen, Meinungen sind wie Stacheldraht im Gehirn."
    B.B.
    Sie hat in die Glaskugel geschaut!
    Merkt man hier jeden Tag.

  • 8
    2
    Malleo
    30.09.2020

    censor
    ..Danke.
    Wir sind wieder da angekommen.
    Aber..
    " Gedanken, die richtig sind, können auf Dauer nicht niedergelogen werden."
    O.v. B.

  • 13
    2
    censor
    30.09.2020

    Malleo - ja, und BB hat auch noch etwas anderes gesagt (zur Überwachung der Bürger durch den Staat):

    „Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“ (1991)

  • 13
    8
    Malleo
    30.09.2020

    censor
    ....Fehlende Bürgerrechtler in der Politik....
    Ein Satz mag das erklären:
    "Wir wollten Demokratie und bekamen den Rechtsstaat"
    B. Bohley

  • 13
    6
    censor
    30.09.2020

    @DTRFC2005
    "Meiner Ansicht nach, war es nie der Plan Deutschland in Ost und West zu teilen"

    Zumindest von Seiten der SU war das zutreffend, denn Stalin bot bereits im März 1953 die Wiedervereinigung an - allerdings unter der Bedingung, dass das vereinte Deutschland (wie Österreich) militärisch neutral bleibt.

    Adenauer lehnte das ab, angeblich mit den Worten: Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutshcland halb. - Er befürchtete im Wahljahr 1953 einen Verlust der absoluten Mehrheit der CDU.

    1955 trat die BRD der Nato bei - und erst dann bildete sich der Warschauer Pakt als Antwort darauf. Die NATO, die sich "Verteidigungspakt" nannte, war also Aggressor und Ursache für die milit. Blockbildung.

    Nicht auszudenken, was uns allen erspart geblieben wäre, hätte Adenauer damals
    zugestimmt. DDR-Aufstand am 17.Juni, Mauerbau - alles wäre unterblieben.

    Im Übrigen war es nicht im Interesse der BRD und des Westens, dass die DDR in irgendeiner Form wirtschaftlich auf die Beine kommt.

    Seit 1945 behinderte der Westen die SBZ, wo es ging. Reparationen an die SU zahlten wir allein. Der Westen hatte das ERP (Marshallplan).

    Der Westen führte 1948 die D-Mark ein. Der Osten blieb auf der wertlosen R-Mark sitzen und musste nachziehen. Die DDR-Mark (damals MDN) wurde im Westen nie gehandelt, sondern stand unter Embargo. Die Berlinblockade war die Antwort der Russen auf die Währungsreform in den Westzonen.

    Die BRD gründete sich im Mai 1949 - die DDR zog im Oktober nach.

    Immer war es der Westen, der die Eskalation und Spaltung tiefer trieb.

    Man sieht also, bei diesen Behinderungen und Sanktionen seitens des Westens war es ein kleines Wunder, dass die DDR überhaupt die Kriegsschäden halbwegs beseitigen und den Menschen wieder ein wenig Wohlstand (wenn auch nicht annähernd mit dem Westen vergleichbar) bieten konnte.

    Und das Wirtschaftswunder des Westens war letztlich auch nur ein politisches Schaustück , um die Vorzüge des Kapitalismus zu präsentieren. Ohne das Geld der USA hätte es die Westbevölkerung (bei allem Willen zum Wiederaufbau, der sicher dem der Ostbevölkerung gleichkam) genauso schwer gehabt.

    Nach alledem bin ich der Meinung, dass der Westen die Teilung nicht nur wollte, sie sogar zementierte, denn außer medienwirksamer Propaganda tat er nichts dagegen. Der Westen brauchte den Osten als "warnendes Beispiel vor dem Sozialismus".

    Selbst beim Mauerbau mauerte Adenauer, indem er das ganze Wochenende den toten Mann spielte - was ihn 1961 bei den BTW die absolute Mehrheit kostete.

  • 14
    6
    DTRFC2005
    30.09.2020

    @censor:Wie Sie wissen, gehe ich nicht mit all Ihren Kommentaren mit, doch diesmal haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen, gleichwohl ich meine, daß ist vorsichtige kratzen an der Oberfläche. Meiner Ansicht nach, war es nie der Plan Deutschland in Ost und West zu teilen und ich vermute, der Westen hat von Anfang an am Ostdeutschen Ast gesägt, wohl wissend und gewollt. Das die DDR nicht wirklich umsetzen konnte, was ursprünglich an schönen Ideen für die Bürger gedacht war, hatten sicherlich einige vorausgeahnt. Ich möchte Geschichtlich nicht weiterfabulieren, da es wenig Sinn macht. Ich kann nur jedem raten, sein Potenzial so gut wie er es vermag zu nutzen, für sich und für die Gesellschaft, und zwar so, daß unsere Kinder und Enkel eine Zukunft haben, eine die nicht auf Neid, Egoismus und Hass aufbaut.

  • 26
    12
    censor
    30.09.2020

    "Es wurde damals kein Friedensvertrag abgeschlossen, weil man einen solchen Vertrag mit allen Staaten hätte abschließen müssen, mit denen sich Deutschland vor mehr als vier Jahrzehnten im Krieg befunden hatte - über 50 Staaten."

    Da haben wir die Bestätigung einer Tatsache, über die gerade kürzlich wieder heiß diskutiert wurde.

    Auch die sowjetischen Bedenken hinsichtlich der NATO waren, im Nachhinein betrachtet, nicht unbegründet, denn die vergrößerte BRD wurde bzw blieb Bestandteil des westlichen Mächtesystems, das dadurch sogar seinen Machtbereich vergrößerte.

    Insofern ist es widersprüchlich zu behaupten, mit dem 2+4Vertrag sei die Nachrkiegsordnung abschließend beseitigt worden. Es wurde lediglich die Sowjetunion daraus entfernt - und folgerichtig löste sie sich ja auch bald darauf selbst auf und gab den gesamten Ostblock frei.

    Meckel spricht eine Menge Themen an, auf die es sich sonst noch einzugehen lohnt.

    Er kritisiert ostdeutsches "Jammertum", nachdem die DDR-Bürger "aufrecht" in die Einheit gegangen sind. Ja, das sind sie, und gleich danach wurde dem Großteil die Würde genommen, indem man nicht nur ihre Existenz zerstörte, sondern gleich noch die Erwerbsbiografien mit entwertete. Ich höre es noch, das westdeutsche Narrativ, wir müssten "erstmal arbeiten lernen".

    Es gab sogar Denkansätze der Kohlregierung, den Osten künftig über die Sozialsysteme zu alimentieren, d.h., die Industrie gar nicht wieder aufzubauen. Das konnte sich zum Glück nicht ganz durchsetzen, aber immerhin teilweise.

    Was gemeinhin als Ossi-Jammertum bezeichnet wird, ist wohl eher Ausdruck einer mehr als berechtigten Benachteiligung, die sich schon durch die gewaltige Vermögensumverteilung im Zuge der Wende belegen lässt. (mdr-Doku"Wem gehört der Osten?"

    Diese Ungerechtigkeiten sind es, die auch heute noch viele Ossis mit der Einheit hadern lassen. Es wurde zu vieles versäumt. Und eine Teilschuld daran tragen auch Politiker wie M. Meckel - die ob ihrer Unerfahrenheit von den westdeutschen Berufspolitikern gnadenlos ausgebootet wurden. (man könnte auch sagen: über den Tisch gezogen)

    Die SPD "West" spielte 1990 eine recht zwiespältige Rolle im Einigungsprozess.
    Die Gründung einer DDR-SPD passte den West-Sozen nicht, und sie verhinderten via Namensschutz, dass sich die Ossis "SPD" nennen durften. Daher der Name "SDP".

    Der damalige Kanzlerkandidat Lafontaine zweifelte die Bezahlbarkeit der Einheit an (wo er recht hatte), aber die SPD als Partei zweifelte auch an der Einheit selbst. Sie hatte sich mit der Zweistaatenlösung längst abgefunden und trat ihr ziemlich gespalten gegenüber. Das haben die Ossis gespürt.

    Sie wählten die Parteien, "wo das Geld sitzt"- die CDU und die FDP, die 1990 auch ganz ordentliche Ergebnisse hatte.

    Was ich am bedauerlichsten finde, ist die Tatsache, dass so wenige der damaligen Bürgerrechtler in der Politik festen Fuß fassen konnten. Sie haben die schwere Vorarbeit geleistet, die Wende vorbereitet und geleitet - um danach in der Versenkung zu verschwinden, weil die Berufspolitiker ihnen das Heft aus der Hand nahmen - und sie es sich nehmen ließen.

    Und schlussendlich: die DDR war kein "kommunistisches Regime". Sie war ein "entwickeltes sozialistisches System." Kommunismus hätte komplette Gleichheit mit faktischer Klassenlosigkeit der Gesellschaft bedeutet, in der alle Produktionsmittel vergesellschaftet sind und nach dem Prinzip gewirtschaftet wird:"Jeder nach seinen Möglichkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen".

    Das ist es wohl, was den politischen Artefakten der DDR-Führung heute noch (oder wieder) vorschwebt, aber ihnen sei gesagt: Kommunismus bleibt für immer eine Utopie, denn das menschliche Individuum ist dafür nicht geeignet. Und das ist gut so.