AfD-Chef Meuthen liebäugelt mit der Brexit-Partei

Sollte sich die neue Brexit-Partei der Fraktion von Salvini und Meuthen anschließen, würde der Block der Rechten wohl deutlich anschwellen. Doch ob es so kommt, ist offen. Und wie lange werden die Briten überhaupt noch in der EU bleiben?

Berlin (dpa) - Die geplante neue Fraktion der Rechtsnationalen und Populisten im Europäischen Parlament sieht in ihren Reihen noch Platz für die Brexit-Partei von Nigel Farage.

AfD-Chef Jörg Meuthen sagte der Deutschen Presse-Agentur, welcher Fraktion sich diese neugegründete britische Partei anschließen werde, wisse er noch nicht. Er sehe aber «eine Basis für eine gute Zusammenarbeit» mit der Brexit-Partei.

Meuthen ist Spitzenkandidat der eurokritischen AfD für die Europawahl. Er hatte am vergangenen Wochenende in Mailand gemeinsam mit dem Chef der italienischen Lega, Matteo Salvini, und weiteren rechtsnationalen Kräften die Bildung einer Fraktion mit dem Namen «Bündnis Europäische Allianz der Völker und Nationen» angekündigt. Dieser sollen unter anderem auch die französische Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen und die österreichische FPÖ angehören.

Farages Partei führt in Großbritannien, wo bereits am heutigen Donnerstag gewählt wird, mit großem Abstand die Umfragen an. Eigentlich hätte Großbritannien die Staatengemeinschaft bereits Ende März verlassen sollen. Da das Parlament bisher das von Premierministerin Theresa May verhandelte Austrittsabkommen ablehnt, wurde die Frist für den EU-Austritt bis zum 31. Oktober verlängert.

«Das Chaos in Großbritannien ist zu einem Großteil dem ungeschickten Agieren von Frau May zuzuschreiben», sagte Meuthen. Er sei sicher, dass die Folgen des Brexits gar nicht so extrem ausfallen würden, wie von den Gegnern des Austritts behauptet.

Im Falle eines deutschen Austritts aus der EU wäre das anders. Dann wäre der Fortbestand der Union insgesamt infrage gestellt - aufgrund des hohen finanziellen Beitrags der Deutschen und aufgrund der geografischen Lage Deutschlands im Herzen Europas.

Das Wahlprogramm der AfD nennt den «Dexit» (den EU-Austritt Deutschlands) als Möglichkeit, sollte sich die Union nicht nach den Vorstellungen der Rechtspopulisten verändern. Die AfD will die europäische Integration zum Teil rückabwickeln.

Meuthen hatte nach dem Skandal um das Ibiza-Video mit dem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache betont, die AfD sehe ihre geplante Zusammenarbeit mit der FPÖ im Europäischen Parlament davon nicht berührt. Der AfD-Vorsitzende sagte, der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe in der Affäre «Fehler gemacht». Er sagte: «Es wäre gar nicht nötig gewesen, diese Regierung aufzulösen, die so erfolgreich gearbeitet hat».

Strache war als FPÖ-Parteichef und Vizekanzler zurückgetreten, nachdem «Spiegel» und «Süddeutsche Zeitung» am vergangenen Freitag ein heimlich gedrehtes Video aus dem Sommer 2017 veröffentlicht hatten. Es zeigt Strache, der mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte über eine Kooperation und möglicherweise illegale Parteispenden spricht.

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12Kommentare
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  • 2
    1
    Interessierte
    25.05.2019

    Heute bekämpft jeder jeden ...
    Denen liegt wohl auch etwas daran , dass ´sie` gewählt werden ...........
    https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/eu/id_85804194/europawahl-interview-mit-martin-sonneborn-die-dummen-waehlen-die-afd-.html?utm_source=pocket-newtab

  • 1
    1
    Nixnuzz
    25.05.2019

    ".. Die Wirtschaft funktioniert auch ohne den EU-kommunismus, .." Ja - da wär ich etwas vorsichtiger. Die nationalen Klein- und Mittelbetriebe mahnen gerade ihre Minderberücksichtigung an. Die Großkonzerne haben bessere Verbindungen zu den EU-Vertretern jeglicher Rats- und Kommisionsebene. Zusätzlich spielen z.B. die IATA oder die Seefrachtbauer etc. ein wenig bei den EU-Beschlüssen mit, was bei entsprechenden Aufträgen sich bis ins KMU-Sytem auswirkt. Von dem "Bundesdeutschen Bremspedal in Brüssel" ist doch genügend berichtet worden..

  • 7
    4
    Blackadder
    24.05.2019

    "Die Amis u.d China haben da eher Lächkrämpfe über uns."

    Das ist genau der Grund, warum die EU hier zusammenhalten muss, alleine schafft das keiner, das werden auch die Briten noch merken.

  • 8
    6
    Franziskamarcus
    24.05.2019

    Ja, die AfD hat noch kein entgültiges Rentenkonzept für die Zukunft. Der unaugegorene Quark der anderen mit Wahllockmitt und Bühnenshow ist weder Konzept nochnachhaltig.
    Und ach Gottchen, der einfache Herr macht sich Sorgen um die Wirtschaft. Geld kommt wohl doch nicht aus dem Automaten? Die Wirtschaft funktioniert auch ohne den EU-kommunismus, im übrigen bei der Wirtschaftsfreundlichen Politik zur Zeit brauch man sich um einen Verbund erstmal keine Gedanken machen. Die Amis u.d China haben da eher Lächkrämpfe über uns. Oder wollen sie denen mit der Wirtschaftsmacht Bulgarien, Slowakei oder Spanien drohen?

  • 7
    4
    SimpleMan
    23.05.2019

    @Blackadder Zu erkennen, dass die europäischen Ländern ohne einen gemeinsamen Wirtschaftsverbund zum Spielball der aktuellen wirtschaftlichen Supermächte USA und China werden, finde ich nicht komplex ;-)

  • 6
    7
    Blackadder
    23.05.2019

    @simplemind: Die AfD konnte sich bis heute nicht auf eine einheitliche Position zum Thema Rente einigen, so etwas schwieriges wie der Dexit ist einfach zu komplex.

  • 3
    3
    SimpleMan
    23.05.2019

    @Franziskamarcus "...Er hat immer die (unwahrscheinliche) möglichkeit eines Dexit genannt. ..." Wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Siehe hier:
    "...Darüberhinaus sei man bei der AfD "sehr überrascht" gewesen, sagt ein Sprecher, "dass wir dem Wahl-O-Mat zufolge zunächst eine Dexit-Positionierung hatten". ..." https://www.zdf.de/nachrichten/heute/wahlomat-europawahl-aenderung-afd-zdfcheck-100.html

  • 6
    5
    Franziskamarcus
    23.05.2019

    Nanana, Einfacher Mann, der Meuthen steht zu dieser Position schon immer so, da dreht sich gar nix. Er hat immer die (unwahrscheinliche) möglichkeit eines Dexit genannt.
    Die einzigen, die nicht berechenbar sind, ist Merkel mit gefolgschaft, heute hü und morgen hot. Blicken sie einfach mal zurück...
    DRF2025, sie vermischen Meuthens Ansicht über die folgen des Brexits mit den Verhandlungen der Engländer, für sich die beste Variante rauszuholen.
    Apfel mit Birnen, sie verstehen?

  • 6
    4
    SimpleMan
    23.05.2019

    Das ist gar nicht so leicht für Populisten, ständig sein Fähnchen nach dem Wind zu drehen. Erst für den Dexit, dann gegen den Dexit, jetzt erfährt die Brexit-Partei Zuspruch, dann ist der Dexit vielleicht doch nicht so schlecht.

  • 3
    6
    Zeitungss
    23.05.2019

    Auch der Herr ist in dieser Truppe unberechenbar, wem das nicht stört, sollte unbedingt sein Kreuzchen dort machen und geruhsam auf die Nachwehen warten.

  • 6
    7
    DTRFC2005
    23.05.2019

    Interessant, Herr Meuthen.sagt" Er sei sicher, dass die Folgen des Brexits gar nicht so extrem ausfallen würden, wie von den Gegnern des Austritts behauptet.". Dann frage ich mich, warum GB nicht schon längst ausgetreten ist und alles immer noch in der Luft hängt. Hat es vieleicht damit zu tun, das viele erkannt haben, das der Austritt weitreichende Konsequenzen nach sich zieht?

  • 6
    6
    Blackadder
    23.05.2019

    Sollte May wirklich morgen zurücktreten (was sehr wahrscheinlich ist) und sollte Boris Johnsson ihr Nachfolger werden (was weitaus weniger wahrschein ist, aber leider nicht unmöglich), dann wird GB wohl mit no-deal ausscheiden. Dann braucht Nigel Farage gar nicht erst nach Brüssel zu fahren.



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