AfD will verbal abrüsten: Keine Heimat für Rassisten

Die AfD fühlt sich zu Unrecht in die rechtsextreme Ecke gestellt. Dennoch sieht die Parteiführung jetzt die Notwendigkeit, einzugreifen. Um keine offene Flanke zu bieten, rufen die beiden Vorsitzenden die Mitglieder zur sprachlichen Deeskalation auf.

Berlin (dpa) - Nach den mutmaßlich rechtsextrem motivierten Anschlägen der vergangenen Monate ruft die AfD zur rhetorischen Mäßigung auf - die eigenen Mitglieder und politische Gegner.

Alle müssten verbal abrüsten - «auch wir haben uns manchmal in der Wortwahl vergriffen», sagte der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, am Montag in Berlin.

«Rechtspopulist» sei 2017 noch das gängige «Schimpfwort» für AfD-Politiker gewesen, heute würden diese schon als «Faschist oder Nazis» verunglimpft, kritisierte Parteichef Tino Chrupalla. Das sei falsch. Die AfD-Mitglieder müssten sich aber ihrerseits fragen, «warum es der politische Gegner so einfach hat, uns in diese Ecke zu stellen». Er wolle in seiner Partei einen Prozess der «Selbstreflexion» anstoßen, fügte er hinzu.

Chrupalla und Co-Chef Jörg Meuthen hatten am Sonntag in einem Schreiben an die Mitglieder festgestellt, die AfD sei gegründet worden, «weil wir unsere eigenen Grund- und Menschenrechte bedroht sehen». Dies bedeute im Umkehrschluss jedoch nicht, «dass wir anderen Menschen oder Völkern das Existenzrecht absprechen oder sie abschätzig behandeln». Wer sich rassistisch oder verächtlich über Ausländer und fremde Kulturen äußere, handele «ehrlos» und gegen die AfD.

Gauland bestritt eine Radikalisierung seiner Partei. Der Fraktionschef relativierte seine Äußerung aus der vergangenen Woche, als er den Attentäter von Hanau als geistig Verwirrten ohne politisches Motiv dargestellt hatte. Gauland sagte jetzt zu dem Mann, der neun Menschen mit ausländischen Wurzeln, seine Mutter und sich selbst getötet hatte: «Auch ein krankes Hirn kann eine rassistische Motivation haben.»

Der Hamburger AfD-Spitzenkandidat Dirk Nockemann betonte, «dass wir ein relativ hanseatischer und liberaler Landesverband sind». Man wolle auch in Zukunft eine «deutliche Sprache sprechen», aber auf drastische Rhetorik verzichten, die «unsere politischen Gegner gegen uns instrumentalisieren können». Nach vereinfachter Auszählung der für die Parteien auf den Landeslisten abgegebenen Stimmen entfielen bei der Wahl am Sonntag 5,3 Prozent auf die AfD.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    5
    ralf66
    24.02.2020

    @Distelblüte, hören Sie doch auf, dass ist doch sinnlos, nach Ihrer politischen Einstellung hätte sich mit der AfD eine Partei gründen müssen, die den Altparteien gleichkommt aber wahrscheinlich auch noch ohne die der Parteigrundsätze von CDU/CSU und FDP.
    Dann hätte sich aber eine neue Partei erübrigt, denn die anderen Parteien vertreten doch schon Ihre politische Grundgesinnung, jetzt lassen Sie doch auch mal denen Ihre Partei, deren Grundgesinnung Sie nicht verstehen können, dass könnte dann eventuell Demokratie sein. Sie müssen die AfD ja nicht lieben, aber das ständige draufhauen auf die AfD gefährdet doch den politischen Frieden im Land. Entscheiden muss doch der Wähler und der hat sich doch noch nicht gegen Ihre politische Einstellung entschieden, dass muss Ihnen doch erst einmal reichen, sollte es aus welchen Gründen auch immer für Ihre politische Einstellung nicht mehr reichen, dann müssen Sie auch damit leben, dann war's demokratisch einfach nur der Wählerwille, dann können Sie genau so wie heute 100% frei leben oder welches Schreckgespenst haben Sie vor Augen?
    Schaut nach Österreich, dort kann man sehen, wie man in der politischen Parteienlandschaft von links bis rechts trotz Probleme in der Ausrichtung und in der Praxis halbwegs vernünftig untereinander auskommt ohne sich ständig Schand und Brand anzutun, auch die Medien fahren dort einen ruhigeren sachlicheren Kurs.

  • 7
    3
    OlafF
    24.02.2020

    Hähme, Spott und Ausgrenzung sind ein beliebtes Mittel gegen seinen politischen Gegner vorzugehen, wie man auch von Aktivisten hier im Forum lesen kann. Bei massiver Ausgrenzung, Verharmlosung von Faschismus durch Verallgemeinerung und Bedrohungen von Familienangehörigen ist es an der Zeit auch festzustellen, dass verbal abgerüstet werden muss. Wer vergibt in unserer Demokratie das Recht festzulegen, welcher Teil der Zivilgesellschaft sich inhaltlich mit der AFD auseinandersetzen darf und welcher nicht.

  • 3
    12
    Distelblüte
    24.02.2020

    "Keiner mag uns."
    Woran könnte das liegen? Hm...

  • 3
    12
    Echo1
    24.02.2020

    AFD = Allgemeine Friedenspartei Deutschlands. Ich bin Eure Mutti und hab
    Euch etwas mitgebracht.