Anklage gegen ehemaligen SS-Wachmann aus Hamburg

Hamburg (dpa) - Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Anklage gegen einen 92-jährigen ehemaligen SS-Wachmann wegen Beihilfe zum 5230-fachen Mord erhoben.

Der Hamburger war den Angaben zufolge von August 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig als Wachmann im Einsatz. Dabei soll er «die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt» haben, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Weil er zur fraglichen Zeit erst 17 beziehungsweise 18 Jahre alt war, soll sich der 92-Jährige vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Zuvor hatte die «Welt» über die Anklage berichtet.

Seit Sommer 1944 sei es im KZ Stutthof zur systematischen Tötung von Lagerinsassen gekommen, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit. «Häftlinge wurden überwiegend durch Genickschuss im Krematorium des Lagers oder durch Verabreichung von Giftgas getötet.» Zahlreiche andere Gefangene seien durch bewussten Nahrungsentzug und die Verweigerung medizinischer Versorgung getötet worden.

Zu den Aufgaben des Angeklagten habe es gehörte, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern. «Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb vor, als «Rädchen der Mordmaschinerie» in Kenntnis aller Gesamtumstände dazu beigetragen zu haben, dass der Tötungsbefehl umgesetzt werden konnte.»

Die «Welt» veröffentlichte Aussagen des Mannes aus einer Vernehmung im Sommer vergangenen Jahres im Wortlaut. Demnach räumte er seinen Einsatz in dem KZ ein, bekundete aber zugleich Mitleid mit den Opfern. «Mir haben die Leute leid getan, die da waren. Ich wusste nicht, warum die da waren. Ich wusste wohl, dass das Juden waren, die keine Verbrechen begangen hatten. Die nur dort drin waren, weil es Juden waren. Und die haben genau so ein Recht zu leben und zu arbeiten, wie jeder andere Mensch», soll er gesagt haben.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    3
    Nixnuzz
    20.04.2019

    "..der Vorgesetzte hat in der BRD bestimmt Karriere gemacht." is mir wat zu einfach.
    Dieser "Vorgesetzte" müsste mindestens gleichaltrig oder älter sein. Falls dieser nicht der damaligen roten Armee oder dem polnischen Untergrund in die Hände oder sonstwo gefallen ist, war der Weg nach westlich der Oder relativ beschwerlich. Das im goldenen Westen Menschen mit verbrecherischem NS-Hinterrund aufstiegen - bekannt und abgehakt. Rom und Südamerika wären auchnoch diskutabel. Zwischen Elbe und Oder wäre ja eine derartige Karriere sicherlich unmöglich gewesen. Von den Wanderwegen via Schiffe bei Nacht und Nebel jeglicher Größe über die Ostsee ganz zu schweigen...

  • 5
    2
    Zeitungss
    19.04.2019

    5230 mal beteiligt und jetzt schon schläft die Justiz aus, eine beachtliche Leistung derjenigen, die es zu verhindern wussten. Ein normaler Bürounfall war es mit Sicherheit nicht, auch wenn das an verschiedenen Stellen jetzt nicht gerne gehört wird. Mitwisser gab es sicherlich KEINE, wer`s glaubt wird s.... .

  • 11
    4
    BlackSheep
    19.04.2019

    @Interessierte, ich denke der Vorgesetzte hat in der BRD bestimmt Karriere gemacht.

  • 3
    6
    Interessierte
    19.04.2019

    Lebt denn dessen Vorgesetzter noch ???



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