Beate Zschäpe, die "liebe, gute Nachbarin"

Nachbar aus dem letzten Unterschlupf des Terror-Trios lernte die Angeklagte als zuckersüße "Dienelt-Maus" kennen. Hitler-Kult gab's beim Bier im Keller.

München. Es war im Deutschlandtaumel, als Beate Zschäpe zu Nachbarn im Haus Frühlingsstraße 26 Bande knüpfte. Ob es die Europa-Meisterschaft 2008 oder die WM 2010 gewesen sei, könne er nicht sagen, grübelte Olaf B. am Mittwoch. Der 44-jährige Nachbar aus dem Gebäude, in dem Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe ab 2008 letzten Unterschlupf fanden, sagte am Mittwoch am Oberlandesgericht München aus, als Zeuge im Prozess zum NSU-Terror. Mit Freunden habe er an jenem Tag den Fernseher fürs Fußballspiel in den Garten gestellt. "Frau Dienelt", wie sich Beate Zschäpe vorgestellt hatte, habe der Runde eine Familienpizza spendiert. Auch wenn sich Zschäpe nicht selbst dazu gesellte, sei das der Auftakt zum Kennenlernen gewesen.

Schon beim Einzug habe Zschäpe darauf hingewiesen, dass sie mit ihrem Freund und dessen Bruder lebe, "damit es erst gar kein böses Gerede gibt". Mit den Männern, die oft unterwegs gewesen seien, habe sich nie mehr als ein "Guten-Tag-und-guten-Weg"-Verhältnis entwickelt, entsann sich der Nachbar. Zschäpes Erklärung: Die Beiden überführten Autos, sie erledige daheim die Computerarbeit, habe ihm eingeleuchtet. Die fremden Autos vorm Haus habe er deshalb nie hinterfragt, so B. - bis dieses Haus in die Luft flog.

Als im TV Bilder von dem in Eisenach in Brand geratenen Wohnmobil mit Vogtland-Kennzeichen liefen, das zwei Räubern als Fluchtauto gedient hatte, rief Olaf B. die Polizei. Er gab den Tipp, das Fahrzeug habe eine Woche zuvor vorm Haus in Zwickau gestanden. So konnte die Polizei die Brände in Eisenach und Zwickau in Verbindung bringen.

Während zu den Männern aus dem Trio kein Kontakt entstand, habe sich die "Dienelt-Maus" nach dem Fußballabend öfter zu seinen Runden mit Freunden gesellt, so B. Im Garten habe man beisammen gesessen, oder beim Bier in seinem Keller. Das sei eben ostdeutsche Geselligkeit, so B. "Ist in Ihrem Besitz ein Bild von Adolf Hitler?", fragte Richter Manfred Götzl fast beiläufig. Olaf B. bejahte und setzte an zu erklären, dass er das Hitler-Porträt, das damals in seinem Keller stand, "zum Andenken aufgestellt" habe - an einen verstorbenen Nachbarn. "Der hatte das Bild vorher auf dem Fernseher stehen", sagte B. Nach seiner politischen Einstellung gefragt, wich B. aus, wurde aber von einem Opferanwalt mit der Aussage eines anderen Zeugen konfrontiert. Der hatte bei der Polizei angegeben, B. habe mitunter "Adolf Hitlers Zeiten" nachgetrauert. Darauf könne er sich keinen Reim machen, blockte B. Er sei eher unpolitisch. Ob sich keiner an dem Bild gestoßen habe? Nein. Um was für Themen es bei den Kellerrunden gegangen sei? Angesichts der mehrheitlich vom Bau stammenden Freunde habe eben dieses Thema dominiert, sagte B. Um Politik sei es nie gegangen. Auch Zschäpe habe sich nicht zu Politik geäußert. "Sie war 'ne liebe, gute Nachbarin, ihre Gesinnung hat sie nie preisgeben", so B.

Einen "freundlichen" Eindruck machte Zschäpe nicht nur auf den Besitzer des Hitler-Bildes, sondern auch auf Nadin R. Sie habe sich noch gewundert, sagte die Zeugin am Mittwoch, weil der entspannte Eindruck und Zschäpes ruhiger Schritt gar nicht zur Situation passte, in der sie die jetzt Angeklagte zum ersten Mal getroffen habe. Nadin R. war am 4. November 2011 die Frühlingsstraße entlanggefahren und hatte vor Rauchwolken angehalten, die aus dem Haus 26 drangen. Mit einer Frau aus dem Nachbarhaus habe sie beratschlagt, jemand müsse die Feuerwehr rufen, als jene Frau, in der sie später Zschäpe erkannte, um eine Hecke bog, zwei Katzenkörbe in der Hand. "Hinter Ihnen brennt's", wiederholte die Zeugin am Mittwoch ihren damaligen Hinweis an Zschäpe. Diese habe sich umgedreht. "Oh da ist ja noch meine Oma drin, können Sie mal ein paar Minuten auf die Katzen aufpassen", mit dem Satz sei sie verschwunden. Vier Tage später stellte sich Zschäpe in Jena der Polizei.

 

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