Brandgefährliches Schweigen

Der einstige Ortsbürgermeister von Tröglitz hat ein Buch geschrieben. Er fragt sich darin, wann und wie sein politisches Leben, sein geliebtes Dorf und der Zusammenhalt in der Gesellschaft in die Brüche gegangen sind.

Tröglitz.

Es gab eine Zeit vor dem Hass, vor den Schlagzeilen. Da war Tröglitz bloß ein Dorf im Süden Sachsen-Anhalts, knapp 3000 Einwohner, viele aus Schlesien und dem Sudetenland zugewandert oder Nachkommen von Zugewanderten. Arbeiter, Angestellte im Hydrierwerk. Das überstand zwar die DDR, aber nach der Wende ging ihm der Sprit aus. Das Ende des Werks schlug Narben in Tröglitz. Kein prosperierendes Dorf, kein Schmuckstück in fremden Augen - aber Heimat, nicht schlechter als anderswo.

Bevor der Hass ausbricht, heißt der Ortsbürgermeister Markus Nierth. Geboren in Eisleben/DDR, mit 17 Jahren von den Eltern in den Westen mitgenommen. Studierter Theologe, Prediger. Rückkehrer. Gefragter Trauerredner. Parteilos, von der CDU protegiert, sechs Jahre Ortschef im Ehrenamt, einmal sogar wiedergewählt. Einer, der sein Dorf, seine alte, neue Heimat liebt, mit seiner Familie hier investiert und Kinder großzieht.

Heute muss Nierth sich fragen, ob er nicht zu blauäugig war. Den Menschen zu viel zugetraut, ihre politische Bequemlichkeit, ihren Opportunismus unterschätzt hat. "Wie das Schweigen der Mitte die Rechten stark macht" heißt das Buch im Untertitel, das er über seine Tröglitzer Erfahrungen geschrieben hat. Darin analysiert er eine Lebenswelt, in der es offenbar an Werten mangelt, an einem barmherzigen Umgang der Menschen miteinander, an Gnade und an Achtung, wie er es ausdrückt. "Früher hieß das Nächstenliebe." Mit Kommunalpolitikern, die sich lieber verstecken und Probleme aussitzen, anstatt sich ihren Bürgern zu stellen. Und mit Eliten, Respektspersonen vor Ort, die sich ein christliches oder humanistisches Profil zugutehalten, ansonsten aber schweigen, sich ausklinken aus den Konflikten der Zeit.

Nierth glaubt, dass der "Mikrokosmos Tröglitz" repräsentativ für viele andere Orte in Deutschland ist. Auch die Eskalationsstufen würden sich gleichen. Deshalb habe er das Buch geschrieben.

In seinem Fall begann die Eskalation im November 2014, als im Naumburger Kreistag durchsickert, dass Flüchtlinge nach Tröglitz kommen sollen. Kein offizielles Wort darüber vom Landrat oder dem Gemeindebürgermeister zu den Tröglitzer Bürgern. Ein NPD-Kreisrat wird zum Überbringer der Neuigkeit, ermuntert zu spontanen Treffen auf dem zentralen Platz des Ortes und meldet Anfang Januar 2015 die erste Kundgebung gegen die Heimpläne an. Während sich aus Naumburg niemand blicken lässt, steckt Nierth im Dilemma: Er will sich den Sorgen seiner Einwohner stellen, hadert aber damit, dass die NPD hierfür die Protestkultur gebildet hat. Ein langer, insgesamt eher ausgewogener Artikel im Ortsblatt aus Nierths Feder heizt die Debatte noch an. "Viele fühlten sich ernstgenommen", schreibt Nierth im Rückblick. Andere, auch viele, lasen nur das heraus, was sie hören wollten.

Am Rande der ersten von der NPD angemeldeten Demo steht Nierth mit einigen Ortschaftsräten am Infostand. Er will präsent sein, ein sichtbarer Gegenpol. Schon beim nächsten NPD-Aufzug gehen nach Nierths Beobachtung weniger Einheimische mit, dafür zunehmend Auswärtige mit rechter Gesinnung. Die Idee zu einer Gegendemonstration wird verworfen, um nicht selbst Demonstranten zu "importieren". Stattdessen läuten die Glocken der Kirche zum Friedensgebet. "Aus dem Ort bleibt sichtbarer und hörbarer Widerspruch gegen die NPD aus", schreibt Nierth. Die Radikalen werden radikaler: "Aus einem Gefühl von Ohnmacht und Niederlage scheint damals Trotz entstanden zu sein. Wie pubertierende Jugendliche wollen sie ihren Willen durchsetzen, und der heißt: keine Asylanten in ihrem Lebensumfeld. Der Rat von Pädagogen scheint auch in diesem Fall der richtige zu sein: konsequent und deutlich bleiben."

Der Burgenlandkreis lässt verlauten: Das Flüchtlingsheim kommt. Die Demonstranten beschließen, vor das Wohnhaus des Bürgermeisters zu marschieren. Eine enge Straße führt zum alten Gasthaus, das Familie Nierth bewohnt und in dem Ehefrau Susanna eine Tanzschule betreibt. Die Demonstranten feiern sich als "Trögida". Sie hören Hetzern wie dem Ronneburger Holocaustleugner Christian Bärthel zu, der Texte von Hans Püschel verliest, einem NPD-Kader mit innenministeriellem Redeverbot. Nierth hat in Sachen Flüchtlinge keine Entscheidungsbefugnis. Aber "die da oben" sind nicht greifbar, und seine Familie erhebt deutlich die Stimme im Ort, den Zuwanderern offen und menschlich zu begegnen.

Eines Vormittags geht der NPD-Kreisrat, der die Demo zum Wohnhaus plant, mit einem Beamten des Landratsamtes die geplante Route ab, bis an Nierths Hoftür. Der Ortsbürgermeister erfährt davon erst, als nachmittags zwei Polizisten kommen, um ihn zu warnen.

Was tun? Die Rechtsradikalen, sagt Nierth im Rückblick, wollten an ihm ein Exempel statuieren. "Ihr Hass braucht sichtbare Feindbilder, und ich war ihnen bekannt." Nierth trommelt den Ortschaftsrat zusammen und kündigt seinen Rücktritt an, falls nicht der Aufzug zu seinem Haus noch verhindert werde. Er habe ein Ultimatum gestellt, schreibt Nierth. Nächster Morgen, zehn Uhr. Niemand meldet sich.

Als der ansässige NPD-Aktivist von Nierths Rückzug erfährt, bläst er die Demonstration zu dessen Wohnhaus ab. Nierth schreibt: "Der politische Schaden, der aus dem Versagen der Behörden entstand, schien uns enorm. Dass es nicht zum Auflauf der Rechten vor meinem Privathaus kam, hatte nicht das Landratsamt entschieden, sondern jemand von der NPD." Sein Glaube und der seiner Frau an Rechtsstaat und Demokratie sei in jenen Tagen schwer erschüttert worden.

Markus Nierth wird durch seinen Rücktritt bundesweit bekannt. Wenige Tage später stehen Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und der Landrat des Burgenlandkreises in der Tür und sagen: "Tröglitz muss eine Erfolgsgeschichte werden." Auch die AfD-Chefin Frauke Petry kommt zu Nierth, sie werden nicht warm miteinander. Während ihn bei der "politischen Hausmacht CDU" die "Profillosigkeit, diese anpassungsbereite, wertevergessene Beliebigkeit" abstößt, findet Markus Nierth bei der Linken und den Grünen in Sachsen-Anhalt tätigen Zuspruch. Seine Einstellung zu einzelnen politischen Parteien habe sich nachhaltig verändert, sagt er heute.

Tröglitz kommt nach Nierths Rücktritt nicht zur Ruhe. Im Frühjahr 2015 ist das Dorf ein "anderer, ein zerrissener Ort". 130 Einwohner setzen ihre Unterschrift unter eine "Tröglitzer Erklärung", wonach ihr Ort "weltoffen und Menschen zugewandt" sei. Im Lager der Fremdenfeinde behaupten Rechtsradikale die Wortführerschaft - auch bei jener Versammlung, bei der die Anmietung von Wohnungen für 40 Flüchtlinge bekanntgegeben wurde.

Vier Tage nach diesem Treffen, in der Nacht zum Ostersamstag, wird in Tröglitz ein als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenes Haus in Brand gesteckt. Es gehe hier nicht mehr um Verbrechensbekämpfung, sagt Ministerpräsident Haseloff, es gehe um die Demokratie. Eine Sonderkommission der Polizei mit mehr als zwei Dutzend Beamten, die Soko "Kanister", findet die Täter nicht. Die meisten Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland wurden bisher nicht aufgeklärt.

Persönliche Drohungen erreichen auch Familie Nierth. Fäkalien in der Post, Schmähbriefe und Todeswünsche. "Ganz automatisch erhöhe ich die Schutzmaßnahmen. Wie vom LKA, dem Landeskriminalamt, beraten, steige ich immer erst aus dem Auto, nachdem ich mich umgesehen habe, bin beim Einkaufen und Spazierengehen, ja eigentlich jederzeit innerlich auf Überraschungsangriffe vorbereitet, schaue fast immer, wer hinter mir geht." Als Trauerredner wird Nierth boykottiert, verliert ein Drittel seiner Einkünfte. Auch die Tanzschule gerät in Mitleidenschaft.

Als Nierth in der Talkshow von Markus Lanz über Tröglitz spricht, den Ort und seine Menschen dabei verteidigt, sagt der Sänger Heino, er wäre dort schon lange weggezogen.

Anfang Juni 2015 will Nierth einige Flüchtlinge in einer Wohnung unterbringen, die er in seiner Nachbarschaft verwaltet. Es kommt zu einer Versammlung, in der ihn ein Nachbar offen angreift, ihm "Geltungsbedürftigkeit" und "Mediengeilheit" vorwirft, die den ganzen Ort in Verruf bringe, in dem doch "kein Mensch gegen Asylbewerber" sei. Die anderen tuschelten und schwiegen, erinnert sich Nierth. Keiner habe direkt angegriffen, keiner ihn verteidigt. Es sei "wie eine unsichtbare Hinrichtung" gewesen.

Zwei Monate nach dem Brandanschlag kommen die ersten Flüchtlinge: zwei afghanische Familien mit einem Kind und eine indische Familie mit Kind. Später leben sechs Familien mit 13 Kindern in Tröglitz, von denen drei hier geboren werden. Sie wohnen mit Einheimischen unter einem Dach - eine afghanische Familie neben dem Haus, auf das der Brandanschlag verübt worden war. Einige Flüchtlinge spielen Fußball beim TSV Tröglitz, der sich immer offen für die Neuankömmlinge gezeigt habe. Ein afghanisches Paar tritt zum Christentum über. Es wird in der Kirche des Ortsteils getauft, in dem Familie Nierth lebt und in der die Friedensgebete während der Demos stattgefunden hatten.

Happy End? Im März 2016 sind Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Fast jeder dritte Tröglitzer, der zur Wahl geht, wählt AfD, deren Spitzenkandidat für den rechtsnationalen Flügel steht. Die NPD kommt auf fünf Prozent. Nierth ist schockiert: 40 Prozent für eine rechte, fremdenfeindliche Politik. Er beschließt, seine Gedanken und Erfahrungen zu Papier zu bringen.

Für Markus Nierth sind Extremismus und Gewalt in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das Schweigen der Mehrheit mache die Extremisten stark. Das Wegducken und Wegbleiben der Mitte werde nicht nur von den Rechten als Zustimmung gewertet. Verstockte Politik und fehlender gesellschaftlicher Dialog spielten Extremisten in die Hände. Kommunale Entscheidungsträger dürften nicht nur verwalten, sondern müssten politische Verantwortung übernehmen. In Tröglitz hätten sich zwischen dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister und dem Landrat "mehrere Glieder in der Kette der politischen Verantwortung einfach ausgeklinkt".

Das Internet und Facebook haben nach Ansicht Nierths in Tröglitz zur Enthemmung der Diskussion beigetragen. Offenbar zog die Facebook-Seite auch Rassisten und Rechtsradikale von auswärts an. Geschadet hätten auch hysterische Medienberichte: "Die Mehrheit rückte und hielt intuitiv zusammen."

Dass die NPD die Proteste so leicht übernehmen konnte, zeigt für Nierth "das hohe Maß an Angst und Misstrauen dem Staat gegenüber" sowie den "Mangel an Übung oder Erfahrung mit dem demokratischen System und seinen Formen der Bürgerbeteiligung". Seine Hoffnung ruhe jetzt nicht zuletzt darauf, dass eine neue Generation junger Leute - offener, engagierter und selbstbewusster als ihre Altvorderen - sich aktiver und beherzter in die Gesellschaft einbringen werde.

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15Kommentare

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  • 1
    0
    saxon1965
    09.09.2016

    @vanuit: Auch wenn wir etwas vom Artikel weg kommen oder auch nicht ...
    Soweit ihre Theorie, aber meine Erfahrungen sehen da leider anders aus. In der Praxis wählen sie, sagen wir mal, SPD weil die ja sozial für die Arbeiterschaft steht. Sie bekommen einen Wirtschaftsminister, der gegen den Rat der Wettbewerbshüter Fusionen (Tengelmann) zu stimmt, der die Waffenexporte erhöht, TTIP und CETA durchboxen will und seine soziale Ader erst entdeckt, wenn das "Pack" aufmüpfig wird. Warum? Um mitregieren zu dürfen!
    Sie wählen auf Landesebene, sagen wir mal CDU/CSU, weil sie meinen, die sind konservativ und stehen für eine starke Wirtschaftskraft. Sie bekommen eine Partei, die mit Grünen koaliert und das Umweltministerium an diese abgibt. Jetzt wird legaler Waffenbesitz sanktioniert, die Landschaften werden mit Wind-Vögel-Häcksel-Maschinen zu gebaut und letzteres noch kräftig subventioniert. Warum, weil man um jeden Preis regieren will.
    Will sagen, da sie nie wissen, wer mit wem "ins Bett" geht, wissen sie letztlich auch nie was sie wählen. So bekommen wir eine Verteidigungsministerin, der unbekannt ist, dass sich der Trefferpunkt bei Gewehre unter Hitze verändert. Oder soll es doch nur wieder um Profilierung oder Arbeitsbeschaffung für die Wirtschaft gehen?
    Es koalieren mehr und mehr Parteien, die sehr unterschiedliche Programme haben. Sind sie an der Macht, verraten sie jedoch ihre Prinzipien immer wieder.
    Der Wähler entscheidet so gut wie nichts. Selbst wenn sich eine Schwarz-Rot-Rot-Grüne-Koalition bilden würde, die Ministerien würden mehr gegeneinander anstelle miteinander arbeiten.
    Was fast alle Parteien gemein haben? Sie wollen keine Direkte Demokratie! Deshalb wähle ich sie nicht mehr.
    Wie unsere momentane Politik funktioniert, sehen sie am besten an der Monitor-Sendung von gestern zum Thema "Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte":
    http://mediathek.daserste.de/Monitor/Lobbyismus-auf-Regierungsebene-Profit-s/Video?bcastId=438224&documentId=37612130
    DIE Deutsche Regierung schert sich einen feuchten Dreck, selbst um die UN!

  • 1
    3
    vanuit
    08.09.2016

    @berndischulz - die Politiker die ich wähle sind durchaus Fachleute und im Einzelfall sogar von bestechender Brillianz
    wenn sie anders wählen, tut es mir leid - für sie und für diesen Staat
    wir müssen nicht das System reformieren, sondern wir müssten mal damit anfangen, das System ernst zu nehmen und den Leuten die, anstatt immer nur zu schimpfen, die wirklich guten Vorschläge machen - die eben weiter denken als bis zur nächsten Wahl - den Leuten sollten wir mal unsere Stimme geben. Das wäre dann Demokratie die wirklich was bewirken könnte.
    @Blackadder - recht haben sie!
    Und im Übrigen sind es ja genau die Leute, die die eigentliche Arbeit machen
    @saxon1965 - vielleicht haben sie recht und man sollte Fraktionszwang verbieten - aber solange wir uns nicht selbst zur Wahl stellen müssen wir uns darauf beschränken, die richtigen Leute zu wählen und vielleicht denen das Thema mit auf den Weg geben - sie haben ja bald die Gelegenheit, die Wahl ist nicht mehr weit, dann werden überall wieder mehr oder weniger kompetente Politiker stehen, denen man das Thema an die Brust heften kann - und dann werden sie ja sehen, wer sie ernst nimmt und bei ihnen den besten Eindruck hinterlässt - nicht nur weil er ihnen nach dem Maul redet, sondern weil er was von Politik versteht und besser bescheid weiß als sie
    Schönen Abend noch....

  • 2
    0
    BlackSheep
    08.09.2016

    Flüchtlinge, eine indische Familie? Die "drei Heiligen" sagen doch immer es kommen nur Kriegs- und Terrorflüchtlinge.
    Diese Situation ist doch dadurch entstanden das man alle mit anderer Meinung verleumdet und diffamiert hat und sich jetzt scheinheilig wundert das Extremisten jedweden Colours immer mehr zulauf haben.

  • 6
    0
    berndischulzi
    08.09.2016

    Saxon war schneller. Was nützen denn Fachleute, auf die niemand hört. Parteidisziplin ist wichtiger. Und der Großteil hat sich eben doch in diese gute Situation nach oben getreten.

  • 7
    0
    saxon1965
    08.09.2016

    @Blackadder: Und sie glauben wirklich, dass sich diese Hinterbänkler-Fachleute durchsetzen können? Gegen die Machtbesessenheit ihrer Chefs/innen oder gegen die Lobbyisten? Meiner Meinung nach ist eine Reform der ganzen Struktur mehr als fällig.
    Da wird doch nur all zu oft nach parteitaktischen Gründen abgestimmt. Auf kommunaler Ebene funktionieren Abstimmungen manchmal noch über Parteigrenzen hinweg. Auf Bundesebene doch schon lange nicht mehr!
    Fachleute an die Macht und keine Parteibücher und Karrieristen!

  • 3
    7
    Blackadder
    08.09.2016

    "berndischulzi: Vanuit, unsere Politiker sind Fachleute? Du liebe Einfalt. Schön wär´s ja."

    Es gibt durchaus, gearde bei den Hinterbänklern im Bundestag, eine Menge Leute, die aufgrund ihres Berufes oder Studiums für irgendein Thema besonders gut ausgebildet sind und daher von ihrer Fraktion zum Ausschuss-Mitglied oder Sprecher zu diesem Thema gemacht werden. Aber dazu müsste man sich ja differenziert mit den einzelnen Politikern auseinandersetzen und könnte nicht mehr pauschal auf alle "Altparteien-Bonzen" einschlagen, nicht wahr?

  • 6
    3
    berndischulzi
    08.09.2016

    Vanuit, unsere Politiker sind Fachleute? Du liebe Einfalt. Schön wär´s ja.

  • 9
    3
    vanuit
    08.09.2016

    Es ist beizeichnend, dass hier wieder, so wie auch im Ort, der rechte Flügel der Gesellschaft als erster kommentiert. Das gehört offenbar zur Taktik. Wer die Meinung machen will, muss die Klappe aufmachen. Das haben die offiziellen Entscheider in Tröglitz und wahrscheinlich auch in anderen Gemeinden dieses Landes versäumt.
    Man muss den Bürgern mitteilen was die politischen Entscheidungen für sie ganz persönlich bedeuten und man muss mit ihnen reden, wie man die Aufgaben, die dann anstehen, angehen kann. Aber vor allem darf man nicht alles hinter verschlossenen Türen auskaspern - bis dann ein rühriger NPD-Funktionär Verrat schreit.
    Sicher nicht alles kann immer im Volksentscheid entschieden werden, dafür haben wir eine Demokratie, in der man die Leute wählt, denen man die Entscheidung dann überlässt. Warum überlässt man es denen? Weil sie Fachleute sind, auf ihrem Gebiet. Wer eine Tür braucht geht ja auch nicht zum Fleischer. Und trotzdem fragt der Tischler den Bauherren, wie er die Tür gerne hätte. Aber er bietet verschiedene Möglichkeiten an und erklärt warum die eine oder andere Vorstellung des Bauherren vielleicht nicht zu verwirklichen ist. Und so muss das auch der Politiker machen.
    Offenbar waren die Politiker nicht Fachleute genug, um das drohende Problem zu erkennen.
    Und das Problem sind nicht die Afgahnen, Inder, Syrer etc. - die fügen sich ja offenbar in Tröglitz ganz gut ein. (Ja ich weiß, Syrer gibt's in Tröglitz gar nicht)
    Jedenfalls sollte man daraus lernen, dass Politik transparenter, kompetenter und verantwortlicher durchgeführt werden muss - und zu Kompetenz und Verantwortung gehört, dass man mit den Menschen arbeitet und nicht nur auf dem Papier.

  • 9
    9
    ernstel1973
    08.09.2016

    Das was da in Tröglitz passiert ist, war einfach asozial und so was von feige - das kann man nicht deutlicher ausdrücken. Alle, die sich an den Shitstorm gegen einen Einzelnen beteiligt und den politischen Akteuren, die Nierth ins offene Messer laufen lassen haben ist zu wünschen, dass sie so etwas einmal am eigenen Leib erfahren. Hier werden ein paar zugewiesene Flüchtlinge zur Obercausa popularisiert und frustierte Couchpotatos mit fletschenden Zähnen gegen aktiven Humanismus losgelassen. Ich bin auch nicht mit der ganzen Lobby-Politik einverstanden, aber für mich gilt im Umgang miteinander immer noch:

    "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu!"

    Und wer ständig mit der ausgelatschten Phrase Köln & Co. argumentiert und damit pauschal auf alle Zugezogenen tritt ist ebenfalls mit dem eigenen Horizont bei Radius 0 angekommen.

    Breiviks irrer Mord an Kinder und Jugendliche, Annelies Habgier-Mörder, Mohameds und Elias Peiniger ... - sind wir Deutschen bzw. Europäer alle mit solchen üblen Gestalten gleichzusetzen? Menschlicher Pöbel ist auf dieser Welt gleichmäßig verteilt ... Unser aller Ziel sollte es sein, solchen Gestalten keine Fläche für ihren Sadismus zur Verfügung zu stellen. Und die, die vom Hass zerfressen in Kameras wie ein Tier röhren - wollen wir wirklich solchen unsere Politik überlassen?

    Und wer die DDR nicht hinter sich lassen kann, darf gern Richtung Osten weitersiedeln _ da findet man ansatzweise das wieder, was offensichtlich einigen die letzten 26 Jahre gefehlt hat ...

  • 8
    8
    mickimaus23
    08.09.2016

    Alle drei Kommentare, die ich hier höre, sagen nichts weiter aus als jammern, jammern, jammern. Und enthalten dazu noch falsche Behauptungen. 1989 haben die Menschen demonstriert, für Freiheit, Menschenwürde, Frieden und Selbstbestimmung. Und damals war es nicht ein paar Herrschenden mit einem Rest Verstand geschuldet, dass es friedlich blieb, sondern weil da nicht nur Zehntausende in Leipzig standen sondern Hunderttausende. Und da wurde keiner körperlich und verbal angegriffen, nur weil er eine andere Meinung vertreten hat. Da ging es nämlich insbesondere darum seine Meinung frei äußern zu können, ohne vom Staat verfolgt zu werden. Dieser Artikel beschreibt sehr gut, was passiert, wenn wenige Leute Hass schüren. Das geht soweit, dass die Familie bedroht wird und die Leute einfach wegsehen. Und Köln, Hamburg oder Frankfurt haben damit nichts zu tun. Da ist keine Rechtfertigung für diese Art von Gewalt und Rassismus, wie sie der Familie Nierth wiederfahren ist. Wie würden Sie sich fühlen, wenn man das ihrer Familie antun würde?? Ich empfehle Ihnen dreien - Hübnerisch, Voigtsberger und der wunde Punkt - einfach mal selbstkritisch sich zu hinterfragen, was habt ihr getan, um auf die Politik Einfluss zu nehmen. Habt ihr euch engagiert? Habt ihr 1989 demonstriert? Oder sitzt ihr nur in euren vier Wänden und jammert? Und in Sachsen gibt es auch erfreulicherweise immer noch Leute, die Menschlichkeit, Rückgrat und Toleranz zeigen, weil diese das auch während und nach der Wende durch andere Mitbürger erfahren haben.

  • 10
    5
    plauerin
    08.09.2016

    Im März 2015 hat der Autor Ronny Schilder schon einmal einen Bericht über Markus Nierth verfasst: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/DEUTSCHLAND/Die-Leute-hier-reden-nicht-viel-artikel9145978.php
    In meinem Kommentar zu diesem Artikel habe ich schon damals vermutet, dass Herr Nierth nicht ganz uneigennützig die Aufmerksamkeit der Medien sucht. Nachdem das Einkommen als Trauerredner und das der Tanzschule zurückgegangen ist (ich verdenke es den Tröglitzern nicht), wird durch das Veröffentlichen des Buches eine neue Einnahmequelle gesucht. An sich nichts Verwerfliches, doch mir stößt gewaltig auf, dass sich Herr Nierth nicht an der problemlosen Aufnahme der Flüchtlinge freut, sondern weiter stachelt und das "Happy End" anzweifelt (Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?). Flugs werden AfD und NPD in einen gemeinsamen Topf geworfen, um einen "rechten" Gruseleffekt zu erreichen.
    Die Berichterstattung über Markus Nierth vermittelt mir persönlich ein recht unsympatisches Bild des Herrn. Vielleicht hat der im Artikel zitierte Nachbar, der ihm "Geltungsbedürftigkeit" und "Mediengeilheit" vorwirft, nicht ganz unrecht?

  • 9
    7
    Hankman
    08.09.2016

    @Voigtsberger, DerWundePunkt & Hübnererich: Was soll auch von Ihnen anderes kommen als solche Äußerungen? Traurig. Mir fällt allmählich nichts mehr ein zu diesem Hass, dieser Angst und dieser Bitterkeit, die aus Ihren Zeilen spricht.

    Nur drei Anmerkungen.

    @Hübnererich: Ortsbürgermeister Nierth war schon 17, als er in den Westen ging. Da war ein Großteil der Sozialisation schon durch. Und die Grünen gab es damals erst ganz kurze Zeit. Ich frage mich also, wie das funktioniert haben soll mit der "rot-grünen Indoktrination".

    @Voigtsberger: Sie stellen einen Zusammenhang her zu den Ereignissen von Köln, Hamburg etc. Bitte lesen Sie den Beitrag noch mal in Ruhe durch. Ich weiß, das ist anstrengend. Aber dann wird Ihnen klar, dass die Ereignisse in Tröglitz, einschließlich des Brandanschlages, Monate vor Merkels Grenzöffnung, vor ihrem "Wir schaffen das" und auch lange vor der Silvesternacht von Köln und Hamburg stattfanden. Sie können das auch gern hier noch einmal nachlesen:

    http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/chronologie-troeglitz100.html

    Sie versuchen also das Geschehen in Tröglitz mit späteren Entwicklungen und Zuspitzungen zu rechtfertigen. Das ist zumindest unseriös.

    Und an alle drei Obengenannten: Ich sehe auch in dem von Ihnen Ausgeführten keinerlei Rechtfertigung für die Art und Weise, wie der Tröglitzer Bürgermeister und seine Familie angefeindet und bedroht wurden. Auch die Rechtsextremen sollten einfach mal das tun, was sie immer wieder von den Flüchtlingen verlangen: sich an hiesiges Recht und Gesetz halten und an die Regeln des guten Zusammenlebens.

  • 8
    10
    Hübnererich
    08.09.2016

    "ihre politische Bequemlichkeit,... unterschätzt hat". Komisch. Der Ossi weis aus eigenen Erleben, dass Politik weh tun kann, vernichten,ausgrenzen,unterdrücken,bevormunden kann. Darum erkannte der Ost Bürger auch sofort, was die fatale Entscheidung von Frau Merkel,sogenannte "Flüchtlinge" unkontrolliert über die Grenzen zu lassen, für unser Land bedeutet. Erfreulicherweise gab es besonders in Sachsen dagegen in vielen Orten massiven Protest. Wie rechte der Ossi hat kann man übrigens fast jeden Tag in der Freien Presse nachlesen. Aber ein Gutmensch wie Herr Nierth ist auf Grund seiner, von rot grüner Indoktrination geprägten Sozialisation im Westen, augenscheinlich nicht in der Lage, derartige polit. Prozesse zu durchschauen. Lieber spielen sie den von "Nazis" oder "Rassisten" verfolgten Märtyrer.

  • 11
    11
    DerWundePunkt
    07.09.2016

    Barmherzigkeit haben gerade die Menschen im Ostenerfahren, als sie von heute auf morgen ihre Arbeitsplätze verloren haben, weil der Westen nicht mehr bereit war, die vorher zu Ramschpreisen sehr gefragten Ostprodukte zu einem vernüftigen Preis abzunehmen. Als sie plötzlich das Zehnfache an Miete zahlen mussten, obwohl sie nicht einmal mehr die Hälfte ihres Einkommens hatten. Sehr barmherzig.

    Ja, viele Menschn im Osten haben einfach keine Lust mehr, irgendwelche Spinnereien, mit denen sich irgendwelche Politiker profilieren wollen, mitzumachen. Und diese Spinner hören einfach nicht zu, was das Volk möchte. Und wer glaubte, diese erbärmliche Kanzlerin denkt wenigstens nach der Wahlschlappe in MV nach der sah sich spätestens heute, nach ihrer "Regierungserklärung" eines Besseren belehrt. Unbelehrbaren muss man eben durchaus auch mal mit drastischen Mitteln klarmachen, dass sie falsch liegen.

    Und wer Flüchtlinge in einen Ort mit dreitausend Einwohnern packen will, der tut dem Ort nichts gutes und den Flüchtlingen auch nicht. Und das wurde und wird dem Verantwortlichen dort eben klar gemacht weil er offensichtlich auch nicht auf sein Volk hörte.

    Die "friedliche" Revolution 1989 war das Ergebnis genau solch einer Politik des Nichtzuhörens und wird ja in dieser Gesellschaft sehr geschätzt. Und friedlich blieb es nur, weil die Herrschenden damals noch einen Rest von Verstand behalten hatten, Das ist leider in diesem Staat aktuell nicht mehr der Fall. Und deshalb wird hier auch nichts "friedlich" zu ändern sein. Leider.

  • 8
    10
    voigtsberger
    07.09.2016

    Da muss man sich nichts fragen, wer Köln, Hamburg und all die anderen Vorfälle immer wieder vor Augen hat. Da weiß man wer und durch was sein Dorf und unserer Land angefangen hat, auseinander zu brechen. Wer verlegt oder kauft dieses Buch, die Bürger unseres Landes, die die Realität kennen, bestimmt nicht.



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