Bundesregierung sieht Milliarden-Bedarf an Schutzmasken

Deutschland will bei der Beschaffung von Schutzausrüstung im Kampf gegen das Coronavirus unabhängiger werden. Dazu soll die Produktion in Deutschland hochgefahren werden. Der Bedarf ist riesig.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung sieht angesichts der Corona-Krise Bedarf an Milliarden von Schutzmasken. Um unabhängiger von China zu werden, sollen der Aufbau und der Ausbau der Produktion medizinischer Schutzausrüstungen in Deutschland vorangetrieben werden.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts am Donnerstag in Berlin, für Deutschland bestehe über alle Varianten von einfachen Alltagsmasken bis zu Spezialmasken für medizinisches Personal ein Bedarf von mehreren Milliarden Stück innerhalb von Monaten. Der Bedarf werde dauerhaft ansteigen und für lange Zeit hoch bleiben. Masken und andere Schutzausstattung sind derzeit weltweit knapp, die Preise sind immens gestiegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, der weltweite Bedarf habe sich vervielfacht. Dies würde noch auf längere Zeit so sein. 90 Prozent der Schutzausrüstung stamme aus Asien. «Und deshalb haben wir uns auf diesem Gebiet zu engagieren.» Es sei notwendig, eine größere strategische Unabhängigkeit zu erreichen, dies müsse auch im Verbund der Europäischen Union passieren.

Allein im Gesundheitswesen ist laut Minister Jens Spahn (CDU) in der aktuellen Corona-Lage von einem Jahresbedarf von bis zu 450 Millionen FFP-2-Spezialmasken auszugehen. Hinzu kämen eine Milliarde OP-Masken als Mund-Nasen-Schutz. Schutzausstattung ist derzeit weltweit knapp.

Der Bund ist daher in eine Beschaffung eingestiegen und will über Anreize eine inländische Masken-Produktion aufbauen. Im Wirtschaftsministerium wurde dazu ein Arbeitsstab eingerichtet. Altmaier sagte, ein Ziel sei erreicht, wenn es gelinge, den Prozentsatz der bisherigen Produktion in Asien sichtbar zu reduzieren. Der Hochlauf der Eigenproduktion werde nicht auf Knopfdruck geschehen, liege aber auch nicht in weiter Ferne.

Altmaier machte deutlich, eine ausreichende Zahl an Schutzausrüstung sei von entscheidender Bedeutung, wenn es darum gehe, das öffentliche Leben und die Wirtschaft wieder hochzufahren.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, die Industrie helfe und werde weiter helfen. Dafür müsse die Politik den Unternehmen aber unter die Arme greifen. «Die Produktion von Schutzgütern sollte wirtschaftlich sein, andernfalls droht gerade Mittelständlern der finanzielle Ruin», sagte Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.

Die Industrie sehe mit Sorge, dass sich die Bundesregierung in den vergangenen Wochen weitreichende Eingriffsbefugnisse in Produktion, Preis und Handel von Corona-Schutzgütern verschafft habe. «Eine effiziente Krisenkoordination ist entscheidend dafür, dass Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland so wenig Schaden wie möglich nehmen. Sie darf aber keine planwirtschaftlichen Züge annehmen.»

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie teilte mit, rund 40 Prozent der Unternehmen hätten laut einer Umfrage in den vergangenen Wochen damit begonnen, Schutzausrüstungsprodukte oder einfache Alltagsmasken herzustellen oder planten den Aufbau einer entsprechenden Produktion. Die Firmen müssten aber international wettbewerbsfähig sein, beispielsweise wenn es um energieintensive Produktionsprozesse gehe. Deswegen seien geplante Förderinstrumente für die Herstellung von bestimmtem Vlies wichtig, genauso wie Abnahmegarantien.

Altmaier sprach von einer industriepolitischen Frage, dies gelte auch für die Produktion von Arzneimitteln. Er wolle zusammen mit Frankreich und der EU-Kommission prüfen, wie Anreize für Unternehmen gesetzt werden könnten. Er verwies auf seine Initiative zur Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos in Europa und Deutschland - auch hier dominieren bisher Anbieter aus Asien den Markt.

Spahn berichtete, nach einer ersten kleineren Ausschreibung seien mehr als 100 Angebote eingegangen, die zuschlagsfähig erschienen. Dabei gehe es um erste Lieferungen bis Mitte August. Verträge sollten eine Laufzeit bis Ende 2021 haben, um Planungssicherheit zu bieten.

Die Bundesregierung erwartet in dieser Woche weiteren Nachschub an Schutzausstattung für das medizinische Personal, es sollen 40 Millionen Schutzmasken nach Deutschland kommen. Das sei so viel wie in den beiden vorangegangenen Wochen zusammen, bekräftigte Spahn am Donnerstag. Hintergrund ist auch eine Kooperation mit der Lufthansa in einer Art «Luftbrücke» für regelmäßige Transportflüge nach China.

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14Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    mops0106
    12.04.2020

    @Nixnuzz:
    Verantwortlich sind alle, die damals und jetzt Mitglieder der Regierung sind. Aber leider wird das keine Konsequenzen in irgendeiner Form für diesen Personenkreis haben.
    Die Folgen tragen "nur" die Menschen unseres Landes.

  • 1
    1
    Nixnuzz
    11.04.2020

    Zumindest hat man jetzt festgestellt, das es einen Katastrophenschutzplan von 2012/2013 gab, in dem ziemlich genau das jetzt eingetretene Scenario beschrieben und die Mankos dazu benannt/ bekritelt wurden. Nur hätte es zunächst des Lesens und des Wachwerdens an irgendeiner ministriellen Stelle bedurft, um daraus Handlungen abzuleiten. Allerdings weiß ich heute nicht, wer damit Empfänger in der damaligen Regierung und damit Handlungspflichtiger war? Vermute hier unser Heimatministerium als Handlungspflichtigen? Oder wer noch? Vorschläge!

  • 2
    1
    mops0106
    11.04.2020

    @Hinterfragt:
    Der Hr. Altmaier hat vor kurzem in irgendeiner Talkshow so sinngemäß gesagt, es gäbe eingelagerte Schutzmittel, die man bräuchte, wenn ein richtiger Krieg ausbrechen würde. Solche Sachen wie Masken etc. hätte man da vergessen....????

  • 3
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    Echo1
    11.04.2020

    Das hat aber nichts mit dem heiteren
    Raten des Berufes oder einer Persönlichkeit zu tun. Mit dem
    Robert Lembke: "Die Masken bitte!
    Natürlich war das ein Spassbeitrag für Ältere.
    Kann es nicht mehr hören mit den Masken.
    Mir schwant, dass ich die auch noch aufsetzen soll. Igitt, igitt! WHO und RKI hatte das nicht angeraten.

  • 5
    2
    Deluxe
    10.04.2020

    Es stellen sich Fragen am laufenden Band:

    Warum wird der Bedarf erst jetzt erkannt?
    Warum gibt es keinerlei Bevorratung solcher Dinge für den Katastrophenfall, z.B. im Rahmen einer Staatsreserve?
    Warum werden solche Grundmittel nicht im eigenen Land produziert oder wenigstens innerhalb der EU?
    Warum ist es nicht möglich, private Firmen per Gesetz zur Produktion zu zwingen und ihnen auskömmliche Preise zu garantieren?
    Warum kann im Katastrophenfall nicht der Staat selbst zum Hersteller werden und somit Unabhängigkeit von Gewinnen herstellen? Temporäre Verstaatlichung wäre ein Ansatz...aber so etwas auch nur zu denken, ist in unserem Land quasi Blasphemie...

  • 5
    1
    1371270
    10.04.2020

    @osgar: die Spanische Grippe von 1918 ist durchaus mit der jetzigen Corona-Pandemie vergleichbar. Sehr wahrscheinlich ist auch damals das Virus von Tieren (Hühnern) auf den Menschen übergesprungen. Allerdings waren damals Viren grundsätzlich noch nicht bekannt; das Virus der Spanischen Grippe wurde erst 1933 erkannt!
    Beim Ausbruch der Grippe tobte ja auch noch der 1. Weltkrieg, gestorben wurde also sowieso, die Berichterstattung unterlag weitgehend der Geheimhaltung.
    Wie also mit der Grippe damals umgegangen wurde, ist natürlich mit heute nicht vergleichbar. Niemand hat im Traum daran gedacht, die Wirtschaft stillzulegen! Wurde ja alles für den Krieg gebraucht!
    Die Anzahl der Toten der Spanischen Grippe wird auf 27 bis 50 Millionen geschätzt!

  • 4
    2
    Hinterfragt
    10.04.2020

    @osgar; "... Mir ging es um die Maßnahmen, die mit einer Pandemie dahergehen....Oder wurden damals auch die Gesellschaft und Wirtschaft so an die Wand gefahren..."
    Dann hätten Sie das so auch schreiben sollen.

    @1371270, ging es um die Vorsorge. Und dem kann ich nur zustimmen.

    Im Übrigen gab es zu Zeiten des "Kalten Krieges" auf beiden Seiten Depots mit den entsprechenden eingelagerten Mitteln, welche regelmäßig "gewälzt" wurden.
    Warum hat man dies denn nicht weiterbetrieben?
    Sind es nicht auch gerade diese Mittel, welche auch bei anderen "Katastrophen" benötigt werden?

  • 2
    4
    osgar
    10.04.2020

    @1371 ich hätte mich präziser ausdrücken müssen. Mir ging es um die Maßnahmen, die mit einer Pandemie dahergehen.
    Die Spanische Grippe von vor hundert Jahren ist wohl kaum vergleichbar.
    Auch die beiden anderen von @Hinterfragt erwähnten lassen sich nicht mit heute vergleichen. Oder wurden damals auch die Gesellschaft und Wirtschaft so an die Wand gefahren wie das heute stattfindet? In einschlägigen Portalen habe ich jedenfalls nichts Vergleichbares gefunden. In meinem Bekanntenkreis kann sich niemand an die Russische Grippe in der DDR erinnern. Wahrscheinlich hat die ja genau wie die Radioaktivität von Tschernobyl um die DDR einen großen Bogen gemacht.

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    2
    1371270
    09.04.2020

    @oskar: man muss es ja nicht erlebt haben, Lesen hilft manchmal auch! Die Spanische Grippe 1918 ist so lange auch nicht her.

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    osgar
    09.04.2020

    Hab ich beide nicht erlebt @Hinterfragt.
    Man lernt nie aus.

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    4
    Hinterfragt
    09.04.2020

    Hongkong-Grippe (1968), 1–4 Millionen Tote
    Russische Grippe (1977/78), 700.000 Tote

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    6
    osgar
    09.04.2020

    Welche Virus-Pandemie haben Sie denn schon erlebt @1371?
    Könnten Sie uns bitte aufklären?

  • 0
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    martindamm
    09.04.2020

    @1371270:
    meine meinung ist auch das wir es auch gleich sein lassen sollten!!!

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    5
    1371270
    09.04.2020

    Es ist für mich nur beschämend, dass ein angeblich so reiches Land nicht besser hat vorsorgen können. Es ist doch wirklich nicht die erste Virus-Pandemie. Jetzt kommt alles viel zu spät!