Corona-Zahlen in Deutschland steigen wieder

Der wochenlange Abwärtstrend bei den Corona-Zahlen scheint gebrochen. Am Samstag gab es wieder einen Anstieg.

Berlin (dpa) - In Deutschland deutet sich eine erneute Verschärfung der Corona-Pandemie an. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag 9164 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das waren 810 mehr als am Samstag der Vorwoche. Zudem stieg der sogenannte R-Wert - eine weitere wichtige Kennzahl.

Vor dem Hintergrund anstehender Schul- und Kita-Öffnungen in mehreren Bundesländern am Montag verdichten sich unterdessen die Anzeichen, dass das Personal bei der Corona-Impfung früher an die Reihe kommen könnte und die Impfverordnung entsprechend geändert wird.

Das RKI gab den bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert am Samstagnachmittag mit 1,07 an. Das ist der höchste Wert seit mehreren Wochen. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 107 weitere Menschen anstecken. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten trotz des Lockdowns rascher ausbreiten.

RKI-Präsident Lothar Wieler rief die Menschen zum Durchhalten auf: «Falsche Versprechungen helfen niemandem, und es ist ganz einfach so, dass wir diese Maßnahmen, die wir kennen, dass wir die eine gewisse Zeit noch durchhalten müssen», sagte er bei einer im Internet übertragenen Diskussion des Bundesgesundheitsministeriums zum Thema Impfen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer «echt schwierigen Phase» der Corona-Pandemie. Alle seien nach zwölf Monaten müde. «Ein Kind, das zehn Jahre alt ist, hat jetzt ein Zehntel seines Lebens in der Pandemie verbracht.» Es sei die Erwartung da, dass es mit gesunkenen Neuinfektionszahlen auch wieder ein Stück rausgehe aus den Beschränkungen. Spahn erwähnte zugleich die Mutationen. Zuversicht gebe aber das Impfen, fügte er hinzu.

Hier wird immer wahrscheinlicher, dass Kita- und Grundschulbeschäftigte in der Reihenfolge nach vorne rücken. Es sei gesellschaftlich sehr wichtig, dass Kitas und Grundschulen wieder öffnen könnten, sagte Spahn. Am Montag beginnt in zehn Bundesländern in vielen Einrichtungen wieder Präsenzunterricht und die Kitas nehmen mehr Kinder auf. Weil dort aber Abstand nicht möglich sei, wolle man die Beschäftigten zügig in die nächsthöhere Gruppe zwei nehmen und früher ein Impfangebot möglich machen, sagte Spahn.

Bei der Impfreihenfolge in Deutschland wurden drei große Gruppen festgelegt: Gruppe eins mit «Höchster Priorität», Gruppe zwei: «Hohe Priorität», und Gruppe drei: «Erhöhte Priorität». Kita- und Grundschulbeschäftigte stehen nach der aktuellen Impfverordnung in Gruppe drei und wären damit voraussichtlich erst im Sommer dran. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder hatten das Gesundheitsministerium bei ihrer jüngsten Beratung gebeten, zu prüfen, ob Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher früher dran kommen könnten. Dafür müsste die geltende Impfverordnung geändert werden.

Vertreter mehrerer Bundesländer haben sich inzwischen dafür ausgesprochen. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilte am Samstag mit, eine entsprechende Änderung der Bundesimpfverordnung sei in Arbeit. Eine Grundsatzentscheidung solle am Montag aller Voraussicht nach auch in der Gesundheitsministerkonferenz fallen. Spahn hatte bereits am Freitag gesagt, es zeichne sich ein «relativ großer Konsens» in dieser Frage ab. Eine große Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov Deutschland ebenfalls dafür ausgesprochen.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte die geplanten Schul- und Kita-Öffnungen. «Man kann die Kinder nicht noch viel länger zuhause lassen, weil sonst der Kinderschutz und das Kindeswohl in Gefahr sind», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin und verwies auf Probleme wie Vereinsamung, Bewegungsmangel und entstehende «Bildungs- und Bindungslücken». Zudem seien viele Eltern am Ende. «Die Belastungsgrenze ist erreicht.»

Giffey betonte, dass Öffnungen «verantwortungsvoll» erfolgen müssten, mit Einhaltung von Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen für das Personal. «Dass wir dabei das Infektionsgeschehen weiter im Blick haben müssen, ist selbstverständlich. Es geht jetzt um Öffnungsschritte mit Sicherheit.»

Bildungsgewerkschaften und Lehrervertreter forderten mit Blick auf die Öffnungen besondere Rücksicht auf den Gesundheitsschutz. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, nannte es zwar richtig, schrittweise wieder mit dem Unterricht in den Schulen zu beginnen, aber nur in Regionen mit niedrigem Infektionsgeschehen. Wenn Bundesländer flächendeckend öffneten, auch in Landkreisen mit hohen Ansteckungszahlen, sei das mit Blick auf den Gesundheitsschutz nicht verantwortbar, sagte er der dpa.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigte sich skeptisch: «Die Länder, die jetzt ihre Schulen öffnen, gehen ein hohes Risiko - für die Gesundheit der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern», sagte die Vorsitzende Marlis Tepe den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

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3030 Kommentare
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  • 1
    5
    MuellerF
    25.02.2021

    @1899824:

    Wenn es bei CoVid19 eine Kreuzimmunität gäbe, hätten wir keine Pandemie!
    Andere Corona-Viren sind ja typische Erkältungsviren. Und eine Erkältung hat ja jeder mal innerhalb von 1 bis 2 Jahren. Es sind eben die spezifischen Mutationen (Spike-Protein), die eine Kreuzimmunität verhindern.

  • 4
    1
    1899824
    23.02.2021

    neuhier, Man nennt das Kreuzimunität.

  • 1
    5
    neuhier
    23.02.2021

    @Olaf: Sie behaupten also, wenn man früher schon mal mit einem alten Coronavirus in Kontakt war (sind diese denn in Europa so verbreitet, die kamen doch größtenteils in Asien vor?), hätte man eine Immunantwort auf den neuen Coronavirus? Können Sie das auch belegen? Es handelt sich doch um unterschiedliche Virenstämme.

    Wenn ich mich mit einem speziellen Grippevirus anstecke, bin ich dich auch nicht einem anderen Stamm gegenüber immun, oder? Dann bräuchte man ja keine 4-fach Grippe Impfung mit verschiedenen Stämmen. Wenn einer für Immunität reichen würde?

  • 5
    2
    OlafF
    23.02.2021

    @MüllerF: Beweisen kann ich es ihnen nicht. Es ist und bleibt eine Lesermeinung. Aber für mich die einzige vernünftige Erklärung, dass so viele Personen in einer isolierten Population sympromfrei blieben.

    @neuhier: Im März 2020 waren noch nicht flächendeckend Personen mit der neuen Variante des Corona-Viren infiziert. Wenn also ein Großteil der kontaktierten bereits mit früheren Varianten des Corona-Virus in Kontakt gekommen sind, rufen die Gedächtniszellen eine Abwehrreaktion hervor und bilden zusätzlich erneut Antikörper.
    (siehe Professor Drosten) Und das eigentlich spannende: Die Viruslast reicht nicht für eine Vermehrungsfägigkeit des Agens und somit findet keine eigentliche Infektion statt.
    Damit unterscheiden wir uns in der Argumentation. Ich zähle die Coronaviren zu den allgemeinen Risiken mit denen wir leben müssen. Sie halten das Corona- Virus für eine unmittelbare Gefahr. Wenn dies so ist, dann sollten wir unsere unterschiedlichen Ansichten akzeptieren.

  • 2
    4
    MuellerF
    23.02.2021

    "Wenn also viele Passagiere eine natürlich Immunität durch eine vorangegangene Infektion mit anderen Corona-Viren erworben haben.."

    @OlafF: Ja, WENN! Der RND-Artikel sagt aber gar nicht aus, DASS das auf dem Kreuzfahrtschiff so war, auch wenn dessen Titel das so suggeriert.

  • 2
    5
    neuhier
    23.02.2021

    @Olaf: Sie haben es offenbar immer noch nicht begriffen: es gibt eine Menge Leute (geschätzt bis zu 80% aller Infizierten), die sich zum allerersten mal mit dem Virus infizieren und KEINE Symptome ausbilden. Die waren vorher NICHT immun. Sonst hätten sie sich ja nicht angesteckt. Wer immun ist, steckt sich nicht an. Wer sich doch angesteckt hat, aber keine oder nur leichte Symptome entwickelt, war vorher NICHT immun, ist es aber vielleicht hinterher.

    Es gibt derzeit keine hohe Herdenimmunität in Deutschland. Die kann nur durch Impfen hergestellt werden, wenn wir nicht tausende Tote wollen.

  • 2
    4
    OlafF
    23.02.2021

    Gestern s.mir leider auch die Antikörper ausgegangen. Ich hatte meine 5 Kommentare
    bereits verbraucht. Nicht weniger als ihr Lieblingsvirologe selbst, hat mich ins Grübeln gebracht.
    Denn Sie haben mich gestern missverstanden. Auch Personen ohne Antikörper können immun sein.
    Herr Drosten sagt, wenn diese die Krankheit bereits durchgemacht haben, dann übernehmen die Gedächtniszellen. Diese setzen dann bei intakten Immunsystem wiederum Abwehrmechanismen in Gang.

    Den Rest überlasse Ich zunächst ihrem eigenen selbständigen Denken.

    https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-immunitaet-antikoerper-100.html

    Wenn also viele Passagiere eine natürlich Immunität durch eine vorangegangene Infektion
    mit anderen Corona-Viren erworben haben, so kommen Sie vielleicht auch zu d. Schluss das weltweit eine hohe Immunität in den Verbreitungsgebieten gegen Corona-Viren besteht und/oder die Viruslast bei positiven PCR-Tests oftmals für eine Infektion nicht ausreicht.

  • 4
    3
    MuellerF
    22.02.2021

    "Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes geringe oder keine Symptome festgestellt. Woher hatten die ihre Immunität?"

    Dass die wenig / keine Symptome hatten, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie immun sind & auch nicht, dass sie das Virus nicht übertragen können.
    Es kann ja sein, dass einzelne der Passagiere wirklich immun waren, d.h. Antikörper hatten. Aber das müsste eben für jeden einzelnen nachgewiesen werden.

  • 2
    5
    neuhier
    22.02.2021

    "wurden bei 80% positiv PCR getesteter und isolierter Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes geringe oder keine Symptome festgestellt. Woher hatten die ihre Immunität? "

    Da werfen Sie aber zwei Sachen komplett durcheinander: infiziert sein, aber keine oder geringe Symptome aufzuweisen ist etwas völlig anderes, als immun zu sein. Um immun zu sein, muss man vorher infiziert gewesen sein oder geimpft worden sein.

    Hier wird berechnet, dass auch bei einer hohen Corona-Dunkelziffer von eine Immunität in der Bevlkerung von maximal 17 % ausgegangen wird (komplett theoretisch) + die bislang Geimpften wären das 20%. Mehr ist es noch nicht. Herdenimmunität hat man bei 70% .

    https://www.heise.de/tp/features/Corona-Rueckgang-der-Fallzahlen-durch-natuerliche-Immunitaet-5061192.html?seite=all

  • 4
    3
    OlafF
    22.02.2021

    Sorry, Quelle zu Kreuzfahrschiff fehlte...

    https://www.rnd.de/wissen/wie-viele-infizierten-haben-keine-symptome-neue-studien-liefern-erstaunliche-erkenntnisse-SPZAXEUWHVABPGC2V5O36L5GI4.html

  • 5
    3
    OlafF
    22.02.2021

    Bevor überhaupt ein Impfstoff (mal unabhängig von aller Skepsis) zugelassen war und eine Infektionswelle das Land überrollte, wurden bei 80% positiv PCR getesteter und isolierter Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes geringe oder keine Symptome festgestellt. Woher hatten die ihre Immunität? Das sollte eigentlich bedeuten, dass ein Großteil der Bevölkerung bereits vor März 2020 bereits immun war, oder liege ich da falsch? Seitdem ist ein Jahr vergangen. Warum werden seit der Heinzberg-Studie keine neuen Studienergebnisse veröffentlicht? Auch Veröffentlichungen der Universität Stanford liegen schon länger nicht vor. Gibt es aus irgendwelchen Gründen dafür keine Mittel mehr. @FP strengt euch an und zeigt euch mal etwas investigativer. Dann schafft ihr es vieleicht auch mal zu beweisen, dass ihr keine Verlängerung der DPA seid.

  • 3
    5
    TWe
    22.02.2021

    @neuhier
    "@censor: Woher nehmen Sie die Annahme, dass "eine große Mehrheit der Bevölkerung bereits immun gegen dieses Coronavirus ist "? Gibt es dazu Quellen?"

    Nein, die gibt es nicht.

    Um eine solche Aussage untermauern zu können müssten großflächige Untersuchungen auf Antikörper durchgeführt werden (siehe Erklärung von OlaF). Aufgrund der Dynamik des Infektionsgeschehens und der immer noch viel zu geringen Erfahrungen mit dem Virus, lassen sich auch nicht irgendwelche Studien seriös verallgemeinern.

    Im Umkehrschluss finden Sie aktuell für jedes gewünschte Ergebnis (z. B. das von censor behauptete) eine Studie mit deren unreflektierter Verallgemeinerung sie dieses untermauern können. Mit der Realität hat das natürlich dann nicht besonders viel zu tun...

  • 1
    1
    TWe
    22.02.2021

    @Mittelständisch
    "Der R-Wert ist viel mehr eine Prognose der Zukunft, in welche einige Schätzung und Annahmen einfließen."

    Auch die Inzidenz ist eine zukunftsorientierte Kennzahl. Der Fokus liegt auf der Dynamik des Infektionsgeschehenes und versucht eine Indikation auf die zu erwartenden Schweregrad der Infektionsausbreitung abzuleiten.

    "Die Reproduktionszahl R kann aber nach Angaben des RKI nicht allein als Maß für die Wirksamkeit und die Notwendigkeit von Maßnahmen herangezogen werden."

    Das ist ja genau das, was ich versucht habe zu vermitteln. Es gibt nicht eine, zwei oder drei maßgebliche Kennzahlen. Die Beurteilung des Geschehens muss umfassend unter Berücksichtigung verschiedener Parameter erfolgen. Das hat natürlich auch zur Folge, dass den einzelnen Kennzahlen im Zeitablauf eine unterschiedliche Gewichtung beigemessen wird.

    Gerechterweise muss man dabei auch zugeben, dass die Beurteilung für den Laien dadurch auch immer schwerer nachvollziehbar wird.

  • 10
    6
    neuhier
    22.02.2021

    @censor: Woher nehmen Sie die Annahme, dass "eine große Mehrheit der Bevölkerung bereits immun gegen dieses Coronavirus ist "? Gibt es dazu Quellen?

  • 9
    11
    censor
    21.02.2021

    @OlafF - Danke für den Hinweis. Ich meinte natürlich den Antigen-Schnelltest und nicht den Antikörpertest. So steht es auch in den RKI-Papieren.
    Fakt ist letztlich, das eine große Mehrheit der Bevölkerung bereits immun gegen dieses Coronavirus ist - sei es, weil wir schon öfter mit verwandten Coronaviren zu tun hatten oder ob man die Infektion unbemerkt überstanden hat.

    Anders ist es nicht zu erklären, dass sich die Zahl der Testpositiven, die ja vom RKI mit Neuinfizierten gleichgesetzt werden, sich selbst für den gesamten Zeitraum kumuliert im niedrigen einstelligen Bereich bewegt. Letzte Woche betrug die Zahl der positiv Getesteten ganze 0,17%, wovon nur ein noch geringerer Teil erkrankte.

    Von daher halte ich die gegenwärtigen und geplanten Teststrategien für total überzogen. Man sollte sich auf die konzentrieren, welche wirklich krank sind und immer das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im Auge haben. Dann ergibt sich ein reales Bild von der "Pandemie".

  • 11
    1
    OlafF
    21.02.2021

    @Cencor: Sie meinen vielleicht Anti-Gen Schnell-Tests, anstatt Anti-Körper-Test? Anti-Gen Schnell-Test weisen bei entsprechend hoher Viruslast Eiweißproteine nach. Für den Nachweis von Antikörpern braucht es eine i.v. Blutentnahme und diese sind mindestens 4 Monate nachweisbar. Ähnliches geschieht bei Impfungen. Die Antikörper verringern sich jedoch und ggf. muss nachgeimpft werden bzw. andere Abwehrmechanismen werden in Gang gesetzt. Aber "Test Test Test", irgendwann wird man "mechugge" Irgendwann sind wir fast alle immun, egal wie... Nur die Personen mit geschwächtem Immunsystem sind immer weitaus mehr gefährdet. Aber das gilt auch für Bakterien (z.B. MRSA) und andere Viren.

  • 7
    10
    censor
    21.02.2021

    @Mittelständisch - Im RKI-Situationsbericht (immer mittwochs) steht aber auch zu lesen (im Kleingedruckten unter der Grafik), dass die Teststrategie ab dem 3.11.2020 geändert wurde, die Ergebnisse vor und nach diesem Termin daher nicht vergleichbar sind.

    Geändert hat sich, dass seitdem Antikörperschnelltests eingeführt wurden. Sind diese positiv, muss ein PCR-Test erfolgen.

    Die Zahl der Schnelltests fließt NICHT in die Statistik ein. Da sich dadurch aber die PCR-Testzahlen sichtbar verringern, während verstärkt Probanden getestet werden, bei denen (wegen des positiven Schnelltests) ein positives Ergebnis zu erwarten ist, erhöht sich die Positivenquote.

    Beide Tests können aber nach wie vor nichts über eine zum Zeitpunkt der Testung bestehende aktive Infektion aussagen, da sich der eine auf Antikörper bezieht (welche wochenlang nach Genesung nachweisbar sind) und der PCR-Test sowieso reproduktionsfähige Viren nicht von nicht fähigen differenziert.

  • 6
    2
    Mittelständisch
    21.02.2021

    @Lesemuffel

    Die aktuellen Testzahlen jeden Mittwoch im Lagebericht:

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Gesamt.html

    oder Zusammenfassung unter

    http://www.rki.de/covid-19-testzahlen

    KW, Anz. Testungen, Positivenquote (%) alles nachlesbar. Die Testzahlen sind aktuell auf Niveau von KW 34/2020. Zwischendurch wurde größtenteils eher mehr getestet und seit KW 1 sinken die Testzahlen eher etwas.

    Die Positivenquote (%) sinkt aktuell auch. Das ist richtig. Sie liegt aktuell bei 6,46% (KW 6). In KW 53/2020 hatte die Positivenquote übrigens ihr Allzeithoch mit 15,38% bei eher geringen Testzahlen.

    KW 53/2020 zeigt z.B. das reine Zahlen ohne Interpretation auch nicht die absolute Wahrheit sind.

    Meine Interpretation zu KW 53?
    Zwischen Weihnachten und Silvester sind mehrheitlich Menschen zum Test gegangen welche sich wirklich schlecht gefühlt haben.

  • 21
    7
    Lesemuffel
    21.02.2021

    Heute früh auf DLF: "... die Infektionszahlen steigen wieder an. ...sind aber geringer, weil am Wochenende nicht so viel getestet wird..."
    Aha, die Infektionszahlen sind hoch, wenn viel getestet wird, niedrig, wenn wenig getestet wird..." Merkwürdig. Wann ist man Mal soweit, die positiv Getesteten zur Gesamtzahl der Getesteten ins Verhältnis zu setzen?

  • 12
    0
    Mittelständisch
    21.02.2021

    @TWe
    Ganz so einfach ist es leider nicht. Der R-Wert ist viel mehr eine Prognose der Zukunft, in welche einige Schätzung und Annahmen einfließen. Prognosen haben Unsicherheiten. Der Wetterbericht ist z.B. auch eine Prognose.

    Daher, ich zitiere:
    "Die Reproduktionszahl R kann aber nach Angaben des RKI nicht allein als Maß für die Wirksamkeit und die Notwendigkeit von Maßnahmen herangezogen werden. Wichtig seien außerdem Faktoren wie etwa die absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen sowie die Schwere der Erkrankungen, der Anteil immuner Menschen in der Bevölkerung und die Kapazitäten des Gesundheitssystems."

    Quelle: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/reproduktionszahl-r-null-berechnung-bedeutung-hintergrund-100~amp.html

    Anspruchsvolle Lektüre - das RKI die mathematischen Formel mit Erläuterungen hier veröffentlicht:

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/R-Wert-Erlaeuterung.pdf?__blob=publicationFile

  • 15
    7
    Lisa13
    21.02.2021

    das war doch zu erwarten , das die Werte wieder steigen...Kretschmer hat es doch schon angekündigt ....es gibt kein Ostern ...Ein 10 jähriges Kind hat ein Zehntel in der Pandemie verbracht ....ja gut ...aber schon mal nachgedacht ..was den älteren in ihrer noch verbleibenden Zeit gestohlen wird ....

  • 14
    3
    andreas59
    20.02.2021

    Wo doch seit Dezember geeimpft werden sollte, oder wie war das? Und jetzt hat man mancherorts schon gut 3 % geeimpft, Wahnsinn! Selbst Indien hat schon über 7 Mio. Menschen geeimpft!

  • 48
    60
    oesil
    20.02.2021

    Natürlich steigen die Zahlen wieder, so sagte es schon meine Glaskugel.

    Oder wie sollte man den Lockdown weiter begründen.

  • 65
    27
    TWe
    20.02.2021

    *Klugscheißermodus an*

    Ist denn das nach 12 Monaten Corona so schwer, die beiden Kennzahlen zu interpretieren?

    R-Wert => Entwicklung der Anzahl festgestellter Infektionen (Das hat nichts mit der Intensität der Ausbreitung der Infektion zu tun.)

    Inzidenz => normierte (d. h. bezogen auf festgelegte Bevölkerungszahl) Anzahl festgestellter neuer Infektionen (= Indikation für Intensität)

    Man könnte auch sagen, dass der R-Wert die Richtung angibt, in die sich das Fahrzeug bewegt. Die Inzidenz steht dabei gewissermaßen für die Geschwindigkeit, mit der das Fahrzeug unterwegs ist. Es gibt im Hinblick auf die Kennzahlen kein entweder oder. Für die Beurteilung der Situation sind BEIDE erforderlich, weil das Fahrzeug gewissermaßen in jedem Fall in Richtung Abgrund rollt.

    Im Frühling des vergangenen Jahres lag der Fokus auf dem R-Wert, weil die absoluten Infektionszahlen einfach nicht so hoch waren wie zum Jahreswechsel.

    *Klugscheißermodus aus*

  • 46
    32
    Hinterfragt
    20.02.2021

    Opsssssssssss!
    Dachte schon, man hätte den R-Wert begraben, aber nee - da isser wieder.

    Zum Thema der "Zusammenarbeit" der Regierung mit Wissenschaftlern im Zusammenhang mit Corona, zeigt mal wieder Jan Fleischhauer genau auf den Punkt:
    https://www.servustv.com/videos/aa-25wctvdsd1w11/

  • 74
    43
    linser
    20.02.2021

    Testen, testen, testen! Nicht daß die Leute noch Lockerungen wollen!

  • 68
    47
    nnamhelyor
    20.02.2021

    Immer so wie die Regierung es braucht. Wie bestellt so geliefert. Die neue Variante mag ja ansteckender sein, aber wie ist der Krankheitsverlauf damit? Schwerer, schneller, tödlicher? Was sagen die Briten dazu, lebt dort noch jemand?

    Übrigens ist das RKI eine dem BMG untergeordnete Behörde. Und das RKI allein hat die Hoheit über die Zahlen.

  • 66
    51
    Rossauer
    20.02.2021

    Dem stimme vollkommen zu. Plötzlich war vom R- Wert keine Rede mehr obwohl er sank. Vielleicht hätte der Chef vom RKI Tierarzt bleiben sollen.

  • 64
    16
    Kroko
    20.02.2021

    Der R Wert sagt aus ob die Kurve steigt oder fällt. Mehr nicht, ist sozusagen nur für die Leute, die das Diagramm nicht lesen können. Wenn ich weniger Infektionen habe dann ist es unverweigerlich das dieser auch auf 1 bzw. darüber steigt.

  • 95
    44
    1899824
    20.02.2021

    Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Im Frühjahr 2020 war der R - Wert das Maß der Dinge. Der Wert stieg und stieg, das passte anscheinend ins Konzept. Man sagte, erst wenn dieser Wert unter 1 fallen würde gibt es Entwarnung und die Maßnahmen können deutlich gelockert werden. Dann fing der R - Wert an zu fallen, (deutlich unter 1) es wurde nun nicht mehr davon gesprochen. Der Inzidenzwert wurde jetzt ins Spiel gebracht. Jetzt, nachdem der Inzidenzwert immer weiter fällt, kommt das Spiel mit dem R - Wert wieder, der steigt plötzlich! Wer soll das alles noch glauben? Immer mehr Menschen bekommen Zweifel!