DDR-Zwangsadoptionen: Union will Klarheit schaffen

Über eine DNA-Datenbank sollen voneinander getrennte Kinder und Eltern wieder zueinanderfinden. In dem Vorstoß geht es aber auch um Entschädigung für Opfer.

Teilnehmer einer Kundgebung zum Thema Zwangsadoptionen.

Für Sie berichtet: Alessandro Peduto

Die Union im Bundestag will Licht in das bislang kaum aufgearbeitete Kapitel der DDR-Zwangsadoptionen bringen. Ziel ist es, das Ausmaß politisch motivierter Adoptionen aus DDR-Zeiten festzustellen und zugleich Wege zu finden, wie sich betroffene Eltern und deren Kinder wiederfinden können. Das sagte Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung der Initiative in Berlin. Es geht dabei laut Vaatz um Fälle von regimekritischen Eltern, denen die DDR-Obrigkeit zur Strafe die Kinder meist unmittelbar nach der Geburt entzog, sie offiziell für tot erklärte und später systemtreuen Eltern zur Adoption überließ.

Ein von der Union beschlossenes Eckpunktepapier sieht nun unter anderem die Einrichtung einer bundesweiten, zentralen Anlaufstelle für die Kontaktanbahnung für leibliche Eltern und ihre adoptierten Kinder vor, ebenso wie psychosoziale Hilfe. Daneben ist eine DNA-Datenbank geplant. Dort sollen Personen, die nach ihren Kindern oder leiblichen Eltern suchen, die Möglichkeit erhalten, eine Erbgutprobe für einen genetischen Abgleich zu hinterlegen. Ferner ist vorgesehen, noch vorhandene Daten und Aktenbestände aus DDR-Zeiten - etwa von Krankenhäusern, Hebammen und Sterberegistern - per Gesetz vor der Vernichtung zu sichern. In Fällen, in denen leibliche Eltern oder möglicherweise adoptierte Kinder hinreichende Verdachtsmomente äußern, die eine Zwangsadoption nahe legen, soll es diesen Personen auch möglich sein, die Vermittlungsakten und Personenstandsregister einzusehen.

Überdies will die Union über Möglichkeiten beraten, die Betroffenen als Opfer des SED-Regimes offiziell anzuerkennen und finanziell zu entschädigen. Vize-Fraktionschef Stephan Harbarth (CDU) sagte, für all diese Maßnahmen sei eine Reihe von Gesetzesänderungen erforderlich. Der Koalitionspartner SPD sei bislang nicht in das Vorhaben eingebunden. Es würden aber entsprechende Gespräche über die Fraktionsgrenzen hinweg geführt.

Vaatz betonte mit Blick auf den Zeitpunkt des Vorhabens knapp 30 Jahre nach der Wende, im Osten habe sich erst nach und nach gezeigt, dass das Problem der Zwangsadoptionen eine solche Dimension habe. Dies lasse es "unverantwortlich erscheinen, diese Geschichte unter den Teppich zu kehren". Die Praxis der Zwangsadoptionen nannte Vaatz verbrecherisch. Ein Problem im Umgang damit sei bisher aber, dass Zwangsadoptionen ins Rechtssystem der Bundesrepublik "nicht hineinpassten". Daher habe es bislang auch keinen angemessenen juristischen Umgang damit gegeben.
Auch das genaue Ausmaß der Zwangsadoptionen ist noch immer unklar. Die "Interessengemeinschaft Gestohlene Kinder in der DDR", in der sich mehr als 1200 Betroffene zusammengeschlossen haben, geht von 300 bis 400 Fällen aus. Es gibt allerdings auch Schätzungen, die weit darüber liegen. Um ein belastbares Bild zu den DDR-Zwangsadoptionen zu ermitteln, will der Ostbeauftrage der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), eine wissenschaftliche Studie in Auftrag geben. Die Untersuchung soll Fakten zutage fördern, die das Thema aus rechtlicher, soziologischer und medizinischer Sicht beleuchten.

4Kommentare
👍2👎1 aussaugerges 12.09.2018 Ich kenne auch eine Frau der sie das Kind weg nehmen musten.
War eine grosse Trinkerin zu DDR Zeiten hatte aber Arbeit in einer Küche.
Ist auch heute noch etwas Schizophren hat jetzt eine Betreuerin.
Ist aber sehr hilfsbereit und fleißig aber bekommt das Geld zugeteilt.
Sie ist sehr traurig darüber ,aber es war gut so.
Name und Anschrift sind bekannt
👍3👎4 acals 12.09.2018 Danke Herr Peduto für Ihren Beitrag. Natürlich wird ein DNA-Abgleich ergeben, wer wessen Kind bzw. Mutter/Vater war - wenn das Ganze dann noch über den Bundestag öffentlich eingesehen werden kann - umso besser.

Am Ende dieses Abgleiches wird sich dann herausstellen was Wahrheit und was Unwahrheit ist - verbale pauschalisierende Vorverurteilungen waren ja bekannter massen ein probates Mittel um einzuschüchtern und Kritik im Ansatz zu ersticken, vgl. Vorredner hier.

Bleiben Sie bitte mutig Herr Peduto.
👍4👎3 Freigeist14 12.09.2018 In Wahrheit wird hier mit dem nie überwundenen Schmerz des Kindesverlustes der Mütter politisch instrumentalisiert. Jemand muss eben Schuld haben am unerklärlichen Verlust nach der Entbindung.Das ist verantwortungslos. Ehrbaren Ärzten und Schwestern aus dem Kreißsaal so eine furchtbaren Tat zu unterstellen ,passt leider in den Zeitgeist,der DDR alle Bösartigkeiten zu unterstellen und auf einen "Unrechtsstaat " zu reduzieren.
👍5👎2 Freigeist14 12.09.2018 Es ist eine Lüge,daß das Thema "Zwangsadoptionen" bisher kaum aufgearbeitet wurde. Das macht auch eine martialische Überschrift mit eine investigativen CDU nicht glaubwürdiger.Wenn man bisher in 30 Jahren k e i n e n einzigen Fall beweisen konnte ,muss eben "mehr gesucht "werden. Was anderes erwarte ich von einschlägigen DDR-Hassern wie Arnold Vaatz gar nicht mehr. Bericht der Senatsverwaltung für Jugend und Familie über Zwangsadaoptionen in der ehemaligen DDR (Auszug) : Die Clearing-Stelle hat sieben Fälle von politischer Zwangsadoption kennengelernt. -in fünf Fällen haben die Eltern wieder Kontakt zu ihren Kindern gefunden(...)
-es ist bisher nichts bekannt darüber,ob Frau Honecker persönlich die Anordnung gab,den Müttern bei Fluchtversuchen,die Kinder wegzunehmen und "linientreuen"Staatsbürgern" zur Adoption zu geben(...) -in 20.25 Fällen hat die Clearing-Stelle den Eltern erklärt.daß auch nach bundesdeutschem recht die Wegnahme des Kindes wegen gravierender Versorgungsmängel und nachhaltiger Mißachtung von Kinderinteressen berechtigt gewesen wäre.Einige Mütter äußerten dennoch,daß sie eine gerichtliche Überprüfung anstreben.(...) -Die Erfahrungen der Berliner Clearing-Stelle decken sich mit den Erfahrungen anderer Landesjugendämter.Es sind nur wenige Fälle echter politischer Zwangsadoptionen bekannt geworden.Die ganz überwiegende Zahl der Fälle betrifft alleinstehende Mütter,die der Doppelbelastung von Kindeserziehung und Arbeitspflicht nicht gewachsen waren.Daraus entwickelte siche in Teufelsfreis,dem die jungen Frauen nicht mehr entrinnen konnten.Dies führte schließlich zum Verlust der Kinder." (Weissbuch 3; Berlin 1994)
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