Deutschland kontrolliert wegen Corona-Virus Grenzen

Straßensperren, Kontrollen, Temperaturmessungen: Um den Coronavirus einzudämmen, schränkt Deutschland den Grenzverkehr ein. An den Flughäfen des Landes ist es deutlich ruhiger geworden.

Berlin (dpa) - Wegen der Coronakrise kontrolliert Deutschland an den Übergängen zu Österreich, Frankreich, Luxemburg und Dänemark sowie zur Schweiz nun wieder die Grenzen.

Damit soll eine rasante Ausbreitung des Virus verhindert und die Zahl der Infizierten und Toten kleingehalten werden. An einigen Übergängen bildeten sich mit Beginn der Kontrollen am Montag um 8.00 Uhr längere Staus. Manche kleinere Straßen - etwa von Frankreich nach Baden-Württemberg - sind komplett gesperrt.

Unterstützt wurde die Bundespolizei nach dpa-Informationen teilweise durch Einsatzkräfte der Landespolizeien. Das Deutsche Rote Kreuz baute Kontrollpunkte auf, um bei Einreisenden die Temperatur zu messen. Ausländische Reisende ohne triftigen Grund dürfen nicht mehr nach Deutschland einreisen. Warenverkehr und Berufspendler sind nach Angaben der Bundespolizei nicht betroffen. Die Ankündigung sorgte dafür, dass sich viele Menschen aus den Nachbarländern gar nicht erst auf den Weg nach Deutschland machten.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Maßnahmen am Sonntagabend angekündigt. Der Sprecher des Ministeriums, Steve Alter, hob hervor, «dass wir keine Grenzen geschlossen haben». Er betonte: «Deutschen Staatsbürgern kann die Einreise nie verweigert werden.»

Im Norden blieb ein Verkehrschaos aus. Dänemark hatte die Grenze zu Deutschland bereits am Samstag um 12.00 Uhr geschlossen. Von dänischer Seite fuhren am Morgen am Grenzübergang Kupfermühle/Krusau nur wenige Fahrzeuge gen Deutschland. In Richtung Dänemark stauten sich überwiegend Pendlerfahrzeuge mit deutschen Kennzeichen auf einigen Hundert Metern.

An den Grenzübergängen nach Luxemburg und Frankreich bildeten sich Rückstaus. An der Grenze zu Österreich blieb es ruhig. Der Verkehr rollte zunächst normal weiter. Der Rückstau nach Österreich war gering, wie dpa-Reporter berichteten. Auch Raststätten und Parkplätze im Grenzgebiet waren auffällig leer. Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich gibt es schon seit der Flüchtlingskrise im Herbst 2015.

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, da sich Polen und Tschechien schon für strenge Regeln entschieden hätten, bedürfe es dort «keiner zusätzlichen Anordnungen deutscher Behörden». Ob EU-Bürgern - etwa aus Polen - die Durchreise in ihre Heimat gestattet werde, werde vor Ort entschieden. An den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden gibt es bislang keine besonderen Kontrollen - wohl, weil dort keine Corona-Hochrisikogebiete liegen.

Baden-Württemberg will den Betrieb an allen Flughäfen einstellen. Reisende aus dem Ausland würden aber noch zurückgeholt. Am Hunsrück-Flughafen Hahn wurden zahlreiche Flüge gestrichen. Auch an den Flughäfen in Düsseldorf, Köln-Bonn und München ging die Zahl der Flüge deutlich zurück.

Die Europapolitikerin Katarina Barley (SPD) sieht die Grenzkontrollen skeptisch. Es stelle sich die Frage, «ob das wirklich so viel bringt», sagte Barley im Deutschlandfunk. «Ob ich jetzt von Köln nach Frankfurt fahre oder von Köln nach Nimwegen in den Niederlanden: Ich verbreite, wenn ich infiziert bin, das Virus weiter, und die meisten Staaten sind ja ähnlich betroffen.» Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans betonte, die Grenzkontrollen seien kein Rückzug in einen «nationalen Egoismus».


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10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    ChWtr
    19.03.2020

    Bilder, Bilder - so starke Bilder, dass sie Politik machen (...), siehe Link.

    Irgendwie scheinen Sie heute nicht genug zu bekommen, @Lesemuffel. Es geht nicht ums erinnern. Diesen Hinweis brauche ich nicht von Ihnen. Es geht darum, dass man bei der Wahrheit bleibt und zum damaligen Zeitpunkt die Situation in Ungarn / Budapest nicht negiert - wir sprechen vom Zeitpunkt ab August 2015, speziell jedoch dann ab dem 04.09.15.

    https://www.zeit.de/2016/35/grenzoeffnung-fluechtlinge-september-2015-wochenende-angela-merkel-ungarn-oesterreich

  • 4
    2
    MuellerF
    19.03.2020

    @Lesemuffel: Es gibt eben Unterschiede zwischen dem, was rein organisatorisch möglich ist (das wären flächendeckende Grenzkontrollen natürlich auch 2015 & davor gewesen); und dem, was rechtlich möglich ist (da fallen vorgenannte Grenzkontrollen raus wegen Schengen).
    Zum jetzigen Zeitpunkt sind sie jedoch aus rechtlichen Gründen (Infektionsschutz) möglich, bzw. sogar verpflichtend für die Regierung.
    Jetzt klar?

  • 2
    4
    Lesemuffel
    19.03.2020

    Chwtr diese Tatsachen wollen einige nicht gern hören, auch wenn sie "gähn" sind, man darf es nie vergessen. Deshalb immer wieder daran erinnern.

  • 3
    5
    ChWtr
    19.03.2020

    Malleo hat es bereits geschrieben, Muffel. Mit einer Wiederholung wird es nicht besser.

    Obwohl, bis zum letzten Satz hat Malleo alles richtig geschrieben. Dann wird jedoch wieder (und immer wieder) die Keule "Fake-Mär" rausgeholt. Gähn!

  • 5
    4
    Lesemuffel
    19.03.2020

    Erstaunlich, was jetzt alles möglich ist und geht. Plötzlich ist die Staatskasse gut gefüllt, die EZB druckt noch mehr Geld. Und was schier aussichtslos, unmöglich seit 2015 gewesen ist: Die BRD ist doch in der Lage und fähig, die Staatsgrenze zu kontrollieren. Wie wurden wir in dieser Sache nur verantwortungslos hinters Licht geführt.

  • 5
    2
    MuellerF
    18.03.2020

    @Malleo: Sie schrieben: "Sind es die bislang fehlenden Möglichkeiten von wirksamen Schutzmaßnahmen und die dramatischen Anstiege der Infizierten?"

    Ja, genau das sind die wesentlichen Gründe. Anders als bei Grippe gibt es derzeit weder einen Impfstoff noch eine weitgehende "Grundimmunisierung" , da Corona ja ein neues Virus ist, Grippe aber in verschiedenen Subtypen schon alljährlich zum Winter gehört.Daher ist Corona auch ansteckender. Also wird versucht, die Anzahl gleichzeitig Erkrankter so gering wie möglich zu halten.

  • 7
    3
    franzudo2013
    17.03.2020

    Grenzen schließen ging schon immer und wird immer gehen. Wenn man will.
    Was sind das für Deppen, die ONE WORLD erreichen wollen, indem einfach Grenzkontrollen als Problem ausgemacht werden. Nicht die Kontrolle ist das Thema, sondern die Durchlässigkeit von Grenzen.
    Wer noch nicht mal zwischen Flüchtlingen und Migranten differenzieren kann, wer Texte wie den Migrationspakt verfasst, der kann weder Politik noch sonst was.

  • 11
    9
    Malleo
    16.03.2020

    Zu dieser Pandemie und Infektionskrankheit wird eigentlich alles-rund um die Uhr und was man weiß-gesagt.
    Die Fallzahlen erreichen keinesfalls die Erkrankungen und Sterbefälle der jährlich über die Länder grassierenden Grippewellen.
    Warum also diese in der Moderne und länderübergreifend noch nie angesagten Maßnahmen zur Beherrschung dieser Epidemie?
    Sind es die bislang fehlenden Möglichkeiten von wirksamen Schutzmaßnahmen und die dramatischen Anstiege der Infizierten?
    Man darf den handelnden Personen aus Wissenschaft und medizinischen Personal unbedingt einen Dank aussprechen, auch weil alle neuen Erkenntnisse zeitnah der Bevölkerung zur Kenntnis gegeben werden, um auf neue Herausforderungen sofort reagieren zu können.
    Wie schnell und vor allem in welcher Intensität dieser Virus die globalisierte Welt auf null schaltet, hätten wohl die größten Pessimisten und Verschwörungstheoretiker kaum vorhersagen wollen.
    Insofern darf man wohl von einem noch nie dagewesenen Lerneffekt sprechen, was eine solche Pandemie ohne Vorbereitung von modernen Gesellschaften abverlangt.
    Einschränkungen sozialer Kontakte, des Reiseverkehrs, des öffentlichen Lebens.
    Dabei erinnert man sich sogar der Existenz nationaler(!) Grenzen, die auch von Deutschland(!) plötzlich geschützt und gesperrt werden.
    Ein Faktum, was man kaum für möglich halten kann, wurde doch bei einer überschaubaren Situation 2015 von all jenen Agierenden in Berlin mit Inbrunst verkündet, dass sich Migranten an Grenzen nicht aufhalten lassen.
    Schön, dass es Archive gibt und man darf gespannt sein, wenn Erdogan seine Tore wieder öffnet, ob dann auch die Grenzen geschlossen bleiben.
    Dank Corona wissen nunmehr die Grundrechtsträger, dass 2015 von Merkel ein Fake verbreitet wurde!

  • 13
    2
    Tauchsieder
    16.03.2020

    Da kommen Erinnerungen wieder hoch. Nach Polen durfte man nicht, zu den Tschechen ging es nur sehr schlecht. Richtung Westen ging gar nichts, da lagen "Tretminen" und oben war das Meer des "Friedens". Die Alten hebt so etwas nicht an. Für unsere Neubundesbürger aus den Westgebieten wird dies wahrscheinlich ein einschneidendes Erlebnis sein.

  • 13
    13
    Lesemuffel
    16.03.2020

    Nun wird doch gemacht, was die schlimme Alternative bereits vor mehreren Wochen gefordert hatte. Grenzen werden geschlossen. Vielleicht hat die Regierung so lange gewartet, bis sie keine Wahl mehr hatte. Denn der Beschluss alles abzulehnen, was von der Alternative kommt, wurde ja nicht aufgehoben, da bleibt man selbst im Krisenfall hart.