Die betrogenen "Madgermanes"

21.000 Ostafrikaner verstärkten die Belegschaften in DDR-Industriebetrieben. Einen Teil des Lohnes haben sie nie gesehen.

Acht mosambikanische Vertragsarbeiter, die in den 1980er-Jahren in der DDR arbeiteten, forderten am Wochenende in Magdeburg die Auszahlung der ihnen zu DDR-Zeiten vorenthaltenen Lohnanteile. Ein Initiativkreis von Vertretern der evangelischen Kirche, des Landes Sachsen-Anhalt, Einzelpersonen und Stiftungen hat sie nach Deutschland geholt. Anlass war eine Tagung zum 40. Jahrestag des Abschlusses des Vertrages zwischen der DDR und Mosambik über die Entsendung von Vertragsarbeitern am 24. Februar 1979.

Die ehemaligen Vertragsarbeiter kehrten nach der Wende wieder nach Mosambik zurück. Antonio Daniel hatte in der Lausitz Braunkohle auf Förderbänder geschippt und musste Teile seines Lohnes abgeben. 60 Prozent des 350 Mark überschreitenden Einkommens sowie die Rentenversicherungsbeiträge wurden auf ein Regierungskonto gezahlt. Daniel wurde erzählt, er erhalte das Geld bei seiner Rückkehr in Mosambik ausgezahlt. In Wirklichkeit wurden die einbezogenen Lohnanteile mit den Staatsschulden Mosambiks bei der DDR verrechnet.

Daniel beschreibt mit drastischen Worten das Leben der DDR-Rückkehrer am Rande der Existenz: "Wenn ich krank werde, habe ich kein Geld für das Krankenhaus. Diejenigen von uns, die schon gestorben sind, konnten sich keinen Sarg und keine würdige Bestattung leisten." Die "Madgermanes" (Verballhornung von Made in Germany), wie die DDR-Rückkehrer genannt werden, waren bei ihrer Rückkehr 1990 im damaligen Bürgerkriegsland Mosambik als lästige Konkurrenten auf die wenigen Arbeitsplätze angesehen worden. Vom Leben am Existenzminimum erzählt auch die Fotoausstellung "Madgermanes" im Magdeburger Landtag. Sie zeigt, wie die Leute jeden Mittwoch mit deutschen Fahnen durch die Straßen von Maputo und anderen Städten von Mosambik ziehen. Sie fordern das Geld, um das sie sich von der DDR, Mosambik und schließlich der Bundesrepublik betrogen fühlen. Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), sieht aus Sicht der Bundesregierung keine offenen Forderungen. Die DDR hätte ihre Pflichten aus dem Vertrag erfüllt. Die Rückzahlung der Transferleistungen an diejenigen, die das Geld erarbeitet hätten, läge somit in der Verantwortung von Mosambik. "Das ist nicht Aufgabe des deutschen Steuerzahlers."

21.000 mosambikanische Vertragsarbeiter kamen zwischen 1979 und 1989 in die DDR. 2000 von ihnen blieben hier.

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