"Es gehört auf den Index"

Sprachforscherin widerspricht AfD-Chefin Petry: Wort "völkisch" bleibt mit rassistischer NS-Ideologie verbunden

Berlin.

Die Vorsitzenden der AfD, Frauke Petry, wirbt für die positive Verwendung eines Wortes, das einst in der Propaganda der Nationalsozialisten verwendet wurde: "völkisch". Aus Sicht der Mannheimer Sprachwissenschaftlerin Heidrun Kämper ist dieses Wort historisch zu sehr belastet, als dass es wieder in den normalen Sprachgebrauch Eingang finden könnte. Alessandro Peduto hat mit der Forscherin darüber gesprochen.

Freie Presse: Lässt sich das Wort "völkisch", das einst von den Nationalsozialisten gebraucht wurde, sprachlich rehabilitieren, wie es AfD-Chefin Frauke Petry vorschlägt?

Heidrun Kämper: Nein, ich bin eindeutig nicht der Meinung, dass sich dieses Wort rehabilitieren lässt. Denn es entstammt rassistischem Denken. Und Rassismus ist in unserer Gesellschaft ein Tabu. Insofern müssen wir auch sprachlich dieses Tabu beachten. Das Wort ruft alles auf, was im rassistischen Kontext steht.

Was nämlich?

Das Wort grenzt aus und markiert eine Trennlinie zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Alles, was völkisch, also eigen, ist, wird positiv konnotiert, und alles, was nicht dazugehört, wird abgewertet. Das ist das Wesen von Rassismus und Nationalismus. Dort werden Unterschiede nicht beschrieben, sondern es wird bewertet: Angehörige anderer Kulturen, anderer Länder, und so weiter.

Schwingt bei "völkisch" auch mit, dass nur derjenige dazugehört, der einer bestimmten Gruppe entstammt. Oder anders formuliert, dass ein Zuwanderer nach dieser Definition von vornherein niemals dazugehören kann?

Ja. Und es ist ja kein Zufall, dass Frau Petry sich für dieses Wort stark macht. Es entspricht dem Denkmuster, das auch im AfD-Grundsatzprogramm zu finden ist. Dort ist von der gut gebildeten, deutschstämmigen Frau die Rede, die leider zu wenige Kinder hat. Ihr wird die türkische, kinderreiche, sozial schwache und ungebildete Frau gegenüber gestellt. Das sind die beiden Menschenbilder, die bewertet werden. Das Wort 'völkisch" ist gewissermaßen die Verdichtung dieser rassistischen Denkweise.

Frau Petry argumentiert aber, das Adjektiv 'völkisch' sei einfach von 'Volk' abgeleitet. Hat sie Unrecht?

Natürlich ist das sprachgeschichtlich richtig. Das Wort wurde ganz ursprünglich auch einmal als Synonym für 'deutsch' verwendet. Trotzdem ist Frau Petrys Aussage naiv. Denn wie ein Wort verwendet wird, entscheidet die Sprachgemeinschaft. Und die Sprachgemeinschaft assoziiert den historischen Zusammenhang dieses Wortes. Da kann man lange darauf beharren, dass 'völkisch' von 'Volk' abgeleitet ist. Die Assoziationen sind andere. Und das ist das Entscheidende. Es gibt keine 'schuldigen' und 'unschuldigen' Wörter. An sich ist jedes Wort unschuldig. Es geht um Wörter, die so kontaminiert sind, dass sie heute nicht mehr verwendet werden dürfen. 'Völkisch' ist natürlich insofern wie jedes Wort zunächst unschuldig. Seine Bedeutung wurde aber derart im Nationalsozialismus in nationalistisch-rassistischem Sinn geprägt, dass es von dieser Prägung nicht frei wird. Deshalb lässt es sich nicht mehr auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückführen.

Gilt das für alle Wörter der NS-Ideologie?

Nein. Es gibt Wörter des Nationalsozialismus, bei denen es unangemessen wäre, sie auf den Index zu stellen. Etwa 'Betreuung' oder 'charakterlich'. Diese Begriffe sind zwar im Nationalsozialismus viel verwendet und auch euphemistisch, also verhüllend. Aber im heutigen Sprachgebrauch haben sie ihren Platz, sie sind weniger 'belastet'. Bei 'völkisch' ist das ganz anders. Es gehört zum Teilwortschatz 'Rassismus und Holocaust', wie 'vergasen'. Solche Wörter gehören auf den Index.

Will ein Politiker, der solche "kontaminierten" Begriff in den öffentlichen Diskurs einbringt, bestimmte Assoziationen aufrufen?

Im Fall der AfD kann ich diese Frage eindeutig mit Ja beantworten. Ich habe das Grundsatzprogramm dieser Partei analysiert. Die Erkenntnis, wie ausgeprägt rassistisches Denken bei der AfD ist, führt mich zu dem Schluss, dass Frau Petry mit dem Begriff 'völkisch' klar auf eine bestimmte Ideologie Bezug nehmen will. Wenn sie die Geschichte dieses Wortes kennt und es dennoch explizit benutzt, nimmt sie in Kauf, dass es so verstanden werden kann. Ich unterstelle sogar, dass Frau Petrys Deutung des Wortes 'völkisch' identisch ist mit jener im Nationalsozialismus.

Das heißt, wenn Frau Petry hätte vermeiden wollen, missverstanden zu werden, hätte sie einen anderen Begriff benutzt?

Genau, das wäre der Umkehrschluss. Vermutlich weiß Frau Petry auch, dass zur NS-Zeit das Wort 'völkisch' der Gegensatz zu 'international' war. Die AfD hat sich ja zur Aufgabe gemacht, Grenzen hochzuziehen und damit Internationalität zu bekämpfen. Auch das drückt sich in diesem Wort aus.

Zur Person: Heidrun Kämper

Die 62-jährige Linguistin und Politologin ist Professorin am Institut für Deutsche Sprache der Universität Mannheim. Einer von Kämpers Forschungsschwerpunkte ist die deutsche Sprachgeschichte seit 1933. So hat Kämper unter anderem die Sprache des Dritten Reichs, der Nachkriegszeit und der westdeutschen Studentenbewegung von 1968 untersucht. (ape)

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28Kommentare
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  • 5
    0
    saxon1965
    15.09.2016

    Zum Thema Toleranz fällt mir ein:
    "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden." R. Luxemburg
    Dieses Zitat könnte man auch ummünzen in: "Toleranz ist immer ..."
    @1953866: Ich habe die Sendung auch gesehen. Das trifft es auf den Kopf!
    Meiner Meinung nach kann nur Jener Toleranz erwarten, der bereit ist ebenfalls tolerant zu sein.
    Ich bleibe aber bei meiner Meinung. Das Wort "völkisch" muss man nicht verwenden. Man kann auch ohne dieses Wort einen gesunden Nationalstolz haben, typisch deutsch sein und seine Heimat lieben.

  • 2
    0
    1953866
    15.09.2016

    @Freigeist14, Toleranz! Der Klüger gibt solange nach, bis er der Dumme ist. Am Dienstag, 13.09. kam die Reportage "Ein Staat-zwei Welten"auf 3 Sat Eine, heutzutage selten, offene Doku über Parallelgesellschaften, Wertevorstellungen, Gleichberechtigung, und Grenzen der Toleranz in Deutschland im Jahr 2016. Kann über die Mediathek noch angesehen werden. Und 3Sat, bzw. das ZDF stehen wohl kaum im Verdacht rassistisch, fremdenfeindlich oder gar rechtsradikal zu sein.

  • 3
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    Freigeist14
    14.09.2016

    Einspruch@,Sie schreiben Unsinn.Toleranz scheint Ihnen fremd zu sein.Wenn man das Grundgesetz Artikel 1 auch respektiert,käme man nicht auf diesen Unfug,die eigene Bevölkerung abzuwerten.
    Toleranz wird euphemistisch,wenn man leben und leben lassen mit Gleichgültigkeit verwechselt.

  • 4
    1
    gelöschter Nutzer
    14.09.2016

    Nun, als gelernter HS-Ing.-Ök. sitze ich auf einem Ast des Familienstammbaumes, deren einer Zweig wenigstens den letzten Ministerpräsidenten von Sachsen stellte, der dann vor den Russen türmte und später in Moskau das bekam, was er verdiente.
    Stolz darauf waren wir nie, dass wir so eine Figur im Stammbaum hatten.

  • 5
    5
    Einspruch
    14.09.2016

    Auf den Index sollte das Wort Toleranz kommen, da es heute nur noch bedeutet, alle Fremden und alles Fremde kritiklos besser zu finden und einen überhöhten Stellenwert und Schutzbedürfnis einzuräumen, als seiner eigenen Bevölkerung (darf man das noch sagen?) mit ihren eigenen Traditionen und Gepflogenheiten, die sich entwickelt haben und eben Volks typisch (ist das schon Rassistisch?) sind. Es bedeutet schon bald nichts anderes mehr als totale Selbstverleugnung und Identitätsverlust. Insofern ist das Wort Toleranz also auch euphemistisch, sozusagen verhüllend. Frau Kämpfers Denkweise entspricht es wahrscheinlich ohnehin, alles als rassistisch einzustufen, was auch nur im entferntesten von ihren Theorien zur deutschen Sprache abweicht.

  • 9
    1
    schwammefreak
    14.09.2016

    Hier wird mir zu viel über einen Menschen geredet, als mit ihm. Warum hat die FP nicht gleich mal Frau Petry selbst interviewt, statt eine andere über ein einzelnes Wort herziehen zu lassen? Vielleicht hätte Frau Petry selbst Erklärendes zu sagen.

  • 9
    4
    norbertfiedler70
    13.09.2016

    Die Argumente von Frau Kämper überzeugen mich nicht. Da ?völkisch? im Deutschen offensichtlich ein Tabuwort ist, hat es für mich keine vorbelastete Semantik, da nicht jeder zum Sprachgebrauch in Zeiten des Nationalsozialismus promoviert hat. Am ehesten assoziiert man das Wort noch mit ?Der völkische Beobachter?, woraus sich aber nicht ableiten läßt, dass es ein Unwort wäre. Ansonsten läßt sich die Semantik aus anderen heute oft verwendeten Worten ableiten - sächsisch z.B., von dem wohl niemand behaupten würde wollen, dass es die von Frau Kämper behaupteten negativen Konnotationen zwingend besitzen würde. Weiterhin gab es das Wort schon vor der NS-Zeit und es leuchtet nicht ein, warum man die Semantik von Nationalsozialisten übernehmen/sich vorschreiben lassen sollte.

  • 8
    4
    Hübnererich
    13.09.2016

    "Mutterschutz","Tierschutz","Autobahn" und der beliebte "Volkswagen". Alles Erfindungen der Nazis.

  • 1
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    fp2012
    13.09.2016

    @crashy:
    Was Sie so alles Arbeit nennen... Naja, als gelernter DDR-HS-Ökonom...

  • 6
    2
    gelöschter Nutzer
    13.09.2016

    Wenn ich das Wort "Deutsche Einheit" höre, dann assoziiere ich dies mit "Verlust des Rechtes auf Arbeit", aber auch in anderen Zusammenhängen assoziiere ich es mit "Lebertran", DEM "Brech-Mittel", dass uns als Kinder dann eingeflöst wurde, wenn es uns besonders schlecht ging.

    Dann ging es uns erst recht ganz schlecht - gefühlt jedenfalls schlechter als zuvor.

  • 11
    2
    gelöschter Nutzer
    13.09.2016

    national

    a) [inner]staatlich;

    (veraltet): völkisch.

    b) (geh., oft emotional): heimatliebend, vaterlandsliebend;

    (geh., oft emotional, auch abwertend): vaterländisch;

    (abwertend): chauvinistisch, nationalistisch;

    (oft abwertend): patriotisch.


    © Duden - Das Synonymwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2010 [CD-ROM]

    Was ist daran nazistisch?

    Meine Oma war kein Nazi, aber die sagte zu den Salmiak-Pastillen auch "Neger-Fo...e"!
    Mein Urgroßvater war Kolonialwarenhändler.

    Wäre mein Urgroßvater Chemiker gewesen, dann hätte Oma vielleicht zu mir als Kind gesagt:
    "Hole mal bitte Ammoniumchlorid-Pastillen, Du weißt schon, die schwarzen Rhomben in der Blechdose!"

    Wetten , dass mich im KONSUM keine Verkäuferin verstanden hätte, aber mit dem anderen Begriff, da konnten die noch was anfangen.

    Aber wir waren ja in der DDR alles nur entweder Kommunisten oder getarnte Nationalsozialisten - glaubt man den Medien von heut.

    Nur die "Widerstandskämpfer", die waren natürlich alles "Heilige"!

  • 8
    2
    aussaugerges
    13.09.2016

    He/We;

    Ja in Rakke haben die Frauen diese Masken alle verbrannt als der IS weg. war.


    Und die Roth kann doch auch eine aufsetzen.
    Unmöglich die Frau

  • 7
    3
    maxmeiner
    13.09.2016

    Werter Freigeist14, was in der DDR tabuisiert war, hat mit deren Ende seine Gültigkeit für deren Anhänger verloren, auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen. Aus Ihrer linken Weltsicht sind das nätürlich Ablenkungsmanöver, nicht aber für den normaldenkenden Bürger, der sich nicht schon wieder von einer kleinen Minderheit die Bedeutung von Worten vorschreiben lassen will und die für sich die Deutungshoheit hierfür beanspruchen. Da fallen mir auch einige Birkung, Begriffe ein, die ich hier aber nicht wiedergeben möchte - weniger wegen der tabuisierend erscheinenden Formulierung, eher wegen der zensorischen.

  • 5
    4
    Blackadder
    13.09.2016

    @heiwei: Niemand spricht es Frau Petry ab, das Wort "völkisch" zu benutzen! Was Sie jedoch will, ist diesem Wort eine neue, positive Bedeutung zu geben - das ist es doch,was viele Sprachwissenschaftler anzweifeln. Es ist doch nicht verboten, das Wort zu benutzen, aber man kann es doch als das verstehen, was man will. Auch Frau Petry kann die negative Konnotation dieses Wortes nicht einfach auslöschen.

  • 5
    4
    Freigeist14
    13.09.2016

    ich hefte das jetzt mal ab unter der Rubrik "Ablenkungsmanöver" herr maxmeiner.In der DDR war der von Ihnen zur Rehabilitation freigegebene Begriff auch tabuisiert.

  • 2
    6
    maxmeiner
    13.09.2016

    "Keinem Mitbürger,dessen Verwandschaft aus "völkischen"Gründen seine Existenz im III.Reich verlor und zur Emigration gezwungen wurde" - damit ist doch auch sicherlich der real existierende Sozialismus gemeint, dessen bankrottes Regime 1990 Gott sei Dank sein Ende fand - Emigration, Existenzverlust, Überwachung und Verfolgung, umerzieherisches Deuten von Worten und Begriffen ala Schnitzler, kollektives Zwangsbejubeln von Regierungsentscheidungen - die Macht der Worte muß man nur deuten können, um zu wissen, wessen Geistes Kind dahinter steht.

  • 7
    1
    gelöschter Nutzer
    13.09.2016

    Viele, kleine "neuen Glaubenskriege"
    Gestern bei Plasberg ging's um die Vollverschleierung und ein Fazit der Sendung lautete; Einige Muslime beanspruchen für sich das Recht sich voll verschleiert in der Gesellschaft zu bewegen, auch wenn dies als Provokation eines politisch diktatorischen Islam oder als Wille zur gesellschaftlichen Desintegration verstanden werden "könnte". Insbesondere rote und grüne Parteien sowie linksextreme Bewegungen fordern von der Allgemeinheit dies auszuhalten, weil es "demokratisch" (Grundrecht Religionsfreiheit) ist.
    Gleichzeitig beanspruchen einige Bürger für sich das Recht das Wort "völkisch" zu verwenden, auch wenn dies als Provokation eines rassistischen Weltbildes verstanden werden "könnte". Insbesondere konservative und rechte Parteien sowie rechtsextreme Bewegungen fordern von der Allgemeinheit dies auszuhalten, weil es "demokratisch" (Grundrecht Meinungsfreiheit, Gewissensfreiheit) ist.

  • 5
    5
    Freigeist14
    13.09.2016

    maxmeiner,Frau Petry kann denken ,was Sie will.Sie hat sich aber geäußert und versucht,eine unselige Diskussion zu schüren.Die von Ihnen bezeichnete verwirrte Minderheit ist eher die Mehrheit!Und diese hat eine gewissen Sensibilität gegenüber einem Sprachschatz der an eine überwundene grausame Vergangenheit erinnern kann.Keinem Mitbürger,dessen Verwandschaft aus "völkischen"Gründen seine Existenz im III.Reich verlor und zur Emigration gezwungen wurde,wäre dieser Terminus vermittelbar.

  • 6
    2
    Beteigeuze
    13.09.2016

    @Blackadder. Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt [Wittgenstein]. Wer also die Sprache eingrenzt, begrenzt auch die persönliche Weltsicht, was auch Sapir & Whorf so sahen. Natürlich Denken wir in und mit der Sprache, die ausgesprochen und hörbar oder geschrieben und lesbar ist. Es gilt aber vielmehr noch, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt [Marx] und damit unser Denken. Eine neue durch kindische [Denk-]Verbote erzeugte Unmündigkeit benötigen wir nicht, sondern einen streitbaren und aufklärerischen Liberalismus, der daraus den Ausgang schafft.

  • 4
    9
    maxmeiner
    13.09.2016

    Diese Denuzierung findet gerade wieder statt, und von gleicher Seite. Bei George Orwell nannte sich das "Gedankenpolizei".
    Wo soll das enden, wenn man die deutsche Sprache selektiert in politisch gut und böse belegte Worte - bei einer rauchlosen Bücherverbrennung oder bei der Ideologie eines Pol Pot?
    Der hilflose Versuch einer verwirrten Minderheit, eine unangenehme Partei (die übrigens mehr Zuspruch aus dem Volk erhält als die Linken) verbal und medial zu diskreditieren und sich dabei keiner noch so schäbigen Methode scheut.

  • 6
    2
    Nixnuzz
    13.09.2016

    GrafZ: Stimme weitest gehend zu. Wenn ich mir den öffentlichen Umgang mit Pegida und AfD- Menschen so ansehe, frag ich mich, welches historischen Geisteskind mancher dieser Kritiker sind. Existiert nicht weiterhin jener doch angeblich juristisch verbotene und literarisch entsorgte "Nationalsozialismus" in den Köpfen? Auch mit dem Wissen der Mehrdeutigkeit bei der Aussprache und den Verbalempfängern? Haben Christlichdemokratische oder Einheitliche Sozialistische Nachkriegskindererziehung dieses Sprachkapitel nicht auslöschen können? Meine derzeitige Erfahrung im direkten Gespräch in Ost wie in West belegt dies. Solange die jetzige GroKo-Politik Menschen irgendwie vor den Kopf stößt und dann auch noch in Denke und Sprache hineingreift, wird diese Doppelzüngigkeit auch weiterhin Bestand haben. Und der damit verbundene inhaltliche Informationsaustausch ebenfalls.

  • 9
    4
    Beteigeuze
    13.09.2016

    In einer Demokratie braucht man keine Tabuisierung mittels Listen von verbotenen, politisch unkorrekten Wörtern, sondern eine sachliche Auseinandersetzung. Das liegt der Wissenschaftlerin, die SPD-Mitglied und -funktionärin ist, wohl fern. Sie sollte lieber im Sinne Dolf Sternbergers [Aus dem Wörterbuch des Unmenschen] sowie mehr noch im Sinne Victor Klemperers [LTI-Notizbuch eines Philologen (Lingua Tertii Imperii Die Sprache des Dritten Reiches, früherer Titel)] aufklären und die deutsche Sprache zurückerobern. Mit dem Adjektiv "völkisch" im Sinne der NS-Ideologie wurde übrigens zuerst die AfD seitens linker Kreise denunziert. Petrys Vorstoss ist darauf eine Retourkutsche.

  • 7
    6
    saxon1965
    13.09.2016

    Wenn ein Wort negativ besetzt ist und dass ist es in meinen Augen, dann ist es doch egal wie lange es das Wort schon gibt bzw. ob es vorher schon da war.
    @DerWundePunkt: Sie haben ganz sicher Recht, aber warum tritt dann Frau Petry das Thema los? Sollte sie sich nicht eher um solche Sachthemen wie die von ihnen genannten kümmern? Deshalb kann ich mit dieser AfD auch nichts anfangen. Keine realpolitischen Themen, außer das Eine!

  • 7
    6
    Freigeist14
    13.09.2016

    WunderPunkt,nix"Na und!"Frau Petry hat bewußt versucht,dieses beschriebene Tabu zu brechen .Und niemand sollte versuchen,ihr Naivität oder Hang zur Germanistik anzuhängen.
    Die geschürte Diskussion sollte nur der fortschreitenden Verrohung der Sprache Vorschub leisten.Der Sprachforscherin ist nichts hinzuzufügen.
    Ablenkmanöver sind das tägliche Brot der Deutschalternativen.
    Haben Sie schon einmal eine schlechtes Wort von Frau Petry über Hartz IV gehört,ohne das sie gleich von ungerechten Ansprüchen
    von Flüchtlingen schwadroniert? Sehn se.

  • 7
    8
    DerWundePunkt
    13.09.2016

    Wie krank sind hier eigentlich die Menschen? Da gibt es einen riesigen Aufschrei, weil sich jemand getraut hat, das Wort völkisch zu verwenden. Na und? Gibts in diesem Staat keine anderen Probleme. Wo bleibt der Aufschrei der so korrekten Staatsbürger, wenn ein Hinterbänkler der SPD Menschen nach Deutschland schmuggelt, wo ist der staatsweite Aufschrei, wenn ein ungeliebter SPD-Vorsitzender Teile des deutschen Volkes als Mob beschimpft oder der berühmten Finger zeigt? Wo bleibt der kollektive Aufschrei, wenn ein eingetragener Verein abgelehnte Asylanten vor der Abschiebung warnt?

    Ablenkmanöver von den eigentlichen Problemen, wie rechtswidriger Grenzübertritt von Hundertausenden, sehr viele Straftaten durch Asylanten, nichtfunktionierende Abschiebepraxis, fehlende Lehrer, fehlende Ärzte, Hartz IV, um nur einige zu nennen.

  • 12
    5
    GrafZ
    13.09.2016

    @Nixnuzz: Sie haben Recht und liegen doch falsch. Natürlich ist das Wort "völkisch" älter als der Nationalsozialismus. Wenn ich richtig informiert bin, gab es das schon im 15. Jahrhundert im Sinne von völkstümlich. Der Begriff hat aber seit dem 19. Jahrhundert eine klar nationalistische Note und diente zur Ausgrenzung insbesondere der Juden. Soviel zum Thema christisch-jüdiches Abendland. Frau Patry könnte die Sitaution lösen, indem sie sagt, wer zum Volk denn nun gehört. Das wird sie aber schon aus Gründen der Parteiräson schon unterlassen. Aber natürlich kann sich Frau Petry wieder ins Mittelalter bewegen, nur sollte sie vielleicht bedenken, wie das Leben sonst so als "treuloses Weib" war.

  • 8
    10
    Blackadder
    13.09.2016

    Ich weiß nicht, ob Sie die Sapir-Whorf-Hypothese kennen? Es handelt sich hierbei um eine linguistische These, dass die Sprache das Denken formt, dabei geht es um die Frage, wie sich eine bestimmte Sprache mit ihren grammatischen und lexikalischen Strukturen auf die Welterfahrung der betreffenden Sprachgemeinschaft auswirkt. Man könnte auch sagen: was ich sage, das denke ich und die Worte, die ich benutze, formen mein Denken. Je mehr wir die deutsche Sprache in Richtung völkisch verändern, desdo mehr ändert sich dann auch das Denken in diese Richtung - und schlussendlich auch das Tun. Und davor habe ich Angst.

  • 8
    5
    Nixnuzz
    13.09.2016

    a).."völkisch". Aus Sicht der Mannheimer Sprachwissenschaftlerin Heidrun Kämper ist dieses Wort historisch zu sehr belastet, als dass es wieder in den normalen Sprachgebrauch Eingang finden könnte. b)....Forschungsschwerpunkte ist die deutsche Sprachgeschichte seit 1933...
    So simpel ist wohl die "Entsorgung" von Sprachbegriffen in der Geschichte wohl nicht. Wo endet der private Sprachgebrauch und wo ist er offiziell Volksverhetzend? Wo beginnt die political correctness und wann ist es der geplatzte Kragen, um Missvergnügen oder schlimmeres auszudrücken? Ich frage mich, welche Sprachbegriffe sind schon vor der Machtergreifung existent gewesen sind und dann missbraucht wurden? Muss meine Sprache und Denke jetzt rechtsstaatlich und grundgesetzlich abgesichert aufgenordet werden?



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