Regionale Nachrichten und News mit der Pressekarte
Sie haben kein
gültiges Abo.
Regionale Nachrichten und News
Schließen
Die gesunkene Zahl von Asylbewerbern geht nach Worten der Wissenschaftlerin Victoria Rietig nur zu einem geringen Teil auf die Politik der Bundesregierung zurück.
Die gesunkene Zahl von Asylbewerbern geht nach Worten der Wissenschaftlerin Victoria Rietig nur zu einem geringen Teil auf die Politik der Bundesregierung zurück. Bild: Cecilia Fabiano/LaPresse/AP/dpa
Deutschland
Expertin: Migrationspolitik von Schwarz-Rot wenig effektiv

Die neue Bundesregierung führt den Rückgang der Asylzahlen auf ihre Politik zurück. Eine Expertin hält dagegen.

Nürnberg.

Die Migrationspolitik der schwarz-roten Bundesregierung hat nach Angaben der Migrationsforscherin Victoria Rietig wenig Auswirkungen auf die Zahl der Asylbewerber in Deutschland. Die im Vergleich zum Vorjahr stark gesunkene Zahl von Erstanträgen auf Asyl sei viel stärker auf die veränderte politische Lage in Syrien sowie auf die Auswirkungen internationaler Abkommen als auf die nationale Politik in Deutschland zurückzuführen, sagte die Leiterin des Zentrums für Migration bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) bei den Nürnberger Tagen für Migration. Die Veranstaltung wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) organisiert. 

Nach der Statistik des Bundesamtes wurden in den ersten zehn Monaten in Deutschland 142.495 Asylanträge gestellt, davon 97.277 Erstanträge. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch etwa doppelt so viele Erstanträge. Bereits von Januar bis April - also vor dem Regierungswechsel - war bei den Erstanträgen ein Rückgang um rund 43 Prozent verzeichnet worden. 

Starker Anstieg bei Folgeanträgen

Die Zahlen der Erstanträge seien unter Schwarz-Rot weitgehend stabil. Die Zahlen hätten sich seit dem Antritt von Schwarz-Rot sogar verdoppelt, wenn man nicht nur die Erstanträge, sondern auch die Folgeanträge zähle. Hier wirke ein offenbar ungewollter Nebeneffekt: Vor allem Afghaninnen stellten diese Folgeanträge, vermutlich weil sie durch die Wegnahme des Familiennachzugs zu subsidiär Geschützten nun hoffen, ihren Schutzstatus erhöhen und diesen Familiennachzug wieder beantragen zu können, erklärte die Expertin. Nach BAMF-Zahlen gingen die Folgeanträge im Jahresvergleich um 153 Prozent nach oben. 

Zurückweisungen wenig effektiv

Die Zahl der Zurückweisungen von Asylbewerbern direkt an den deutschen Außengrenzen spiele mit rund 1.000 in den ersten sechs Monaten der neuen Regierung - etwa sechs pro Tag - keine große Rolle, sagte Rietig. Die neue Politik verursache große Kosten an der Grenze, der numerische Nutzen habe sich bisher nicht eingestellt. "Die Migrationswende ist an den Zahlen gemessen wenig effektiv", sagte Rietig. Die Expertin tritt stattdessen für mehr internationale Abkommen, etwa nach dem Vorbild des EU-Tunesien-Abkommens ein. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
11.11.2025
4 min.
EU-Analyse: Deutschland muss nicht mehr Migranten aufnehmen
Deutschland muss Italien vorerst vermutlich keine schutzsuchenden Migranten abnehmen. (Archivbild)
Deutschland kann sich voraussichtlich gegen zusätzliche Flüchtlings-Aufnahmeforderungen wehren. Ein Bericht aus Brüssel stuft die Bundesrepublik zudem als gefährdet ein.
Ansgar Haase, dpa
12.11.2025
5 min.
Weniger Asylsuchende – Lage in Kommunen entspannt sich etwas
In den Zeiten der größten Überlastung wurden mancherorts Geflüchtete in Sporthallen einquartiert. (Archivbild)
Weniger neue Asylbewerber sorgen in vielen Kommunen für Entlastung bei der Unterbringung. Wie die Lage aktuell eingeschätzt wird und wo es dennoch Herausforderungen gibt.
Anne-Beatrice Clasmann, dpa
14:20 Uhr
4 min.
Nach „Würfel“-Comeback im Chemnitzer Plattenbaugebiet: Was wird aus dem ehemaligen Jugendclub?
Dirk Eckardt lebt schon lange nicht mehr in Chemnitz. Aber der „Würfel“ zog ihn noch einmal ins Heckertgebiet.
Ende der 1980er-Jahre und bis in die 2000er hinein war der Jugendclub Anzugpunkt für junge Menschen aus Chemnitz. Dort begannen Karrieren, wurden Leben bis heute geprägt. Als der „Würfel“ nun für ein paar Tage wiederkehrte, kamen Ehemalige von überall noch einmal zurück.
Denise Märkisch
07.12.2025
4 min.
Forstfachleute im Vogtland rätseln: Warum ist der Borkenkäfer plötzlich weg?
Für Waldbesitzer gab es in diesem Jahr wieder Grund zur Freude: Der Borkenkäfer verursachte im Vogtland deutlich geringere Schäden als in den Jahren zuvor.
Kaum ein Thema beschäftigte Förster zuletzt mehr als die Borkenkäferplage. Im Forstbezirk Plauen war seit 2018 fast der gesamte Holzeinschlag von dem Schädling befallen. 2025 ist nun alles anders.
Swen Uhlig
08:50 Uhr
2 min.
Großeinsatz der Polizei in Zwickau: Mann verschanzt sich in seiner Wohnung und droht mit Waffen-Einsatz
Update
Eine Ruhestörung entwickelte sich zu einem Großeinsatz von Polizei und SEK.
Einsatz von Polizei und SEK: Nach einer Ruhestörung droht ein Mann mit Gewalt. Die Lage ist äußerlich ruhig, doch die Hintergründe werfen Fragen auf.
Frank Dörfelt
14:18 Uhr
3 min.
Brandt unzufrieden trotz BVB-Sieges – Platz zwei als Ziel
Julian Brandt schoss das 1:0 gegen Hoffenheim.
Julian Brandt sieht trotz eines perfekten Bundesliga-Wochenendes für den BVB noch Luft nach oben und ist unzufrieden mit der spielerischen Leistung. Bis zum Jahresende formuliert er ein klares Ziel.
Mehr Artikel