Fast 80.000 verletzte Radfahrer auf Deutschlands Straßen

Die Unfallstatistik ist eindeutig: Es muss mehr getan werden für den Schutz von Radfahrern im Straßenverkehr. Gerade Kollisionen mit Lkw haben oft tödliche Folgen. Technik soll Abhilfe schaffen.

Wiesbaden/Chemnitz.

Die Anzahl der Verkehrstoten auf deutschen Straßen ist auf den niedrigsten Stand seit 60 Jahren gesunken. Insgesamt kamen 2017 bei Verkehrsunfällen 3180 Menschen ums Leben. In Sachsen wurden 147 Menschen getötet, 9,3 Prozent weniger als 2016.

Während die Anzahl der Verkehrstoten insgesamt zwischen 2010 und 2017 um 13 Prozent gesunken ist, blieb die der verunglückten Radfahrer seit 2010 allerdings konstant. Und sie ist hoch. 2017 starben 382 Radfahrer auf Deutschlands Straßen, 79.346 wurden verletzt. In Sachsen verunglückten im vergangenen Jahr 19 Radfahrer tödlich. "Die Sicherheit der Fahrradfahrer muss verbessert werden", forderte daher Bernhard Veldhues vom Statistischen Bundesamt am Donnerstag bei der Vorstellung der Unfallstatistik für 2017. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel, ergänzte: "Bei täglich etwa 7200 polizeilich erfassten Verkehrsunfällen, knapp 1100 Verletzten und fast neun Todesopfern im Straßenverkehr gibt es keinen Grund zur Entwarnung." Das gelte umso mehr für Radler. Jeder achte Verkehrstote und jeder fünfte Verletzte im Straßenverkehr sei ein Radfahrer.

Pkw sind zwar mit Abstand die häufigsten "Unfallgegner" von Radfahrern. Unfälle mit Lkw haben aber oft schwerere Unfallfolgen. Verkehrspolitiker und Experten diskutieren derzeit, wie schwere Unfälle mit Lastwagen verhindert werden können. Im Zentrum der Debatte stehen elektronische Hilfssysteme für Lkw-Fahrer, sogenannte Abbiegeassistenten. Bei etwa jedem dritten Verkehrsunfall, an dem ein Fahrrad und ein Lkw beteiligt waren, handelte es sich um einen Abbiegeunfall.

Laut Unfallforschung der Versicherer könnte die Hilfstechnik etwa 60 Prozent dieser schweren Unfälle verhindern. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Einbau dieser Technik bei Lkw beschleunigen - dies geschieht zunächst auf freiwilliger Basis der Speditionen und Logistikunternehmen. Ein verpflichtender Einsatz müsste auf EU-Ebene beschlossen werden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert die technischen Assistenten für Lkw schon seit Jahren. "Solche Systeme brauchen wir serienmäßig in allen Kraftfahrzeugen. Denn sowohl der Radverkehr als auch der Straßengüterverkehr in den Städten nehmen zu", sagte ADFC-Sprecherin Stephanie Krone.

Uli Uhlenhof von der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden weist aber auch auf den hohen Anteil an Alleinunfällen hin. "Nach unseren Daten sind 25 Prozent der verunglückten Radfahrer ohne Fremdeinwirkung zu Schaden gekommen. Es gibt zwei wichtige Maßnahmen, mit denen Radler Unfälle vermeiden oder das Risiko einer Verletzung mindern können: Helm tragen und Verkehrsregeln beachten." Da sei noch Potenzial nach oben, mahnte Uhlenhof.

Die Lkw-Abbiegetechnik, die es schon seit zehn Jahren gebe, sei ein erster Schritt zur Vermeidung von schweren Kollisionen. Besser aber wären Systeme mit automatischer Notbremsung. Uhlendorf: "Das Problem von warnenden Systemen im Fahrzeug: Ich brauche immer noch die Reaktion des Fahrers. Irgendwann aber ist der mit den vielen Warnungen auch überfordert."

 

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