Frauke Hildebrandt: Wo es um Macht, Einfluss und Geld geht, da sitzen Wessis

Die Tochter der einst populären Nachwendepolitikerin Regine Hildebrandt will die Umbrüche seit der Wende aufarbeiten. Denn viele Ostdeutsche fühlen sich aus ihrer Sicht als Verlierer.

Potsdam.

Im 30. Jahr des Mauerfalls sieht die Brandenburger SPD-Politikerin Frauke Hildebrandt die Zeit für eine schonungslose Aufarbeitung der Nachwendejahre gekommen. Alessandro Peduto hat mit der Sozialdemokratin und Erziehungswissenschaftlerin über Abwertungsgefühle, ostdeutsche Identität, ihre verstorbene Mutter Regine und über den jahrzehntelangen Machterhalt der märkischen SPD gesprochen.

Freie Presse: Die SPD schwächelt bundesweit, aber in Brandenburg liegt sie in Umfragen mit 22 Prozent auf Platz eins. Seit der Wende regieren die Sozialdemokraten in Potsdam. Was können andere SPD-Landesverbände von Brandenburg lernen?

Frauke Hildebrandt: Es stimmt, wir sind die stärkste Kraft. Aber wir liegen fast zehn Prozent unter dem Wahlergebnis von 2014. So schwach wie jetzt waren wir noch nie. Dennoch regiert die SPD seit der Wende. Das liegt sicher an starken Führungsfiguren wie Manfred Stolpe, an meiner Mutter und an Matthias Platzeck. Auch Dietmar Woidke hat etwas sehr Volksnahes. Die SPD in Brandenburg ist nah bei den Leuten, wirkt eher hemdsärmelig und weniger akademisch als in anderen ostdeutschen Bundesländern. Ich würde sagen, wir haben in Brandenburg eine gesellschaftliche Verankerung wie die CSU in Bayern.

Was macht die Brandenburger SPD besser?

Ich glaube, vieles hängt mit der Struktur des Landes zusammen. Anders als in Sachsen oder Thüringen, wo die Industrie nach der Wende zusammenbrach, gab es bei uns nicht so viele extreme Verwerfungen. Der Absturz war nicht so tief, denn schon die Ausgangssituation war eine deutlich schwächere, ohne Fabriken, ohne Universitäten. Das spielt sicher eine Rolle.

Trotzdem gibt es auch dort Unzufriedenheit.

Na klar. Fast in jeder ostdeutschen Familie gab es nach der Wende Erlebnisse von Entwertung, Demütigung und Frustration. Zugleich stehen offene gesellschaftliche Fragen im Raum: Was ist da eigentlich mit uns passiert in den vergangenen drei Jahrzehnten? Bestimmen wir heute mit? Werden wir gehört und können wir mitgestalten? Demokratische Parteien wie die SPD müssen diese Fragen thematisieren. Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Antworten den Populisten zu überlassen. Denen geht es nicht darum, tatsächlich Antworten zu geben.

Was ist die Antwort der SPD?

Wir sollten eine Diskussion über Identität führen, aber nicht im Sinne einer nationalistischen Abgrenzung. Wir sollten über die Ost-Identität sprechen. Es geht mir nicht um DDR-Nostalgie, sondern um eine Aufarbeitung der Umbrüche in den letzten Jahrzehnten. Wir müssen über all das reden. Die allermeisten Ostdeutschen wollten die Wende unbedingt. Aber als es soweit war, sind sie tief gefallen. Sie haben die Arbeit verloren, dann sind die Kinder weggezogen, weil es auch für sie keine Arbeit gab. Damit umzugehen, ist hart. Viele Ostdeutsche nehmen sich als Verlierer wahr. Zugleich gibt es kaum ein gemeinsames Bewusstsein dafür, dass man dieses Schicksal mit vielen anderen im Osten teilt. Bislang versucht jeder, alleine klarzukommen.

Sie meinen, es wird nicht darüber geredet?

Nein. Oder zumindest war es lange Zeit so. Ich höre von vielen gleichaltrigen Freunden und Bekannten, dass ihre Eltern erst jetzt anfangen, über das Erlebte zu sprechen. Selbst ihren eigenen Kindern haben sie das nie richtig erzählt. Das sind Verwundungen, die ganz tief sitzen. Wir machen oft Veranstaltungen zu diesem Thema, lassen die Leute einfach nur erzählen. Immer fließen Tränen, weil die Kruste bricht, unter der die Erlebnisse stecken. Viele meinen, es bringe nichts, nach all den Jahren noch einmal darüber zu reden. Sie machen den Mund nicht auf. Doch Schweigen ist genau der falsche Weg, denn ihre Erfahrungen müssen für das gesamte Land verfügbar werden. Es muss allen klar werden, was den Menschen im Osten widerfahren ist.

Ist das nicht allen klar?

Nein, ganz im Gegenteil. Hinzu kommt, dass die Ostdeutschen ständig belehrt werden und aus dem Westen gesagt bekommen: "Seid doch mal still! Was wir schon alles für euch getan haben! Es war doch nicht unsere Schuld, dass bei euch im Osten alles so marode war!" Aber ist es die Schuld der Ostdeutschen, in der sowjetischen Besatzungszone gelebt zu haben? Gut, manchen ist es gelungen, abzuhauen, den meisten aber nicht. Historisch gesehen haben die Leute das schlechtere Los gezogen, und seit der Wende sagt man ihnen, sie seien selbst schuld am Niedergang und sollen jetzt nicht auch noch rumjammern.

Sie beklagen eine zu geringe Vertretung der Ostdeutschen auf wichtigen Posten. Würde das denn helfen?

Es wird immer gesagt, die Leute fühlten sich nicht gehört. Diese Formulierung regt mich auf. Das hat doch nichts mit Gefühl zu tun! Bundesweit sitzen nur 1,7 Prozent Ostdeutsche in Führungspositionen. An der Fachhochschule Potsdam beispielsweise, wo ich arbeite, sind von 112 Professoren nur etwa sechs Ossis. Anders gesagt: Dort, wo es um Macht, Einfluss und ums Verteilen von Geld geht, sitzen Wessis. Das ist eine große Ungerechtigkeit, die wir beheben müssen. Dass die Ostdeutschen nicht angemessen vertreten sind, wird nicht genügend artikuliert. Es wird eher heruntergespielt. Westdeutsche haben dafür kein Problembewusstsein. Aber wenn nicht einmal anerkannt wird, dass es ein Problem gibt, dann wird es sehr schwierig.

Was bedeutet das für die SPD?

Wir brauchen Politiker, die das zum Thema machen. Meine Mutter war als Politikerin ein Sprachrohr für solche Missstände. Sie war anerkannt, weil sie sich in der Öffentlichkeit auf diesen Kampf eingelassen hatte. So etwas fehlt heute. Dabei bräuchten wir es dringend, gerade in einem Wahljahr. Die AfD ist definitiv keine lautere Anwältin für die Leute und all das, was ihnen in den zurückliegenden Jahrzehnten passiert ist. Und wir müssen die Ostdeutschen zum Reden ermutigen, auch in der Familie. Kinder oder Enkel sollten ihre Eltern oder Großeltern fragen, wie es damals in den neunziger Jahren war. Daraus entsteht ein Gemeinschaftsgefühl.

Und was die Lücke bei der Repräsentanz angeht?

Wir brauchen Selbstverpflichtungen und Quoten, damit sich etwas ändert in Verwaltungen, Firmen und in der Wissenschaft. Wir müssen dranbleiben und Stunk machen, bis sich etwas ändert. Aber wir sind erst am Anfang.

Wie sähe die Quote für Ostdeutsche aus?

Die Definition für ostdeutsch wäre, dass jemand im Osten zur Schule geht oder gegangen ist. Der Anteil von Ostdeutschen soll auf Führungsebenen in Ost wie West 17 Prozent betragen. Das wäre die Zielmarke. Vielen gefällt aber das Wort "Ost-Quote" nicht. Das klingt für viele, als müsse man einem Gebrechlichen aufhelfen. Wir haben da wirklich halb im Ernst überlegt, ob wir nicht West-Limit oder West-Obergrenze sagen müssen.

Frauke Hildebrandt

Die 49-jährige Sozialdemokratin ist Vorsitzende der Ost-Kommission der SPD-Brandenburg und Bundesvorstandsmitglied in der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB). Die älteste Tochter der populären, 2001 verstorbenen Brandenburger SPD-Politikerin und ehemaligen Landessozialministerin Regine Hildebrandt ist zugleich Professorin für Pädagogik und frühkindliche Bildungsforschung an der Fachhochschule Potsdam. ape

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
16Kommentare
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  • 1
    0
    Nixnuzz
    25.04.2019

    Hmm - also nur mit der Wende hat es den Niedergang der DDR gegeben. Und die blühenden Landschaften nur im Westen. Im Westen brachen nie Firmen zusammen - mit Arbeitsplatzverlust oder andere Formen der wirtschaftlichen "Benachteiligung"? In meiner Heimatstadt sind mir nur 2 Weltmarktfirmen in Erinnerung, die "zerlegt" wurden: Rote Erde als Kugellagerhersteller für Hafenkräne und ähnliche "Kleingeräte" und die Drahtseilefabrik, deren Spannseile quer über die Weltkugel vertickt wurden. Ein Teil der Belegschaft konnte im Autoteile-Zulieferwerk dank Pkw-Boom abgefangen werden. Nein - Borgward war auch nur ein Kriegsgewinnler und GM in Bochum war nur eine Pontjemkinsche Firmenfassade, hinter der ca. 80.000 Leute bis aus dem Bereich der Landesgrenze NRW-Niedersachsen ihr Brötchengeld verdienten. Für diese war aufgrund der bäuerlichen Landwirtschaft dies die einzigste Chance, ausserhalb der schrumpfenden Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und all diese kleinen Zulieferbetriebe, die "Fummelskram" herstellten, durften sich ganz schnell andere Produkte aus dem Ärmel zaubern. Oder aber nicht. Die Rückwirkung in den Einkaufspassagen war nicht zu übersehen. Und das Ruhrgebiet - da wurde wohl nie Stahl oder Kohle verarbeitet. Und das Sauerland - das Heimatland von F.Merz und Müntefering - die Zechenstempelplantagen, die heute noch Kopfzerbrechen wg. Monokulturen erzeugen und Borkenkäferzuchtstationen!...Aber irgendwie muss da was gewesen sein, denn jetzt summen im Pütt die Zechenwasserpumpen - auf anderer Leute Kosten! - zum Erhalt des derzeitigen Strassenniveaus. Ansonsten würde Vater Rhein irgendwo zwischen Köln und Düsseldorf nach Osten abbiegen und mit Ruhr, Lippe und anderen einen See bilden, der wohl größer als die derzeitige Lausitzer Seenplatte sein dürfte. Falls er nicht nach Westen das Aachener Revier sich intensiver unter die Lupe nimmt..Vielleicht würden da dann auch blühende Landschaften aus Seerosen und Schilfkolben oder Wasserlinsen entstehen...

  • 4
    1
    HHCL
    24.04.2019

    @Freigeist14: Ich wüsste nicht an welcher Stelle ich hier das "hunderttausendfache Schicksal flapsig" abgetan hätte.

    Ich habe auch nie behauptet, dass es diese Probleme nicht gegeben hätte (= abtun) sondern geschrieben, dass ich es für die emotionale Gesundheit und für die möglichst erfolgreiche Fortsetzung des eigenen Lebens für wichtig halte, dreißig Jahre alte Themen mal zu verarbeiten und nicht immer wieder in die selbe Opferrolle zu flüchten.

    An welcher Stelle habe ich mir stolz auf die eigene Schulter geschlagen?

    Argumente, die meine widerlegen wären für eine echte Diskussion deutlich hilfreicher. Statt dessen diskutieren Sie ständig ad hominem und unterstellen allerhand um sich eine Angriffsfläche zu schaffen. Das spricht nicht dafür, dass Sie auch nur ein Argument haben.


    "Ostdeutsche ohne besonderen Hang zur Selbstverleugnung kamen mit voller Absicht nicht zum Zuge"

    Solche Sätze werden auch mal schnell zum Bumerang.

    "ich rede nicht von mir ,denn ich habe etwas aus mir "gemacht " - ohne Brüche in der Erwerbsbiographie."

    Es tut mir leid, dass Sie sich selbst verleugnen mussten.

  • 7
    2
    DTRFC2005
    24.04.2019

    Jeder der hier vor mir kommentierenden besetzt ein Stück der Wahrheit und das finde ich mal sehr positiv. Nach 30 Jahren kann man das ganze allerdings in ein paar Worte herunterbrechen. Jeder Beteiligte ist für sich selbst und seinen Taten / Handlungen verantwortlich. Natürlich ist der Einfluss von außen dabei nicht ganz unwesentlich. Ich bin etwas über 50 und war in meinem ganzen Leben zwei mal im westen Deutschlands. Es gibt im Osten und Westen jede Menge Nachhole und/ oder Verbesserungsbedarf, egal um was es sich handelt. Wenn die Menschen mal die Vergangenheit ruhen lassen würden, aufeinander zugehen würden sich gegenseitig Vorwürfe zu machen und Probleme gemeinsam anpacken würden, kämen wir sehr viel weiter. Jammern und aufzeigen was nicht geht ist ja äußerst bequem, aber nicht zielführend. Man kann die Vergangenheit nicht mehr ändern, aber die Zukunft kann man schon gestalten und das fängt bei der eigenen Einstellung zum Leben an.

  • 4
    6
    Freigeist14
    24.04.2019

    HHCL@ ich rede nicht von mir ,denn ich habe etwas aus mir "gemacht " - ohne Brüche in der Erwerbsbiographie . Man muss aber schon sehr egozentrisch sein,die hunderttausendfachen Schicksale flapsig abzutun und sich dabei stolz auf die eigene Schulter zu klopfen .

  • 5
    4
    HHCL
    23.04.2019

    @Hankman: Ich höre schon zu, nur ist das mittlerweile eine dreißigjährige Endlosschleife aus der man dann auch mal raus muss um nicht verloren zu gehen.

    Sie haben Recht, dass ist ein psychologisches Problem. Das wird sich aber nicht lösen wenn man die Leute in ihrer verengten Wahrnehmung und ihrem seit dreißig Jahren gepflegten Verlierernarrativ unkommentiert reden lässt. Das macht auch kein Psychologe so, weil es einen nicht weiter bringt, sich immer wieder Salz in alte Wunden zu streuen.

    "Ostdeutsche ohne besonderen Hang zur Selbstverleugnung kamen mit voller Absicht nicht zum Zuge."

    Scheitern zur heroischen Tat zu verklären ist in bestimnten Kreisen wohl bei jedem Thema anzutreffen. Jeder der aus sich etwas gemacht hat nach der Wende, musste sich also selbst verleugnen? Mit Verlaub, für Ihre Lebenslüge bin ich nicht bereit den Kopf hin zu halten!

  • 4
    1
    Nixnuzz
    23.04.2019

    Das mit den Netzwerken ist mir zu einfach gedacht. Welche offiziellen und welche pragmatischen Netzwerke gab es denn zu DDR-Zeiten? Wie war dann die "emotionale Mauer" gegen die vermaledeiten West-Entscheidungen gegen die alten Wirtschaftsstrukturen durch die 2.und 3.Entscheider? Es waren doch Welten, die die "Systeme der Problemlösungen" trennten? Wie lange hat es in den jeweiligen Betrieben gedauert, bis man zähnknirschend "das Neue" einbaute? Inklusive der Verantwortlichen? Wieviele von den "Neuen" waren im Westen schonmal gezwungen, Firmen platt zu machen bzw. im Angesicht der Altbelegschaft Wissen herauszuholen und die Menschen gleichen Stati im Regen oder sonstwo stehen zu lassen? Nein - für mich war es mehr als Nebenschauplatz-betroffener mehr als mulmig, fremd erarbeitetes Fachwissen in die eigene Firmenkonstruktion einzuarbeiten. Damals waren die Anderen ein kleinwenig besser als wir aber nicht so finanzkräftig. Für manchen Mitarbeiter meiner Firma kam gleichfalls ein Aderlass oder der Fall ins Bergfreie... Die Fremdleistung war eben ihr Geld wert...

  • 4
    4
    franzudo2013
    23.04.2019

    Es geht um das Hier und Jetzt. Wenn solche Blätter wie Zeit, Stern und Spiegel nur negativ über den Osten schreiben und Sachsen und Chemnitz diffamieren, dass sich die Balken biegen, dann geht es um Macht, Einfluss und Geld.
    Die Wessis können es nicht ertragen, dass es hier eine andere Kultur, eine andere Meinung und wirtschaftlichen Erfolg gibt. Dann wird sogar die Nazi-Keule ausgepackt.
    Grobmotorisch beschrieben ist das die nordwestdeutsche Fraktion. Die Südwestdeutschen haben Immobilien in Sachsen und wollen natürlich ihr Eigentum schützen. Sie verstehen trotzdem nicht, dass es sich um eigene Landstriche handelt, welche zumindest im Selbstverständnis keine Kolonien (=Beitrittsgebiete) sind. Faktisch sind es Kolonien, denn es kommt nur jemand in Spitzenpositionen, der die Kriterien der Kolonisatoren erfüllt. Das kann ein Autochthoner naturgemäß nur in Ausnahmefällen bieten.

  • 4
    3
    Freigeist14
    23.04.2019

    HHCL@ das die Zugereisten aus der zweiten und dritten Riege zum Zuge lag an den neuen Machtverhältnissen . Ostdeutsche ohne besonderen Hang zur Selbstverleugnung kamen mit voller Absicht nicht zum Zuge . Ihnen das heute vorzuwerfen ist ein besonderer Fall der Demütigung und Geschichtsumdeutung . Ich bin nicht für Quoten sondern für konsequente Benennung und Entmachtung genannter Netzwerke . Die AFD ist dafür der falsche Ansprechpartner .

  • 7
    0
    Hankman
    23.04.2019

    @HHCL: Das ist eine psychologische Geschichte. Man sollte darüber reden, was man gerade in den 90ern an Nachteilen, Demütigungen oder auch Leid erfahren hat. Über den zum Teil brutalen Systemwechsel, der in alle Lebensbereiche eingegriffen hat. Wenn man das nicht verdrängt, nicht in sich reinfrisst, sondern damit aktiv umgeht, es sich bewusst macht, kann man unbeschwerter nach vorn schauen. Es ist auch wichtig, sich mit anderen auszutauschen, damit man merkt: Es ging vielen anderen ähnlich. Das schafft Entlastung. Und wer zu jenen gehört, die mit den damaligen Entwicklungen gar kein Problem hatten, sollte trotzdem zuhören und mitreden. Denn die Vielfalt an ganz verschiedenen Erfahrungen aus jener Zeit macht die Diskussion erst interessant. Der zeitliche Abstand hilft sicher, das Ganze nüchterner zu betrachten.

  • 6
    3
    1212178
    23.04.2019

    @HHCL: Danke, dass Sie in der Gegenwart schreiben und sich nicht wie einige Andere jammernd im "Früher war alles besser" suhlen. Ja, Biographien wurden durcheinandergebracht, aber 30 Jahre sollten reichen, um sich mit neuen Umständen anzufreunden oder sie wenigstens zu akzeptieren.

  • 4
    5
    HHCL
    23.04.2019

    @Freigeist14
    Bei Ihnen lese ich immer nur ... man wurde ..., ... die Westdeutschen haben dies und das ..., ... die anderen bildete Seilschaften... .

    Was hat den die vielen Frühverrenteten gehindert auch mal Netzwerke zu bilden und etwas gegen die gewiss hinderliche Lage zu tun? Mit 55 (und recht ordentlicher Rente; so viel bekommen heute die wenigsten!) muss man nicht jammernd auf der eigenen Couch oder schmollend im Kleingarten verschwinden. Die Wessis aus der zweiten und dritten Reihe haben damals ihre Chance genutzt. Die anderen tun sich heute noch leid. Insofern ist die aktuelle Lage zwar beklagenswert, aber nicht gänzlich zufällig. Mit Quoten wird sich das nicht lösen lassen. Das ist eher ein nach wie vor bestehendes Mentalitätsproblem.

    Mit genau der gleichen Einstellung rennt man heute der AfD hinterher, damit die einem die Problemen löse. Auch das wird nichts werden. Da muss man schon mal selbst und nicht nur freitags. (Aber selbst das hat man nicht durchgehalten.)

    Im Grunde ist es auch ein Tritt in den Arsch aller Ossis, die erfolgreich sind; auch im Westen.

  • 8
    5
    BlackSheep
    23.04.2019

    @HHCL alle denen es nicht gut geht als Jammerossis abzutun ist zu einfach und falsch. Freigeist14 hat es gut beschrieben.

  • 16
    8
    Freigeist14
    23.04.2019

    HHCL@ die Leute ,von denen Sie behaupten,sie täten sich selber leid ,müssen von Minderrenten nach gebrochenen Erwerbsbiographien leben . Wie viele wurden mit Anfang Fünfzig FÜR IMMER in die Arbeitslosigkeit und Frühverrentung geschickt . Schlimm war vor allem ,wie sich die zweite und dritte Riege der Zugereisten im Osten an die Schaltstellen der Macht niederließen und ihre eigenen Netzwerke mitbrachten . Und so gehen lukrative und angesehene Posten weiter an diese Seilschaften .

  • 4
    19
    acals
    23.04.2019

    Es ginge auch inhaltlich ... aber zu sagen das Frau H. begriffen hat wie das System läuft ist klar - "von Beruf Tochter". Geht es nach ihr kommt noch dazu "von Beruf Ossi". Lektion gelernt, Glückwunsch.

  • 18
    7
    HHCL
    23.04.2019

    Ich glaube nicht, das man den Leuten wirklich einen Gefallen tut. Wem nützt es, wenn man nach dreißig Jahren immer wieder für die Verständnis zeigt, die sich nach dieser langen Zeit immer noch nur Leid tun und sich ausschließlich beklagen wie schlimm es ihnen ergangen ist, ohne begriffen zu haben, dass sie für das eigene Leben verantwortlich sind. Natürlich war es ein heftiger Einschnitt und die Demütigung vielfach unglaublich heftig, nur muss man sich doch auch mal wieder aufrappeln und nicht Jahrzehnte weiter im eigenen Mitleid suhlen.

    Ehrlich gesagt, will ich auch nicht aufgrund einer Ost-Quote irgend ein Spitzenamt zugeschanzt bekommen. Was ist das wert? Aus meiner Sicht wäre dass dann die nächste Demütigungswelle.

  • 10
    7
    Interessierte
    23.04.2019

    Stimmt ...



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