Frauke Hildebrandt: Wo es um Macht, Einfluss und Geld geht, da sitzen Wessis

Die Tochter der einst populären Nachwendepolitikerin Regine Hildebrandt will die Umbrüche seit der Wende aufarbeiten. Denn viele Ostdeutsche fühlen sich aus ihrer Sicht als Verlierer.

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16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Nixnuzz
    25.04.2019

    Hmm - also nur mit der Wende hat es den Niedergang der DDR gegeben. Und die blühenden Landschaften nur im Westen. Im Westen brachen nie Firmen zusammen - mit Arbeitsplatzverlust oder andere Formen der wirtschaftlichen "Benachteiligung"? In meiner Heimatstadt sind mir nur 2 Weltmarktfirmen in Erinnerung, die "zerlegt" wurden: Rote Erde als Kugellagerhersteller für Hafenkräne und ähnliche "Kleingeräte" und die Drahtseilefabrik, deren Spannseile quer über die Weltkugel vertickt wurden. Ein Teil der Belegschaft konnte im Autoteile-Zulieferwerk dank Pkw-Boom abgefangen werden. Nein - Borgward war auch nur ein Kriegsgewinnler und GM in Bochum war nur eine Pontjemkinsche Firmenfassade, hinter der ca. 80.000 Leute bis aus dem Bereich der Landesgrenze NRW-Niedersachsen ihr Brötchengeld verdienten. Für diese war aufgrund der bäuerlichen Landwirtschaft dies die einzigste Chance, ausserhalb der schrumpfenden Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und all diese kleinen Zulieferbetriebe, die "Fummelskram" herstellten, durften sich ganz schnell andere Produkte aus dem Ärmel zaubern. Oder aber nicht. Die Rückwirkung in den Einkaufspassagen war nicht zu übersehen. Und das Ruhrgebiet - da wurde wohl nie Stahl oder Kohle verarbeitet. Und das Sauerland - das Heimatland von F.Merz und Müntefering - die Zechenstempelplantagen, die heute noch Kopfzerbrechen wg. Monokulturen erzeugen und Borkenkäferzuchtstationen!...Aber irgendwie muss da was gewesen sein, denn jetzt summen im Pütt die Zechenwasserpumpen - auf anderer Leute Kosten! - zum Erhalt des derzeitigen Strassenniveaus. Ansonsten würde Vater Rhein irgendwo zwischen Köln und Düsseldorf nach Osten abbiegen und mit Ruhr, Lippe und anderen einen See bilden, der wohl größer als die derzeitige Lausitzer Seenplatte sein dürfte. Falls er nicht nach Westen das Aachener Revier sich intensiver unter die Lupe nimmt..Vielleicht würden da dann auch blühende Landschaften aus Seerosen und Schilfkolben oder Wasserlinsen entstehen...

  • 4
    1
    gelöschter Nutzer
    24.04.2019

    @Freigeist14: Ich wüsste nicht an welcher Stelle ich hier das "hunderttausendfache Schicksal flapsig" abgetan hätte.

    Ich habe auch nie behauptet, dass es diese Probleme nicht gegeben hätte (= abtun) sondern geschrieben, dass ich es für die emotionale Gesundheit und für die möglichst erfolgreiche Fortsetzung des eigenen Lebens für wichtig halte, dreißig Jahre alte Themen mal zu verarbeiten und nicht immer wieder in die selbe Opferrolle zu flüchten.

    An welcher Stelle habe ich mir stolz auf die eigene Schulter geschlagen?

    Argumente, die meine widerlegen wären für eine echte Diskussion deutlich hilfreicher. Statt dessen diskutieren Sie ständig ad hominem und unterstellen allerhand um sich eine Angriffsfläche zu schaffen. Das spricht nicht dafür, dass Sie auch nur ein Argument haben.


    "Ostdeutsche ohne besonderen Hang zur Selbstverleugnung kamen mit voller Absicht nicht zum Zuge"

    Solche Sätze werden auch mal schnell zum Bumerang.

    "ich rede nicht von mir ,denn ich habe etwas aus mir "gemacht " - ohne Brüche in der Erwerbsbiographie."

    Es tut mir leid, dass Sie sich selbst verleugnen mussten.

  • 7
    2
    DTRFC2005
    24.04.2019

    Jeder der hier vor mir kommentierenden besetzt ein Stück der Wahrheit und das finde ich mal sehr positiv. Nach 30 Jahren kann man das ganze allerdings in ein paar Worte herunterbrechen. Jeder Beteiligte ist für sich selbst und seinen Taten / Handlungen verantwortlich. Natürlich ist der Einfluss von außen dabei nicht ganz unwesentlich. Ich bin etwas über 50 und war in meinem ganzen Leben zwei mal im westen Deutschlands. Es gibt im Osten und Westen jede Menge Nachhole und/ oder Verbesserungsbedarf, egal um was es sich handelt. Wenn die Menschen mal die Vergangenheit ruhen lassen würden, aufeinander zugehen würden sich gegenseitig Vorwürfe zu machen und Probleme gemeinsam anpacken würden, kämen wir sehr viel weiter. Jammern und aufzeigen was nicht geht ist ja äußerst bequem, aber nicht zielführend. Man kann die Vergangenheit nicht mehr ändern, aber die Zukunft kann man schon gestalten und das fängt bei der eigenen Einstellung zum Leben an.

  • 4
    6
    Freigeist14
    24.04.2019

    HHCL@ ich rede nicht von mir ,denn ich habe etwas aus mir "gemacht " - ohne Brüche in der Erwerbsbiographie . Man muss aber schon sehr egozentrisch sein,die hunderttausendfachen Schicksale flapsig abzutun und sich dabei stolz auf die eigene Schulter zu klopfen .

  • 5
    4
    gelöschter Nutzer
    23.04.2019

    @Hankman: Ich höre schon zu, nur ist das mittlerweile eine dreißigjährige Endlosschleife aus der man dann auch mal raus muss um nicht verloren zu gehen.

    Sie haben Recht, dass ist ein psychologisches Problem. Das wird sich aber nicht lösen wenn man die Leute in ihrer verengten Wahrnehmung und ihrem seit dreißig Jahren gepflegten Verlierernarrativ unkommentiert reden lässt. Das macht auch kein Psychologe so, weil es einen nicht weiter bringt, sich immer wieder Salz in alte Wunden zu streuen.

    "Ostdeutsche ohne besonderen Hang zur Selbstverleugnung kamen mit voller Absicht nicht zum Zuge."

    Scheitern zur heroischen Tat zu verklären ist in bestimnten Kreisen wohl bei jedem Thema anzutreffen. Jeder der aus sich etwas gemacht hat nach der Wende, musste sich also selbst verleugnen? Mit Verlaub, für Ihre Lebenslüge bin ich nicht bereit den Kopf hin zu halten!

  • 4
    1
    Nixnuzz
    23.04.2019

    Das mit den Netzwerken ist mir zu einfach gedacht. Welche offiziellen und welche pragmatischen Netzwerke gab es denn zu DDR-Zeiten? Wie war dann die "emotionale Mauer" gegen die vermaledeiten West-Entscheidungen gegen die alten Wirtschaftsstrukturen durch die 2.und 3.Entscheider? Es waren doch Welten, die die "Systeme der Problemlösungen" trennten? Wie lange hat es in den jeweiligen Betrieben gedauert, bis man zähnknirschend "das Neue" einbaute? Inklusive der Verantwortlichen? Wieviele von den "Neuen" waren im Westen schonmal gezwungen, Firmen platt zu machen bzw. im Angesicht der Altbelegschaft Wissen herauszuholen und die Menschen gleichen Stati im Regen oder sonstwo stehen zu lassen? Nein - für mich war es mehr als Nebenschauplatz-betroffener mehr als mulmig, fremd erarbeitetes Fachwissen in die eigene Firmenkonstruktion einzuarbeiten. Damals waren die Anderen ein kleinwenig besser als wir aber nicht so finanzkräftig. Für manchen Mitarbeiter meiner Firma kam gleichfalls ein Aderlass oder der Fall ins Bergfreie... Die Fremdleistung war eben ihr Geld wert...

  • 4
    4
    franzudo2013
    23.04.2019

    Es geht um das Hier und Jetzt. Wenn solche Blätter wie Zeit, Stern und Spiegel nur negativ über den Osten schreiben und Sachsen und Chemnitz diffamieren, dass sich die Balken biegen, dann geht es um Macht, Einfluss und Geld.
    Die Wessis können es nicht ertragen, dass es hier eine andere Kultur, eine andere Meinung und wirtschaftlichen Erfolg gibt. Dann wird sogar die Nazi-Keule ausgepackt.
    Grobmotorisch beschrieben ist das die nordwestdeutsche Fraktion. Die Südwestdeutschen haben Immobilien in Sachsen und wollen natürlich ihr Eigentum schützen. Sie verstehen trotzdem nicht, dass es sich um eigene Landstriche handelt, welche zumindest im Selbstverständnis keine Kolonien (=Beitrittsgebiete) sind. Faktisch sind es Kolonien, denn es kommt nur jemand in Spitzenpositionen, der die Kriterien der Kolonisatoren erfüllt. Das kann ein Autochthoner naturgemäß nur in Ausnahmefällen bieten.

  • 4
    3
    Freigeist14
    23.04.2019

    HHCL@ das die Zugereisten aus der zweiten und dritten Riege zum Zuge lag an den neuen Machtverhältnissen . Ostdeutsche ohne besonderen Hang zur Selbstverleugnung kamen mit voller Absicht nicht zum Zuge . Ihnen das heute vorzuwerfen ist ein besonderer Fall der Demütigung und Geschichtsumdeutung . Ich bin nicht für Quoten sondern für konsequente Benennung und Entmachtung genannter Netzwerke . Die AFD ist dafür der falsche Ansprechpartner .

  • 7
    0
    Hankman
    23.04.2019

    @HHCL: Das ist eine psychologische Geschichte. Man sollte darüber reden, was man gerade in den 90ern an Nachteilen, Demütigungen oder auch Leid erfahren hat. Über den zum Teil brutalen Systemwechsel, der in alle Lebensbereiche eingegriffen hat. Wenn man das nicht verdrängt, nicht in sich reinfrisst, sondern damit aktiv umgeht, es sich bewusst macht, kann man unbeschwerter nach vorn schauen. Es ist auch wichtig, sich mit anderen auszutauschen, damit man merkt: Es ging vielen anderen ähnlich. Das schafft Entlastung. Und wer zu jenen gehört, die mit den damaligen Entwicklungen gar kein Problem hatten, sollte trotzdem zuhören und mitreden. Denn die Vielfalt an ganz verschiedenen Erfahrungen aus jener Zeit macht die Diskussion erst interessant. Der zeitliche Abstand hilft sicher, das Ganze nüchterner zu betrachten.

  • 6
    3
    1212178
    23.04.2019

    @HHCL: Danke, dass Sie in der Gegenwart schreiben und sich nicht wie einige Andere jammernd im "Früher war alles besser" suhlen. Ja, Biographien wurden durcheinandergebracht, aber 30 Jahre sollten reichen, um sich mit neuen Umständen anzufreunden oder sie wenigstens zu akzeptieren.

  • 4
    5
    gelöschter Nutzer
    23.04.2019

    @Freigeist14
    Bei Ihnen lese ich immer nur ... man wurde ..., ... die Westdeutschen haben dies und das ..., ... die anderen bildete Seilschaften... .

    Was hat den die vielen Frühverrenteten gehindert auch mal Netzwerke zu bilden und etwas gegen die gewiss hinderliche Lage zu tun? Mit 55 (und recht ordentlicher Rente; so viel bekommen heute die wenigsten!) muss man nicht jammernd auf der eigenen Couch oder schmollend im Kleingarten verschwinden. Die Wessis aus der zweiten und dritten Reihe haben damals ihre Chance genutzt. Die anderen tun sich heute noch leid. Insofern ist die aktuelle Lage zwar beklagenswert, aber nicht gänzlich zufällig. Mit Quoten wird sich das nicht lösen lassen. Das ist eher ein nach wie vor bestehendes Mentalitätsproblem.

    Mit genau der gleichen Einstellung rennt man heute der AfD hinterher, damit die einem die Problemen löse. Auch das wird nichts werden. Da muss man schon mal selbst und nicht nur freitags. (Aber selbst das hat man nicht durchgehalten.)

    Im Grunde ist es auch ein Tritt in den Arsch aller Ossis, die erfolgreich sind; auch im Westen.

  • 8
    5
    gelöschter Nutzer
    23.04.2019

    @HHCL alle denen es nicht gut geht als Jammerossis abzutun ist zu einfach und falsch. Freigeist14 hat es gut beschrieben.

  • 16
    8
    Freigeist14
    23.04.2019

    HHCL@ die Leute ,von denen Sie behaupten,sie täten sich selber leid ,müssen von Minderrenten nach gebrochenen Erwerbsbiographien leben . Wie viele wurden mit Anfang Fünfzig FÜR IMMER in die Arbeitslosigkeit und Frühverrentung geschickt . Schlimm war vor allem ,wie sich die zweite und dritte Riege der Zugereisten im Osten an die Schaltstellen der Macht niederließen und ihre eigenen Netzwerke mitbrachten . Und so gehen lukrative und angesehene Posten weiter an diese Seilschaften .

  • 4
    19
    acals
    23.04.2019

    Es ginge auch inhaltlich ... aber zu sagen das Frau H. begriffen hat wie das System läuft ist klar - "von Beruf Tochter". Geht es nach ihr kommt noch dazu "von Beruf Ossi". Lektion gelernt, Glückwunsch.

  • 18
    7
    gelöschter Nutzer
    23.04.2019

    Ich glaube nicht, das man den Leuten wirklich einen Gefallen tut. Wem nützt es, wenn man nach dreißig Jahren immer wieder für die Verständnis zeigt, die sich nach dieser langen Zeit immer noch nur Leid tun und sich ausschließlich beklagen wie schlimm es ihnen ergangen ist, ohne begriffen zu haben, dass sie für das eigene Leben verantwortlich sind. Natürlich war es ein heftiger Einschnitt und die Demütigung vielfach unglaublich heftig, nur muss man sich doch auch mal wieder aufrappeln und nicht Jahrzehnte weiter im eigenen Mitleid suhlen.

    Ehrlich gesagt, will ich auch nicht aufgrund einer Ost-Quote irgend ein Spitzenamt zugeschanzt bekommen. Was ist das wert? Aus meiner Sicht wäre dass dann die nächste Demütigungswelle.

  • 10
    7
    Interessierte
    23.04.2019

    Stimmt ...