Fünf deutsche Minister in vier Flugzeugen

Diese Woche sind fünf Kabinettsmitglieder in den USA. Drei Maschinen der Flugbereitschaft machen sich auf den Weg in Richtung Ostküste, nur die Umweltministerin fliegt Linie. Ein Grund für «Flugscham»?

Berlin (dpa) - Wenige Tage nach der Verabschiedung des Klimapakets reisen vier Mitglieder der Bundesregierung in drei Flugzeugen der Luftwaffe an die US-Ostküste.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reiste am Sonntag zusammen mit Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zum UN-Klimagipfel in New York, der am Montag beginnt. Sie nimmt anschließend an der UN-Generalversammlung teil. Ebenfalls am Sonntagnachmittag hob eine kleinere Maschine mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihrer Delegation Richtung Washington ab. Die CDU-Chefin trifft erstmals ihren US-Ministerkollegen Mark Esper.

Am Dienstag bringt die Flugbereitschaft dann auch noch Außenminister Heiko Maas (SPD) nach New York, was schon länger geplant ist. Er nimmt bis Freitag an der UN-Generalversammlung teil und löst dort sozusagen die Kanzlerin ab.

Fliegen ist das klimaschädlichste Verkehrsmittel. Wer in einem normalen Passagierflugzeug von Frankfurt am Main nach New York fliegt, verursacht nach Berechnungen des Umweltbundesamtes dabei den gleichen CO2-Ausstoß wie bei 21 900 Kilometer Fahrt mit dem Auto.

Ursprünglich hatte Kramp-Karrenbauer mit ihrer Delegation in der Maschine der Kanzlerin mitfliegen sollen. Der Airbus A340 sollte erst in New York zwischenlanden und dann weiter nach Washington fliegen. Da Kramp-Karrenbauer bereits am Montagabend nach Deutschland zurückfliegt, wollte sie zurück eine normale Linienmaschine nehmen. Die Flugtickets waren bereits bestellt.

Doch dann soll nach Informationen der «Bild am Sonntag» das Kanzleramt dem Verteidigungsministerium signalisiert haben, dass ein Mitflug von Kramp-Karrenbauers Delegation nicht gewünscht sei und die Anreise eigenständig erfolgen solle. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Zeitung: «Im Zuge der Planungen dieser Reise haben wir uns bemüht, den Einsatz der Flugzeuge zu optimieren.» Flugplanung und Flugzeugmuster richteten sich nach dem Zielflughafen, der Flugstrecke, der Delegationsgröße und den terminlichen Verpflichtungen der Regierungsmitglieder. Eine Regierungssprecherin erklärte am Sonntag auf Anfrage: «Unterschiedliche Delegationsreisen werden unabhängig geplant.»

Nach dpa-Informationen hatte es aus dem Kanzleramt die Auflage gegeben, die ohnehin kleine Delegation Kramp-Karrenbauers für den Antrittsbesuch in den USA deutlich zusammenzustreichen. Deshalb wurde noch einmal neu geplant.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, sagte dem «Spiegel»: «Der zusätzliche Flug ist nicht nur ökologisch unsinnig, sondern auch Steuergeldverschwendung.» Als Teil ihres Klimaschutzpakets hatte die Bundesregierung vergangenen Freitag beschlossen, die Luftverkehrsteuer für Starts von deutschen Flughäfen zum 1. Januar 2020 anzuheben.

Zusätzlich flog auch Umweltministerin Svenja Schulze nach New York, nach Auskunft ihres Ministeriums aber wegen früherer Termine bereits vor ihren Kabinettskollegen - mit einer Linienmaschine. «Wir reisen hier alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten an, wir haben hier eine Menge Termine», sagte die SPD-Politikerin in New York. «Ich will mich nicht in Reiseplanungen einmischen. Wir versuchen hier so viel es geht hier gemeinsam zu machen, gemeinsam auch anzureisen und wieder abzureisen. Wichtig ist, dass Deutschland hier da ist, dass wir in den Diskussionen sind, mitreden können. Das kann man nicht alles nur virtuell tun.»

Bewertung des Artikels: Ø 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
14Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    3
    Interessierte
    24.09.2019

    Wie viele Menschen passen denn in solch ein Flugzeug rein , gibt es da nicht Kleineres - Helikopter ? ;-)

  • 4
    1
    Steuerzahler
    24.09.2019

    @kartracer: Volle Zustimmung! Ankurbelung der Wirtschaft, Profitsicherung und herrliche Ablenkung von Problemen, die über Jahre nicht geklärt wurden! Von Geldpolitik und Abschöpfung des Ersparten des kleinen Mannes nicht zu reden, was auch die derzeitigen „Mainstreamschwimmer“ noch merken werden.

  • 4
    1
    Zeitungss
    24.09.2019

    @kartracer: Ihren Beitrag habe ich nichts hinzuzufügen, passt ganz einfach.

  • 8
    1
    Malleo
    23.09.2019

    Wer solche Politiker hat, braucht keine Feinde!

  • 10
    3
    kartracer
    23.09.2019

    @Zeitungss, das Baerbocks privat einen alten Diesel fahren hat sie bei Plasberg selbst gesagt, gekauft aus Gründen der UMWELTFREUNDLICHKEIT!
    Die Ersten die das "Geschenkpaket" erkannt haben sind die Tankstellen, es geht nach OBEN, heißt, die Ölkonzerne werden Merkel und Co. die Schuhe ablecken.
    Wer kann die vermeintlichen 3ct. schon kontrollieren, wenn die Preise an einem Tag schon bis zu ca. 10mal von 1ct. bis 10ct.pro Liter rauf und runter springen, teilweise im Takt von 15min.?
    Diese Klimapaketlüge ist nicht anderes als eine, mit Hinterhältigkeit inszenierte Inflation, die bei den denkfaulen Bürgern VIELLEICHT ankommt, wenn es im eigenen Geldbeutel auf einmal richtig knapp wird.
    Ob von den ganzen angeblich regierenden Traumtänzern, eigentlich auch nur EINER weiß, welche Energie Möglichkeiten nach einem Verbot für Ölheizungen, auf dem nicht so seltenen Land noch möglich sind??
    "Hat Du Strom" auch wenn Du bohren Loch an Loch "Hat Du Strom, viel Strom"
    Es heißt sprichwörtlich "Hochmut kommt vor dem Fall", könnte man das nicht besser kombinieren, mit Dummheit oder Unfähigkeit oder Ignoranz???
    Wer es noch nicht registriert hat, Deutschland steuert auf ein Chaos zu, sehenden Auges!
    ROT darf gerne gezogen werden, ich liebe rot!

  • 10
    2
    Malleo
    23.09.2019

    "Noch nie waren so viele so sehr wenigen ausgeliefert."

    A. Huxley

  • 4
    4
    Interessierte
    23.09.2019

    Die machen das schon richtig ...
    Und wie viele Begleiter hat jeder für sich ; würden die denn alle in eine Maschine ´nein passen ?

  • 4
    2
    Zeitungss
    23.09.2019

    @Einspruch: Wenn in diesem Land alles möglich ist, Steuerstreik gehört mit Sicherheit nicht dazu. Wenn das Finanzamt von Ihnen Kohle verlangt, lesen Sie einmal die "Packungsbeilage" auf der Rückseite. Bei schlechter Zahlungsmoral ist dort der Werdegang bis zur öffentlichen Hinrichtung genauestens aufgeführt. Bei Erwartungen vom Finanzamt ist diese Möglichkeit natürlich nicht vorhanden.

  • 18
    5
    Einspruch
    22.09.2019

    Steuerstreik wäre wahrscheinlich sinnvoller als FFF. Die sind so abgehoben, das die wahrscheinlich während ihrer Beratungen Lachkrämpfe kriegen, was die dem Steuerzahler aufbrummen.

  • 13
    4
    Zeitungss
    22.09.2019

    @Rolf: Armut ist das wirklich nicht, der Steuerzahler sorgt für Nachschub. Wir sehen jetzt gleich einmal die praktische Umsetzung der Beschlüsse vom Freitag, nur von Frau Baerbock war noch nichts zu hören, denn sie würde sicherlich mit dem Segelboot über den Teich reisen und mit ihren alten Diesel (eigene Angaben im ÖR), im Hafen einen Parkplatz dauerbelegen. Für die Parkdauer fällt natürlich auch kein CO2 an, was die Sache doch noch positiv ins Licht rücken würde.

  • 15
    4
    Lesemuffel
    22.09.2019

    Die setzen sofort die Beschlüsse des Klimagipfels um. Nochmal fliegen eh es zu teuer wird, wegen der CO2-Bepreisung. Später können sie ja mit Flugzeugen der Italiener, Franzosen, Briten fliegen, deren Flugzeuge sind klimaneutral.

  • 10
    6
    Rolf75
    22.09.2019

    Ein Zeichen für Armut, dass Deutschland nicht mal für jeden Minister ein Flugzeug bereitstellen kann!

  • 18
    2
    Nixnuzz
    22.09.2019

    Nö - bei dem baulichen Zustand mancher Flieger!.....50-50 das mindestens 1 zurückkommt..

  • 24
    3
    Hinterfragt
    22.09.2019

    Es zeigt einmal mehr, dass wenn das Papier des so genannten Klimapaketes ungedruckt geblieben wäre, wäre der Umwelt und Ressourcen mehr geholfen gewesen.
    Heuchelei hoch 10!



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