Gehasst, ermordet, verklärt

Vor 100 Jahren wurden die beiden Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin von deutschen Freikorpssoldaten getötet. Kaum ein politischer Mord hat die Gemüter so bewegt - und zwar bis heute. Vor allem die Ideen Luxemburgs rumoren weiter in den Köpfen der Menschen des 21. Jahrhunderts.

Chemnitz.

Eisig kalt ist es fast immer, wenn die traditionelle Luxemburg-Liebknecht-Demo jeweils um den 15. Januar herum auf der Frankfurter Allee in Berlin Richtung Friedhof Friedrichsfelde zieht. Einige Tausend sind es jedes Jahr in dicken Mänteln und Jacken, die zur "Gedenkstätte der Sozialisten" pilgern. So auch gestern. Mit dabei: alle prominente Vertreter der Partei Die Linke, genauso wie Alt-Kommunisten, junge Linke, Maoisten, Trotzkisten und andere, auch internationale Splittergruppen.

Morgen wird es 100 Jahre her sein, dass Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin ermordet wurden. Der Berliner Historiker Ernst Piper würdigt in seinem packenden und sorgfältig recherchierten Buch "Rosa Luxemburg" das Leben der Arbeiterführerin, die demnach weitaus bedeutendere Ideen hinterlassen hat als Liebknecht.

"Auch wenn sie eines natürlichen Todes gestorben wäre, so bliebe sie doch wegen ihrer Gedankenwelt auch heute noch eine erinnerungswürdige Person." Die Ermordung der beiden Arbeiterführer werfe ein grelles Licht auf die Frühphase der Weimarer Republik und auf die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung von 1917. Durch ihren gewaltsamen Tod habe sich der Graben in der deutschen Arbeiterbewegung unwiderruflich manifestiert. Rote Nelken sind das Symbol des Gedenkens, sie sind auch 100 Jahre nach dem Tod der beiden Galionsfiguren der revolutionären Bewegung noch lange nicht verwelkt.

Rückblick ins Jahr 1919: Wenige Tage nach der Niederschlagung des Januaraufstands verhafteten am 15. Januar Angehörige der Wilmersdorfer Einwohnerwehr die untergetauchten KPD-Führer. Sie verschleppten sie in das Hauptquartier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division (GSKD) im Berliner Hotel Eden. Dort wurde die Identität der beiden festgestellt, anschließend fuhren die Soldaten mit Liebknecht in den Tiergarten, wo sie ihn mit drei Schüssen unweit des Neuen Sees von hinten erschossen. Luxemburg wurde ebenfalls ermordet. Verantwortlich für die Mord-Aktion war Waldemar Pabst, der Erste Generalstabsoffizier der GKSD. Ein junger Leutnant namens Hermann Souchon tötete Rosa Luxemburg durch einen Kopfschuss. Ihre Leiche warfen sie in den Landwehrkanal, wo sie erst Ende Mai 1919 gefunden wurde.

Mit Verständnislosigkeit reagierten weite Teile der Öffentlichkeit, als ein Kriegsgericht die maßgeblich an den Morden beteiligten Offiziere im Mai 1919 freisprach. Der sozialdemokratische Reichswehrminister Gustav Noske nahm das Urteil hin und machte keinen Gebrauch von seinen Einspruchsmöglichkeiten, die er als oberster Dienstherr eines Militärgerichts durchaus gehabt hätte. Seine Rolle in der Mordgeschichte blieb unklar.

Rosa Luxemburg war am 5. März 1871 in der polnischen Kleinstadt Zamosc geboren worden, die damals zum Zarenreich gehörte. 1888 ging sie zum Studium nach Zürich, wo sie 1897 mit einer Arbeit über die industrielle Entwicklung Polens promovierte. 1898 zog sie nach Berlin. Nachdem sie zuvor in der polnischen Sozialdemokratie aktiv gewesen war, schloss sie sich nun der SPD an und gewann dort großes Ansehen als Theoretikerin, Publizistin und Wahlkämpferin. Schon früh war sie auch in der Sozialistischen Internationale engagiert.

Eine Feministin war sie nicht, im Gegenteil: Das war für sie "Weiberkram". Die Kriegszeit verbrachte sie zum großen Teil im Gefängnis, gehörte aber am 31. Dezember 1918 zu den Gründern der KPD, die sich aus Spartakisten und anderen linksradikalen Gruppierungen bildete.

Karl Liebknecht blieb den Deutschen als "Zweiter" in Erinnerung: Am 9. November 1918 rief er die sozialistische Republik aus. Vorher aber hatte schon der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die bürgerliche Republik proklamiert. Liebknecht, einst selbst Sozialdemokrat, war durch seinen Kampf gegen den Krieg zur Ikone der Arbeiterbewegung geworden. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 hatte er sich mit der SPD überworfen, weil er gegen die Kriegskredite war. Mit Rosa Luxemburg gründete er im Januar 1916 den "Spartakusbund". Karl Liebknecht war Sachse, geboren am 13. August 1871 in Leipzig. Er war der zweitälteste Sohn von Wilhelm Liebknecht, Gründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), einem Vorläufer der SPD.

Warum werden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg immer in einem Atemzug genannt? Sie waren zwar Führer der KPD, aber sie hatten sonst nicht viel gemeinsam. Piper: "Es gab in der DDR eine Legendenbildung. Das fängt schon mit dem Mythos ,Spartakusaufstand' an. Heute wird er Januaraufstand genannt, weil die winzig kleine Spartakusgruppe keine große Rolle gespielt hatte." Luxemburg war sogar gegen den Aufstand.

Auch Lenins Abgesandter Karl Radek hatte sich kurz vorher noch einmal mit einem Brief an den Zentralausschuss der KPD gewandt, der erst 2014 auf Deutsch vollständig publiziert worden ist. Darin warnte Radek vor einer Teilnahme an dem von Liebknecht und Wilhelm Pieck befürworteten Aufstand, weil die Partei noch nicht die Mehrheit der Arbeiterklasse hinter sich habe.

Radeks Brief wurde in der DDR verschwiegen. Piper: "Der zweite Teil dieser Legende ist der Mythos von Karl und Rosa. Die beiden haben zwar seit der Ankunft von Rosa Luxemburg in Berlin gemeinsam die 'Rote Fahne' redigiert. Aber sie waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten." Liebknecht war ein wohlbestallter Rechtsanwalt, im Preußischen Landtag und im Reichstag als Politiker aktiv. "Er war eher Agitator als Denker. Ich würde ihn eher dem ethischen Sozialismus zuordnen, denn er hat sich nie groß mit den Schriften von Karl Marx oder Lenin befasst. Er gehörte auch nie zum Freundeskreis von Rosa Luxemburg. Seine Frau Sonja allerdings schon", so Piper. Täglich arbeiteten sie erst in den letzten Wochen ihres Lebens miteinander. Diese Zeit habe sich natürlich eingeprägt.

Warum aber pflegen Alt-Kommunisten bis heute die Erinnerung? Das Denken von Rosa Luxemburg, vor allem ihre Idee der sozialistischen Demokratie, war alles andere als auf DDR-Linie. Dazu Piper: "Auf der einen Seite war sie geradezu eine Heilige der Arbeiterbewegung. Dafür wird sie heute noch geehrt. Das aber tat man in der DDR getrennt von ihrem Werk." Piper erinnert an die kuriose Situation 1988, als beim Marsch der Sozialisten zum Friedhof Menschen verhaftet wurden, die Transparente mit Zitaten von Rosa Luxemburg ("Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" oder "Wer sich nicht bewegt, spürt die Fesseln nicht") dabeihatten.

Die Persönlichkeit der Revolutionärin wurde in der DDR gelobt, ihre Ermordung gebrandmarkt, aber ihre demokratischen Ideen als Abweichung von Lenin und Stalin als "Luxemburgismus" verdammt. Das hatte bei den Linken eine lange Vorgeschichte: 1928 benannte die KPD zwar die im Jahr zuvor gegründete Reichsparteischule in Dresden nach Luxemburg, vertrieb aber zugleich im Zuge der Stalinisierung ihre Anhänger aus der Partei. Ernst Thälmann agitierte mit einer Broschüre gegen den "Luxemburgismus".

Ihr Denken, das heute noch von Bedeutung ist und auch junge Leute fasziniert, konzentriert Piper auf einen Punkt: "Das Wichtigste, was sie aus der Reihe marxistische Theoretiker herausgehoben hat, war ihr Antileninismus. Sie war die Antipodin von Lenin. Bis 1917 war sie die berühmteste Frau in der europäischen Arbeiterbewegung, da kannte man Lenin kaum."

Während die Welt des Marxismus-Leninismus inzwischen zusammengebrochen ist, leben Rosa Luxemburgs Ideen trotz mancher Fehleinschätzungen nach Ansicht Ernst Pipers weiter: so ihre Revolutionstheorie, die sich auf den Gedanken der Spontaneität der Massen gründete, ihre Ablehnung von Lenins Konzept der Kaderpartei. Die Massen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen - das ist ihr wichtigstes Erbe.

Den Massen traute Rosa Luxemburg viel Gutes zu, vor allem aber Lernfähigkeit. Die proletarischen Massen zu lenken oder zu führen, war für sie illegitim. Sie nimmt hier, wenn man so will, einen heute immer noch aktuellen Konflikt zwischen Parteien und Bevölkerung vorweg, zwischen Institutionen und den Einzelnen, die sich im Protest zusammenfinden. Rosa Luxemburg ist nicht zufällig außerhalb des Ostblocks in den 1960er-Jahren während der Studentenrevolten wiederentdeckt worden. Sie war eine Ikone des antiautoritären Aufbegehrens.

Der Gedanke an die Proteste der Gelbwesten in Frankreich liegt nahe. Wäre sie auch für diese heute eine Vordenkerin? Piper ist skeptisch: "Bei den Gelbwesten scheinen sich rechts- und linkspopulistische Strömungen zu mischen. Rosa Luxemburg war aber eine scharfe Denkerin: Sie hätte sich nie einem solch oberflächlichen Krawall angeschlossen. Sie war sehr unerbittlich in ihren theoretischen Positionen."

Die Tragik Luxemburgs war, dass sie gerade im Krieg im Gefängnis saß. Sie hatte die russische Revolution hinter Gefängnismauern wahrgenommen. Dann kam sie nach Berlin und dachte: Jetzt komme ich gerade noch rechtzeitig. Mit der Situation aber war sie überfordert. Piper schreibt: "Ein Don Quichotte wollte Rosa Luxemburg zu keiner Zeit ihres Lebens sein. Ihre Tragik war, dass sie jahrzehntelang mit hohem intellektuellen und physischen Einsatz auf eine revolutionäre Situation in Deutschland hingearbeitet hatte und dann nach Jahren im Gefängnis in Berlin eine Situation vorfand, bei der es nichts zu gewinnen gab. Die Massenbasis für ihre soziale Utopie war nicht vorhanden."

Das berühmteste Zitat stammt aus ihrem letzten Manuskript "Die Russische Revolution", das zu ihren Lebzeiten nicht mehr veröffentlicht wurde. Es lautet: "Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie auch noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden." Ohne eine frei agierende Presse, ohne ungehindertes Vereins- und Versammlungsleben war für sie die Herrschaft breiter Volksmassen undenkbar. Sie war keine Demokratin im heutigen Sinne. Ihr politisches Denken war geprägt vom Ideal der Revolution. Die Chance, ihre politischen Überzeugungen in der Praxis zu überprüfen und weiterzuentwickeln, blieb ihr verwehrt. Dazu Piper: "Wie Rosa Luxemburgs Lebensweg weitergegangen wäre, wissen wir nicht. Aber viel spricht dafür, dass sie die Freiheit der Andersdenkenden auch für sich selbst in Anspruch genommen hätte."

Ernst Piper kommt nach Chemnitz: Am 22. Januar hält er an der TU Chemnitz einen Vortrag über Rosa Luxemburg. Zeit: 13.45 bis 15.15 Uhr. Wilhelm-Raabe-Str. 43, Raum 201.

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13Kommentare
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    franzudo2013
    17.01.2019

    Meinen Sie so ein "Zugehen", wie nach 45?
    Da sind die Kommunisten ganz freundlich auf die Sozialdemokraten zugegangen, man hat sich auf Augenhöhe abgestimmt und schwups, saßen die Sozialdemokraten in Speziallagern und die SED war eine Partei der "Einheit".
    Da waren Ebert und Scheidemann und Noske klüger als Grotewohl und Buchwitz.

  • 3
    1
    Freigeist14
    17.01.2019

    franzudo@ Ihre Reaktion spricht Bände , Geschenkt . Acals@ Ihre subtile Melange aus Halbwahrheiten, Unterstellungen und völliges Verdrehen von geschichtlichen Ereignissen macht Ihnen keiner so leicht nach. Die Zeit muss man erst einmal aufbringen-Respekt . Das die Protagonisten des Aufstandes und der Münchener Räterepublik selber jüdischer Abstammung waren ,wissen Sie doch selber . Die Eskalation der Gewalt ginge ohne Not von den Schergen um Noske aus,die abgestumpft durch den Krieg vor Gewalt und Gefangenerschießungen nicht zurück schreckten. Allerdings war der Aufstand im Berliner Zeitungsviertel von Beginn an zum Scheitern verurteilt ,so daß die Gewalt in Berlin eskalierte . Ein Zugehen auf die Forderungen der Arbeiter und Soldaten wäre für Ebert und Scheidemann durchaus möglich gewesen. Aber in ihrer Machtgier und voreiligen Ergebenheitsbekundungen an die alten erzreaktionären Eliten vergaben sie ihre historische Chance. Daran zerbrach letzten Ende die Weimarer Republik .

  • 1
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    acals
    17.01.2019

    Ich darf anmerken:

    Nicht nur nach anerkannter Meinung von Historikern - vgl.:

    Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949 C.H. Beck Verlag, München 2003, S. 537.

    sondern auch durch persönliche Berichte etc wissen wir, dass der ausgerufene Bürgerkrieg den Rat der Volksbeauftragten stürzen sollte, um die für den 19.1. geplanten freien Wahlen zu verhindern. Nichts fürchten nämlich Kommunisten mehr ...

    Wird ein Staat mit Waffengewalt angegriffen und wird dazu aufgerufen, dann wird der Staat reagieren, so er handlungsfähig ist. So schrieb auch die KPD am 9.1.19 auf Flugblätter " gegen die ... Judasse in der Regierung ... gebraucht die Waffen gegen eure totfeinde ..."

    Wenn ein Herr Syrier zum millionenfachen Massenmoerder an seinem Volk wird, dann ist das iO, meinen manche - denn er verteitigt ja seine Rechte (ohne freie Wahlen einzuraeumen). Wenn nun ein Rat der Volksbeauftragten - der ja freie Wahlen abhalten will - auf koerperliche Gewalt reagiert, dann nur als äußerstes Mittel. "Einer muss der Bluthund sein" bedeutet das wir uns gegen das abgeschlachtet werden wehren. Die Juden im Warschauer Ghetto haben das zB auch getan. Hier ist das aber falsch, weil es ist halt einfach die falsche Seite die sich rechtsmäßig wehrt. Dieser Logik kann man folgen, sie ist aber für 100 Mio-fachen Mord weltweit verantwortlich. Das ist übrigens unter Historikern anerkannt.

    Auch hier gibt es pazifistische Stimmen, die gegen Einsatz von Waffengewalt sprechen - eine solche Entscheidung im Notfall muss jeder für sich treffen. Es bleibt aber dabei - Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um. Die jahrtausende alte Weisheit hat sich auch im Fall von Karl und Rosa eindrucksvoll bestätigt.

  • 3
    4
    franzudo2013
    17.01.2019

    @freigeist14, wahrscheinlich halten Sie Marxismus-Leninismus für Wissenschaft?
    Revisionistische Geschichtsumdeutung ist die Paradedisziplin der Kommunisten, da suchen Sie Holodomor und Gulag vergebens in den Büchern. Als Historiker wuerde ich diese Leute nicht bezeichnen.

  • 3
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    Freigeist14
    16.01.2019

    Die Apologeten der alten - den Krieg zu verantwortenden- Eliten sind sich seltsam einig . So kann man nur schreiben,wenn man die Not,den Hass auf Kaiser und andere Führer zur Schlachtbank des Weltkrieges nicht zur Kenntnis nehmen will. Was ich schrieb ist unter Historikern Konsens - unabhängig von revisionistischer Geschichtsumdeutung . Punkt .

  • 3
    2
    franzudo2013
    16.01.2019

    @acals, so gut kann ich das leider nicht formulieren. Sie treffen ins Schwarze !

  • 3
    3
    acals
    16.01.2019

    @franduzo: Sie haben nicht unrecht wenn Sie formulieren, dass die beiden aus eigener Schuld ihr Leben verloren haben. Sie haben aber unrecht wenn Sie sagen, dass die beiden aus eigener Schuld ermordet wurden.

    Wer zum Bürgerkrieg aufruft, der preist ein das die andere Seite ebenso kriegerische Mittel einsetzt. Ist diese andere Seite legitimer Rechtsvertreter tut auch sie gut daran bei "bleibendem Krieg" für ein schnelles Ende zu sorgen (Einer muss der Bluthund sein), das ist sie "dem Volk" schuldig.

    Das entschuldigt oder rechtfertigt aber in keinster Weise den feigen Mord an den beiden. Sie hätten vor ein Gericht gehört, als Kriegstreiber wäre der Galgen ihr Schicksal gewesen - denn das war die Rechtslage.

    Insofern haben Sie nun wiederum Recht, denn Liebknecht und Luxemburg haben eben nicht Gewalt und Tote abgelehnt. Wir dürfen uns aber bestimmt darauf einigen, dass die ohnehin aufgerührte Situation gewaltfrei-rationales Agieren damals nicht zuliess; und das auf beiden damaligen Seiten. Persönlichkeiten a la Ghandi hatte Deutschland nicht in 1919. Das ist mehr als Schade und ausserordentlich zu bedauern. Deswegen trauere auch ich an diesen Tagen.

  • 4
    2
    Freigeist14
    16.01.2019

    Ich muss nicht dabei gewesen sein um die Geschehnisse und Ursachen richtig einzuordnen . Was hat die Revolution 1918/19 mit dem Stalinismus zu tun ? Durchschaubare Ablenkung zu mal Rosa Luxemburg schon 1904 den Zentralismus Lenins kritisierte und ablehnte . Ihre rhetorische Frage zur Gewalt will wohl vollständig die Urheber der Gewalt gegen Aufständige in Kiel,Bremen oder Berlin auf den Kopf stellen .Gustav Noske "der Bluthund " gab z.B am 10.Januar 1919 persönlich den Befehl zur Zerschlagung der Bremer Räterepublik. Widerstand der Soldaten und Arbeiter war zur Gegenwehr .Das die Erinnerung an die Ereignissen 1919 aus den kollektiven Gedächtnis verschwinden sollen passt zum Zeitgeist der heutigen BRD .

  • 3
    5
    franzudo2013
    15.01.2019

    Waren Sie dabei?
    Ihre Worte erinnern mich an meinen Geschichtsunterricht in der DDR. Da ging die Menschwerdung erst 45 los. Wie ordnen Sie den die Ermordung der Zarenfamilie und die stalinistischen Schauprozesse ein? Als Betriebsunfaelle?
    Jede Gewalt und jeder Tote ist abzulehnen. Haetten das Liebknecht und Luxemburg genauso gesehen?

  • 5
    4
    Freigeist14
    15.01.2019

    Infame Geschichtsfälschung und Beschmutzen des Andenkens Verstorbener . Wochenlang stand damals an den Aushängen der Litfaßsäulen und Häuserwänden Berlins "Schlagt ihre Führer tot !" . Und die Gewalt ging nachweislich von den sich bildenden Freikorps und ultrarechten,monarchistischen Bürgerwehren -und nicht von den Aufständigen - aus . Ein feiger Mord an wehrlosen Gefangenen . Weiter wird geleugnet ,das der Revisionismus der Kriegsniederlage und der Machterhalt der Junker ,Kriegsgewinnler und Erznationalisten fast zwangsläufig zur nationalsozialistischen oder Militärdiktatur führen musste. Manche hatten wohl einfach im Fach Geschichte gefehlt oder sich nach der politischen Wende in einschlägigen Publikationen "weitergebildet " .

  • 3
    6
    franzudo2013
    15.01.2019

    Politisch verantwortlich waren die beiden Ermordeten selbst. Sie wollten den kommunistischen Umsturz nach sowjetischem Vorbild. Dann wäre die Zahl der Toten viel höher gewesen. Ob die Nationalsozialisten jemals an die Macht gekommen wären, wenn die Internationalsozialisten nicht so brutal vorgelegt hätten, ist zumindest eine Frage wert.

  • 7
    1
    Freigeist14
    14.01.2019

    Danke Herr Lorenz für diesen würdevollen Beitrag . Nur muss ich sagen,daß die Rolle Gustavs Noskes bei der Ermordung und Strafvereitelung alles andere als "unklar" ist .Der rechte SPD-Mann war als "Volksbeauftragter" berufen und verantwortlich für die Niederschlagung der Aufstände in Berlin. "Einer muss der Bluthund sein" .Er gab den Freikorps im Reich den Freibrief zu den berüchtigten Gewaltexzessen gegen Arbeiter und Soldaten mit tausenden Toten .Politisch verantwortlich für den Tod der Spartakisten-Führer war die SPD von Ebert und Scheidemann .

  • 9
    0
    acals
    14.01.2019

    Danke an Sie, Herr Lorenz, an die Fachredaktion und die ganze FP diesen Artikel in dieser Form anlaesslich des 100. Jahrestages der Ermordung.

    Das Buch von Herrn Piper, da stimme vooumfaenglich zu, ist exzellent recherchiert und bietet tatsaechlich noch mehr Ueberraschungen.

    Mein Fazi waere das der Einsatz von koerperlicher Gewalt niemals das Ziel erreichen kann, was vordergruendig anstand. Friedlich ist der einzige Weg zu nachhaltigen Veraenderungen zu kommen.



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