Haben die Kirchen in der Corona-Krise versagt?

Viele Menschen sind in den vergangenen Wochen sehr einsam gestorben - ohne Verwandte und Freunde an ihrem Bett. Aber auch ohne Pfarrer, kritisiert die frühere Regierungschefin von Thüringen. Zurecht?

Berlin (dpa) - Haben die Kirchen Kranke, Sterbende und Trauernde in der Corona-Krise im Stich gelassen? Die ehemalige thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) vertritt diese Meinung - und erntet dafür heftigen Widerspruch, aber auch Unterstützung.

In den vergangenen Wochen galt in den Krankenhäusern ein Besuchsverbot. Dadurch starben viele Patienten einen sehr einsamen Tod. Höchstens die engsten Verwandten wurden vorgelassen, Enkeln dagegen blieb der Abschied von Oma oder Opa versagt. Lieberknecht kritisiert nun, dass auch Geistliche oft nicht da gewesen seien - ausgerechnet in der Stunde, in der ihr Beistand am dringendsten nötig gewesen wäre.

«Da wurde kein letzter Psalm gebetet, es gab keinen Trost, keine Aussegnung am Sterbebett», sagte Lieberknecht der «Welt». Sie selbst war früher Pastorin. «Man hätte neben Pflegern und Ärzten auch Seelsorger testen lassen müssen. Das hätte die Ansteckungsgefahr minimiert.»

Aber stimmt das so? Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger hätten den Kranken und Sterbenden «unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung» durchaus zur Seite gestanden, widerspricht der Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Das gleiche sagt der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber. Selbst im nicht besonders kirchlich geprägten Berlin hätten Geistliche immer Zugang zu Schwerkranken bekommen, selbst wenn Angehörige abgewiesen worden seien. «Wir haben in Berliner Krankenhäusern keine Unterbrechung der Seelsorge gehabt», stellt Huber klar.

Allerdings schließt sich der Bischof in einem wesentlichen Punkt der Kritik von Lieberknecht an: «Die Kirche hat auch nach meinem Gefühl die Aufgabe der Seelsorge und Fürsorge für Kranke, Alte und Sterbende nicht mit dem gebotenen Nachdruck herausgestellt.» Sie hätte stärker betonen müssen, dass das Recht auf Seelsorge sogar von der Verfassung geschützt sei.

Ebenso sieht es Schüller: Dass teilweise noch nicht einmal Kinder und Enkel an Beerdigungen hätten teilnehmen dürfen, sei «unmenschlich» gewesen. «Hier hätte man sich im Einzelfall mehr Kritik von den Kirchen wünschen dürfen», meint der Professor.

Was Lieberknecht von vielen in der Kirche verübelt wird, ist ihr Satz «Die Kirche hat in dieser Zeit Hunderttausende Menschen allein gelassen.» Der langjährige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, bezeichnet diese Schätzung als «sensationsheischend», da durch nichts belegt. Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte der Deutschen Presse-Agentur, damit tue Lieberknecht all jenen Seelsorgerinnen und Seelsorgern Unrecht, «die sich in den vergangenen Monaten aufgerieben haben, um Menschen zu begleiten», wobei nicht wenige auch persönlich viel riskiert hätten.

Der unabhängige Kirchenkenner und Buchautor Andreas Püttmann ruft zudem in Erinnerung, dass in Italien innerhalb weniger Wochen mehr als 100 Priester an Covid-19 gestorben seien - weil sie Kranke besucht und Sterbende begleitet hätten. «Da wurde sogar der Vorwurf laut, sich unverantwortlich an der Ausbreitung der Epidemie beteiligt zu haben.»

Gerade religiöse Zusammenkünfte hätten in mehreren Ländern - zum Beispiel im Elsass - zur Beschleunigung der Epidemie beigetragen, so Püttmann. «Es ist wohlfeil, jetzt nur auf schmerzliche Einschränkungen kirchlicher Angebote zu zeigen und diese Kehrseite der Risikovermehrung zu verschweigen.»


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

44Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    1
    inoino
    23.05.2020

    mops0106: "Und die christlichen Kirchen dienen sich meiner Meinung nach dem Islam an, da die Kirchenoberen Angst haben, an Einfluss zu verlieren, da immer mehr Menschen die Kirchen in Frage stellen."

    Ja, die Kirchen wissen, dass sie ihre Privilegien nur halten können, wenn den islamischen Verbänden das Gleiche gewährt wird. Und sie wissen, dass immer mehr Menschen nicht nur die Kirchen sondern auch Glauben in Frage stellen - der Islam ist auch in dieser Hinsicht eher ein Verbündeter als ein Gegner.

  • 5
    3
    mops0106
    23.05.2020

    @inoino: Richtig. Dieses rechts gegen links wird gefördert, um von den eigentlichen Problemen abzulenken.

  • 4
    1
    mops0106
    23.05.2020

    @ralf: "Ich denke, wenn die christlichen Kirchen immer mehr an Einfluss im Land verlieren, die Christen insgesamt zahlenmäßig immer weniger werden, davon wird eines Tages der Islam profitieren und da werden auch die Atheisten nichts daran ändern können.
    Die übertriebene Aufgeschlossenheit vieler christlicher Politiker in Deutschland der islamischen Religion gegenüber kann auch nicht nachvollziehen, das allein unter dem Denkmantel der Religionsfreiheit zu begründen ist für mich nicht schlüssig."

    Der Islam wird so oder so profitieren. Das ist politisch gewollt; nicht nur in Deutschland. Und die christlichen Kirchen dienen sich meiner Meinung nach dem Islam an, da die Kirchenoberen Angst haben, an Einfluss zu verlieren, da immer mehr Menschen die Kirchen in Frage stellen. (Ich glaube zwar nicht an eine höhere Macht, aber denke, dass die Gläubigen keine Kirche/ Hülle für ihren Glauben brauchen?)

  • 5
    0
    inoino
    23.05.2020

    ralf66: "Die übertriebene Aufgeschlossenheit vieler christlicher Politiker in Deutschland der islamischen Religion gegenüber kann auch nicht nachvollziehen, das allein unter dem Denkmantel der Religionsfreiheit zu begründen ist für mich nicht schlüssig."

    Es wird viele Gründe geben.
    Religionsfreiheit und damit verbunden die Gleichbehandlung aller Religionen ist kein Deckmantel sondern eine nachvollziehbare Begründung. Aber es müsste anders rum laufen: die Kirchenprivilegien abschaffen statt derartiges nun auch noch problematischen islamischen Verbänden wohl oder übel gewähren zu müssen wäre der richtige Weg. Den Kirchen gefällt das natürlich nicht; und das gefällt auch den C-Parteien nicht, weil sie damit bei ihren Wählern den Einfluss über die Religion einbüßen würden.
    Ein anderer Grund wird sein, dass naive Politiker glauben, auf diesen Weg den Islam liberalisieren zu können. Es ist natürlich Schwachsinn, Gelder in (streng) konservative Verbände reinzustopfen und von denen Liberalisierung als Dankeschön erwartet - das geht gar nicht.
    Es gibt aber noch einen Grund: Für die Reichen und Mächtigen ist es doch viel besser, wenn durch Konfessionalisierung/ Ghettoisierung der Gesellschaft die Arbeiter gespalten und zerstritten sind statt dass diese gemeinsam für ihre demokratischen und sozialen Errungenschaften und gegen die unerträgliche Ungleichheit zwischen Arm und Reich kämpfen - wenn also der kleine Mann mit mickrigem Einkommen seinen Feind im Andersgläubigen statt im hemmungslosem Kapitalisten sieht und bekämpft...

  • 3
    0
    Zeitungss
    23.05.2020

    @ralf66: Ja, es darf jeder was er will. Warum muss der Bürger über den Haushalt diese Einrichtung mitfinanzieren ??? Der Gläubige darf für den Bezug der geistlichen Leistungen gerne selbst tief in die Tasche greifen, alles kein Problem, aber man will es nicht und so geht es einfacher. Die technischen Einrichtungen stehen dafür zur Verfügung. In diesem Staat muss der normale Bürger für sein Hobby selbst aufkommen, was gerecht ist und für den Bezug der geistlichen Eingebungen ebenfalls der Fall sein sollte und nicht die Gemeinschaft.
    Ich bin streng gläubiger Atheist, brauche keinerlei Religionen und bin bisher trotzdem noch nicht von der Bahn abgekommen und führe ein geregeltes Leben.

  • 1
    0
    ralf66
    23.05.2020

    @inoino, die christlichen Kirchen sind schon sehr lange Bestandteil in Deutschland, nun durch verschiedene gesellschaftliche Denkweisen teils durch Eigenverschuldung auf dem absteigenden Ast, ob diese Entwicklung insgesamt betrachtet mehr Vorteile wie Nachteile bringt wird die Zukunft weisen.
    Schulen und Behörden sind frei von Religion, ungläubige Schüler werden nicht gezwungen am Religionsunterricht teilzunehmen, man muss auch vor Gericht nicht auf die Bibel schwören jeder kann sich frei von Kirche wenn er damit nichts zu tun haben will in diesem Land bewegen, ohne das er mit Schwierigkeiten zu rechnen hätte, er sich benachteiligt oder eingeengt fühlen müsste.
    Den Bürgern stehen bis jetzt in Deutschland zwei Varianten zur Verfügung, ob sie in der Öffentlichkeit als Gläubige oder Atheisten behandelt werden wollen und ich denke das funktioniert ganz gut. Sie können nicht einfach daherkommen und ein Experiment befürworten, was dann die Gläubigen benachteiligen würde und am Ende nur den atheistischen Vorstellungen entsprechen würde.
    Einigen, da gehöre ich dazu und Ihnen scheint es auch so zu gehen, ist der Islam nicht geheuer. Die liberale Art wie christlicher Glaube in Deutschland praktiziert und gelebt wird ist überhaupt nicht mit dem Islam zu vergleichen, der Islam wird sehr streng gelebt und praktiziert.
    Ich denke, wenn die christlichen Kirchen immer mehr an Einfluss im Land verlieren, die Christen insgesamt zahlenmäßig immer weniger werden, davon wird eines Tages der Islam profitieren und da werden auch die Atheisten nichts daran ändern können.
    Die übertriebene Aufgeschlossenheit vieler christlicher Politiker in Deutschland der islamischen Religion gegenüber kann auch nicht nachvollziehen, das allein unter dem Denkmantel der Religionsfreiheit zu begründen ist für mich nicht schlüssig.

  • 3
    0
    inoino
    23.05.2020

    ralf66, ich bin ja schon mal froh, dass als Beispiel für böser Atheismus nicht das Nazi-Regime vopn Ihnen angeführt wird (vor einigen Jahren war diese Lüge noch an der Tagesordnung).
    Ja, für die DDR war Atheismus ein Merkmal. Zum Beispiel wurde an den Schulen kein Glauben gelehrt. Aber das konnte nachmittags in der Kirche o.ä. geschehen, da hatte niemand was dagegen. Gläubige, die politsch auf Linie waren, hatten nichts auszustehen (es gab ja wie Sie wissen sogar eine christliche Blockpartei). Anders herum: Atheisten, die politsch nicht auf Linie waren, wurden genau so verfolgt und benachteiligt. Das Problem war nicht der Atheismus, sondern die politische Gleichschaltung.
    Ich könnte jetzt Ihre Strategie übernehmen und Länder aufzählen, die theistisch geprägt sind, Demokratie gänzlich ablehnen und in denen Glaubenszwang herrscht, damit wäre niemanden gedient - weder Atheisten noch Theisten.

    Das Experiment, wo Religion Privatsache ist, der Staat also keine Religion finaziell fördert und öffentliche Einrichtungen (Schulen, Behörden) frei von Religion sind, steht noch aus. Erst nach so einem Experiment können wir beurteilen, ob eine säkulare Gesellschaft oder eine religiös geprägte besser ist. (Ich halte es für angemessener von Säkularität zu sprechen, weil es bei diesem Begriff um gesellschaftliche Strukturen geht und nicht nur um eine weltanschauliche Haltung wie es beim Atheismus der Fall ist.)
    Leider geht unser Land Dank hochreligiöser Politiker gerade den anderen Weg und ist sehr bemüht, nun auch noch den Islam zu hofieren und als Bereicherung für die gesamte Gesellschaft erscheinen zu lassen - traurig.

  • 0
    3
    ralf66
    22.05.2020

    @inoino, klar kann ich das wissen, das atheistische Gesellschaften nicht die besseren sind, dort ist und wird nie etwas besser laufen, da brauche ich mir nur die ehemalige DDR rückblickend anzusehen, dort waren die führenden Politiker nicht religiös, von der Bevölkerung gerade mal noch 25% christlich gebunden.
    Zum Beispiel im heutigen Tschechien, dazu gibt es unterschiedliche Zahlen sind gerade mal höchstens bis zu 35% der Gesamtbevölkerung religiös was ist dort besser.
    Aber gut ich werde mir den Tilmann Moser vielleicht mal reinziehen, dieses Werk wird einem ja schon für ca. 5,00 Euro mit Versand nachgeschmissen.

  • 2
    2
    inoino
    22.05.2020

    ralf66: "Trotzdem sage ich Ihnen, wenn eine vermehrt atheistisch Gesellschaft die Kirche kritisiert, dann muss sie besser sein und das ist nicht der Fall."

    Das können Sie doch gar nicht wissen - im Moment sind die Gläubigen noch in der Überzahl (vor allen Politiker sind im Gegensatz zur Gesellschaft oft sehr religiös und lassen das auch gern raushängen).

  • 2
    2
    inoino
    22.05.2020

    Distelblüte: "Übrigens: dieser Mann am Kreuz war Jesus, der Christus. Gottes Sohn.
    Man müsste sich galt ein wenig auskennen..."

    Ich kenne diese Legende und den daraus resultierenden Glaube durchaus. Aber steht man außerhalb dieses Glaubens ist nun mal kein Unterschied zu anderen Götzenglauben erkennbar.

  • 1
    1
    ralf66
    22.05.2020

    @inoino, Sie meinen in dem Buch von Moser wird bewiesen, dass wenn der christliche Glaube ernst genommen wird wie die Leute es früher in der Regel noch taten, dass das Schaden anrichtet oder angerichtet hat.
    Die Kritik an der Kirche mag alles sein, aber was dieser Herr Moser da beweisen will, dass müssen Sie mir mal erklären, wie sich das in früheren Gesellschaften wiedergespiegelt, geäußert hat.
    Ich weiß auch nicht ob zum Thema Kirche oder Religion, ein derart kritisches Buch, was es ja scheint zu sein in jeden Fall auf bewiesene Tatsachen und Lehren fußt, bezeichnend dafür ist der Autor Psychiater, die Psychiatrie ist eines der unerforschtesten, undurchschaulichsten medizinischen Fachgebiete überhaupt, wo immer wieder gravierende Fehleinschätzungen getroffen werden.

  • 1
    2
    gelöschter Nutzer
    22.05.2020

    @Jemand: Du lieber Himmel.
    Raten Sie bitte noch mal.
    Übrigens: dieser Mann am Kreuz war Jesus, der Christus. Gottes Sohn.
    Man müsste sich galt ein wenig auskennen...

  • 1
    2
    inoino
    22.05.2020

    ralf66: "und mir haben alte Leute vor 30 Jahren erzählt wie sie Ihren Glauben gelebt haben"

    Es wird immer schon Leute gegeben haben, die den christlichen Glauben nicht ernst genommen haben bzw. sich nur das Nette rauspickten (Gott hilft in der Not und so). Das streite ich ja gar nicht ab. Es macht ihn aber nicht gesünder, um beim Thema zu bleiben.


    ralf66: "Ich habe das von Ihnen angesprochene Buch von Moser nicht gelesen"

    Ich würde es Ihnen wärmstens empfehlen. Darin wird deutlich, was für Schaden der christliche Glaube (wird er denn ernst genommen wie die Leute es früher noch in der Regel taten) anrichten kann. Vielleicht sehen Sie das mit dem "gesunden Volksglauben" danach ein wenig anders.


    ralf66: " ich finde es aber immer wieder verwunderlich, dass sich immer wieder welche finden die mit Ihren Schrift-Werken aufklärend die Menschheit retten wollen, "

    Ja ist das nicht gut und wichtig angesichts des überall erstarkendem religiösen Fundamentalismus?

    ralf66: "Das derzeitige rumhacken auf christliche Religionen..."

    Wenn meine Bedenken, den christlichen Glauben als "gesund" zu bezeichnen" (überlegen Sie sich diesbezüglich auch mal, wie der chrisliche (Volks-) Glaube Jahrhundert lang den Judenhass speiste!) schon in Ihren Augen unberechigtes "rumhacken" darstellt, frage ich mich, wie sieht denn Ihrer Meinung nach berechtigte, angemessene Kirchenkritik aus? Wo ziehen Sie die Linie zwischen beiden?

  • 2
    2
    ralf66
    22.05.2020

    @klapa, reisen Sie meinen Satz nicht aus dem Zusammenhang in dem Sie nur einen Teil zitieren. Ich habe geschrieben das es mir zuwider ist wenn man die Kirche insgesamt verurteilt, damit meine ich jeden kleinen Gläubigen die Schuld an Verfehlungen innerhalb der Kirche gibt und das ist was anderes als das was Sie aus meinem Satz gemacht haben. Mir geht es um den einfachen Glauben, meinetwegen sogar den Glauben ohne noch kirchlich organisiert zu sein, dass gibt es heute auch oft und hier tut niemanden keinem etwas schlechtes oder wollen Sie das abstreiten.
    Das einiges vom führenden Klerus unter dem Deckmantel gehalten wird ist doch bekannt, dass ärgert auch viele Gläubige in der Kirche deswegen auch die vielen Austritte aus der Kirche.
    Trotzdem sage ich Ihnen, wenn eine vermehrt atheistisch Gesellschaft die Kirche kritisiert, dann muss sie besser sein und das ist nicht der Fall.

  • 5
    2
    klapa
    22.05.2020

    Sie haben völlig Recht, ralf66, zu Ihrer Darstellung gehört natürlich auch die Einstellung des Vatikan zum Holocaust zwischen 1933 und 45.

    Wie können Ihnen Verfehlungen zuwider sein, die zwar immer wieder aufgewärmt werden, aber nie bis selten aufgearbeitet wurden?

    Wie es heute bei beiden Kirchen auch passiert.

  • 2
    5
    ralf66
    22.05.2020

    @Jemand, besteht denn die Kirche nur aus Mittelalter, Inquisition, den Folterungen, Hexenverbrennung, Kreuzzüge und vieles mehr, dass gab es wohl im 20. Jahrhundert nicht mehr und mir haben alte Leute vor 30 Jahren erzählt wie sie Ihren Glauben gelebt haben mit den übers Jahr stattgefundenen Kirchenfesten, zu Messen, zu Beerdigungen, in Freud und Leid und da gab es keine Höllenstrafen auch keine göttliche Rundum-Überwachung.
    Ich habe das von Ihnen angesprochene Buch von Moser nicht gelesen und kann mir deshalb direkt zu diesem Buch kein Urteil erlauben, ich finde es aber immer wieder verwunderlich, dass sich immer wieder welche finden die mit Ihren Schrift-Werken aufklärend die Menschheit retten wollen, von etwas bewahren wollen was es in ihrem gesellschaftlichen Gefüge ohne Kirche ähnlich gibt, ich wüsste auch nicht, dass durch Abkehr vom Glauben und Kirche, was sich ja gesellschaftlich immer mehr abzeichnet, die Gesellschaft deswegen besser, friedlicher, gerechter, frei von Kriminalität, Mord und Totschlag wird im Gegenteil. Das derzeitige rumhacken auf christliche Religionen in Deutschland, mit dem ständig immer wieder aufwärmen geschichtlicher Vorgänge um die Kirche herum, die gesamte Kirche damit insgesamt zu verurteilen ist mir zuwider, dass halte ich für unverhältnismäßig, verallgemeinernd, es ist zu vergleichen mit einer Kollektivschuld.

  • 3
    1
    Jemand
    22.05.2020

    Distelblüte: "Welche Götzen wären das denn?"

    Bei den Katholiken z.B. die vielen Heiligen...
    Und bei den Christen allgemein dieser Mann am Kreuz z. B., obwohl im AT drin steht du sollst dir kein Bild von Gott machen...

  • 1
    5
    gelöschter Nutzer
    22.05.2020

    @Franz Udo: Sie schreiben "Die Kirchen haben nicht nur versagt, sie haben sich versuendigt. Sie beten Goetzen an und verleugnen ihren Glauben."
    Welche Götzen wären das denn? Erleuchten Sie mich bitte.

  • 1
    1
    Jemand
    22.05.2020

    ralf66, dann erklären Sie doch mal, wie Sie den früher vorhandenen "gesunden" Volksglauben mit Höllenstrafen und göttlicher Rundum-Überwachung in Einklang bringen! Damals glaubten die Leute das noch tatsächlich im Gegensatz zum heutigen liberalen Glauben (wo die Hölle nur noch ein unschöner Bewusstseinszustand o. ä. ist)...

    Dass Tilmann Mosers Ausführungen um "Gottesvergiftung" unbedeutend sind, nur weil Psychiater auch "nicht immer alles hinbekommen", ist auch kein tolles Argument.

  • 0
    3
    ralf66
    21.05.2020

    @inoino, Sie brauchen mich nicht wie ein Papagei ständig zu zitieren, ich weiß was ich geschrieben habe. Was für Gegenargumente soll ich Ihnen denn bringen? Beispiele habe ich in meinen letzten Kommentaren genannt und meine Meinung dazu geschrieben was Sie nicht akzeptieren, weitere Gegenargumente werden Sie auch nicht an sich ranlassen oder gar akzeptieren wo soll denn dann dieser Diskurs hinführen?

  • 2
    3
    inoino
    21.05.2020

    ralf66: "noch keine Kirche von innen gesehen aber über etwas herziehen wo Null-Ahnung vorhanden ist."

    Eine unschöner Diskurs, einfach zu behaupten, ich habe Null-Ahnung.
    Kann es sein, dass Sie damit nur vertuschen wollen, dass Sie keine vernünftigen Gegenargumente haben?
    Oder wo genau zeigt sich, dass ich "Null-Ahnung" habe?

  • 2
    4
    ralf66
    21.05.2020

    @inoino, Sie haben zu viel Stichelbrühe getrunken? Bleiben Sie bei Ihrer Meinung da habe ich nichts dagegen, noch keine Kirche von innen gesehen aber über etwas herziehen wo Null-Ahnung vorhanden ist.
    Moser ist Psychiater, bekanntlich bekommen die auch nicht alles hin.

  • 2
    3
    Interessierte
    21.05.2020

    Die Kirchen spielen in jedem System mit ..
    ( in fast jedem , wenn es bei denen selber paßt ….

  • 2
    0
    inoino
    21.05.2020

    Distelblüte: "Ich frage mich, ob Frau Lieberknechts Kirchenkritik nicht vielmehr darauf zielt, dass "die Kirchen" die getroffenen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 voll mittragen und sich nicht als Opfer restriktiver Umstände inszenieren."

    Genau darauf zielt Lieberrechts Kirchenkritik ab - gut auf den Punkt gebracht!

  • 2
    3
    inoino
    21.05.2020

    ralf66: "Den gesunden einfachen Volksglauben, den gab es tatsächlich in vielen ländlichen Regionen im letzten Jahrhundert,"

    Dass der christliche Glaube unter irgend welchen Umständen "gesund" sein kann, wage ich zu bezweifeln. Ich wöllt nicht wissen, wie viel seelisches Leid der Glaube an eine ewige Hölle/ Verdammnis oder der Glaube, Gott nie genügen zu können, in seiner Geschichte angerichtet hat.(Ich empfehle Ihnen diesbezüglich das Buch "Gottesvergiftung" von Tilmann Moser.)


    ralf66: "Sie diskutieren auf falschem Grund, Sie als Atheist, dem mache ich doch keine Vorwürfe was Sie denken oder glauben, aber wer kirchlich glaubt, der will auch nicht von einem Ungläubigen belehrt werden was er glaubt und und ob das richtig ist."

    SIE - und nicht ich - haben hier den Glauben ins Spiel gebracht. Davor ging es um die Kirche in der Corona-Krise.
    Wenn Sie hier einen "gesunden einfachen Volksglauben" lobend erwähnen (für mich hat allein diese Bezeichnung schon einen unangenehmen Beigeschmack), dann sind Kritiken darauf keine Belehrungen, sondern zu erwartende Reaktionen (wobei ich noch nicht mal kritisiert hatte)...

  • 3
    3
    ralf66
    20.05.2020

    @inoino, dass die Kirchensteuer in Deutschland nicht im Dritten Reich eingeführt wurde habe ich auch nicht geschrieben, ich habe sinngemäß geschrieben, dass diese Kirchensteuer im Dritten Reich weiter garantiert wurde abgesichert war.
    Den gesunden einfachen Volksglauben, den gab es tatsächlich in vielen ländlichen Regionen im letzten Jahrhundert, ja vielleicht eingegrenzt bis 1945 zum Beispiel in vielen katholischen Regionen, hier wieder zum Beispiel im Sudetenland, alles das kann man nachlesen und ich kenne es noch aus Erzählungen.
    Sie diskutieren auf falschem Grund, Sie als Atheist, dem mache ich doch keine Vorwürfe was Sie denken oder glauben, aber wer kirchlich glaubt, der will auch nicht von einem Ungläubigen belehrt werden was er glaubt und und ob das richtig ist.

  • 5
    1
    Malleo
    20.05.2020

    Distel..
    Ob Beten auch bei denen hilft, die nach sicheren Erkenntnissen dem schlichten Vorgang unterlagen:
    "Unter den Talaren ein Pu... seit 1000 Jahren"?

  • 3
    7
    gelöschter Nutzer
    20.05.2020

    Not lehrt beten, heißt es im Volksmund. Und wenn ich den Artikel richtig gelesen habe, dann bekamen Kranke und Sterbende sehr wohl seelsorgerischen Beistand.
    Für viel wichtiger halte ich die Tatsache, dass auch Pfarrer und Seelsorger nicht über dem Infektionsschutzgesetz stehen und dies im Wissen respektieren, was eine unerkannte, unbeabsichtigt weitergetragene Infektion gerade in einem Pflegeheim für Folgen haben könnte.
    Ich frage mich, ob Frau Lieberknechts Kirchenkritik nicht vielmehr darauf zielt, dass "die Kirchen" (die es als homogene Gruppe so gar nicht gibt) die getroffenen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 voll mittragen und sich nicht als Opfer restriktiver Umstände inszenieren.

  • 6
    2
    inoino
    19.05.2020

    ralf66: "Es ist ja schon unwirklich wenn man gewisse historische Fakten aufzeigt das man dafür rote DAUMEN erntet."

    Ich finde es auch "unwirklich", dass ich rote Daumen bekomme, weil ich es problematisch finde, wenn politisch aktive religiöse Gruppierungen staatliche Zuschüsse erhalten.

  • 4
    2
    inoino
    19.05.2020

    ralf66: "...es gab nämlich Zeiten, wo ein gesunder Volksglaube existiert hat"

    Wann war das Iher Meinung nach?

    ralf66: "Viele waren Gläubig und denen gingen die Machenschaften der Obrigkeitskirche am Arsch vorbei, die haben sich nicht darum gekümmert,"

    Das finden Sie gut?

    ralf66: "Übrigens, die finanzielle Absicherung der Kirche über Steuern wurde in Dritten Reich getroffen und ist bis heute gültig."

    Die Kirchensteuer wurde vorher eingeführt. Aber die Kirchen hatten durch Paktieren mit den Nazis genug andere Privilegien erhalten, die bis heute gültig sind - siehe Reichskonkordat!

  • 5
    4
    ralf66
    19.05.2020

    Es ist ja schon unwirklich wenn man gewisse historische Fakten aufzeigt das man dafür rote DAUMEN erntet.

  • 7
    2
    inoino
    19.05.2020

    Klapa, da sind wir uns einig.
    Wenn aber Lieberknecht der Meinung ist, christliche Seelsorger sollten die gleiche Stellung wie Ärzte und Pfleger bekommen, dann hebt sie Religiöse schon unangemessen hervor.

  • 4
    4
    ralf66
    19.05.2020

    @inoino, über Kirche Gaube und Atheismus zu diskutieren wird hier mit paar Zeilen nicht funktionieren.
    Für Atheisten ist Kirche Blödsinn, für Gläubige ist Kirche so wie sie organisiert ist auch oftmals Blödsinn, es gab nämlich Zeiten, wo ein gesunder Volksglaube existiert hat und der schweißte zusammen in Not und in Freuden, dass sollte man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen!
    Viele waren Gläubig und denen gingen die Machenschaften der Obrigkeitskirche am Arsch vorbei, die haben sich nicht darum gekümmert, sie hatten in ihren Glauben ihr Seelenheil und fanden gutes dabei, haben sich geholfen und unterstützt in guten und schlechten Zeiten und das war alles andere als verkehrt!
    Übrigens, die finanzielle Absicherung der Kirche über Steuern wurde in Dritten Reich getroffen und ist bis heute gültig.

  • 7
    0
    klapa
    19.05.2020

    Nein, inoino, ich billige niemandem ein höheres Recht zu. Ich gestehe nur jedem, auch Ihnen, ob gläubig oder nicht, einen in seinem Sinne würdigen Abschied vom Leben zu. Können wir uns darauf einigen?

  • 7
    3
    inoino
    19.05.2020

    ralf66: "die Kirche hat sich schon immer in die Politik eingemischt, ja sogar selber Politik gemacht,"

    Alle organisierten Religionen mischen sich in Politik ein. Deshalb ist es nicht hinnehmbar, dass die Kirchen und nun auch noch Moscheen Gelder vom Staat bekommen (Seehofer z. B. will Moscheen mit sieben Millionen Euro fördern), mit denen sie noch mehr (politischen) Einfluss auf ihre Schafe ausüben und noch besser in der Politik rumrühren können. Mit Demokratie, also einem Regierungssystem, in dem die vom Volk gewählten Vertreter die Herrschaft ausüben, ist das nicht wirklich kompatibel.

  • 6
    2
    mops0106
    19.05.2020

    @ralf66:
    Ich habe meine Meinung als Atheist geschrieben. In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis gibt es nur konfessionslose Menschen und die haben zu diesem Thema auch diese Meinung. Ich habe auch nicht geschrieben, dass alle so denken müssen.

  • 2
    6
    inoino
    19.05.2020

    klapa: "...oder Sie halten nichts von Toleranz und Mitgefühl gegenüber Gläubigen?"

    Ich halte nichts davon, Glauben und Gläubige höher zu stellen als Nichtglauben und Nichtgläubige. Und genau das machen Sie, wenn Sie religiöse Begleitung für extra erwähnenswert und deren Verwehrung als besonders unmenschlich darstellen.

  • 4
    5
    ralf66
    19.05.2020

    @mops0106, das ist doch Unfug was Sie schreiben, die Kirche hat sich schon immer in die Politik eingemischt, ja sogar selber Politik gemacht, der Unterschied ist nur der, auf welcher Seite man steht, ob einem diese Tatsache gefällt oder eben nicht!

  • 5
    2
    klapa
    19.05.2020

    inoino - Sie haben meinen letzten Satz nicht gelesen oder Sie halten nichts von Toleranz und Mitgefühl gegenüber Gläubigen?

    Ich wünsche niemandem, dass er in Einsamkeit und ohne Abschied von seinen Angehörigen stirbt.

  • 11
    2
    mops0106
    19.05.2020

    Glauben ist Privatsache. Wer dafür Kirchen braucht und Kirchensteuer zahlt, macht das freiwillig.
    Was mir als Atheisten missfällt: Dass wir als Konfessionslose, die in Deutschland Ende 2018 fast 38% der Bevölkerung ausmachten, über Steuern die Kirchen mitfinanzieren und dass sich die Kirchen immer mehr in die Politik einmischen.

  • 8
    3
    inoino
    19.05.2020

    klapa: "Menschen die religiöse Begleitung in den Tod zu verwehren, sei „unmenschlich“ gewesen, - kann man dem nicht zustimmen? Sie starben in Einsamkeit."


    Auch für Nichtreligiöse ist es schlimm, ohne Begleitung von Freunden/ Angehörigen sterben zu müssen. Auch sie starben in Einsamkeit. Warum also der "religiösen Begleitung" eine Sonderstellung zukommen lassen?

  • 5
    2
    klapa
    19.05.2020

    Es gibt Menschen, die für ihren Glauben in Form von Kirchensteuer auch zahlen. Menschen die religiöse Begleitung in den Tod zu verwehren, sei „unmenschlich“ gewesen, - kann man dem nicht zustimmen? Sie starben in Einsamkeit. Wünschen das die Gegegner von Frau Lieberknechts Aussage für sich selbst auch? Empathie ist gefragt.

    Ich wünsche es mir als Atheist nicht.

  • 5
    4
    franzudo2013
    19.05.2020

    Die Kirchen haben nicht nur versagt, sie haben sich versuendigt. Sie beten Goetzen an und verleugnen ihren Glauben. Die fehlende Einsicht in die eigene Fehlbarkeit ist anmaßend.

  • 17
    8
    Jemand
    19.05.2020

    "Lieberknecht vertritt die Ansicht, dass die Kirchen die Menschen in den vergangenen Wochen allein gelassen haben."

    Ist es Lieberknecht tatsächlich entgangen, dass die meisten Menschen in Deutschland gar nichts mehr mit den Kirchen am Hut haben oder will sie hiermit den Kirchen eine gesellschaftliche Bedeutung verleihen, die sie nicht mehr haben? Die Kirchen sind mehr als genug überall präsent und wer den Kontakt will, wird ihn mit Sicherheit gefunden haben.