Immer mehr Menschen ohne Abschluss mit Niedriglohn

Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Doch auf der anderen Seite ist die Zahl der Menschen ohne Abschluss stark gestiegen - mit negativen Folgen für die Betroffenen.

Berlin (dpa) - In Deutschland gibt es immer mehr Menschen ohne Berufsabschluss und mit niedrigem Lohn. Von den 1,67 Millionen Vollzeitbeschäftigten ohne Abschluss erzielten zuletzt 676.000 nur Einkommen auf Niedriglohnniveau, also unter zwei Drittel des mittleren Einkommens.

Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit machte die Linke im Bundestag aufmerksam. Die jüngsten Angaben beziehen sich auf Ende 2018.

Vier Jahre zuvor waren es erst 504.000 von 1,43 Millionen ohne Abschluss. Dazwischen verzeichneten die Statistiker im Jahr 2016 rund 581.000 Geringverdiener von insgesamt 1,53 Millionen Beschäftigten ohne Abschluss. Der Anteil der Menschen mit Niedriglohn an den Beschäftigten ohne Abschluss stieg hiermit von rund 35 über 38 auf 40 Prozent.

Das mittlere Einkommen, das Vollzeitbeschäftigte ohne Abschluss erreichten, betrug 2018 2461 Euro - 843 Euro weniger als Beschäftigte in Vollzeit insgesamt. Beschäftigte mit akademischem Abschluss kamen sogar auf 5113 Euro.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte Politik und Arbeitgeber zum Gegensteuern auf. «Die hohe Zahl ausbildungsloser junger Menschen spaltet unsere Gesellschaft», sagte DGB-Vizechefin Elke Hannack. Nötig seien für alle Jugendlichen eine Ausbildungsgarantie sowie ein steuerfinanziertes Bund-Länder-Programm für über- und außerbetriebliche Ausbildungen.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Bundesregierung muss dazu sowohl einen allgemeinen Rechtsanspruch auf Ausbildung als auch auf Weiterbildung für Erwerbslose und Beschäftigte einführen.»

In Ostdeutschland verdienten zuletzt sogar 58,1 Prozent der Menschen ohne Abschluss nur niedrige Löhne, in Westdeutschland hingegen nur 38,6 Prozent. Von den Beschäftigten mit anerkanntem Berufsabschluss waren insgesamt 18,4 Prozent im Niedriglohnsektor.

In Ostdeutschland war das mittlere Einkommen von Vollzeitbeschäftigten ohne Berufsabschluss zuletzt mit 2023 Euro brutto noch einmal deutlich geringer als in Westdeutschland mit 2507 Euro brutto. Nach Bundesländern wurde in Mecklenburg-Vorpommern das geringste mittlere Entgelt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss gezahlt: 1854 Euro brutto im Monat.

Linke-Chef Bernd Riexinger sagte: «Dass Menschen ohne Abschluss zunehmend im Niedriglohnsektor landen, ist ein Skandal, der das arbeitspolitische Versagen dieser Regierung deutlich macht.»


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10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    5
    mops0106
    23.01.2020

    @Echo:
    Statt wieder mal über die AfD herzuziehen, hätten Sie Ihren Standpunkt zum geschilderten Sachverhalt darlegen sollen.
    Die AfD wurde im Artikel nicht erwähnt und kann im Übrigen nichts für die Bildungs- und Arbeitsmarktmisere in unserem Land.
    Und es wählen viele "nicht ungerecht Behandelte" die Afd, die einen guten Schul,- Berufs- oder Studienabschluss haben.

  • 9
    4
    Malleo
    23.01.2020

    Was erwarten die Gescheiterten?
    Bildung und Abschlüsse sind noch immer die besten Voraussetzung zum Geldverdienen.
    Oder liege ich falsch liebe Moderatoren?

  • 7
    2
    Steuerzahler
    23.01.2020

    „Linke-Chef Bernd Riexinger sagte: «Dass Menschen ohne Abschluss zunehmend im Niedriglohnsektor landen, ist ein Skandal, der das arbeitspolitische Versagen dieser Regierung deutlich macht.»“
    Und was ist mit den Zahlen für diejenigen MIT Berufsabschluss, die den Mindestlohn erhalten. Das zeigt doch erst richtig den Ausputz im System.

  • 15
    1
    mops0106
    23.01.2020

    Linke-Chef Bernd Riexinger sagte: «Dass Menschen ohne Abschluss zunehmend im Niedriglohnsektor landen, ist ein Skandal, der das arbeitspolitische Versagen dieser Regierung deutlich macht.»
    Der Skandal beginnt schon viel früher: Es gibt zu wenig Lehrer; zu große Klassen, in denen sich zu viele Kinder befinden, die zusätzliche Förderung brauchen; schulisches Niveau wird immer weiter abgesenkt.
    Viele Kinder können nach Verlassen der Schule nicht richtig lesen, schreiben, rechnen und Textzusammenhänge verstehen. Ausbildungen und Studium werden abgebrochen, was erstmal nicht verwerflich ist, wenn man erkennt, dass es doch nicht das Richtige ist oder man die Voraussetzungen nicht hat. Aber viele junge Leute belassen es dann dabei, statt sich weiter zu kümmern. Es gibt viele freie Ausbildungsstellen. Nicht jeder kann aber seinen Traumberuf ergreifen, denn das Leben ist kein Ponyhof. Zumal jahrelang immer wieder falsch vermittelt wurde, dass nur Abi/ Studium zählt. Wohin das führt, sieht man ja heute.
    Und wenn ich mir die Vita einiger Politiker durchlese, ist das nicht gerade Vertrauen erweckend: Nach dem Abi etwas jobben, dann Mitarbeiter eines Politikers werden, um so schnell in die Politik zu gelangen/ aufzusteigen. Es gibt viele Studienabbrecher. Falls zu Ende studiert wird, dann so was wie Politikwissenschaft. Viele wissen überhaupt nicht, wie reales Leben funktioniert, leben in ihrer Blase und bestimmen aber über die Geschicke unseres Landes.
    Um noch mal auf den Niedriglohnsektor zurückzukommen. Der Skandal ist, dass seit Anfang der 2000er Jahre das Nettolohnniveau erheblich gesunken ist und immer mehr gut ausgebildete Menschen auf Hartz4-Niveau arbeiten müssen.

  • 9
    10
    Echo1
    23.01.2020

    @Distelblüte genau. Es geht manchmal mit mir durch. Damit wollt ich die Assozialität der AfD geißeln. Diese Anfragen kommen ja vorrangig von den Linken. Die damit auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen wollen. Leider wird das von den ungerecht
    Behandelten nicht gesehen. Die wählen trotzdem AfD. Nicht jeder. Aber viel zu viele.

  • 5
    4
    SimpleMan
    23.01.2020

    @Distelblüte, @Echo1 "Ich glaub, Echos Kommentar war Satire..." Dann möchte ich mich entschuldigen für meinen Kommentar.

  • 2
    5
    Interessierte
    23.01.2020

    In Ost-Deutschland mehr Menschen mit Niedriglohn , das ist bekannt , aber mehr Menschen ohne Berufsabschluß , warum denn das , hat man da keinen Ausbildungsplatz gefunden oder angebrochen ?
    Und was können denn Menschen ohne Berufsabschluß arbeiten ?
    Und was kann man denn überhaupt mit einem Hauptschulabschluß ´erlernen` ?

  • 7
    7
    Distelblüte
    23.01.2020

    @SimpleMan: Ich glaub, Echos Kommentar war Satire...

  • 3
    7
    SimpleMan
    23.01.2020

    @Echo1 "Gut das die AfD immer solche Anfragen
    stellt ..." Alternatives lesen des Artikels? Die Zahlen stammen von den "Linken". Können Sie in diesem Artikel im zweiten Absatz nachlesen.

  • 14
    6
    Echo1
    23.01.2020

    Gut das die AfD immer solche Anfragen
    stellt, die Gesellschaft auf solche sozialen
    Verwerfungen aufmerksam macht. Und versucht diese Missstände zu beseitigen.