In München gelten ab Donnerstag wieder strengere Coronaregeln

Angesichts steigender Infektionszahlen blickt die Politik mit Sorge auf den Herbst. Auch Sachsens Ärzte bereiten sich vor.

München/Dresden.

Seit Wochen steigen die Corona-Infektionszahlen wieder deutlich an. Selbst im bisher wenig betroffenen Sachsen wurden am Montag 112 neue Fälle gemeldet. Besonders drastisch ist die Entwicklung aktuell in München. Die drittgrößte Stadt in Deutschland mit ihren etwa 1,5 Millionen Einwohnern gilt bundesweit als Corona-Hotspot. Am Mittwoch will die Stadt eine Allgemeinverfügung für schärfere Schutzmaßnahmen erlassen. Man stelle sich darauf ein, dass die Infektionszahlen bis dahin nicht unter den kritischen Wert von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sinken.

Am Montag hatte der sogenannte Inzidenzwert bei 55,9 gelegen. Bleiben die Werte so hoch, sollen die Regelungen ab Donnerstag vorerst sieben Tage lang gelten. Ab Donnerstag soll auf ausgewählten Plätzen und Straßen in der Innenstadt eine Maskenpflicht gelten. Außerdem dürften sich im Stadtgebiet dann nur noch fünf Menschen oder Personen aus zwei Haushalten treffen. Ausnahmen sollen für enge Verwandte gelten, also zum Beispiel Eltern und Kinder. Auch bei Festen wie Hochzeiten oder Beerdigungen, die im privaten Rahmen gefeiert werden, sind Einschränkungen geplant.

Stand heute könne das Gesundheitswesen mit dem erhöhten Infektionsgeschehen der vergangenen vier Wochen in Deutschland gut umgehen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Mit Sorge blickt er allerdings auf den Herbst, wenn möglicherweise steigende Coronainfektionen und Grippefälle zusammenfallen. In einem Zeitungsinterview hatte er am Montag von der Einrichtung von "Fieberambulanzen" gesprochen. Später sprach er von "Schwerpunktsprechstunden", "Schwerpunktpraxen" und "regionalen Fieberambulanzen", an die sich Patienten mit Erkältungssymptomen wenden können. "Es geht um eine Infrastruktur, die sicherstellt, dass nicht im Wartezimmer sich die Menschen untereinander anstecken. Das macht Sinn für Corona und auch bei der Grippe und einer möglichen Grippewelle", so Spahn.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen, Klaus Heckemann, hat Probleme mit dem Begriff "Fieberambulanzen". Das impliziere, dass dort nur Patienten mit Fieber diagnostiziert und therapiert würden. Nachvollziehbar sei allerdings Spahns Absicht, dass Corona-Verdachtsfälle möglichst in Diagnostik und Therapie von anderen Patienten getrennt behandelt werden. Die KV Sachsen beabsichtige dies durch die Organisation von Fiebersprechstunden bei den Hausärzten sicherzustellen. "Wir setzen hierbei auf den bekannten Pragmatismus der sächsischen Hausärzte, die solche separaten Sprechstunden teilweise schon heute durchführen und bei Bedarf ihre Organisationsstruktur an die aktuellen Erfordernisse anpassen werden", so Heckemann. Die KV werde mit ihren Möglichkeiten der Honorarverteilung Anreize für die Übernahme dieses besonderen Versorgungsauftrages schaffen.

Der Hausärzteverband reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß von Spahn, im Herbst flächendeckend "Fieberambulanzen" für Atemwegserkrankungen einzurichten. "Die Versorgung sollte, solange dies möglich ist, in den Hausarztpraxen stattfinden - schließlich liegt dort auch die meiste Erfahrung hinsichtlich der Behandlung von Infektpatienten", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der "Rheinischen Post". Sollten regional vermehrt Covid-19-Fälle auftreten, seien Fieberambulanzen eine sinnvolle Ergänzung.

Der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, verwies darauf, dass sich die Arztpraxen auf den Hochbetrieb in der Erkältungs- und Grippesaison, verstärkt durch Corona, bereits vorbereiten - etwa durch spezielle Wartebereiche oder Extrasprechstunden. Auf jeden Fall sollten Reihentestungen systematisch aus den Praxen herausgehalten und auf spezielle Testzentren konzentriert werden. (mit dpa)


Coronapandemie 

Chemnitz 6

Erzgebirgskreis 26

Mittelsachsen 1

Vogtlandkreis 38

Landkreis Zwickau 4

Sachsen 112

Deutschland 922

Die Tabelle zeigt die neu registrierten Infektionen. Die Zahl für Deutschland stammt vom Robert-Koch-Institut (Stand: 0 Uhr am oben genannten Tag), die sächsischen Daten vom Sozialministerium in Dresden (Stand 11.30 Uhr). Von den Landratsämtern später gemeldete Fälle spiegeln sich erst am Folgetag in der Tabelle wider. Mehr im Internet: www.freiepresse.de/corona 

33 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    Echo1
    23.09.2020

    Du sollst grübeln über das Amtsschreiben.
    Ach wie bin ich doof. Was heisst denn das.

    Du sollst bei Produkten das Kleingedruckte nicht lesen können. Juristen leisten ganze Arbeit. Ach das sind Leute mit Bildung.

    Die Form schlägt den Inhalt. Verstehen, deuten ist Macht.

    Wir hatten auch keine Ausgangssperre. Das war etwas ganz anderes, milderes normales, hinnehmbares.

    Der direkte klare Inhalt führt zur Erkenntnis, zur Wahrheit. Und da baut man lieber Hürden auf.

    Ambulance ist ja zu verstehen.

  • 2
    1
    klapa
    22.09.2020

    Das geht in Richtung denglish, the little..., easy Werbung, gecancelt oder City-Call-Tarif; natürlich auch downgeloadet oder gedownloadet usw.

    Besonders schön - I have too many things around my ears. Ich habe zu viele Dinge um meine Ohren.

    That ist the springing point. Das ist der springende Punkt.

    Dieser Sprachwandel hat nichts mit eigenständiger Entwicklung der deutschen Sprache zu tun. Er wird uns von Medien und Unternehmen aufgezwungen und verschandelt unsere Sprache.

    Das dreht nicht nur dem Muttersprachler das Herz im Leibe um, sondern auch dem Englischlehrer.

  • 3
    0
    thelittlegreen
    22.09.2020

    Etwas abseits des eigentlichen Themas: Hat jemand eine plausible Erklärung für die benutzte Schreibweise -ambulance anstatt -ambulanz ?
    Mir erschließt sich das überhaupt nicht. Danke.