Kampf um CDU-Vorsitz: Für wen Sachsens Delegierte stimmen

Nach der Wahlempfehlung Wolfgang Schäubles positionieren sich immer mehr Parteitagsteilnehmer, auch aus Sachsen, öffentlich zur Merkel-Nachfolge. Es läuft auf einen Zweikampf hinaus.

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn: Drei prominente Kandidaten kämpfen heute auf dem CDU-Bundesparteitag in Hamburg um die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze. Während Spahn in Umfragen inzwischen als abgeschlagen gilt, formieren sich Lager um die beiden aussichtsreichsten Kandidaten. Immer mehr Delegierte wagen sich aus der Deckung und beziehen öffentlich Position, nachdem Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eine Wahlempfehlung für Merz abgegeben hatte.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kritisierte die Wahlempfehlung Schäubles. Er selbst, so Altmaier, habe seine Präferenz für Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer bislang aus Respekt vor den Delegierten des CDU-Parteitags nicht öffentlich geäußert, sagte Altmaier der "Rheinischen Post". "Da Wolfgang Schäuble nun den Damm gebrochen hat, kann ich sagen: Ich bin überzeugt, dass wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer die beste Chance haben, die CDU zu einen und Wahlen zu gewinnen."

Altmaier erklärte, Schäubles Vorstoß habe ihn überrascht und gewundert. "Friedrich Merz würde sicherlich der FDP viele Stimmen abjagen", erklärte Altmaier, der als Vertrauter Merkels gilt. Union und FDP sollten sich aber nicht gegenseitig kannibalisieren. "Annegret Kramp-Karrenbauer wäre die gefährlichste Kandidatin für Grüne und SPD. Sie gewinnt Wahlen in der Mitte."
Insgesamt 1001 Delegierte werden auf dem CDU-Parteitag über die Merkel-Nachfolge entscheiden. Erwartet werden auch 1000 Gäste und 1800 akkreditierte Journalisten aus aller Welt. Neben den bislang offiziell nominierten drei Kandidaten könnten in Hamburg noch weitere Kandidaten vorgeschlagen werden.

Unter den Stimmberechtigten sind 30 Delegierte aus Sachsen. Diese, so erklärte ein Sprecher des CDU-Landesverbandes in Dresden, seien überwiegend für Merz. Das habe sich vergangenes Wochenende auf dem Landesparteitag abgezeichnet. Bei denen, die sich im Vorfeld äußerten, ergab sich insgesamt jedoch kein so eindeutiges Bild.

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks sagte der "Freien Presse", er gebe seine Stimme Jens Spahn. "Er hat den richtigen Kompass, auch für sächsische Themen", meinte der 31-jährige Chemnitzer. Der Europaabgeordnete Peter Jahr, der Delegierte Lennart Schorch aus dem Vogtland und der Zwickauer Landtagsabgeordnete Gerald Otto kündigten an, Merz zu wählen. Otto sagte: "Unsere Wähler erwarten ein Signal des Neubeginns - und dafür steht am ehesten Friedrich Merz." Kramp-Karrenbauer werde zu sehr mit einem "Weiter so" assoziiert, Spahn gelte als zu jung.

Die Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas und Marco Wanderwitz positionierten sich indes für Kramp-Karrenbauer. Sie sei diejenige, die "integrierend den Vorsitz der Volkspartei CDU ausfüllen kann", sagte Wanderwitz. Magwas erklärte, Kramp-Karrenbauer führe "unsere christlich-sozialen, liberalen und konservativen Wurzeln zusammen" und sei beliebt bei den Menschen.
Laut ARD-Deutschlandtrend favorisieren 45 Prozent der Wahlberechtigten Kramp-Karrenbauer, 30 Prozent Merz und 10 Prozent Spahn.

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