Kandidatur fürs Haifischbecken

Sahra Wagenknecht, Chefin der Linken im Bundestag, räumt demnächst ihren Posten. Die sächsische Abgeordnete Caren Lay will ihre Nachfolgerin werden. Hat sie eine Chance?

Berlin.

Ihr Name als potenzielle Nachfolgerin für die scheidende Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht kursierte bereits seit längerem. Nun hat Caren Lay - seit 2017 Vize-Vorsitzende der Linken im Bundestag - offiziell ihren Hut in den Ring geworfen. Sie wolle die Linke "wieder mit mehr Schwung und mehr Inspiration in die Offensive bringen", sagt die 46-Jährige in ihrem Bewerbungsstatement in Berlin und lässt damit durchaus Kritik am derzeitigen Zustand durchblicken.

Über Wochen sorgte der interne Lagerkampf zwischen den Anhängern von Wagenknecht und ihrem Ko-Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch einerseits und den Getreuen der Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger auf der anderen Seite für Schlagzeilen. In der Fraktion gehörten persönliche Kleinkriege, Machtkämpfe, Verletzungen und Mobbing seit längerem zum unschönen Alltag. Lay bewirbt sich also für einen Chefposten im Haifischbecken. Die erfahrene Linke-Politikerin dürfte aber wissen, worauf sie sich einlässt. Sie ist zwar seit Jahrzehnten Vegetarierin. Aber das bedeutet ja nicht, dass sie nicht zubeißen kann.

Lay sagt, "Geschlossenheit nach innen" sei die Voraussetzung für einen neuen Aufbruch in der Partei. Sie wolle in der Fraktion Brücken bauen, "ich reiche allen Abgeordneten, auch meinen Kritikerinnen und Kritikern, die ausgestreckte Hand", denn eine "zerstrittene Linke" werde nicht gebraucht. Lay betont, sie stehe "für eine Kultur der Anerkennung, der Wertschätzung und des Respekts vor allen Abgeordneten". Dieser Satz lässt durchblicken, wie sie und andere in der Fraktion ihre bisherige Führung sehen.

Lay betont zugleich, ihr sei wichtig, "dass wir das Vergangene hinter uns lassen und das wir jetzt gemeinsam nach vorne schauen könnten und zurückkehren zur Sacharbeit." Hierzu gehöre auch "ein gutes Verhältnis zu den Parteivorsitzenden". Letzteres gibt es in der Tat seit langem nicht mehr. Besonders das Verhältnis der Parteichefs zu Wagenknecht gilt als dauerhaft zerrüttet. Mit Wagenknechts Gründung der inzwischen gefloppten linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" erreichten die Spannungen im Spätsommer 2018 einen Höhepunkt. Im März teilte Wagenknecht schließlich überraschend mit, sie werde aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut als Fraktionschefin kandidieren. Über die Nachfolge sollen die Abgeordneten am 12. November entscheiden. Bartsch will erneut antreten. Offen ist, ob es neben Lay noch weitere Kandidatinnen für die Doppelspitze gibt. Ein Name, der derzeit öfter fällt, ist der der 39-jährigen Hamburgerin Amira Mohamed Ali, die seit 2017 im Bundestag sitzt.

Lay gilt als langjährige Vertraute Kippings. Die zwei kennen sich aus Sachsen, wo beide für die Linke im Landtag saßen. Lay war 2004 in die damalige PDS eingetreten, ihr Landtagsmandat hatte sie von 2004 und 2009. Vor ihrer Abgeordnetentätigkeit war die Diplom-Soziologin, die ursprünglich aus Neuwied in Rheinland-Pfalz stammt, Redenschreiberin für die damalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne). 2009 wechselte Lay über die Landesliste der sächsischen Linken in den Bundestag. Ihr Wahlkreis ist Bautzen in Ostsachsen. Von 2010 bis 2012 war Lay zudem Bundesgeschäftsführerin der Linken, danach bis 2018 Vize-Bundesvorsitzende.

Lay sagt am Mittwoch, mit einem Ko-Fraktionschef Bartsch könne sie sich eine Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Von Barsch ist an diesem Tag hingegen nichts zu hören. Von Kipping übrigens auch nicht.

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