Linke streiten um Gründe für Wahldebakel

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Mit Ach und Krach rettet sich die Partei doch noch in Fraktionsstärke in den Bundestag. Welche Lehren zieht sie aus der Pleite?

Dresden/Berlin.

Die Connewitzer haben schon einen gehörigen Anteil, aber ganz allein waren sie es nicht. Zwar kam Linke-Kandidat Sören Pellmann bei der Bundestagswahl am Sonntag im Leipziger Ortsteil auf 5118 Stimmen, die in Connewitz einem stattlichen Anteil von 42,1 Prozent entsprachen. Für das Direktmandat im Wahlkreis Leipzig II brauchte der 44-Jährige aber schon noch ein bisschen mehr. 40.927 Erststimmen bekam er insgesamt - fast 8000 mehr als die zweitplatzierte Grüne und fast 14.500 mehr, als die Linke an Zweitstimmen erhielt.

Schon in der Wahlnacht war klar, dass Pellmanns Triumph größere Bedeutung als sein erster Wahlsieg 2017 hatte, schließlich holte er neben Gesine Lötzsch und Gregor Gysi in Berlin das dritte Direktmandat für seine Partei - und nur das berechtigt die Linke, trotz der mit 4,9 Prozent knapp verfehlten Fünf-Prozent-Hürde erneut in Fraktionsstärke in den Bundestag einzuziehen. Dieser "unter sehr schwierigen Bedingungen" zustande gekommener sächsische Beitrag "macht uns schon stolz", bekannte Landeschef Stefan Hartmann am Tag nach der Wahl - und warnte seine Partei zugleich vor neuen Zerwürfnissen: Sie wäre klug beraten, keine Personaldebatten zu führen, sondern Ursachenforschung zu betreiben.

Im nunmehr 735-köpfigen Bundestag stellt die Linke 39 Abgeordnete. Das sind sechs weniger als von der CSU - und 30 weniger als in der vergangenen Legislaturperiode. Über westdeutsche Landeslisten zogen 22 ein. Unter den 17 Linken aus Ostdeutschland sind vier Sachsen: neben Pellmann die frühere Parteichefin Katja Kipping und die beiden bisherigen Fraktionsvize Caren Lay und André Hahn. Beim ersten Treffen am Dienstag fehlte die frühere Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Zu Wort meldete sie sich dennoch - via "Welt"-Interview, während ihre einstige Antagonistin Kipping der "Taz" Rede und Antwort stand. Eine inhaltliche Annäherung war dabei nicht festzustellen.

"Die Gesellschaft ist eh schon gespalten und die vielen, die keine Lobby haben, stärkt man nicht, indem man anfängt, sie gegeneinander auszuspielen", sagte Kipping. "Wir müssen die Klimakatastrophe abwenden und soziale Krisen entschärfen." Dagegen verwies Wagenknecht darauf, dass im Wahlkampf immer wieder versucht worden sei, "grüner als die Grünen zu wirken: Noch früher raus der Kohle, den Verbrennungsmotor noch schneller verbieten, am besten ganz weg vom Auto. Wenn wir überziehen, nehmen die Leute uns aber nicht ernst." Dass das Profil als Partei der sozialen Gerechtigkeit verloren ging, führt Wagenknecht auch darauf zurück, "dass wir zwar soziale Fragen ansprechen, dies aber nicht mit einer Sprache tun, die normale Menschen als ihre Sprache empfinden."

Für ein Spitzenamt wollte sich Wagenknecht ausdrücklich nicht ins Gespräch bringen. Vielmehr sprach sie sich sowohl an der Fraktions- als auch an der Parteispitze für Kontinuität aus: Es wäre "ungerecht", den erst seit Februar amtierenden Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler - beide neu im Bundestag - "die Schuld für eine Fehlentwicklung zuzuschreiben, für die ihre Vorgänger die Hauptverantwortung tragen".

Das war bekanntlich fast neun Jahre lang neben Kipping auch noch Bernd Riexinger, der ebenso wie sein Vorgänger Klaus Ernst der neuen Fraktion angehört. Wer sie anführen wird, ist offen. Während Kipping, die seit 2005 im Bundestag sitzt, auf die "kollektive Weisheit" setzt und davor warnt, durch Fortsetzung strategischer Allianzen einen "beachtlichen Teil der Fraktion" auszuschließen, wünscht sich Wagenknecht eine Wiederwahl der Vorsitzenden Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch, die am Dienstag zwar ankündigten, dass die Frage bis zur voraussichtlichen Konstituierung des Bundestags am 26. Oktober geklärt wird, aber offen ließen, ob sie sich selbst zur Wahl stellen. Nachfolger für Bartsch, der seit 2015 Fraktionschef ist und neben Wissler Linke-Spitzenkandidat war, könnte der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte werden.

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