Linksfraktion: Amira Mohamed Ali folgt auf Sahra Wagenknecht

Die Ära Wagenknecht bei der Linken ist vorbei. Die Fraktion im Bundestag hat eine neue Spitze gewählt. Dietmar Bartsch behält sein Amt. Neue Co-Chefin ist Amira Mohamed Ali.

Berlin (dpa) - Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch sind das neue Führungsduo der Linken im Bundestag. Die Fraktion bestätigte den bisherigen Co-Vorsitzenden Bartsch im Amt und wählte die niedersächsische Bundestagsabgeordnete zur Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht.

Wagenknecht war nach vier Jahren als Fraktionsvorsitzende nicht noch einmal zur Wahl angetreten.

Für Bartsch stimmten 44 Abgeordnete, das waren nach Angaben eines Fraktionssprechers 63,7 Prozent. Bei der letzten Wahl 2017 hatte er noch 80 Prozent der Stimmen bekommen. Für den weiblichen Part des Führungsduos hatte sich neben Mohamed Ali die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion, Caren Lay, beworben. Beide bekamen im ersten Wahlgang keine Mehrheit. In einem zweiten Wahlgang sprachen sich dann 36 Abgeordnete für Mohamed Ali aus - das entspricht 52,2 Prozent. Caren Lay holte 29 Stimmen, 42 Prozent. Bartsch sagte nach der Wahl, er sei mit dem Wahlergebnis «ganz schön zufrieden».

Mohamed Ali betonte, dass sie sich als Fraktionschefin für mehr Einigkeit unter den Abgeordneten der Linken einsetzen wolle. Es gehe ihr darum, dass die Fraktion ihre Kräfte besser bündele und zusammenstehe. «Ich möchte mit jeder und jedem reden, und ich möchte jeden einbinden und ich glaube, dass mir das gelingen wird.»

Die Rechtsanwältin sitzt erst seit 2017 für die Linke im Bundestag und wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet, zu dem auch Wagenknecht gehört. Öffentlich größer in Erscheinung getreten ist sie bisher nicht. In der Fraktion hat sie sich bisher um Verbraucher- und Tierschutz gekümmert sowie um Recht und Ernährung. «Sahra Wagenknecht hinterlässt sehr, sehr große Fußstapfen, und natürlich muss ich da ein Stück reinwachsen», sagte die neue Fraktionschefin nach ihrer Wahl. Als Fraktionsvorsitzende komme man nicht zur Welt. Sie sei aber eine eigene Persönlichkeit mit eigenem Führungsstil, und den werde sie umsetzen.

Die Zeit mit Sahra Wagenknecht an der Spitze war geprägt von Streit zwischen Wagenknecht und der Parteispitze um Katja Kipping und Bernd Riexinger. Wagenknecht sieht eine Politik der offenen Grenzen für alle kritisch und ist der Ansicht, ihre Partei habe sich von ihrer eigentlichen Klientel entfernt. Die Auseinandersetzungen und ein Burnout hatten Wagenknecht nach eigenen Angaben schließlich zum Rückzug von der Fraktionsspitze bewogen.

Sie sei sehr froh und habe diesen Tag nun auch herbeigesehnt, sagte Wagenknecht am Dienstag. «Ich wünsche meiner Nachfolgerin und der gesamten neuen Fraktionsspitze, dass sie jetzt eine gute Chance bekommt.» Einen Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit plant die bisherige Fraktionschefin allerdings nicht. Ihr Bundestagsmandat nimmt die 50-Jährige weiter wahr - und auch eine erneute Kandidatur für den Bundestag bei der nächsten Wahl kann sie sich nach eigenen Angaben zum aktuellen Zeitpunkt gut vorstellen.

10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    OlafF
    13.11.2019

    Einspruch&Echo: Interessante Diskussion und fair, Danke für Ihre klaren Worte. Wäre schön es gelänge öfter... :-)

  • 4
    0
    Echo1
    13.11.2019

    @Einspruch danke für Ihre Antwort.
    SIe sind für Sozialismus mit Marktwirtschaft. Da könnten Sie sich evtl.
    für links entscheiden. Gut. Da sind wir auf einem Nenner. Die Ideologie soll dabei weg. Warum? Das ist doch eine Idee, die
    vertreten wird. Normal.
    Wiederum trauen Sie den Linken (Partei?),
    dass wieder nicht zu mit den gesellschaftlichen Veränderungen. Das wäre ja Sozialismus mit Marktwirtschaft.
    SIe bejahen, dann verdammen Sie wieder
    linke Politik. Klingt widersprüchlich. Aber ich verstehe Sie. Sie wollen Veränderung.

    Und das war das einzig gute an der AfD.
    Sie zwang die anderen zur Diskussion heraus.

  • 5
    2
    Einspruch
    13.11.2019

    Echo1, Die Linke steht nicht für die Lösung von gesellschaftlichen Problemen, sondern eher ideologisch verpeilt unverbesserlich am extrem linken Rand. Die Welt soll friedlich sein und alles in Butter? Keine Ahnung, wie Sie darauf kommen.
    Die Missstände in den damaligen sozialistischen Ländern dürften Ihnen gut bekannt sein, wenn Sie alt genug sind.
    Hervorzuheben wären dagegen die ärztliche Versorgung, Schulbildung, Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum, der aber nicht reichte und einem großen Bestand an verfallenem gegenüberstand. Mit den niedrigen Mieten, so schön sie waren, konnte man nur den Verfall verwalten, mehr nicht. Trotzdem habe ich gern in meiner Platte gewohnt. Entscheidungen in den Betrieben wurden kaum nach wirtschaftlichen Bedingungen getroffen, eher ideologisch und von der Partei.
    Geld verteilen, was nicht erwirtschaftet wurde, oder indem man es Leistungsträgern wegnimmt, das ist für Sie sozial? Für mich nicht. Sozial und menschlich bleiben, denen helfen, die sich nicht selbst helfen können, da bin ich ganz bei Ihnen. Aber Leute durchfüttern, die nicht wollen und damit noch prahlen, oder Sozialleistungen an Leute verschleudern, die gar keinen Anspruch haben sollten, nee, das ist Misswirtschaft und Ausputz und Betrug. An sich selbst und an denen, die den Willen haben, mit anzupacken und das Glück, es zu dürfen oder zu können, ganz wie Sie wollen. Sagen wir mal so, Sozialismus mit Marktwirtschaft, ohne ideologische Gängelei und Verblendung, da könnte ich mich auch links orientieren. Aber dafür steht Die Linke nicht. Bei der Geschichte. Jetzt werden Sie sich fragen, ob ich glaube, das z. B.: eine Afd besser wäre. Im Moment als Druckmittel schon. Die Mitte hat nur mit sich zu tun und verkündet immer neue Belastungen und driftet zu sehr nach links ab.

  • 3
    1
    osgar
    13.11.2019

    Das ist aber nicht der Boxer @Interessierte. Oder haben Sie Insiderkenntnisse?

  • 1
    2
    Interessierte
    13.11.2019

    Gute Entscheidung von der Fraktion , es geht voran ...

  • 3
    4
    Echo1
    13.11.2019

    @Einspruch nicht nur immer Einspruch ist gefragt. Wer Einspruch sagt, muss auch sagen, was er tun würde. Für wem? Und wie?
    Sie sind also mit der heutigen Welt zufrieden. Die sozialistischen Länder sind
    weg. Wir sind angekommen in einer freien
    Welt. In einer friedfertigen Welt. Und wie weiter Einspruch.
    Lesen Sie "Die Unvollendete" auf Seite 18 in der FP. Der Autor spricht von Utopieverbot
    in den letzten 30 Jahren, was aufgehoben werden sollte. Richtig. Ich bin für gerechtere Verteilung auf der Welt, für mehr Solidarität. Das ist für mich links. Sozial. Menschlich. Weltrettend. Und Sie?
    Bitte Farbe bekennen! Nicht schon wieder Einspruch@Einspruch. Wofür sind Sie?

  • 17
    4
    OlafF
    12.11.2019

    Sarrah W. war eindeutig zu klug für diese Partei, sie musste gehen, weil Parolen wichtiger als Inhalte waren. Die Zeit unbequeme Warheiten auszusprechen, wird kommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • 7
    9
    Einspruch
    12.11.2019

    Links hatten wir schon mal, total links. Wie war das? Pleite. Mauern ringsum. Planwirtschaft. usw.
    Allerdings fand ich die Wagenknecht nicht schlecht, hatte einige vernünftige Äußerungen, aber ihre Partei hat sie abgeschossen. Das sagt auch so einiges aus.

  • 5
    16
    gelöschter Nutzer
    12.11.2019

    Für eine starke Linke, Boma ye!

    Sorry, aber sie ist sicher Witze mit ihrem Namen gewöhnt. Alles Gute der Frau!

  • 10
    14
    Echo1
    12.11.2019

    Vielleicht ganz gut diese Wahl. Rechtsanwältin. Linker Flügel. Wie Wagenknecht. Sozialdemokratie ist gut
    belegt. Wie brauchen auch wieder Alternativen. Utopien. Und keine positive
    Begleiter ins Chaos.



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