Maskenpflicht oder nicht? Debatte reißt nicht ab

In der Corona-Krise steht Deutschland nach wochenlangem Stillstand vor ersten Lockerungen. Weiter gestritten wird darüber, ob es eine Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz geben sollte.

Berlin (dpa) - Einfache Gesichtsmasken müssten in der Corona-Pandemie nach Ansicht von Polizeigewerkschaften in Bussen, Bahnen und Geschäften deutschlandweit zur Pflicht werden.

Sowohl die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) als auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprachen sich am Samstag dafür aus. Hintergrund ist das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Mittwoch auf vorsichtige Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen verständigt und dabei Gesichtsbedeckungen beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln «dringend empfohlen», aber keine Pflicht vereinbart. Sachsen will nun dennoch ab Montag eine Pflicht einführen, Mecklenburg-Vorpommern zieht eine Woche später nach. Anderswo ist das bisher nicht geplant. Es geht dabei nicht um medizinische, sondern um einfache, auch selbst gemachte Masken. Auch ein Tuch sei möglich, heißt es aus beiden Ländern.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) begründete den Schritt am Freitagabend in der MDR-Talkshow «Riverboat»: «Die Wahrheit ist ja, es hat sich eigentlich nichts geändert. Das Virus ist in der Welt, es gibt immer noch keinen Impfschutz. Das Einzige, was wir (tun) können, um uns zu schützen, ist Abstand halten und deswegen auch die Bedeckung von Mund und Nase.»

Die Bundesregierung stimmt Bürgerinnen und Bürger auch darauf ein, dass der Alltag noch länger anders sein wird als vor Corona. «Was wir jetzt brauchen, ist für lange Zeit eine neue Normalität», sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in der ARD. Ähnlich äußerte sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU).

DPolG-Chef Rainer Wendt sagte dem «Handelsblatt», wünschenswert gewesen wäre eine bundeseinheitliche Regelung und eine Verpflichtung zum Tragen von Mund-Nasen-Masken. GdP-Vize Jörg Radek sprach sich ebenfalls für eine solche Pflicht aus. Ein Mund-Nasen-Schutz sei im Verhältnis zu anderen Auflagen «der geringere Eingriff zum Zwecke der Minimierung des Ansteckungsrisikos». Radek betonte, dass die Maßnahme auch Polizistinnen und Polizisten bei ihren Einsätzen helfe.

Aus den Bundesländern kamen am Samstag unterschiedliche Stimmen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) deutete an, dass er sich eine Tragepflicht vorstellen könne. «Ich bin überzeugt, dass Alltagsschutzmasken bald zu unserem öffentlichen Leben gehören und etwa im Öffentlichen Personennahverkehr auch bald zur Pflicht werden können, sobald sie ausreichend verfügbar sind», sagte er der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Wochenendausgabe). Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte der «Passauer Neuen Presse»: «Es gibt ein Maskengebot.» Das sei eine klare Vorgabe und gelte für Geschäfte und den Öffentlichen Nahverkehr.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich plädierte dafür, dass der Kauf von Gesichtsschutzmasken für den Eigenbedarf steuerlich absetzbar wird. «Auf den Kosten darf nicht derjenige allein sitzen bleiben, der sie zum Schutz seiner Mitmenschen in öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Arbeitsweg und beim Einkaufen tragen möchte», sagte Ullrich, der auch Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestages ist, der Deutschen Presse-Agentur.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung in der Pandemie sagte Kanzleramtschef Braun der Düsseldorfer «Rheinischen Post» und dem Bonner «General-Anzeiger», Ziel sei es, schrittweise zu einem Leben mit weniger Beschränkungen zurückzukehren. «Aber die Epidemie ist nicht weg. Wir müssen lernen, damit zu leben - bis es einen Impfstoff gibt.» Bayerns Ministerpräsident Söder sagte, solange es keinen Impfstoff und kein Medikament gebe, müsse man die Beschränkungen fortsetzen und für eine kontrollierte Entwicklung sorgen. Die Zahlen stabilisierten sich. «Aber es ist ein schmaler Grat, auf dem wir wandeln.»

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

13Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    Lesemuffel
    19.04.2020

    Wenn man kritische Bemerkungen zu den Anordnungen und dem Mainstream macht, wird man in den Papierkorb gedrückt. Man muss eben zu den 90% der Unkritischen gehören.

  • 1
    4
    Interessierte
    19.04.2020

    Das geht wohl erst einmal richtig los …
    https://www.rbb24.de/politik/thema/2020/coronavirus/beitraege/berlin-krankenhaus-corona-messegelaende.html

  • 1
    5
    Interessierte
    19.04.2020

    Die Masken kann man bei den Änderungsschneidereien der Vietnamesen kaufen wie auf der Augustusburger neben dem Briefmarkenmüller oder bei der Frau Ahnert an der Ecke am Viadukt …
    https://www.msn.com/de-de/lifestyle/leben/corona-aktuell-3-reinigungsfehler-von-masken-und-wie-du-sie-umgehst/ar-BB12M18K?ocid=spartandhp

  • 4
    3
    mops0106
    19.04.2020

    Zum Thema Corona empfehle ich, sich mal unvoreingenommen das Interview im Netz mit Prof. Stefan Homburg, Professor an der Leibniz Universität Hannover und Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen anzusehen.
    Laut der Grafik war die Rate 1, die lt. Regierung durch den Lockdown erreicht werden sollte, schon zwei Tage vor dem 23.03. erreicht und hat sich seitdem nicht wesentlich verändert.

  • 4
    4
    mops0106
    19.04.2020

    Zum Thema Corona empfehle ich, sich mal unvoreingenommen das Interview im Netz mit Prof. Stefan Homburg, Professor an der Leibniz Universität Hannover und Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen anzusehen.
    Laut der Grafik war die Rate 1, die lt. Regierung durch den Lockdown erreicht werden sollte, schon zwei Tage vor dem 23.03. erreicht und hat sich seitdem nicht wesentlich verändert.

  • 5
    8
    MuellerF
    19.04.2020

    @mops: Ihre Argumente zum Ablehnen der Masken werden immer absurder - man muss deren richtigen Gebrauch nicht studieren, sondern sich für die kurzen Zeiträume in denen man sie tragen muss, mal ein bisschen zusammenreißen!
    Und wenn die Masken medizinisch nutzlos wären, warum werden sie denn dann vom Personal im Gesundheitswesen getragen?-aus Jux sicher nicht!

  • 10
    4
    franzudo2013
    18.04.2020

    Vielleicht sollten die ueberbezahlten Landesfuersten mal lernen, dass sie nicht jeden Tag in ein Mikrofon sprechen, sondern für ihr Geld ihre Arbeit machen sollen. Einfach mal mit Bus und Bahn fahren. Einfach mal gucken, wie digital Schulen aufgestellt sind. Dieses permanente Geschwätz ist unerträglich. Seit Jahrzehnten nichts geregelt bekommen, aber jetzt die Leute bevormunden.....

  • 5
    4
    Freigeist14
    18.04.2020

    Ich vermute fast , Pixelghost@ kann es kaum erwarten .

  • 12
    3
    mops0106
    18.04.2020

    @Einspruch:
    Meine Meinung. Das wird auch nicht nur nicht wirken, sondern kann zusätzlich krankmachen.
    Für mich ist das Aktionismus und Machtdemonstration.

  • 12
    3
    Einspruch
    18.04.2020

    Und diese oft meist falsch gehandhabten versifften Lappen sollen dann schützen? Ich bin schon auf Arbeit froh, wenn ich sie mir schnell wieder runterreißen kann, vor allem im Sommer. In Hinblick auf die Infektionszahlen in Sachsen purer Aktionismus.
    Die Diäten zurückfahren und einfrieren, auch einfach mal so, darauf können wir wohl lange warten. Das wäre auch mal schnellstens umzusetzen. Könnte man Freitag ankündigen und Montag wäre es erledigt. Übrigens, haben die Krankenschwestern und Pfleger schon außer Danke etwas im Portemonnaie gespürt? Ach, ich vergaß, sowas will gut beraten sein und dauert und dauert und dauert...

  • 11
    3
    mops0106
    18.04.2020

    @Pixelghost:
    Ich glaube Ihnen ohne Widerspruch, dass Sie das im Beruf korrekt gemacht haben.
    Meine Bedenken für die korrekte Handhabung der Masse der Menschen im täglichen Umgang bleiben. Und meine Bedenken hinsichtlich der sonstigen von mir genannten Aspekte auch.

  • 5
    17
    Pixelghost
    18.04.2020

    Ich habe 20 Jahre lang Einweghandschuhe und Masken (OP, FFP) im Beruf getragen. Man kann das richtige An- und Ablegen und LERNEN.

    Und man kann auch, wenn man denn will und nachdenkt, lernen, wie man die Masken und Handschuhe mit sich führt. Ging in meinem Beruf auch.

    Und mops Wissen sie was? Ich habe mir mit Einweghandschuhen nie ins Gesicht gegriffen.

    Wir haben ab Montag 5 Community-Masken (von einer Freundin genäht, die das kann) pro Person - zum Mitführen für den Bedarf, für den Ersatz und zum Waschen.
    Und sie ist nicht die einzige, die die Dinger herstellt.

  • 18
    3
    mops0106
    18.04.2020

    "Ich bin überzeugt, dass Alltagsschutzmasken bald zu unserem öffentlichen Leben gehören und etwa im Öffentlichen Personennahverkehr auch bald zur Pflicht werden können, sobald sie ausreichend verfügbar sind." (Niedersachsens MP)

    "In Mecklenburg-Vorpommern sind Schutzmasken im Nahverkehr vom 27. April an Pflicht."

    Diese zwei Sätze drücken Sachsens Dilemma aus. Unabhängig von der geringen Sinnhaftigkeit (bis Schädlichkeit) der normalen Masken (Schals) gegen das Virus, bekommen die Menschen in Meck-Pomm wenigstens noch ein paar Tage des Versuchs der Beschaffung. Und der MP Niedersachsens wie die Bundesregierung vertreten die richtige Meinung, dass nicht etwas zur Pflicht gemacht werden darf, was nicht ausreichend oder nur zu horrenden Kosten beschafft werden kann.

    Zu den Masken:

    Bitte mal informieren, wie mit diesen umzugehen ist. Das ist im Alltagsleben nicht einzuhalten. Glaubt jemand allen Ernstes, die Menschen fassen sich nicht an die Maske/ den Schal, wenn es juckt/ warm ist. Die Masken werden heruntergezogen und wieder hochgezogen werden. Die Masken werden aus Beschaffbarkeits-/ Kostengründen mehrfach getragen werden.

    Ich glaube auch nicht, dass die meisten Menschen im Alltag ihre Stoffmasken/ Schals jeden Tag bei 90/60 Grad waschen, bügeln und/ oder in der Mikrowelle bearbeiten werden. Zumal viele leichte Tücher für diese Prozedur nicht geeignet sind.

    Mit dieser Maßnahme erreicht man nicht nur nichts Gutes - im Gegenteil. Wenn dann wirklich Covid19- und andere Viren an die Maske kommen von anderen Menschen/ Gegenständen, haben wir diese dann ganz nah bei uns und können sie "schön" einatmen.

    In Kriegszeiten wäre die Bundesbehörde verantwortlich für das Bereithalten/ die Beschaffung von Masken. In Seuchenzeiten sind es die Landesbehörden.
    Diese hat versagt und kann selbst heute noch Pflegeheime, Krankenhäuser etc. nicht ausreichend mit "richtigen" Masken versorgen. Diese werden dort, falls vorhanden, zum Teil mehrfach verwendet.

    Unsere Landesregierung unterstützt meiner Meinung nach mit der Maskenpflicht für uns die unseriösen Geschäftspraktiken/ Wucherpreise. Außerdem kann man den vielen renitenten Sachsen mal so richtig schön zeigen, wer die Macht hat.