Mohamed Ali folgt auf Wagenknecht

Die niedersächsische Abgeordnete Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch führen die Linken im Bundestag. Caren Lay aus Sachsen unterliegt.

Berlin.

Sie fremdelt noch ein wenig mit ihrer neuen Rolle. "Guten Tag, mein Name ist Amira Mohamed Ali, ich bin das erste Mal hier", sagt die kurz zuvor gewählte, neue Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag - um sogleich klar zu machen, dass mit ihr ein neues Kapitel in der konfliktgeplagten Truppe beginnen soll. "Es ist gut, wenn wir jetzt als Fraktion nach vorne schauen", sagt Mohamed Ali, "ich sehe, dass wir an vielen Stellen noch aufeinander zugehen müssen".

Die 39-jährige Niedersächsin mit deutsch-ägyptischen Wurzeln hatte ihre Kandidatur als Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht vor rund einer Woche bekannt gegeben. Wagenknecht hatte den Posten aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Fortan wird Mohamed Ali die Fraktion im Duo mit dem wiedergewählten Amtsinhaber Dietmar Bartsch anführen.

Für den weiblichen Part der Doppelspitze hatte sich Anfang November neben Mohamed Ali auch die sächsische Abgeordnete Caren Lay beworben. Sie war zuletzt stellvertretende Vorsitzende der Fraktion und gilt als langjährige Vertraute von Parteichefin Katja Kipping. Letzteres dürfte ihr bei einigen in der Fraktion eher als Nachteil ausgelegt worden sein, vor allem im Wagenknecht-Lager. Kipping und Wagenknecht gelten als zerstritten.

Jedoch bekamen weder Mohamed Ali noch Lay im ersten Wahlgang eine Mehrheit. In einem zweiten Wahlgang sprachen sich 36 Abgeordnete für Ali aus, was 52,2 Prozent entspricht. Lay holte 29 Stimmen und damit 42 Prozent. Für den 61-jährigen Bartsch stimmten 44 Abgeordnete, was eine Zustimmung von 63,7 Prozent bedeutet. Bei der letzten Wahl 2015 hatte der Politiker aus Stralsund noch 80 Prozent der Stimmen bekommen.

Die in Oldenburg lebende, verheiratete Anwältin Mohamed Ali sitzt erst seit 2017 im Bundestag. Dort ist sie Mitglied in den Ausschüssen für Verbraucherschutz und Landwirtschaft. "Wir werden jetzt mit vereinten Kräften die Herausforderungen annehmen", sagt Mohamed Ali. Sie wolle der Linken als Oppositionskraft wieder zu mehr Gehör verhelfen. Ein wenig Zeit erbittet sie sich dennoch: "Man muss in jede Aufgabe hineinwachsen. Als Fraktionsvorsitzende kommt man nicht zur Welt".

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