Mordfall Lübcke: Wurde Stephan E. auf Foto verwechselt?

Der Verdächtige war nicht auf Treffen in Mücka

Kassel/Mücka.

Die vom TV-Magazin "Monitor" verbreitete Information, der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) habe noch im März 2019 Kontakt zur militanten rechtsextremen Gruppe "Combat 18" in Sachsen gehabt, ist offenbar falsch. Sie soll auf einer Verwechslung fußen. Das meldet die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Spiegel" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Auch der "Freien Presse" wurde das am Montag vom sächsischen Verfassungsschutz bestätigt.

Man gehe davon aus, dass auf dem von "Monitor" gezeigten Foto von einem Neonazi-Treffen im ostsächsischen Mücka (Kreis Görlitz) nicht, wie behauptet, der Kasseler Rechtsextremist Stephan E. im Kreise von Gesinnungsgenossen zu sehen ist, sondern ein Rechtsextremist namens Karsten H.Das Foto ist über größere Distanz aufgenommen. Wäre der des Mordes an dem CDU-Politiker Lübcke verdächtige Stephan E. auf dem Bild, würde das ein Versagen der Sicherheitsbehörden bedeuten. Nach deren Einschätzung war der 45-Jährige, der früher mit rechtsextremen Aktionen straffällig geworden war, seit rund zehn Jahren nicht mehr in der Szene aktiv. Derzeit werden Kontakte Stephan E.s in die rechtsextreme Szene überprüft. Zu einer illegalen Demonstration in Dortmund, bei der sich im Jahr 2009 rund 400 Neonazis aus dem Kreis der sogenannten "Autonomen Nationalisten" eine Straßenschlacht mit Polizei und Teilnehmern einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes lieferten, war Stephan E. mit fünf weiteren Kasseler Neonazis angereist. Einer seiner früheren Kontaktleute, der Rechtsextremist Mike S., stand auch auf der Ermittlerliste mit Kontaktpersonen des NSU-Netzwerks. (eu)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    3
    Distelblüte
    26.06.2019

    @Lesemuffel: Die Einzeltätertheorie darf getrost bezweifelt werden. Wenn sie nicht als Ausrede benutzt wird, um nicht tiefer graben zu müssen, sollten noch einige Erkenntnisse zu Tage gefördert werden.

  • 1
    0
    Lesemuffel
    26.06.2019

    Na, nun soll er doch den Mord gestanden haben. Aber als Einzeltäter?

  • 3
    1
    Blackadder
    26.06.2019

    @ralf66: Der Beschuldigte hat ein Geständnis abgelegt und das vermutete Motiv bestätigt. Glauben Sie es jetzt?

  • 2
    4
    Lesemuffel
    25.06.2019

    Interessant, Distelblüte, Sie beziehen sich auf einen Beitrag, der bereits hier gelöscht worden ist. Sicher, weil ich die Systematik der merkwürdigen Ermittlungsarbeit erörtert hatte und Pleite, als man Sachsen (Mücka) überhastet ins Spiel bringen wollte, was eben misslungen ist.

  • 9
    6
    ralf66
    25.06.2019

    @Blackadder, dass aus Ermittlungsgründen der Polizei gewisse Erkenntnisse nicht an die Öffentlichkeit kommen dürfen ist mir klar, ist auch richtig so. In der Mordsache Lübke hat man doch aber alles schon rausgelassen, DNA wäre identisch, hoffentlich? Rechtsextreme Kreise sind bekannt, wurden namentlich genannt, ja wenn ich denen auf den Zahn fühlen will, dann schreib ich das wohl in der Zeitung und warne sie dadurch? Also mit der Geheimhaltung aus Ermittlungsgründen ist es hier nicht weit her, leider aber mit den Ungereimtheiten.
    @Distelblüte, ich glaube langsam, dass Sie genau das Gleiche tun was Sie anderen Vorwerfen, Sie nennen Zahlen zum Rechtsextremismus und dramatisieren diese Zahlen noch einmal, indem Sie behaupten, wir säßen alle auf einer ''tickenden Zeitbombe'', vergessen tun Sie dabei, dass der Verfassungsschutz die linksextreme Szene mit 9000 gewaltbereiten Extremisten nennt, Tendenz zum Vergleich der letzten Jahre stark ansteigend.

  • 12
    9
    Hinterfragt
    25.06.2019

    Das kommt davon, wenn die "Qualitätsmedien" die Ermittlungen führen und nicht die dafür vorgesehenen jur. Institutionen...

  • 10
    16
    Blackadder
    25.06.2019

    @ralf66: Darauf, dass Polizei und Staatsanwaltschaft schlicht und ergreifend nicht alles, was sie wissen, an die Öffentlichkeit geben, weil man das in diesem Stadium der Ermittlungen nie tut, kommen Sie nicht? Sie müssen nicht alles wissen, es reicht, wenn die Polizei dies tut.

  • 6
    14
    Distelblüte
    24.06.2019

    Das Redaktionsteam von Monitor veröffentlichte das Foto, das den Tatverdächtigen zeigen soll, nachdem es einem forensischen Gutachter vorgelegt worden war, der die gezeigte Person als Stephan E. bewertete.
    Natürlich kann sich auch der Gutachter irren.
    Andererseits müssten sich die Sicherheitsbehörden einigen unangenehmen Fragen stellen, falls es doch so sein sollte wie vom Gutachter analysiert.
    @Lesemuffel: Der Tatverdächtige wurde auf Grund gefundener DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers verhaftet.
    Er war in jedem Fall in den Mord involviert.
    Der Tatverdächtige ist nicht verpflichtet, sich durch eine Aussage selbst zu belasten, die Beweispflicht liegt bei der Staatsanwaltschaft.
    Bei der Pressekonferenz vor einigen Tagen sprach #Haldenwang von ca. 12700 gewaltbereiten Rechtsextremen. Wenn man bedenkt, dass der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke die letzten Jahre unter dem Radar blieb, dann haben wir es hier mit >12000 tickenden Zeitbomben zu tun.

  • 15
    10
    ralf66
    24.06.2019

    Es ist schwierig über so einen Fall zu schreiben, ich habe die Gesinnung, dass jeder Mord im allgemeinen und Morde zur Durchsetzung politischer Ziele ein Verbrechen sind, aber dieser Fall Lübke wirft bei mir Fragen auf. Mir kommt das Verhalten der Presse, die ganze Behandlung des Mordes an Lübke, die Erwähnung in der Öffentlichkeit über den Mord an Lübke komisch vor, der allgemeine lange durchdringende Rummel, der bei anderen Delikten dieser Größenordnung gemacht wurde fehlt mir, auch der in den Medien geschilderte Tatablauf ist irgendwie ein Rätsel. Zwei Wochen lang nach dem Mord an Lübke hört man überhaupt fast nichts dazu, dann plötzlich knallhart ist man sich zu 100% sicher, dass es ein Mord mit rechtsextremen Hintergrund ist, obwohl der mutmaßliche Täter die letzten Kontakte zu rechtsextremen Szene vor länger als 10 Jahren hatte, mit welcher Intensität er diese Kontakte pflegte, ist auch mehr oder weniger unbekannt. Im Schützenverein war der mutmaßliche Täter auch, politisch oder mit rechten Sprüchen ist er dort nicht aufgefallen, er hatte dort nur das Bogenschießen betrieben, ja nicht einmal die bestehende Möglichkeit nutzte er, mit Gewehr oder Pistole zu schießen, ein völlig unerfahrener Schütze, der in der Nacht bei schlechten Lichtverhältnissen mit einer Handfeuerwaffe durch gezielten Kopfschuss einen Politiker erschießt. Dann stellt sich heraus, dass der mutmaßliche Mörder noch in diesem Jahr Kontakt zur rechtsextremen Szene hatte, dass vor ca. 10 Jahren war schon viel zu lange her, da musste ein jüngerer Zeitpunkt her. Jetzt auf einmal, muss man diese rechtsextreme Zusammenkunft des mutmaßlichen Täters mit rechtsextremen Kreisen, vom Frühjahr 2019 dementieren, weil eine Verwechslung mit einer anderem Person vorliegen würde. Vom mutmaßlichen Täter hört man gar nichts, weder ein Geständnis den Mord an Lübke begangen zu haben, aber auch keine Bestreitung der Tat.



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