Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen steigt

Sieht aus wie eine Pistole, feuert aber nur Reizgas oder Platzpatronen ab: Wer so eine Waffe in der Öffentlichkeit führen will, braucht einen Kleinen Waffenschein. Die erfreuen sich wachsender Beliebtheit - auch wenn die Nachfrage langsam abflacht.

Berlin (dpa) - Die Zahl Kleiner Waffenscheine ist in Deutschland auch im vergangenen Jahr erneut angestiegen. Damit waren zum Jahreswechsel 664.706 solcher Scheine im Nationalen Waffenregister eingetragen, wie das Bundesinnenministerium der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte.

Die Zahl hat sich binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Ein Kleiner Waffenschein wird ab 18 Jahren von der Polizei oder einer kommunalen Behörde erteilt und berechtigt zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen. Diese Waffen verursachen, solange sie nicht aus äußerster Nähe abgefeuert werden, keine lebensgefährlichen Verletzungen. Bevor man den Kleinen Waffenschein bekommt, prüfen die Behörden die persönliche Eignung und Zuverlässigkeit - man darf zum Beispiel nicht vorbestraft sein.

Viele Polizeibehörden warnen vor Gefahren für den Nutzer selbst oder vor einer Gefährdung Unbeteiligter - zumal einige der Waffen täuschend echt aussehen.

Nutzen darf man auch Schreckschusspistolen, Reizgas- oder Signalwaffen nur auf Schießständen, in umfriedetem Gelände oder in eng umgrenzten Fällen wie Notwehr - die dann im Zweifelsfall auch einer gerichtlichen Prüfung standhalten. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Volksfesten, Demonstrationen oder im Kino dürfen solche Waffen auch mit Kleinem Waffenschein nicht mitgeführt werden.

Zum 31. Dezember 2015 waren laut Bundesinnenministerium 285 911 Kleine Waffenscheine im Nationalen Waffenregister verzeichnet, 2016 waren es 469.741, 2017 dann 557.560 und Ende 2018 waren es 610.937 Einträge.

Die Polizeigewerkschaften betrachten die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Heiko Teggatz, sieht den Anstieg gelassen. Da vor der Erteilung des Scheins eine Zuverlässigkeitsprüfung stehe, «kann davon ausgegangen werden, dass die Besitzer solcher Waffen nicht unbedingt zu dem Klientel zählt, welches von polizeilicher Relevanz ist», erklärte er. «Insofern empfinde ich den Anstieg solcher Kleinen Waffenscheine aus polizeilicher Sicht auch nicht beunruhigend.»

Ähnlich argumentiert auch Katja Triebel, Inhaberin eines Berliner Waffengeschäfts. Entsprechende Waffen könnten mit unterschiedlicher Munition genutzt werden. Nachfrage gebe es vor allem, wenn der Jahreswechsel nahe. «Der Umsatz von Januar bis September ist mager, dann zieht er an. Da geht es dann aber um Silvesterfeuerwerk, nicht um Selbstschutz.» Im öffentlichen Raum ist das Abfeuern von Pyro-Munition zwar verboten, in umfriedetem Gelände wie auf dem Schießstand aber für Träger von Kleinen Waffenscheinen erlaubt.

Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist hingegen skeptisch: «Ich habe meine Zweifel, ob Selbstbewaffnung der richtige Weg ist zu einem besseren Sicherheitsgefühl.» Zumal Nutzer eine Eskalation gefährlicher Situationen riskierten: «Wer in einen bewaffneten Konflikt hineingeht, erhöht das Risiko für sich selbst.» Die Menschen vermissten die Präsenz der Polizei. Er warnte, bis zum Jahr 2025 würden in Bund und Ländern 55.000 Stellen durch Ruhestand frei, wobei Nachbesetzungen noch nicht berücksichtigt sind.


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11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    5
    vonVorn
    08.03.2020

    Natürlich gibt es Gründe, habe aber das Gefühl viele wollen sich mit den Gründen nicht beschäftigen.

  • 5
    2
    Interessierte
    08.03.2020

    Warum - schaffen sich denn so viele Menschen Waffen an , das muß doch Gründe haben ?

  • 4
    1
    Einspruch
    08.03.2020

    Schade ums Geld, für eine Waffe, bei der man nach dem ersten Schuß ausgelacht wird, weil keine Wirkung. Dazu kommt noch, das man irgendwann im Leben mal den richtigen Umgang mit einer Waffe gelernt haben sollte. Denn auch eine Schreckschußpistole kann zu Verletzungen führen, oder dass das Gegenüber zu einer richtigen Pistole greift oder man eins auf die Mütze bekommt, wenn auffällt, das dieses Gerät nichts bewirkt. Da ist wahrscheinlich ein Knüppel oder scharfer Schäferhund wirkungsvoller.

  • 6
    3
    kartracer
    08.03.2020

    Zum Nachdenken, schlaue Äußerungen bitte erst dann, wenn das Waffengesetz gelesen und verstanden ist!
    Schlauer ist, wer den Unterschied zwischen Waffenschein, Waffenbesitzkarte und kleinen Waffenschein verstanden hat.
    Zum Verständnis, wer meint, mit dem kleinen Waffenschein, und einer Schreckschußwaffe im Hosenbund, sicherer zu sein irrt gewaltig, der Gegenüber könnte zB. ein Polizist sein, der eine Echte hat, was dann!?
    Nach meiner Meinung sind die "Eltern" des "kleinen Waffenscheines" nicht die Hellsten im Denkprozess, werden aber fürstlich für ihren Schwachsinn entlohnt.
    @frankjac, den Waffenschein beantragen darf jeder, bekommen wird ihn aber nur Einer von vielleicht 500 000 Antragstellern, und das sagt viel über unser Waffenrecht aus.
    Nicht ganz grundlos hält man sich sehr bedeckt, mit einer Schätzung, von illegalem Waffenbesitz, wie beispielsweise in diversen Rockerszenen.
    Ich kann nur nochmals betonen, der kleine Waffenschein ist KEINE Sicherheit, sondern eine Gefahr für so manchen Träumer!

  • 5
    3
    frankjac
    08.03.2020

    An alle, die da wieder nicht ganz mitkommen. Es geht mir nicht darum, dass Waffen tragen zu befürworten sondern darum, dass es mittlerweile viele Menschen gibt, die Angst haben und sich nicht mehr sicher fühlen. Bewaffnet zu sein, gibt den Betroffenen scheinbar ein Gefühl von Sicherheit ob es das dann im Ernstfall auch ist, ist eine ganz andere Frage. Das man "echte Waffen" nicht offen herumschleppen darf, ist mir natürlich auch bekannt, es sollte lediglich aufzeigen, dass die Sache sich verschärfen könnte und die Leute zu "härteren Mitteln" greifen könnten.

  • 3
    4
    MuellerF
    08.03.2020

    @frankjac: In der Öffentlichkeit darf man diese Dinger sowieso nur entladen & "verpackt" transportieren, also nicht einsatzbereit im Hosenbund o.ä. tragen.
    Damit machen sie für den (legalen) Selbstschutz wenig Sinn, denn in einer konkreten Bedrohungssituation wartet ein Bösewicht sicher nicht, bis man die Waffe einsatzbereit hat.

  • 7
    4
    MuellerF
    08.03.2020

    @frankjac: In der Öffentlichkeit darf man diese Dinger sowieso nur entladen & "verpackt" transportieren, also nicht einsatzbereit im Hosenbund o.ä. tragen.
    Damit machen sie für den (legalen) Selbstschutz wenig Sinn, denn in einer konkreten Bedrohungssituation wartet ein Bösewicht sicher nicht, bis man die Waffe einsatzbereit hat.

  • 6
    9
    Pixelghost
    07.03.2020

    „Viele Leute haben einfach Angst und fühlen sich, völlig verständlich, nicht mehr wirklich sicher.“

    Und dann, wenn sich alle bewaffnen, fühlen sie sich was? Sicherer?

    Dann braucht man einen noch größere Waffe, weil der Nachbar eine große hat - oder haben könnte...

    Und das soll jetzt was bringen? Sicherheit?

  • 10
    5
    frankjac
    07.03.2020

    Viele Leute haben einfach Angst und fühlen sich, völlig verständlich, nicht mehr wirklich sicher. Wenn es so weiter geht, werden etliche einen "großen Waffenschein" haben wollen und auch das könnte man, in der heutigen Zeit, keinem mehr übel nehmen.

  • 10
    3
    vonVorn
    07.03.2020

    Gut FP ich versuche es nochmal. @Echo1, haben Sie sich mal gefragt warum die Leute einen solchen Schein wollen?

  • 5
    12
    Echo1
    07.03.2020

    Kleiner Waffenschein. Genau. So lassen sich Probleme lösen. Wir lassen uns doch nicht von den zurückkommenden Italienurlaubern anstecken. Jeder ist sich selbst der Nächste.
    Wir sind nach dem Krieg aufgewachsen.
    Haben ihn nicht mehr erlebt. Die Eltern,
    Grosseltern hielten sich bedeckt. Sprachen
    nicht mehr darüber.
    Wir hatten Hoffnung und das ohne Waffeneinsatz.