Nahles: SPD wird Spurwechsel in Koalition durchsetzen

Die Debatte über einen sogenannten Spurwechsel abgelehnter und geduldeter Asylbewerber wird immer kleinteiliger. Es wird Zeit, klare Regeln zu schaffen. Die SPD will das offenbar tun.

Berlin (dpa) - Die SPD ist nach den Worten ihrer Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles entschlossen, für abgelehnte oder geduldete Asylbewerber einen Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erschließen.

«Wir werden den Spurwechsel durchsetzen», sagte Nahles im Sommerinterview der ZDF-Sendung «Berlin direkt» am Sonntag. Zurzeit würden die falschen Leute abgeschoben. «Wir wollen, dass gut integrierte Menschen hier bleiben.»

Der sogenannte Spurwechsel bedeutet im Grundsatz, dass es Asylbewerbern, die abgelehnt und nur geduldet, aber gut integriert sind und einen Arbeitsplatz haben, über ein Einwanderungsrecht ermöglicht wird, in Deutschland zu bleiben. Gerade aus der Wirtschaft kommt immer wieder die Klage, dass Asylbewerber ausgebildet und gut integriert seien, und dann abgeschoben würden. Angesichts des Fachkräftemangels sei dies kontraproduktiv.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall befürchtet nun aber, dass die Diskussion über eine Arbeitsperspektive für geduldete Asylbewerber das Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz insgesamt gefährden könnte. «Wenn wir künftig erlauben würden, dass ein abgelehnter Asylbewerber über die Hintertüre des Fachkräfte-Zuwanderungsgesetzes bei uns bleiben darf, würde der Eindruck entstehen, dass es völlig egal ist, ob ein Asylbewerber abgelehnt wird oder nicht», sagte Hauptgeschäftsführer Oliver Zander der «Augsburger Allgemeine» (Samstag).

Er kritisierte den Vorstoß des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU). Dieser hatte vorgeschlagen, Asylbewerbern ohne Bleiberecht einen Spurwechsel vom Asyl- ins Zuwanderungsrecht zu ermöglichen, wenn sie gut integriert und qualifiziert sind, Deutsch sprechen und eine Arbeit haben. In der CSU und überwiegend auch der CDU stößt er damit auf Ablehnung, weil befürchtet wird, dass eine solche Regelung einen zusätzlichen Anreiz zur Flucht bietet.

SPD, Grüne und FDP fordern jedoch eine solche Regelung. Die SPD hat inzwischen eine Stichtagsregelung vorgeschlagen, um Fluchtanreize zu vermeiden. Für bereits in Deutschland Geduldete soll demnach die Lockerung gelten, für künftige Asylbewerber nicht.

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, die Christdemokratin Annette Widmann-Mauz, ist für die Stichtagsregelung. «Es würde niemand verstehen, dass wir im Ausland Fachkräfte anwerben und die Menschen, die schon im Land als Fachkräfte arbeiten oder eine Beschäftigung haben und integriert sind, wieder nach Hause schicken», sagte sie dem ZDF.

Arbeitsminister Hubertus Heil zeigte sich im ZDF zuversichtlich, mit der Union eine Regelung zu finden. In den Eckpunkten des Innenministeriums für ein Zuwanderungsgesetz sei festgehalten, dass die Potenziale der Flüchtlinge genutzt werden sollten. «Die Ausgestaltung werden wir miteinander besprechen.» Heil bezog sich besonders auf Auszubildende. Für diese gibt es bisher eine Ausnahmeregelung, die es ihnen ermöglicht insgesamt fünf Jahre zu bleiben: für drei Jahre Ausbildung und zwei Jahre Anschlussbeschäftigung.

Das Innenministerium von Horst Seehofer (CSU) bekräftigte zwar seine Ablehnung eines Wechsels vom Asyl- ins Zuwanderungsrecht. Für Änderungen an der 3+2-Regelung zeigte sich sein Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) aber aufgeschlossen: «Ich halte angesichts des Fachkräftemangels im Pflegebereich weitere Lockerungen für überlegenswert», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Samstag).

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7Kommentare
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  • 1
    0
    Zeitungss
    28.08.2018

    @Nixnuzz: Nun ja, mahl sehen was in der heißen Phase vor der LTW noch ankommt, ich fürchte, recht wenig. Abweichende Meinungen hatten es bis jetzt in jedem System schwer, was man eigentlich schon als Naturgesetz bezeichnen kann, genau wie die Flüchtlingsgegner von Haus aus ALLE BRAUN sind.

  • 1
    0
    Nixnuzz
    27.08.2018

    @Zeitungss: "Ach wie gut das niemand weiß, das ich Rumpelstilzchen heiß!" Ihr Kommentar ist in die Öffentlichkeit und dann noch im Kreise der engagierten Leser angekommen! Toll !

  • 2
    0
    Zeitungss
    26.08.2018

    @Nixnuzz: Mein Beitrag kam durch einen Bürounfall nicht vollständig an. Wenn etwas bisher alle Systeme überstanden hat; dann ist es die gewünschte staatliche Meinungsbildung, verdeutlichen möchte ich das jetzt nicht, eine Reihe von Bürgern will, kann oder darf es aus beruflichen Gründen auch nicht verstehen. Es darf sich allerdings jeder seine Gedanken machen, wenn er aus o.g. Gründen kann. Ihre Feststellung ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, passt allerdings nicht in unsere heile Welt. Mal sehen ob es ankommt.

  • 2
    0
    Nixnuzz
    26.08.2018

    Ach ja - leid geprüft ist es halt der Ton der Musik...

  • 2
    0
    Zeitungss
    26.08.2018

    @Nixnuzz: An der Technik liegt es mit Sicherheit nicht, eher am Inhalt, welcher nicht ins System passt. Wenn der Normalbürger seine wirkliche Meinung hier niederschreiben würde, käme nur ein Bruchteil an. Für

  • 4
    0
    Nixnuzz
    25.08.2018

    Erstaunlich das zu den weiteren Artikeln keine Kommentare aufgeführt sind? Glaube kaum, das hierzu nicht etliche Äusserungen vorhanden waren. Der Technik zum Opfer gefallen??

  • 2
    0
    Interessierte
    20.08.2018

    Die Frau Nahles ist wohl die einzigste Person von da oben , welche Politik macht und das dann auch durchsetzt , die anderen kriegen nur ihr Geld _ Diäten und Erhöhungen



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