Privatschule darf Kind von AfD-Politiker ablehnen

Berlin (dpa) - Die Entscheidung einer Berliner Waldorfschule, das Kind eines AfD-Politikers abzulehnen, ist nach Einschätzung des Berliner Senats rein rechtlich völlig in Ordnung.

Das Vorgehen der Schule sei auf dieser Ebene «nicht zu beanstanden», teilte die Senatsschulverwaltung am Donnerstag mit. Das habe eine Bewertung des Falls ergeben.

Privatschulen hätten das Recht auf die Auswahl ihrer Schüler. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sei dabei nur «eingeschränkt anwendbar», nämlich «bei Benachteiligung aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft», hieß es weiter. Privatschulen könnten ihren Unterricht im Hinblick auf Erziehungsziele, Weltanschauung, Methoden und Inhalte eigenverantwortlich gestalten. Diese Gestaltungsfreiheit gelte auch für die Auswahl der Schüler. Der «Tagesspiegel» hatte zuerst darüber berichtet.

Die Waldorfschule hatte nach langen Diskussionen von Lehrern und Eltern die Aufnahme des Kindes des Berliner AfD-Abgeordneten abgelehnt. Zur Begründung hieß es im vergangenen Herbst, die Schule sehe keine Möglichkeit, das Kind, das den zugehörigen Waldorf-Kindergarten besuchte, mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen.

Berlins Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sah die Entscheidung damals «sehr kritisch». Auch der Bund der Freien Waldorfschulen hatte erklärt, er wünsche sich, dass die Schule ihre Entscheidung noch einmal überdenke. Der Berliner AfD-Fraktionsvorsitzende Georg Pazderski sprach von «Ausgrenzung und Sippenhaft».

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
9Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    3
    BlackSheep
    29.03.2019

    @DTRFC2005, was soll das? Anderer Meinung zu sein ist doch normal in einer Diskussion, warum die Unterstellung ich würde eine andere Meinung als Angriff auffassen?
    Wenn ein AfD Anhänger sein Kind in einer Waldorfschule anmeldet dann lässt er dem Kind offensichtlich doch auch seine freie Entwicklung, was gut ist.
    Die Schusslinie ensteht doch nur wenn Schulverantworltliche an der politischen Anschaung der Eltern Anstoss nehmen, und damit beweisen das Sie das eigene Schulkonzept nicht verstanden haben.

  • 4
    5
    DTRFC2005
    29.03.2019

    @BlackSheep.Warum werten Sie alles das, was nicht ihrer Ansicht entspricht als Angriff auf ihre Person. Verstehe ich nicht. Ich habe eine andere Ansicht der Dinge und zu ihren Ansichten lediglich etwas dazu aus meiner Ansicht beigetragen. Sie haben es als letzten Satz sehr schön gesagt: "Nur weil die Eltern AfD Anhänger sind heist das noch lange nicht das die Kinder das auch werden." Nichts anderes hatte ich zu denken gegeben. Man muss ein Kind nicht bewusst in diese Schusslinie bringen, wenn man schon vorher einschätzen kann, das das Leitbild der Schule nicht mit dem eigenen Weltbild zusammen passt. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, aber dann sollte man damit rechnen, das dies auch nach hinten los geht. Muss man das einem Kind antun, sich derart zu entscheiden ?

  • 6
    4
    BlackSheep
    29.03.2019

    @DTRFC2005, wenn Sie meinen Beitrag lesen, werden Sie feststellen das ich nicht geleugnet haben das das Rechtens ist. Aber ein Kind wegen der politischen Einstellung der Eltern abzulehenen ist, wie ralf es treffend beschrieben hat, eine klare Parallele zu DDR und ähnlichen diktatorischen Systemen. Diesen Sachverhalt noch mit dem Schutz des Kindes begründen zu wollen, offenbart nur das Ihnen alles Recht ist um gegen die AfD wettern zu können. Nur weil die Eltern AfD Anhänger sind heist das noch lange nicht das die Kinder das auch werden.

  • 4
    5
    DTRFC2005
    29.03.2019

    @ralf66 und @BlackSheep: Es handelt sich nun einmal um eine Privatschule und die darf sich aussuchen, welches Kind für diese Schule geeignet ist. Es gibt nicht umsonst Wartelisten und oft werden Kinder abgelehnt, wo Eltern nicht mal ansatzweise den Grund nachvollziehen können. Schauen Sie sich das Leitbild der Waldorfschulen an. Sie werden schnell feststellen, das dies in keiner Weise zur AFD und deren Leitlinien passt. Das Kind wäre da ja maximal bis Klasse 13 in der Schule und vermutlich hinsichtlich der Einstellung seiner Eltern hin und hergerissen. Dieses Schulprofil steht nämlich allen offen u.a jeder Nationalität, Herkunft und Religion. Theoretisch wie auch in staatlichen Schulen. Nur haben in Privatschulen die Eltern ein sehr hohes Mitspracherecht bei allem was die Schule betrifft. Warum sollte man zulassen, das ein Kind in diese Mühle gerät sich schlimmsten falls zwischen seinen Eltern und deren Weltanschauung und seiner eingegangen beginnenden Weltanschauung zu entscheiden. Kinder bleiben nicht immer klein, unschuldig und meinungsunabhängig. Es tut mir leid, aber ich finde , die Schule hat auch für das Wohl des Kindes abgelehnt. Auch wenn das einige nicht sehen können oder wollen.

  • 4
    8
    Distelblüte
    29.03.2019

    Wenn man sich Artikel zu diesem Thema online durchliest, dann sind neben der betreffenden AfD-Familie noch 109 weitere Familien, deren Kind nicht auf diese Schule gehen kann - es gab nämlich 140 Anmeldungen für 30 Plätze.
    Eine Privatschule hat das Recht, sich aussuchen zu dürfen, wen sie nimmt. Zudem darf sie von den Eltern erwarten, dass sie das Konzept der Privatschule unterstützen, da diese Mitglied des unterstützenden Schulvereins sein werden, wenn ihr Kind dort zur Schule geht. Und da gab es wohl Differenzen zwischen den AfD-Eltern und dem Konzept des Schulvereins.
    Ich bin selbst kein Freund der Waldorfpädagogik, doch ich sehe die Schule im Recht.
    Die Schlagzeile hat jedenfalls das übliche Shitstürmchen generiert.

  • 7
    4
    Hinterfragt
    29.03.2019

    AGG hin oder her, Auslegungssache,
    ABER:
    wenn die Ablehnung nur auf der Parteimitgliedschaft des Vaters beruht, ist es ein eklatanter Verstoß gegen das GG.
    Atrt. 3 Abs. 3:
    "...Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder _______ politischen Anschauungen ______benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden...."

    Die AfD ist NICHT verboten, wenn das einige auch "bedauern" mögen.
    @ralf66; Richtig!

  • 3
    5
    Tauchsieder
    29.03.2019

    Nun ja Waldorfschule, sind das nicht die, die ihren Namen tanzen?
    Hier entschied ein Senat, ein Berliner Senat! Würde dies vor einem ordentlichen Gericht landen, würde wohl ein anderes Ergebnis dabei rauskommen. Man würde sich wünschen, dass sich die Eltern dies nicht gefallen lassen und diesen Weg beschreiten.

  • 10
    4
    ralf66
    28.03.2019

    Nee Leute das geht gar nicht, ohne wenn und aber, sehe ich bei dieser Entscheidung dieser Schule, hundertprozentige Parallelen zum DDR-System, dort hatte man Jugendlichen unter anderem das Studium verwehrt, weil der Vater zum Beispiel Pfarrer war, oder man durfte nicht studieren, nicht einen bestimmten gewünschten Beruf erlernen, wenn man sich nicht zu einer längeren Dienstzeit, bei der NVA verpflichtete.

  • 12
    6
    BlackSheep
    28.03.2019

    Mag alles Rechtens sein, allerdings offenbart so eine Entscheidung ein derart niedriges Niveau das es weh tut. Hier werden Kinder in Sippenhaftung für die politische Anschauung ihrer Eltern genommen, und dann nennen das manche noch Demokratie.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...