Ratschläge von alten Männern

Wenn es in Parteien kriselt, melden sich gerne die Altvorderen zu Wort. In den Parteizentralen hält sich die Dankbarkeit über ihre Tipps und Empfehlungen meist in Grenzen.

Berlin.

Am Donnerstag ist es wieder so weit. Im Deutschlandfunk äußerte sich der 89-jährige Hamburger Ex-Bürgermeister und Sozialdemokrat, Klaus von Dohnanyi, zu den aktuellen Turbulenzen in seiner Partei. "Der zentrale Fehler war die Berufung von Martin Schulz mit 100 Prozent. Ein großer Irrtum", analysiert Dohnanyi, "der Mann war ungeeignet für diese Funktion, das konnte man auch wissen. Ich habe das von Anfang an gesagt."

Doch offenbar hatte niemand im Willy-Brandt-Haus den Rat des Altvorderen gesucht. Ein verbreitetes Phänomen. In den Parteizentralen ist man sogar eher genervt von jenen altgedienten Männern - Frauen sind selten dabei -, die den jüngeren und aktiven Politikern Tipps und Empfehlungen angedeihen lassen. Denn ein wenig Besserwisserei ist fast immer dabei.

Die mitteilungsbedürftigen Ehemaligen erinnern mitunter an pensionierte Väter, die ihren erwachsenen Kindern Ratschläge mit auf den Weg geben. Und die reagieren - wie auch die meisten aktiven Politiker - mit schweigendem Augenrollen. Vor allem bei Sätzen wie diesem von Dohnanyi: "Ich war ja Mitglied in der Regierung Brandt und war auch Staatssekretär von Karl Schiller und wir hatten damals ein ganz anderes Selbstbewusstsein, als das heute offenbar von der SPD ausgestrahlt wird." Man kann sich den gereizten Gesichtsausdruck der designierten Parteichefin Andrea Nahles nur zu gut dazu vorstellen.

Das dürfte auch für Äußerungen des früheren SPD-Bundesministers Erhard Eppler in der vergangenen Woche gelten. Der 91-Jährige hatte nach Schulz' Absage an den Posten des Außenministers gesagt: "Ich bin sehr froh, dass Sigmar Gabriel nun seine Arbeit im Auswärtigen Amt fortsetzen kann." Dabei war das keineswegs ausgemacht. Eppler fuhr fort: "Die Idee, den populärsten Sozialdemokraten kaltzustellen, wäre eine raffinierte Form der Parteischädigung." Es war ein massiver Hieb, doch das Willy-Brandt-Haus überging Eppler schweigend.

Die SPD ist allerdings keineswegs die einzige Partei, in der sich die alten Recken gelegentlich wirkungsvoll in die erste Reihe zurückspielen. Bei den Grünen meldet sich gerne Ex-Außenminister Joschka Fischer zu Wort, bei den Liberalen Ex-Innenminister Gerhart Baum, während in der Linken allmählich die beiden Gründungsväter Oskar Lafontaine und Gregor Gysi in die Rolle der Altvorderen hineinwachsen.

Auch bei der CDU meldeten sich dieser Tage im Zuge der Regierungsbildung gleich mehrere Polit-Pensionäre zu Wort, um der Vorsitzenden Angela Merkel den Zustand der Partei zu erklären. Der einstige CDU-Vize Roland Koch konstatiert in Bezug auf die Personaldebatte in der Partei, Merkel schulde eine Antwort, welche in der CDU "die nächste Generation ist, die Verantwortung übernimmt". Und auch Volker Rühe, Ex-CDU-Generalsekretär und einst Bundesverteidigungsminister, weiß Rat: "Die CDU braucht jetzt ein Zukunftsteam, keine Ergebenheitstruppe." Merkel habe für die Zukunft der Partei "desaströs verhandelt", befindet Rühe mit Blick auf den Koalitionsvertrag und schiebt hinterher: "Helmut Kohl hätte so etwas nie zugelassen." Wobei Kohl natürlich auch nie Koalitionsgespräche mit der SPD führen musste.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    2
    Freigeist14
    16.02.2018

    Haecker@,wenn ich ergänzen darf (...)Schrot und Korn und ein vehementer Verfechter der Agenda 2010 ! Toller Soze.

  • 1
    1
    Haecker
    16.02.2018

    @Freigeist14: Es ist schon richtig, dass Klaus von Dohnanyi noch nie etwas von einem Bündnis der SPD mit Linkspartei und all ihren Vorgängern - bis zurück zur SED - gehalten hat. Er ist eben ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn.

  • 2
    3
    Freigeist14
    16.02.2018

    Dohnanyi ,bei allem Respekt,ist ein Schwätzer. Er war immer ein Gegner einer linken Mehrheit jenseits der CDU und Fürsprecher der Großen Koalition.

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    4
    Haecker
    16.02.2018

    Klaus von Dohnanyi hat in dem Interview sehr viel wichtigeres gesagt, als hier zitiert. Es richtete sich auch weniger an die Parteiführung, als an "die Medien". Seine Darstellung der gewöhnlichen politischen Abläufe (z.B. dass man dem Parteivorsitzenden kein Bein stelle, wenn er unabgesprochen agiert) oder der Binsenweisheit, dass nur gestalten könne, wer Macht besitzt, sollten sich Kommentatoren zu Herzen nehmen, die "Hintergrundwissen" suggerieren, tatsächlich aber nur die Polemiken einer Seite (im vorliegenden Fall der "GroKo"-Gegner) wiedergeben.



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