Sag halt auch was Gutes - Söder stellt Laschet-Biografie vor

Es ist nicht so lange her, da knirschte es zwischen dem bayerischen und dem NRW-Ministerpräsidenten gehörig. Das scheint vorbei. Jetzt stellen Söder und Laschet eine Biografie des jeweils anderen vor.

Berlin (dpa) - Nein, er würde das nicht nur für Armin Laschet tun. Er würde das auch für Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Jens Spahn machen, sagt Markus Söder am Mittwoch gleich zu Beginn der Vorstellung einer Biografie über den NRW-Ministerpräsidenten.

Er habe auch mit Armin Laschet darüber gesprochen, und der habe gesagt: «Ja, ich soll halt auch was Gutes sagen.» Buchvorstellungen sind in der Regel launig, wenn sich politische Konkurrenten darauf einlassen, zumal wenn es sich um Biografien handelt, wenn es also auch um Menschliches der Spitzenpolitiker geht. Das machen nun Söder und Laschet. Sie stellen die Biografie des jeweils anderen vor. Als erster war der bayerische Ministerpräsident am Mittwoch im Meistersaal am Potsdamer Platz in Berlin dran. In ein paar Wochen folgt Laschet, der ein Buch über Söder vorstellt.

Das sei eine sehr freundliche Biografie, sagt der CSU-Chef am Mittwoch über die Laschet-Biogafie und kündigt für seinen Fall schon mal an: «Das gibt es in Bayern nicht.» Was ihm am Buch am meisten aufgefallen habe, sei eine Szene, «dass er im Urlaub vom Stuhl in den Swimmingpool gefallen ist, und das Handy nicht, aber den Zigarillo hochgehalten hätte».

Aufgefallen sei ihm Laschet früher eher als kritisch in Richtung CSU. Dieser habe jedenfalls nicht von vorneherein den Eindruck erweckt, «Mitglied im Fanclub der CSU zu sein», sagt Söder. Man habe sich nur langsam bis auf das Du angenähert, macht der Bayer deutlich. Sie hätten auch unterschiedliche Temperamente: «Ich gehe schon mal voraus», sagt Söder und lässt offen, was er in diesem Fall Laschet attestiert.

Die Unterschiede der beiden Spitzenpolitiker sind schon rein äußerlich wahrzunehmen. Hier der hoch aufgeschossene, körperlich präsente Markus Söder, da der quirlige Armin Laschet. Hier der machtbewusst daherkommende, joviale bayerische Ministerpräsident, da der als eher weich und liberal geltende NRW-Ministerpräsident. Der eine evangelischer Nürnberger, der andere Katholik aus Aachen, der just in dem Moment, als Söder die Biografie vorstellte, auf dem Weg zum Papst nach Rom war.

Es hat am Anfang der Corona-Krise auch nicht so richtig geklappt mit den beiden. Die Sticheleien und Vorwürfe gingen in beide Richtungen, zu unterschiedlich die Positionen und die Maßnahmen, die sie in ihren Ländern ergriffen haben. Söder ging zum Teil mit sehr scharfen Maßnahmen voran, Laschet versuchte einen Ausgleich zwischen Verboten und Lockerungen zu schaffen. Im Kampf um den CDU-Vorsitz freute dies vor allem die Konkurrenten Laschets, Friedrich Merz und Norbert Röttgen.

Erst nach dem Corona-Sommer wurde das besser. Söder mag begriffen haben, dass wenn er ständig auf Laschet einhaut, er es am Schluss mit Merz als CDU-Vorsitzendem zu tun bekommt, und das will er wohl noch weniger als Laschet.

Kanzlerin Angela Merkel konnten diese Nickligkeiten der beiden nicht recht sein. Sie will im kommenden Wahljahr eine geordnete CDU beziehungsweise Union «übergeben». Das Standing, Einfluss zu nehmen, hat sie durch ihr Management in der Corona-Krise wieder erlangt. Sie besuchte im Sommer beide, Söder und Laschet, und erwies ihnen die Gunst - Laschet wohl etwas mehr als Söder.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hatte neulich auch einen Versuch gestartet, die Situation zu glätten, und Söder indirekt quasi aufgefordert einzulenken, so konnte man es jedenfalls verstehen.

Doch Söder hält sich alle Optionen offen. Für ihn kann die Rechnung nur positiv aufgehen. Er versuche, das Beste für Bayern zu erreichen, sagt er. Heißt: Er will im Kampf um CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur möglichst viele Punkte machen - um die Position der CSU in Bayern und im Bund und auch die eigene zu stärken. Egal wie das Rennen um die Kanzlerkandidatur ausgeht, wenn er keine größeren Fehler macht, hat er die Stärkung seiner Partei jetzt schon auf der Habenseite.

Wieder und wieder betont er, sein Platz sei in Bayern. Dies dürfte sich auch nur dann ändern, wenn Söder eine echte Chance sähe, Kanzler zu werden. Doch Laschet wird wohl nicht freiwillig nachgeben, solange die Umfragewerte für die CDU so gut sind.

Für eine in Lager gespaltene CDU nach der Wahl des Parteivorsitzenden könnten die Werte schnell wieder sinken, zumal wenn die Wähler langsam wahrnehmen, dass nicht mehr Merkel antritt, sondern ein anderer. Wie sagte Söder, ein guter Teil der Zustimmung gehe auf das Konto der Krisenkanzlerin. Bei sinkenden Umfragewerten dürfte auch Söder keinen Lust mehr verspüren, die Kanzlerkandidatur zu übernehmen. Denn das Risiko einer Niederlage wäre zu groß - und Söder kalkuliert Risiken äußerst genau.

Und Laschet? Oft unterschätzt, sagen die Autoren seiner Biografie. In einigen Wochen stellt er die Neuauflage einer Söder-Biografie vor. Mal schauen, was er über seinen Konkurrenten zu sagen hat.

66 Kommentare
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  • 1
    0
    klali
    02.10.2020

    @censor: Nachdem ich Begriffe wie Klugscheißer, Besserwisser oder Oberlehrer inakzeptabel fand, habe ich mich für den Experten entschieden. Woher sollte ich wissen, dass Sie "Experte" für ein Schimpfwort halten. Welcher Begriff käme demnach noch in Frage? Vielleicht Gelehrter, Interpret oder Erklär-Bär? Ich ahne schon, dass Ihre Bescheidenheit auch das ablehnen wird, während meine Beschränktheit gerade bockig im Sandkasten sitzt und den Dialog mit mir verweigert.

  • 1
    3
    censor
    01.10.2020

    klali - Ich möchte mir in aller Bescheidenheit verbitten, dass man mich als Experte bezeichnet. Und ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, was mich am meisten plagt: die Sorge, zu wenig zu wissen.

    Und es gibt auch eine Menge Gebiete, von denen ich rein gar nichts verstehe: Fußball, Volksmusik und Schlager, Gender-Studien, Maschinenbau und Flugzeugtechnik und noch eine ganze Menge andere Dinge, die mir jetzt gerade nicht einfallen......denn vergesslich bin ich auch noch, und das darf ich als Rentner auch sein.

  • 2
    3
    mops0106
    01.10.2020

    @klali: Hier darf jeder zu jedem Artikel/ Thema kommentieren, auch wenn Ihnen das nicht gefällt. Sie müssen die Beiträge von Kommentatoren, die Ihnen politisch etc. nicht passen, ja nicht lesen.
    Ihre Schmähung der Beiträge von @Censor zeigt, dass Sie von Meinungsfreiheit nicht viel halten?

  • 5
    2
    klali
    01.10.2020

    @censor: Nun, wenn es überhaupt einer wissen kann, dann doch wohl Sie. Kaum ein Thema oder Fachgebiet, indem Sie ihr Expertenwissen mal für sich behalten. Sie sind Mediziner, Fachgebiet Virologie, Epidemiologie. Sie sind Politologe und Historiker; kennen sich aus in Paläontologie, Genetik und Psychologie und sind auch noch Satiriker. Ökonomie ist eines ihrer zahlreichen Fachgebiete. Sollte ich etwas vergessen haben, sehen Sie es mir nach; bei einer derart geballten Fachkompetenz verliert man schnell den Überblick. Die Antike, die Renaissance und die Aufklärung würden uns sicher über diese universelle Gelehrtheit beneiden.

  • 2
    0
    20Online20
    30.09.2020

    Finde das fast makaber, was wird der Wähler denken? Hoffentlich wird der kleinere mit seiner selbstverherrlichten Rhetorik nicht mal der Boss.

  • 5
    2
    censor
    30.09.2020

    Die müssen viel Zeit haben.