Sahra Wagenknecht: "Jetzt kommt für mich ein neuer Abschnitt"

Ab Herbst will die Politikerin nicht mehr Fraktionschefin der Linken sein. Politisch einmischen wolle sie sich auch weiterhin.

Berlin.

Es sei "ein blöder Zufall", sagt eine lächelnde Sahra Wagenknecht am Dienstag in Berlin, als sie vor die Presse tritt. Am Vortag hat die Chefin der Linksfraktion im Bundestag erklärt, sich im Herbst nicht erneut für dieses Amt zur Wahl zu stellen. Exakt am gleichen Tag 20 Jahre zuvor hatte Wagenknechts heutiger Ehemann und damalige SPD-Politiker Oskar Lafontaine seinen Rückzug von allen politischen Ämtern erklärt und damit die Spaltung des linken Lagers in Deutschland auslöste.

Wagenknecht sagt, ihr sei das "leider zu spät aufgefallen". Sie habe sich über sich geärgert, "weil das ja Parallelen aufmacht, die ja völlig unsinnig sind". Womöglich würden das einige in der Linken anders sehen. Fest steht für Wagenknecht aber, dass sie sich nicht aus der Politik zurückzieht. Sie behalte ihr Mandat, werde in der Fraktion mitarbeiten, Termine wahrnehmen, etwa in den anstehen Wahlkämpfen, und publizieren. Sie müsse mit Blick auf ihre Gesundheit "schauen was geht und was nicht geht". Sie habe erkennen müssen, "dass meine Gesundheit mir Grenzen gesetzt hat". Stress und Überlastung seien "der Auslöser, dass ich so nicht weitermachen kann". Die zurückliegenden Jahre an der Fraktionsspitze seien "eine sehr anstrengende Zeit", gewesen, die ihr "auch an die Substanz" gegangen sei. Die 49-Jährige betont: "Jetzt kommt für mich ein neuer Abschnitt." Sie wirkt gelöst.

Dass Wagenknecht in der Fraktion unter Druck stand, ist bekannt. Auch Wagenknechts Vize Sevim Dagdelen, eine weitere Wortführerin des linken Parteiflügels, erklärte am Dienstag, nicht erneut zu kandidieren. Die Zwickauer Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann sagte der "Freien Presse", das Klima in der Fraktion sei "extrem vergiftet". Wagenknecht sei zuletzt "massiven Anfeindungen" ausgesetzt gewesen, "viele Angriffe waren unter der Gürtellinie". Wagenknechts Abgang sei "ein sehr herber politischer Verlust für die gesamte Linke". Zimmermann sieht nun die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger in der Verantwortung, beide schienen eher Teil des Problems als Teil der Lösung zu sein, so Zimmermann.

Unterdessen hat der Rückzug die Debatte über mögliche rot-rot-grüne Bündnisse im Bund belebt. Sie wünsche sich sehr, "dass es unterschiedliche Optionen gibt, dieses Land zu regieren. Und da kann die Linkspartei einen Beitrag leisten", sagte etwa Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. SPD-Vize Ralf Stegner verkündete nach Wagenknechts Rückzug, es werde jetzt vielleicht leichter, "die Potenziale für eine progressive Regierungskoalition diesseits der Union auch zu realisieren". Schmallippiger formulierte hingegen die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles: "Schau'n wir mal."

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