Schülerprotest an 1650 Orten

Seit Wochen demonstrieren junge Leute für eine andere Umweltpolitik. Jetzt schließen sich andere Generationen an. Und Politiker wollen, dass die Initiatorin der Bewegung geehrt wird.

Berlin.

Mit weltweit mehr als 1650 Klimakundgebungen in über 100 Staaten soll die Bewegung "Fridays for Future" am Freitag einen bisherigen Höhepunkt erreichen. In Deutschland sind knapp 200 Proteste nach dem Vorbild der schwedischen Schülerin Greta Thunberg geplant. Das geht aus einer Liste des Netzwerks "Fridays for Future" hervor. Auch in Chemnitz, Dresden und Leipzig wird demonstriert.

Die Organisatoren wollen am Freitag so umfassende internationale Schulstreiks fürs Klima auf die Beine stellen wie noch nie zuvor. Deshalb haben sie einen "Global Strike for Future" ausgerufen. Thunberg hatte im August 2018 damit begonnen, vor dem Parlamentsgebäude der schwedischen Hauptstadt Stockholm für eine beherztere Klimapolitik ihres Landes zu demonstrieren. Sie und ihr Schulstreik sind seitdem weltbekannt geworden, in zahlreichen Ländern der Erde demonstrieren Schüler und Studenten nach ihrem Vorbild immer freitags für mehr Klimaschutz.

Mittlerweile bekommt die ursprünglich von jungen Leuten initiierte Bewegung auch Zustimmung aus anderen Generationen. Rund 20.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben eine Stellungnahme unterzeichnet, in der die Forscher die Klimabewegung unterstützen. Am Freitag soll eine Liste der Unterstützer an die Umweltaktivisten übergeben werden. Auch Eltern stellen sich mit "Parents for Future" an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, auf disziplinarische Maßnahmen zu verzichten, wenn Schüler für die Proteste den Unterricht schwänzen.

Thunberg selbst sieht die Bewegung noch lange nicht am Ende. "Warum in aller Welt sollten wir jetzt damit aufhören? Wir haben noch nicht mal angefangen", sagte die 16-jährige Schwedin der Deutschen Presse-Agentur. Während die CO2-Emissionen immer noch anstiegen, gebe es nirgends Anzeichen für ein Umdenken hin zu mehr Klimabewusstsein. "Bei diesem Kampf ist kein Ende in Sicht", sagte Thunberg.

Ihr Engagement hat der jungen Schwedin sogar eine Nominierung für den Friedensnobelpreis eingebracht. Drei Abgeordnete der norwegischen Sozialistischen Linkspartei sprachen sich dafür aus, dass der 16-Jährigen die renommierte Auszeichnung überreicht wird, wie die Zeitung "Verdens Gang" berichtete. Dem schwedischen "Aftonbladet" zufolge wurde sie auch von zwei Politikern aus Schweden nominiert. Thunberg erklärte, sie fühle sich geehrt und sei sehr dankbar.

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarates IPCC um etwa ein Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erwärmt, in Deutschland sogar noch etwas stärker. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl gut drei Grad wärmer. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl stark reduziert werden. (dpa/fp)

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