Seehofers Ein-Mann-Show

Kurz vor dem Parteitag der CSU hat ihr Vorsitzender Horst Seehofer seinen Rivalen Markus Söder ausgebremst. Auch auf den Besuch von Angela Merkel wird diesmal verzichtet. Der Bayer hat die große Bühne ganz für sich.

Berlin/München.

Das Wort "Familienangelegenheiten" klingt immer ein bisschen nach Problemen. Und Horst Seehofer hatte in jüngster Zeit wahrlich einige solcher "Angelegenheiten" zu regeln - in der eigenen Partei wie in der Unionsfamilie aus CSU und CDU. Das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern gilt bekanntlich seit geraumer Zeit als belastet.

Vor allem die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte zu einem massiven Streit mit den Bayern geführt. Unvergessen ist, wie CSU-Chef Horst Seehofer im vergangenen Herbst auf offener Parteitagsbühne seine "liebe Angela" für ihre Asylpolitik abkanzelte. Merkel war damals Gast bei den Christsozialen. Beim diesjährigen CSU-Kongress, der heute in München beginnt, wird es dagegen erstmals seit 16 Jahren keinen Besuch Merkels geben. Die konservativen Schwestern brechen mit einer Familientradition.

Zwar hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Vorsitzenden mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen ein wenig entspannt. Dennoch wollte Seehofer offenbar nicht das Risiko eingehen, dass Merkel dem geballten Unmut der CSU-Basis ausgesetzt sein könnte und es womöglich zu hässlichen Szenen kommt. Seehofer scheint Zweifel an der Willkommenskultur seiner bayerischen Parteibasis zu hegen.

So bleibt Merkel dem CSU-Treffen fern, während Seehofer im Gegenzug auf einen Besuch beim CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember in Essen verzichtet. Als Friedensschluss zwischen den beiden Parteien lässt sich das nicht unbedingt bezeichnen. Wohl eher als Waffenstillstandsabkommen.

Doch Seehofer hat derzeit noch andere Familienangelegenheiten zu regeln. Dabei geht es um einen nahen Angehörigen innerhalb der CSU, genauer gesagt um Markus Söder, Staatsminister der Finanzen im Freistaat Bayern. Vor allem Söders übergroßer Ehrgeiz bereitet Seehofer seit einiger Zeit Sorgen. Denn Söder fühlt sich zu Höherem berufen und hat mehrfach zu verstehen gegeben, dass er sich als natürlichen Nachfolger Seehofers betrachtet. Als Partei- wie als Regierungschef. Das wurde Seehofer allmählich zu viel. Geschickt ersann er einen Weg, der für ihn sogar in zweifacher Hinsicht vorteilhaft ist.

Vor rund zehn Tagen kündigte Seehofer in einem Interview an, zu einem frühzeitigen Verzicht auf das Amt des Parteivorsitzenden bereit zu sein. Der Zweck sei, mit seinem Amtsnachfolger in Berlin mehr "Durchschlagskraft" in der Bundesregierung zu gewinnen. Seehofer betont, er selbst wolle nicht nach Berlin wechseln, sondern Ministerpräsident bis zur Landtagswahl 2018 bleiben. Unter Umständen sei er bereit, dem CSU-Vorsitz noch vor dem Parteitag 2017 abzugeben, also wenige Monate vor der Bundestagswahl.

Mit seinem Vorschlag will Seehofer einerseits mehr CSU-Präsenz an Merkels Kabinettstisch erwirken. Der eigentliche Kniff ist aber, Söder zwar den Weg zum Posten des Parteichefs zu eröffnen, ihn aber gleichzeitig nach Berlin abzuschieben und damit aus Bayern loszuwerden. Der scharrende Rivale wäre damit kaltgestellt.

Doch Söder hat bereits klar gemacht, dass er nicht nach Berlin geht und gegen eine personelle Trennung der beiden Posten ist. Das sind aber Seehofers Anforderungen: Wer CSU-Chef sein will, muss bereit sein, zu Merkel in die Bundeshauptstadt zu gehen.

Ob es strategisch tatsächlich eine gute Idee ist, den Vorsitzenden der mächtigen bayerischen Regionalpartei CSU unter einer Chefin Merkel arbeiten zu lassen, ist fraglich. Aus München poltert es sich leichter. Zudem ist unklar, wer den Job übernehmen soll, wenn Söder sich weigert. Doch Seehofer? Vieles ist derzeit im Vagen. Fest steht allenfalls, dass der Taktiker Seehofer seinen derzeit ärgsten Konkurrenten ausmanövriert hat. Seehofer hat die Parteitagsbühne ganz für sich.

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