Deutschland
Tausende demonstrieren in Berlin für Freiheit im Iran

Sie wollen den Menschen im Iran eine Stimme verleihen. Zahlreiche Organisationen und politische Persönlichkeiten versammeln sich in der Hauptstadt. Etliche bangen um Angehörige in der Heimat.

Berlin.

Aus Protest gegen die autoritäre Regierung in Teheran und für Solidarität mit den Menschen im Iran haben in Berlin Tausende Menschen demonstriert. Nach Polizeiangaben versammelten sich in der Spitze etwa 10.000 Menschen am Brandenburger Tor. Zu der Kundgebung "Freiheit für Iran" hatte ein breites Bündnis internationaler Organisationen in sozialen Medien, mit Flugzetteln und großen Anzeigen in einigen Zeitungen aufgerufen. 

Die Polizei sprach am Sonntag von einem "weitestgehend friedlichen und störungsarmen Verlauf". Es habe 18 vorübergehende Festnahmen gegeben, hieß es. Nach den Angaben wird unter anderem wegen des Verdachts der Bedrohung, Beleidigung und Körperverletzung ermittelt. Die Polizei begleitete die Versammlung nach eigenen Angaben mit rund 380 Kräften. Die Demonstranten zogen zum Potsdamer Platz und dann zurück zum Brandenburger Tor. 

Weitere Demonstration

Am Potsdamer Platz gab es unter dem Titel "Helfen Sie Iran. Mullahs Regierung muss weg" eine zweite Demonstration, die nach Veranstalterangaben von einer breiten Allianz unabhängiger Bürger und Bürgerinnen getragen wurde. 

Diese Gruppe setzt sich für eine säkulare Demokratie ein und unterstützt Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 gestürzten Schahs, als Repräsentanten für diesen nationalen Übergang. Pahlavi hat die Massenproteste gegen die iranische Führung unterstützt und gilt als bekanntester und einflussreichster iranischer Oppositioneller im Exil.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich etwa 1.600 Menschen an dem Protestzug zum Alexanderplatz. Es habe keine Störungen gegeben, hieß es von der Polizei.

Weniger Teilnehmer als angekündigt

Der Veranstalter der Demonstration am Brandenburger Tor hatte bis zu 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet. Viele Menschen seien aber nicht rechtzeitig in Berlin angekommen. 

Rund 340 internationale Organisationen sowie politische Persönlichkeiten unterstützten die Demonstration. Nach Angaben des Deutschen Solidaritätskomitees für einen freien Iran wurde sie von insgesamt 312 iranischen Vereinen aus mehreren europäischen Ländern getragen.

Angehörige bei Demo

Zu den Demonstranten gehörten laut Veranstalter viele Angehörige von Menschen, die während der jüngsten Proteste im Iran getötet oder festgenommen wurden. Viele schwenkten iranische Fahnen. Auch Fotos von der Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates (NWRI), Maryam Rajavi, wurden hochgehalten. Manche Menschen trugen gelbe Westen mit dem Schriftzug "Free Iran". Die Demonstration richtet sich laut Veranstalter auch gegen eine Rückkehr der Schah-Familie an die Macht. 

Der Nationale Widerstandsrat Iran entstand 1981 aus den sogenannten Volksmudschahedin. Die Exil-Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, das Herrschaftssystem im Iran zu stürzen. Die Organisation ist jedoch äußerst umstritten und wird innerhalb und außerhalb des Iran auch von Oppositionellen größtenteils abgelehnt. Im Iran ist die Gruppe verboten.

Der frühere US-Außenminister Mike Pompeo wurde live zugeschaltet. Weitere Redner waren der frühere Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sowie die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). 

Wirtschaftskrise Auslöser des Protests

Eine dramatische Wirtschaftskrise und sehr hohe Inflation hatten Ende Dezember Proteste im Iran ausgelöst. Die Demonstrationen entwickelten sich zu politischen Protesten gegen das autoritäre Herrschaftssystem. Sicherheitskräfte gingen gewaltsam vor. Iranische Menschenrechtsgruppen meldeten mehr als 3.400 Tote. Genaue Zahlen lassen sich wegen der Informationssperre kaum überprüfen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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