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Treibt Trump die Energiewende voran?

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Die Energiepreise sind durch den Iran-Krieg in die Höhe geschossen. Für Klimaschützer birgt das auch eine Chance: Die Kostenexplosion könnte den Übergang zu den Erneuerbaren beschleunigen.

Bonn.

US-Präsident Donald Trump hat sich mit seinem Land schon zum zweiten Mal aus dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet - doch mit seinem Krieg gegen den Iran könnte er den Trend zu erneuerbaren Energien unfreiwillig beschleunigen. Die UN-Klimakonferenz in Bonn, an der bis nächste Woche Donnerstag mehr als 6.500 Delegierte aus 186 Ländern teilnehmen, könnte diese Entwicklung für sich nutzen.

"Die Konferenz findet statt in einer Phase, in der weltweit gesehen wird, dass wir eine fossile Preiskrise haben, hervorgerufen durch den Iran-Krieg", sagte Greenpeace-Chef Martin Kaiser der Deutschen Presse-Agentur. "Als Folge davon boomen Solar und Wind weltweit. Bei uns geht die Zulassung von Wärmepumpen und Elektroautos durch die Decke." 

Auch das Bundesumweltministerium sieht eine veränderte Ausgangslage: "Erneuerbare Energien wachsen weltweit so schnell wie nie zuvor. Gleichzeitig führen geopolitische Krisen und massive Preisschwankungen gerade bei fossilen Energieträgern vor Augen, wie groß die Risiken einer anhaltenden Abhängigkeit von diesen mittlerweile geworden sind."

UN-Klimachef: Bewältigung der Klimakrise wichtigste Aufgabe

Noch direkter formuliert es UN-Klimachef Simon Stiell, als er die zehntägige Bonner Konferenz eröffnet. "Der Krieg im Nahen Osten verursacht unermessliches menschliches Leid und löst eine Kostenkrise bei fossilen Brennstoffen aus, die Volkswirtschaften überall in den Würgegriff nimmt", sagt der Chef des in Bonn angesiedelten UN-Klimasekretariats. "Es ist glasklar: Eine Fortsetzung unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bedeutet, weiterhin Inflation und wirtschaftliche Instabilität zu importieren."

Die Staatengemeinschaft müsse in der Klimapolitik jetzt endlich weiter gehen und schneller vorankommen, fordert Stiell. "Wir müssen unsere Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und die im Rahmen des Abkommens beschlossenen Pläne vollständig umsetzen." Die Bewältigung der globalen Klimakrise sei die schwierigste, aber auch wichtigste Aufgabe, die die Menschheit jemals gemeinsam in Angriff genommen habe.

Gegenmodell zu den Geschäftsideen von Trump und Putin

Für Greenpeace-Chef Kaiser bietet Bonn die ideale Gelegenheit, alle Länder mit einer progressiven Klima-Agenda an einem Tisch zu versammeln. "Die Bonn-Konferenz ist die Chance, die offizielle Roadmap zum Ausstieg aus den Fossilen in der neuen Allianz als Gegenmodell zu den fossilen Geschäftsmodellen von Trump und Putin festzuzurren." Auch der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig erwartet, dass der Ausstieg aus den fossilen Energien in den nächsten zehn Tagen in Bonn eine große Rolle spielen wird. 

Kaiser warnt die Bundesregierung zudem davor, den Klimaschutz zurückzustellen – nach dem Motto "Jetzt hat erst einmal die Wirtschaft Vorrang". "Das wäre ein großes Missverständnis, denn beides gehört zusammen. Die ökonomischen Risiken einer verfehlten Klimapolitik sind extrem hoch.", sagt Kaiser. "Die Industrien, die auf Fossile setzen, haben Schwierigkeiten und werden irgendwann weg sein, wenn sie die Transformation jetzt nicht zügig gestalten. Insofern muss Kanzler Merz seine Wirtschaftsagenda jetzt zukunftsfähig machen, sonst wird es auch nichts mit dem viel versprochenen Aufschwung." 

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt in einer Pressemitteilung zu, sich in Bonn dafür einzusetzen, das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren zu erhöhen. "Wer heute in Klimaschutz investiert, investiert zugleich in wirtschaftliche Stärke, Sicherheit und Wohlstand."

Die Zeit drängt. "1,5 Grad ist keine Zahl - es ist eine Rettungsleine" steht auf einer Werbesäule im World Conference Center, in dem die Verhandlungen stattfinden. Im Pariser Klimaabkommen ist festgeschrieben, dass der Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Bei der letzten Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém sei man diesem Ziel aber kaum nähergekommen, sagt Oxfam-Klimaexperte Kowalzig. Man steuere jetzt eher auf drei Grad an globaler Erwärmung zu. 

Auch bei der Fußball-WM dürfte der Klimawandel zuschlagen

Die Verhandlungen in Bonn sind komplex und langwierig - was kaum anders sein kann, wenn im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt mit am Tisch sitzt. Aber nebenbei versucht das im alten Regierungsviertel von Helmut Schmidt und Helmut Kohl angesiedelte Klimasekretariat immer wieder, konkret zu werden und die Menschen ganz direkt anzusprechen. 

Jüngstes Beispiel dafür: die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Auch sie dürfte die Erwärmung der Erdatmosphäre mit voller Wucht zu spüren bekommen. Erwartet wird, dass etwa jedes vierte Spiel bei einer Hitze ausgetragen werden wird, die als gefährlich eingestuft wird. In Fan-Zonen, Warteschlangen, auf Parkplätzen und bei Partys können die Besucher stundenlang extremer Hitze ausgesetzt sein.

"Es ist heiß und wird immer heißer", konstatiert Klima-Chef Stiell. "Das ist kein Zufall. Das ist der Klimawandel." (dpa)

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