Umfrage: Thüringer CDU stürzt ab - Mehrheit für Rot-Rot-Grün

CDU halbiert, FDP nicht mehr im Landtag - das wären die aktuellen Aussichten bei einer Neuwahl in Thüringen. Die Forderung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach einem neuen Wahlgang ist vorerst vom Tisch.

Erfurt/Berlin (dpa) - Bei Neuwahlen in Thüringen könnte Rot-Rot-Grün nach einer aktuellen Umfrage wieder auf eine Mehrheit hoffen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und n-tv würde die Linke des bisherigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow deutliche Zugewinne verbuchen

Die CDU würde fast die Hälfte ihrer Wähler verlieren. Die FDP von Thomas Kemmerich käme nach dessen umstrittener Wahl zum Ministerpräsidenten nicht einmal mehr in den Landtag.

Die Linke, die bei der Wahl im Oktober 31,0 Prozent erreicht hatte, würde sich der Umfrage zufolge auf 37 Prozent verbessern. Auch Ramelows bisherige Koalitionspartner SPD (9 Prozent) und Grüne (7 Prozent) könnten leichte Zugewinne verbuchen. Die AfD würde sich ebenfalls leicht von 23,4 auf 24 Prozent verbessern.

Die CDU, die im vergangenen Herbst noch 21,7 Prozent der Wählerstimmen verbuchen konnte, stürzt in der Umfrage hingegen auf nur noch 12 Prozent ab. Die FDP, die im Oktober nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde genommen hatte, käme nur noch auf einen Stimmenanteil von 4 Prozent.

Nach der umstrittenen Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten spüren auch die Hamburger Liberalen im Bürgerschaftswahlkampf Folgen. Plakate der FDP würden derzeit «übermäßig häufig beschädigt», teilte ein Sprecher der Partei am Freitag auf Anfrage mit. Zudem gebe es Parteiaustritte. Eine Zahl könne aber noch nicht genannt werden.

Gut zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt käme die FDP laut einer am Donnerstag veröffentlichten NDR-Umfrage auf fünf Prozent, sollte am Sonntag gewählt werden. Allerdings wurden die Teilnehmer noch vor der Wahl in Erfurt befragt. Es sei plausibel, zu erwarten, «dass die Wahl Kemmerichs für die Hamburger FDP negativ zu Buche schlagen wird», sagte der Politologe Kai-Uwe Schnapp von der Universität Hamburg.


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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Nixnuzz
    17.02.2020

    @TanteHilde: Hach TanteHilde - wenn das so einfach wäre. Da wurden im Umfeld 2er Wessies (Ramelow - Wuppertal;; Kemmerich - Aachen) großePolitik gemacht. Ramelow steht sicher nicht für Abriss und Verscherbeln gen Westen und Kemmerich ist Erfurt-und Weimar-gebundener Großunternehmer. OK - ich bin mal wieder fies und denke, das das Nachtrauern nach abgerissenen Betrieben nach 30Jahren nicht weiterhilft. Als Wessie lernt man den Umbruch in der Industrie mit Kommen und Gehen kennen. Ok - an meinem Arbeitsplatz brauchte ich derartiges persönlich nicht erleben. Meine Abteilung wurde nur 6x neu eingegliedert unter 6 neuen Firmennamen. Es wurden damals in Summe ca. 30.000 Leute ein vorgezogener Feierabend aufoktroiert. Keine Ahnung wieviel Produkte mangels Ertragsrechnung gestrichen wurden. Schätze das ca. 10% übrigblieben. China und Indien sind "preiswerter", neue Werke in der "DDR" rechneten sich auch wieder. Versuchen Sie sich nur mal in die Situation eines Ford oder Mercedes-Arbeitnehmer mittleren Alters zu versetzen. Mit all den vermeintlichen Reichtümern dieses Menschen. Oder die verbliebenen Firmen in Wuppertal - nach dem Weggang von Hrn. Ramelow als Gewerkschaftsvertreter? Ist schon Gesichtsprägend, wenn der größte städtische Arbeitgeber dank Werksschliessungen die Gewerbesteuer auf 10% runterkürzt...

  • 7
    1
    TanteHilde
    17.02.2020

    Unsere Regierung vergisst, was eigentlich ihre Arbeit ist: das Land zum Wohle des Volkes zu leiten!
    Das, was zur Zeit passiert ist ja wohl eher ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Es geht kaum einem der Gegenkandidaten zu Ramelow um das Wohl von Thüringen, sonst würden sie aktiv mitgestalten. Zumal die bísherige Regierung doch offensichtlich einen guten Job gemacht hat.
    Ich sehe Ramelow auch nicht als den Vertreter seiner Partei, sondern als engagierten, volksnahen Politiker, der schon mal mit dem Finger auf die zeigt, die den Osten Deutschlands ausgeschlachtet haben und zeigt, warum hier so wenige Steuergelder erwirtschaftet werden, nämlich, weil ein großer Teil der Betriebe die wirtschaftlich hätten weitergeführt werden können entweder für 1,00DM an westdeutsche "Investoren" gingen oder eliminiert wurden (wegen Konkurrenz). Die weiterbestehenden Betriebe schaffen die erwirtschafteten Steuern deshalb nach dem Westen, da dort der Stammbetrieb ist. (siehe Mediathek mdr "Wem gehört der Osten)
    Die Parteien sollen sich gefälligst heraushalten und die guten Leute ihre Arbeit machen lassen!

  • 12
    2
    Hankman
    08.02.2020

    @Hambacher1832: Wie kommen Sie denn nur auf die Idee mit der Minderheitsregierung von CDU und FDP? Entspräche dies nach Ihrer Ansicht eher dem Willen der Wähler als eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung? Ich halte den Gedanken für abwegig. CDU und FDP kommen zusammen auf 26 Sitze, rot-rot-grün hat 42. Eine Minderheitsregierung muss sich für jedes Projekt Mehrheiten organisieren. Das fällt mit 42 Sitzen viel leichter als mit 26. Ich weiß auch nicht, was die bürgerliche Minderheitsregierung besser machen könnte als die bisherige rot-rot-grüne. Vielleicht das umstrittene Vergabegesetz wieder abschaffen, na gut. Aber sonst? Dem Land geht es gut, die Wähler waren mehrheitlich mit der Arbeit der bisherigen Regierung zufrieden, auch aus der Wirtschaft kommt Untersützung für Ramelow. Wieso auf ein neues Pferd setzen? Weil man einfach aus Prinzip alles Linke hasst?

    CDU und FDP haben sich selbst mit der Aktion vom Mittwoch so schwer beschädigt, dass es doch sehr dreist wäre, wollten sie jetzt die Regierung stellen. Ramelow sollte versuchen, mit einem konstruktiven Misstrauensvotum doch wieder MP zu werden. Wenn das gelingt, sollte er eine maßvolle Politik machen und sich projektbezogen die Unterstützung aus CDU und FDP suchen - und nach einem oder zwei Jahren die Vertrauensfrage stellen, um ggf. Neuwahlen zu ermöglichen. Bis dahin haben sich die Gemüter wieder beruhigt, und es kommt hoffentlich ein ehrliches Wahlergebnis zustande. Im Moment ist die Stimmung zu aufgeheizt.

  • 10
    2
    Nixnuzz
    07.02.2020

    @Tauchsieder: Ne - glaub ich nicht. In Berlin versuchen die noch, die App der Demokraten aus Iowa ans korrigierbare Laufen zu kriegen...für zukünftige Zwecke!

  • 11
    7
    Tauchsieder
    07.02.2020

    Ist das schon das offizielle Wahlergebnis aus Berlin für Thüringen?

  • 9
    14
    Hambacher1832
    07.02.2020

    Thüringen sollte mehr Demokratie wagen und einer Minderheitsregierung von CDU und FDP keine Steine in den Weg legen.

    Dass es "mit den Stimmen der AFD" keine Probleme gibt, wenn es der eigenen Sache dienlich ist, konnte man gut im Bundestag sehen:

    "FDP, Linke und Grüne legten im Bundestag eine Initiative vor, die die Wiedereinbürgerung von NS-Verfolgten und ihren Nachfahren erleichtern sollte. Darüber kam es im Bundestag zur Abstimmung. Abgeordnete der FDP, Grünen, Linken und der AfD stimmten dafür. "

    https://www.focus.de/politik/deutschland/partei-legte-gesetzentwurf-vor-bundestag-stimmt-ueber-gruenen-vorschlag-zu-ns-verfolgten-ab-es-kommt-zum-hammelsprung_id_11611001.html