Unionspolitiker wollen Kinderkopftuchverbot in Schulen

CDU und CSU wollen, dass junge Mädchen in Schulen kein Kopftuch tragen dürfen. Der Bund kann in der Frage aber nicht aktiv werden.

Berlin (dpa) - Politiker von CDU und CSU haben sich für ein Kopftuchverbot für junge Mädchen an Schulen ausgesprochen.

«Ich bin der Überzeugung, dass ein Kopftuchverbot für Kinder unter 14 Jahren in Bildungseinrichtungen ein wichtiger Schritt ist, um jungen muslimischen Mädchen ein freies, selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Aufwachsen zu ermöglichen», sagte der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries der Deutschen Presse-Agentur. Die Länder müssten hier jetzt aktiv werden.

Der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende und frühere bayerische Justizminister Winfried Bausback erklärte, staatliche Institutionen müssten an dieser Stelle auch der Tendenz entgegenwirken, «dass sich unter dem Deckmantel eines falsch verstandenen Elternrechts religiös oder weltanschaulich motivierte "Parallelgesellschaften" entwickeln». In dieser Frage gelte der «Vorrang des Kindeswohls».

Die Landesvorsitzende der Frauen Union in Hamburg, Franziska Hoppermann, sieht im islamisch geprägten Kopftuch bei Kindern «ein Zeichen der Unterdrückung und Sexualisierung». Sie fühlt sich in ihrer Forderung nach einem Verbot durch die Länder durch ein Gutachten des Würzburger Staatsrechtlers Kyrill-Alexander Schwarz bestärkt, das die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland in Auftrag gegeben hatte. Das Gutachten, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, hält ein Kopftuchverbot für unter 14-Jährige in allen öffentlichen Einrichtungen für verfassungsrechtlich möglich.

Von den Islamverbänden waren entsprechende Überlegungen aus dem politischen Raum in der Vergangenheit kritisiert worden - auch mit der Begründung, den meisten muslimischen Mädchen werde das Kopftuch nicht von den Eltern aufgezwungen. Deutschlands Feministinnen sind in der Frage gespalten. Einige von ihnen sehen in einem Verbot eine Einschränkung der Freiheit, andere halten das Kopftuch für ein Symbol der Unterdrückung, das nicht aus «naivem Kulturrelativismus» akzeptiert werden sollte.


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9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    1
    vonVorn
    09.03.2020

    @Christoph...,
    https://www.tagesschau.de/ausland/schach-wm-kopftuch-101.html
    Nur mal als Hinweis um was es geht.

  • 16
    3
    Steuerzahler
    09.03.2020

    @Christoph..:„Aber selbst, wenn man ihnen die Mündigkeit abspricht, was verbessert das Ersetzen eines (angenommenen) religiösen Zwangs ...“
    Einem(r) unter 14 Jahre altem
    Menschen muss man nicht die Mündigkeit absprechen! Er ist nach dem Gesetz nicht mündig! So viel zu Ihrer Polemik, die sich in der Formulierung des „angenommenen religiösen Zwanges“ fortsetzt. Dann setzen wohl alle islamischen Frauen, die ein Kopftuch tragen, dieses vollkommen freiwillig auf? Und alle Muslimas, die sich genau dagegen wehren, kämpfen gegen ein Phantom? Unglaublich!

  • 18
    1
    Nixnuzz
    09.03.2020

    @christophdoerffel: Der Koran steht alternativ zu unserem GG bzw. je nach Starsinnigkeit darüber. Es ist oft ein verzweifelter Kampf engagierter Muslima gegen diese Sichtweise und daraus auf den Kopftuchzwang. Primär geht es doch nicht um Kopftuch ja oder nein sondern GG oder Koran/Islam.

  • 22
    0
    Malleo
    08.03.2020

    Machen, nicht labern.
    "Das Kopftuch bleibt bei Kindern unterdrückte Lebenslust und eine Form des Mißbrauchs."
    Mansour, Islamwissenschaftler

  • 4
    21
    christophdoerffel
    08.03.2020

    @Steuerzahler worauf 10 bis 14 jährige kommen ist oft erstaunlich (z.B. das Ergreifen wirksamer Klimaschutzmaßnahmen einzufordern). Gerade in dem Alter suchen Kinder und Jugendliche ihre Identität und da kann auch die bewusste Abgrenzung gegenüber einer (ablehnenden) Mehrheitsgesellschaft dazu gehören.

    Aber selbst, wenn man ihnen die Mündigkeit abspricht, was verbessert das Ersetzen eines (angenommenen) religiösen Zwangs durch ein staatliches Verbot an der Situation der Mädchen? Es bringt sie nur in noch mehr innere Konfliktsituationen.

    Wer wirklich etwas erreichen will, muss in den Schulen aufklären, dass es in Deutschland jeder Mensch mit der Religion und den Formen ihrer Ausübung (solange es ihn/sie selbst betrifft) halten kann, wie er/sie will. Ein selektives Verbot einzelner religiöser Symbole ist da kontraproduktiv.

    Das Grundproblem, dass die Nutzung der Religionsfreiheit mit Brüchen in Familie und sozialem Umfeld verbunden sein kann, löst kein Verbot. Da helfen eher offene Anlaufstellen, Sozialpädagog*innen aber die kosten Geld und bringen keine kurzfristigen Wähler*innenstimmen.

  • 19
    4
    Steuerzahler
    08.03.2020

    @christophdoerffel: Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst? Es geht um Kinder unter 14 Jahren. Würden sie nicht in einem religiös islamischen Elternhaus leben, kämen sie nie auf den Gedanken, mit diesem spezifisch gebundenen Tuch in die Schule zu gehen. Und von diesen Kindern verlangen Sie, dass sie selbst entscheiden und sich gegebenenfalls gegen die Eltern stellen? Ich glaube, Sie wissen selbst, wie hoch die Chancen sind, dass das funktioniert und dass das dem eigentlichen Ziel ja genau entgegen steht. Also nur vom Problem ablenken?

  • 8
    22
    christophdoerffel
    08.03.2020

    Die einen Konservativen wollen den Mädchen vorschreiben ihr Haar zu bedecken.

    Die anderen Konservativen wollen ihnen es verbieten.

    Wenigstens heute könnte Mann mal darüber nachdenken, ob sie das nicht selbst am besten entscheiden können.

  • 23
    7
    Einspruch
    08.03.2020

    Überfällig.

  • 19
    7
    Interessierte
    08.03.2020

    Es wird auch Zeit , dass das provozieren und Stärke zeigen bald ein Ende hat ...