USA haben Bundesregierung noch keinen Truppenabzug gemeldet

Es wäre ein schwerer Schlag für die deutsch-amerikanischen Beziehungen: Ein Drittel der US-Soldaten sollen Medienberichten zufolge aus Deutschland abgezogen werden. Ob es wirklich einen konkreten Plan dafür gibt, ist aber unklar.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung und die Nato halten sich zu den angeblichen Plänen für einen Abzug mehrerer Tausend US-Soldaten aus Deutschland bedeckt.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, bis Montagmittag habe ihr noch keine offizielle Bestätigung der US-Regierung dafür vorgelegen. Sie kenne bisher auch nur die Informationen aus der Presse, sagte die CDU-Chefin nach einer Schaltkonferenz des Parteipräsidiums. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wollte sich nicht zu den Berichten äußern.

Am Wochenende hatten mehrere US-Medien über Pläne von US-Präsident Donald Trump berichtet, 9500 der rund 34.500 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Eine offizielle Bestätigung aus dem Weißen Haus oder dem Pentagon gab es dafür aber nicht. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte bei einer Pressekonferenz lediglich, Trump überprüfe ständig die Stellung des US-Militärs im Ausland. Trump und der gerade zurückgetretene US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hatten bereits im vergangenen Jahr mit einem Truppenabzug gedroht - auch mit Blick auf die deutschen Militärausgaben, die trotz einer deutlichen Erhöhung noch weit unter dem Nato-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.

Kramp-Karrenbauer betonte, dass die Präsenz der US-Soldaten in Deutschland der Gesamtsicherheit im Nato-Bündnis diene, also auch der amerikanischen Sicherheit. Das sei die «Grundlage, auf der wir zusammenarbeiten». Im Übrigen sei das auch die Grundlage, auf der viele amerikanische Soldaten ein «wirklicher Bestandteil» in der hiesigen Gesellschaft seien. Sie seien gut integriert und spielten vor Ort ein wichtige Rolle.

Stoltenberg sagte in einer Online-Debatte der Denkfabriken Atlantic Council und German Marshall Fund of the United States (GMF), er könne Spekulationen niemals kommentieren. Er könne nur sagen, dass man mit den USA und allen anderen Alliierten ständig über die Militärpräsenz in Europa berate.

Stoltenberg wies zudem darauf hin, dass die USA ihre Präsenz auf dem Kontinent zuletzt sogar wieder ausgebaut hatten. So gebe es mehr rotierende Truppen in den baltischen Staaten und in Rumänien sowie mehr US-Präsenz auf der spanischen Marinebasis Rota und in Norwegen. Zudem hätten die USA unter anderem die Führung der Nato-Kampftruppe in Polen übernommen. «Europäische Alliierte und die Vereinigten Staaten (...) machen derzeit mehr zusammen als in vielen Jahren davor», sagte Stoltenberg.

Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, rechnet nicht damit, dass Trump Truppen aus Deutschland abzieht. «Ich sage voraus: Es wird keinen Abzug dieser Soldaten geben», sagte er der «Passauer Neuen Presse». «Trump ist groß in seinen Ankündigungen und handelt dann doch nicht.»

11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    saxon1965
    10.06.2020

    Wenn man hier die ganze (einseitigen) Kommentare ließt, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die jetzige Situation nicht im Sinne des Souveräns dieses Landes ist.

    Wo sind denn die Verfechter des ewigen Dankes an die Befreier vom Naziregime?
    Wo sind denn die Freunde eines starken NATO-Bündnisses gegen, ja gegen wen eigentlich? Unseren zukünftigen Erdgaslieferanten oder unseren chinesischen Handelspartner?
    Wo sind denn die Mahner, dass zig Arbeitsplätze an diesem Waffenbruder hängen, ohne dies mit den Kosten für den deutschen Steuerzahler aufzurechnen?

    Wird es nicht mal Zeit, dass solche elementar wichtigen Dinge durch Volksabstimmungen entschieden werden?

  • 5
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    Freigeist14
    09.06.2020

    Frau Kamp-Karrenbauer hat wieder ein besonderes Verhältnis zur Realität , wenn sie meint ,die Präsenz der US-Truppen diene der Gesamtsicherheit im Bündnis . Gilt wahrscheinlich auch für den Drohnenkrieg - gesteuert aus der Airbase Ramstein .

  • 8
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    klapa
    09.06.2020

    Abzug aller ausländischen Truppen aus Deutschland - lieber heute als morgen. Auf jeden Fall so schnell als möglich.

  • 6
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    Nixnuzz
    09.06.2020

    Wir sollten Trump so gut kennen, das erst, wenn die Unterschrift TV-wirksam der bestürzten Weltmeinung vorgelegt wird, dies Tatsache ist. Alles andere sind hingetwitterte Steine im Nachrichtensee für die mediale, ablenkende und beschäftigende Medienpolitik für die Welt ist.

  • 11
    0
    klapa
    09.06.2020

    Die Sanktionen gegen Nordstream2 sind politische Erpressung, wie sie im Buche steht. Und das muss man auch so nennen dürfen.

  • 7
    0
    Freigeist14
    09.06.2020

    Saxon@ Willkommen im Club . Ich habe etwas drastisch meinen Unmut zur DPA kund getan , die doch allen Ernstes nach der Handyaffäre Merkel , dem "undiplomatischen" Auftreten Grenells und der unverholenen Sanktionspolitik wegen Nordstream2 nun jetzt erst von "einem Schweren Schlag in den deutsch.amerikanischen Beziehungen " schwadronierte .

  • 3
    2
    Pixelghost
    09.06.2020

    Zeitungsmeldung - Schnappatmung - Kommentare.

    BPK gestern: Es gibt vonseiten der Amerikaner keine offizielle Bestätigung.

  • 10
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    saxon1965
    09.06.2020

    War mein Kommentar von gestern zu harsch?
    Also ich habe nicht, rein gar nichts, gegen einen 100 prozentigen Truppenabzug. Da müssen wir uns wenigstens nicht mehr zum Erfüllungsgehilfen der amerikanischen Verstöße gegen die UNO-Charta machen.
    Sollen doch unsere polnischen Nachbarn, so zu sagen, an vorderster Front gegen die Feinde Stellung beziehen.
    Gegen die Mogelpackung von 2 Prozent des BIP für Rüstungsausgaben, muss unbedingt verhindert werden. Immerhin sind das zirka 20 Prozent aller Steuereinnahmen!

  • 14
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    Lesemuffel
    09.06.2020

    Die Bundesregierung ist enttäuscht und flennt, weil ein Truppenabzug angedeutet worden ist. Keine Angst, die Amis gehen hier in den nächsten Generationen nicht nach Hause und deutsche Regierungen geben alles, das die Freunde hier bleiben. Da verzichtet Berlin womöglich auch auf Nordstream II und Huawei G 5-Netz, eben wie ein souveräner Staat. ;-)

  • 11
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    klapa
    08.06.2020

    Wenn sie hier in Deutschland keine vom Gesetzgeber legitime Aufenthaltsgenehmigung haben, sollte Herr Trump den Abzug beschleunigen.

  • 14
    1
    Hinterfragt
    08.06.2020

    "...Die deutsche Politik reagiert mit Bedauern..."
    Mag sein, aber die Politik ist für die Bürger da und die Bürger begrüßen den Abzug zum großen Teil ...